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Schwarzer Humor?

Roald Dahl im Dunstkreis von Spionage, Verschwörungstheorie und Antisemitismus

Eines der bekannten Bücher
Eines der bekannten Bücher
Schreiben konnte er, das steht ganz außer Frage. Seine (meist) kurzen Gruselgeschichten und Kriminalromane gehen unter die Haut, nicht zuletzt durch ihre klare und schlichte Sprache – die es auch für den Anfänger möglich macht, diese Bücher im englischen Original zu lesen. Der Schriftsteller Roald Dahl (1916-1990), Brite mit – um dieses neumodische Hüllwort der politischen Korrektheit einmal in einem vielleicht etwas ungewohnten Zusammenhang zu verwenden – norwegischem „Migrations-Hintergrund“, absolvierte nach der Schule zunächst eine Lehre bei der Shell Oil Company, ging dann 1936 für dieses Unternehmen nach Afrika und meldete sich bei Ausbruch des zweiten Weltkriegs als Pilot bei der Royal Air Force, wobei er über der libyschen Wüste abstürzte und schwer verwundet wurde.

Nach dem Krieg lebte Roald Dahl als freier Schriftsteller und Drehbuchautor abwechselnd in den USA und in England. – Angeblich soll er dabei auch für den britischen Geheimdienst MI5 gegen die USA spioniert haben, doch für diese Behauptung findet sich nur eine Quelle, nämlich der britische Autor Spionage-Thriller-Autor William Boyd (in SPIEGEL online Kultur vom 23.03.2007, „Wir haben die US-Medien erfolgreich manipuliert“. Ob es sich hierbei allerdings um ein wildes Gerücht, um eine heiße insider-Information, um eine weitere dümmliche Verschwörungstheorie oder um die bloße Wichtigtuerei eines Autors handelt, dies läßt sich wohl erst entscheiden, wenn weitere hiervon unabhängige Quellen diese Behauptung Boyds bestätigen.

  • Boyd: (...) das Thema ist komplett vergessen worden. Niemand weiß mehr, dass die Briten die USA bespitzelt und ihre Medien manipuliert haben. Es gibt ein Buch, das mir als Informationsquelle diente. Es wurde 1945 von drei Agenten des britischen Geheimdiensts geschrieben, als eine Art Beleg von dem, was sie in Amerika taten. Sie machten nur 12 Kopien von diesem Buch. Eins gaben sie Winston Churchill, eins bekam der Kopf der MI5 und so weiter.
  • SPIEGEL ONLINE: Woher haben Sie dieses Buch bekommen?
  • Boyd: Vor ungefähr zehn Jahren wurde eines dieser Manuskripte von einem kleinen Verlag veröffentlicht. Man kennt mittlerweile auch die Verfasser. Einer davon ist der britische Autor Roald Dahl. Er war ein Agent des britischen Geheimdienstes in New York.

Liest man Roald Dahls Biographie und seine Autobiographie (eigentlich sind es zwei, nämlich „Boy“ sowie „Im Alleingang“), so bekommt man eine Ahnung und schwache Vorstellung davon, was diesen Schriftsteller in seiner Kindheit und Jugend schon recht früh in das für einen Heranwachsenden nicht einfache Spannungsfeld zwischen Gewalt, sehr „schwarzen“ Streichen und schweren schicksalhaften familiären Belastungen gestellt hat.

Familie: „Seine vier Jahre ältere Schwester starb im Alter von sieben Jahren an einer Blinddarmentzündung, wenige Wochen darauf auch sein Vater an einer Lungenentzündung im Alter von 57 Jahren. Seine Mutter bemühte sich dennoch in Wales zu bleiben, anstatt zurück nach Norwegen zur Verwandtschaft zu ziehen...

Schwarzer Humor und Gewalt: „...nach einem üblen Streich, bei dem Roald mit vier Freunden eine tote Maus in einen Süßigkeitentopf einer Händlerin steckten, wurde er von dem Schulleiter brutal bestraft...

Quelle: Roald Dahl, Herkunft und Ausbildung

...makaber, gruselig, spannend...
...makaber, gruselig, spannend...
Das alles als Mischung mag zwar später eine Quelle der Inspiration seines literarischen Schaffens gewesen sein und zu der einen oder anderen Geschichte geführt haben, doch Wunden und Narben blieben diese frühen Erfahrungen vermutlich dennoch. – Dahls wohl bekanntesten Bücher dürften außer dem „Krummen Hund“ die Bände „Küßchen, Küßchen!“ und deren Fortsetzung „...und noch ein Küßchen“ sein, sowie eine Sammlung von vier erotischen Geschichten „Kuschelmuschel“ (im Englischen mit dem schönen Titel „Switch Bitch“). Bei einigen dieser Geschichten fällt übrigens auf, daß kleine Andeutungen, Seitenhiebe oder zweideutige Anspielungen in Bezug auf Juden gemacht werden, welche natürlich immer typisch jüdische Namen haben oder durch entsprechende physiognomische Merkmale charakterisiert sind, in einem Fall ist es natürlich ein – wie selbstverständlich seinen Mandanten betrügender – jüdischer Anwalt (in der Geschichte „Schwein“ in „Küßchen, Küßchen!“). Derlei ist jedoch in der Literatur, die von gojim produziert wird, nicht erst seit Wilhelm Busch üblich, ist insgesamt also nicht mehr als eine Randbemerkung wert.

Zum Ausbruch kam diese virulente Krankheit bei Roald Dahl jedoch erst im Jahr 1982, als sich Israel gegen den Raketenterror aus dem Libanon wehrte und dort einmarschierte. Daß Dahls Kritik damals eben gerade keine nüchtern-rationale Kritik der Verteidigungspolitik des Staates Israel war, sondern blanker Antisemitismus, zeigt die eruptive Wortwahl Dahls:

There's a trait in the Jewish character that does provoke animosity (…) I mean there is always a reason why anti-anything crops up anywhere; even a stinker like Hitler didn't just pick on them for no reason.“

Es gibt einen Zug im jüdischen Charakter, der Abneigung provoziert (…) Ich meine damit, es gibt immer einen Grund, warum Anti-Irgendwas irgendwo entsteht; sogar ein Stinker wie Hitler hackte nicht ohne Grund auf ihnen herum.

Roald Dahls hochgeistige Ergüsse über Juden. Gesprochen gen Israel.

Roald Dahl (20. April 1954)
Roald Dahl (20. April 1954)
Diese Argumentation ist bekannt: die Frau, die vergewaltigt wurde, war selber schuld, sie hatte einen zu kurzen Rock an, und außerdem, was machte sie nachts auf der Straße? Der Mann, der am Geldautomaten zusammengeschlagen und ausgeraubt wurde, war selber schuld, wieso bezahlt er nicht einfach mit Kreditkarte? Der orthodoxe Rabbiner, der vor Jahren in Frankfurt/M. – auf dem Nachhauseweg an Schabbat, als er von der Synagoge kam – von einem Mohammedaner auf offener Straße niedergestochen wurde, auch der war natürlich selber schuld... – er war so groß und übergewichtig, da mußte dieser arme Nordafrikaner doch Angst vor ihm bekommen, als er den Rabbi anpöbelte, was sollte er also tun, es war doch reine Notwehr...

Nicht schuld an ihrem Tun und niemals verantwortlich sind generell nur Kindermörder, die hatten im Zweifelsfall immer einen prügelnden Vater und eine saufende Mutter oder eine sonstwie beschwerte Kindheit, und unschuldig sind auch stets – speziell in Deutschland – gedemütigte und an der Integration gehinderte Türken und Araber.

Die alte Botschaft, die Roald Dahl also ausgerechnet anläßlich des Libanonkrieges verkündete, war: „der Jud' ist doch selber schuld, daß ihn keiner mag...!“ Diese Stürmer-Botschaft kennt man, das ist Goebbels und Göring, Heydrich, Himmler und Hitler in Reinkultur. Verpackt hat das unser Schriftsteller – wie man es gern tut heutzutage – in eine „Israelkritik“. Doch eine solche schlechte Tarnung fliegt eben schnell auf. Das merken dann sogar unbeteiligte Zuschauer:

Die schriftstellerische Qualität von Roald Dahl ist davon unberührt, denn das eine hat mit dem anderen ja auch gar nichts zu tun. Denn selbst der dumme Antisemit und Lügner Henning Mankell schreibt gute Bücher. Und Dr. Joseph Goebbels war ein hervorragender Rhetoriker, so wie Dr. Josef Mengele einmal ursprünglich ein ganz normaler Arzt war...

Der fantastische Mr. Fox“ ... – nicht zu verwechseln mit der beeindruckenden Kurzgeschichte „Der rasende Foxley“, in der Roald Dahl seine Internatserfahrungen verarbeitet: „Aber die schlimmsten Erinnerungen sind mit dem Umkleideraum verbunden. Wie oft habe ich, ein schmaler, blasser Knirps, in Pyjama, braunem Kamelhaarmorgenrock und Pantoffeln an der Tür dieses riesigen Raumes gestanden.

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Schlüsselwörter: Roald Dahl | schwarzer Humor | Küßchen | Verschwörungstheorie | Royal Air Force | Libanonkrieg | Antisemitismus
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Kommentare

357
am 30.11.2010 08:24:41 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Es gibt einen Zug im jüdischen Charakter, der Abneigung provoziert (…) Ich meine damit, es gibt immer einen Grund, warum Anti-Irgendwas irgendwo entsteht; sogar ein Stinker wie Hitler hackte nicht ohne Grund auf ihnen herum.

Roald Dahls hochgeistige Ergüsse über Juden. Gesprochen gen Israel.

Das ist doch etwas heftiger als das, was Sarrazin geschrieben hat.
300
am 02.12.2010 07:07:42 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
"Gelee Royale" ist eine nette Geschichte von Roald Dahl, die passt zu den ganzen weihnachtlichen Honiggeschichten hier Smile
kommt123
am 03.12.2010 12:11:29 (92.224.148.xxx) Link Kommentar melden
...Er hat die ins Feuer geworfen...geil!
Grin

Eine sehr schöne Geschichte.
266
am 03.12.2010 19:19:11 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Aber ebay kann man nicht empfehlen Smile

Roald Dahl ist ein Schriftsteller, ein toter zumal. Daß er Antisemit und Israelhasser war, ist doch bekannt. Dennoch habe ich die meisten seiner Geschichten immer gern gelesen.

Einen Text gut zu finden bedeutet noch lange nicht, den Autor zu lieben.
286
am 03.12.2010 20:34:15 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
kommt123

...Er hat die ins Feuer geworfen...geil!

Grin Ja was denn sonst?

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