Politik: Welt

Uwe Barschel findet keine Ruhe

Mysteriöser Tod nach Politik-Skandal
21.11.2010 21:32:14 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Gut 23 Jahre ist es her, als Uwe Barschel tot in der Badewanne des Zimmers 317 in einem Genfer Hotel aufgefunden wurde. Ein politischer Skandal war dem vorangegangen. Das machte seinen Tod noch mysteriöser und so gab es viele Spekulationen über Mord und Verschwörungen. Was sich wirklich damals abgesielt hat, blieb rätselhaft und nicht restlos aufgeklärt.

Brandaktuell sind Uwe Barschel und sein mysteriöser Tod wieder in die Schlagzeilen der Presse geraten. Uwe Barschel findet keine Ruhe – zumindest nicht in den Medien. Justus Warburg, Anwalt der Familie Barschel, meint nun, dass es genügend Verdachtsmomente gäbe, die eine Wiederaufnahme der Untersuchungen erforderlich machen. Er sagte: „Der Fall muss aufgeklärt werden. Mord verjährt nie!“

War es denn ein Mord? Wenn man Victor Ostrovsky glaubt, dann war es ein Mord – ausgeführt vom israelischen Geheimdienst Mossad. Das zumindest behauptet Ostrovsky in seinem bereits 1994 erschienenen Buch „Geheimakte Mossad“. Nach Ostrovsky, der heute als Mossad-Aussteiger in Arizona lebt, war Barschel eine Bedrohung für den israelischen Geheimdienst und wurde deshalb beseitigt. Er schildert den Mord in allen Details.

Doch diese Aussagen schienen damals zu spektakulär und stimmten angeblich auch gar nicht mit den gerichtsmedizinischen Untersuchungen überein. So galt Ostrovskys Schilderung als eine weitere der zahlreichen Verschwörungstheorien, die damals entstanden. Zwar wollen die Ermittler im Fall Barschel damals diese Spur verfolgt haben, doch kamen sie zu dem Ergebnis, dass an den Schilderungen des Mossad-Aussteigers nichts dran sein könne. 1998 veröffentlichte die Lübecker Staatsanwaltschaft dann ihren Abschlussbericht. Daraus geht hervor, dass man es nicht einmal für nötig gehalten hatte Ostrovsky zu befragen. Zu groß seien die Diskrepanzen zwischen seinen Aussagen und den Untersuchungsergebnissen gewesen. Die „Mossad-Spur“ sei eine Sackgasse…

Jetzt aber meldete sich der Schweizer Chemieprofessor Hans Brandenberger wieder zu Wort. Brandenberger war der frühere toxikologische Gutachter im Fall Barschel. Nach jahrelanger Beschäftigung deckte er nun doch erstaunliche Parallelen zwischen dem Ostrovsky-Bericht und dem damaligen chemischen Befund auf. Und, er fordert nun eine neue Bewertung der Schilderungen Ostrovskys. Nähere Details dazu wurden jetzt in der „Welt am Sonntag“ veröffentlicht. Nach Brandenbergers neuesten Erkenntnissen war es eindeutig ein Mord, für den auf keinen Fall eine Einzelperson verantwortlich gewesen sein kann, sondern ein „Profiteam“. Und: Der Chemieprofessor betonte ausdrücklich, dass er seine Schlussfolgerungen bereits gezogen habe, bevor er Ostrovskys Buch kannte.

Die ganzen Umstände um Barschels Tod und die späteren Untersuchungen sind genauso mysteriös wie sein Tod selbst. So haben die Schweizer Untersuchungsbeamten offensichtlich geschlampt. Genommene Fingerabdrücke waren nicht verwertbar, Polizeifotos unterbelichtet und wichtige Spuren wurden gar nicht erst gesichert. So sollen die Lübecker Staatsanwälte bereits damals darüber diskutiert haben, ob da absichtlich so schlampig ermittelt wurde. Zudem verschwanden wichtige Akten und einige Zeugen starben unter teilweise seltsamen Umständen.

Zu den Hintergründen des angeblichen Mossad-Mordes an Barschel schreibt Ostrovsky, dass Barschel in geheime Waffengeschäfte Israels mit dem Iran verwickelt war, die unter dem Decknamen „Operation Hannibal“ abgewickelt wurden. Damit diese nicht nachvollziehbar waren, sollen sie über Deutschland abgewickelt worden sein. Darin, so heißt es weiter sei auch der deutsche Bundesnachrichtendienst verwickelt gewesen. Aus anderen Kreisen wurde bekannt, dass auch die DDR-Staatssicherheit und der CIA in den Fall Barschel verwickelt gewesen sein könnten. Jedenfalls habe am Tatwochenende auch eine Art Gipfeltreffen der Geheimdienste stattgefunden.

Und so entsteht immer mehr der Eindruck, dass die Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben. Das war nach jüngsten Berichten auch bei den damaligen Ermittlern der Fall. Wir dürfen nun gespannt sein, ob der Fall Barschel wieder aufgerollt wird und doch noch aufgeklärt werden kann.

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