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Politik: Welt

Uwe Barschel findet keine Ruhe

Mysteriöser Tod nach Politik-Skandal

Gut 23 Jahre ist es her, als Uwe Barschel tot in der Badewanne des Zimmers 317 in einem Genfer Hotel aufgefunden wurde. Ein politischer Skandal war dem vorangegangen. Das machte seinen Tod noch mysteriöser und so gab es viele Spekulationen über Mord und Verschwörungen. Was sich wirklich damals abgesielt hat, blieb rätselhaft und nicht restlos aufgeklärt.

Brandaktuell sind Uwe Barschel und sein mysteriöser Tod wieder in die Schlagzeilen der Presse geraten. Uwe Barschel findet keine Ruhe – zumindest nicht in den Medien. Justus Warburg, Anwalt der Familie Barschel, meint nun, dass es genügend Verdachtsmomente gäbe, die eine Wiederaufnahme der Untersuchungen erforderlich machen. Er sagte: „Der Fall muss aufgeklärt werden. Mord verjährt nie!“

War es denn ein Mord? Wenn man Victor Ostrovsky glaubt, dann war es ein Mord – ausgeführt vom israelischen Geheimdienst Mossad. Das zumindest behauptet Ostrovsky in seinem bereits 1994 erschienenen Buch „Geheimakte Mossad“. Nach Ostrovsky, der heute als Mossad-Aussteiger in Arizona lebt, war Barschel eine Bedrohung für den israelischen Geheimdienst und wurde deshalb beseitigt. Er schildert den Mord in allen Details.

Doch diese Aussagen schienen damals zu spektakulär und stimmten angeblich auch gar nicht mit den gerichtsmedizinischen Untersuchungen überein. So galt Ostrovskys Schilderung als eine weitere der zahlreichen Verschwörungstheorien, die damals entstanden. Zwar wollen die Ermittler im Fall Barschel damals diese Spur verfolgt haben, doch kamen sie zu dem Ergebnis, dass an den Schilderungen des Mossad-Aussteigers nichts dran sein könne. 1998 veröffentlichte die Lübecker Staatsanwaltschaft dann ihren Abschlussbericht. Daraus geht hervor, dass man es nicht einmal für nötig gehalten hatte Ostrovsky zu befragen. Zu groß seien die Diskrepanzen zwischen seinen Aussagen und den Untersuchungsergebnissen gewesen. Die „Mossad-Spur“ sei eine Sackgasse…

Jetzt aber meldete sich der Schweizer Chemieprofessor Hans Brandenberger wieder zu Wort. Brandenberger war der frühere toxikologische Gutachter im Fall Barschel. Nach jahrelanger Beschäftigung deckte er nun doch erstaunliche Parallelen zwischen dem Ostrovsky-Bericht und dem damaligen chemischen Befund auf. Und, er fordert nun eine neue Bewertung der Schilderungen Ostrovskys. Nähere Details dazu wurden jetzt in der „Welt am Sonntag“ veröffentlicht. Nach Brandenbergers neuesten Erkenntnissen war es eindeutig ein Mord, für den auf keinen Fall eine Einzelperson verantwortlich gewesen sein kann, sondern ein „Profiteam“. Und: Der Chemieprofessor betonte ausdrücklich, dass er seine Schlussfolgerungen bereits gezogen habe, bevor er Ostrovskys Buch kannte.

Die ganzen Umstände um Barschels Tod und die späteren Untersuchungen sind genauso mysteriös wie sein Tod selbst. So haben die Schweizer Untersuchungsbeamten offensichtlich geschlampt. Genommene Fingerabdrücke waren nicht verwertbar, Polizeifotos unterbelichtet und wichtige Spuren wurden gar nicht erst gesichert. So sollen die Lübecker Staatsanwälte bereits damals darüber diskutiert haben, ob da absichtlich so schlampig ermittelt wurde. Zudem verschwanden wichtige Akten und einige Zeugen starben unter teilweise seltsamen Umständen.

Zu den Hintergründen des angeblichen Mossad-Mordes an Barschel schreibt Ostrovsky, dass Barschel in geheime Waffengeschäfte Israels mit dem Iran verwickelt war, die unter dem Decknamen „Operation Hannibal“ abgewickelt wurden. Damit diese nicht nachvollziehbar waren, sollen sie über Deutschland abgewickelt worden sein. Darin, so heißt es weiter sei auch der deutsche Bundesnachrichtendienst verwickelt gewesen. Aus anderen Kreisen wurde bekannt, dass auch die DDR-Staatssicherheit und der CIA in den Fall Barschel verwickelt gewesen sein könnten. Jedenfalls habe am Tatwochenende auch eine Art Gipfeltreffen der Geheimdienste stattgefunden.

Und so entsteht immer mehr der Eindruck, dass die Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben. Das war nach jüngsten Berichten auch bei den damaligen Ermittlern der Fall. Wir dürfen nun gespannt sein, ob der Fall Barschel wieder aufgerollt wird und doch noch aufgeklärt werden kann.

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Schlüsselwörter: Uwe Barschel | Mossad | Mord | Geheimdienste | Ostrovsky
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Kommentare

MarBrun
am 21.11.2010 21:41:46 (92.116.85.xxx) Link Kommentar melden
Es wird mit Sicherheitsangrenzender Wahrscheinlichkeit dafür gesorgt, dass der sogenannte Fall "Barschel" nicht aufgeklärt wird. Sollte dies in der Tat ein Kriminalfall gewesen sein, so wissen diverse Regierungen und Geheimdienste eine Aufklärung zu verhindern.

Schlimm ist nur, wie der "Fall Barschel" besonders in den Prekariatsmedien aus der Mottenkiste geholt wird, und mit einem Schiksal echter Schindluder getrieben werden.

Natürlich ist es für die Familie Barschel schrecklich, wenn etwas "ungewöhnliches" zurückbleibt, aber muss man deshalb ein solches Spiel wie das im TV mitmachen?
Redaktion Tierschutz
am 22.11.2010 01:47:53 (90.169.60.xxx) Link Kommentar melden
@Chaim:
es gibt durchaus schlechtere Politiker als Barschel, und wenn es wirklich der Mossad gewesen ist, der verantwortlich ist für diesen Mord, dann sollte das durchaus auch nach 23 Jahren aufgedeckt werden.
Dass in diesem Fall NICHTS aufgeklärt, sondern einfach nur herumlarviert wurde, ist zu offensichtlich. Und wenn man als Journalist verpflichtet ist, zu fragen "warum der Mossad?" muss man ebenso fragen "warum NICHt der Mossad?".
Hier einen Abstecher in den Ulk zu machen und den Spitzenpolitiker Barschel, der potentiell durchaus Chancen hatte, Kanzler zu werden, und zwar eines Gesamtdeutschlands, anstelle des vielgelobten Kanzlers der Einheit Kohl.

So trivial, wie du es hinstellst, ist dieser Todesfall keineswegs, und jeder, der auch nur ein wenig kritischen Verstand hat, erkennt, dass es sich um ein Komplott handeln musste, wo die verschiedensten Interessen gewahrt wurden.
Ob es nun der Mossad war oder jemand anders, ist dabei erstmal sekundär, es geht um die Verwicklungen hochrangiger Politiker in dreckige Geschäfte.
Nachzulesen davon einiges hier: http://www.pit-fl...lblang.pdf
Redaktion Tierschutz
am 22.11.2010 01:49:17 (90.169.60.xxx) Link Kommentar melden
Fehlerkorrektur:
Hier einen Abstecher in den Ulk zu machen und den Spitzenpolitiker Barschel, der potentiell durchaus Chancen hatte, Kanzler zu werden, und zwar eines Gesamtdeutschlands, anstelle des vielgelobten Kanzlers der Einheit Kohl.
ist wenig hilfreich und auch nicht notwendig.
266
am 22.11.2010 12:22:21 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Das Buch von O. ist 16 Jahre alt. Insofern könnte man also von "kaltem Kaffee" sprechen.

So geheim waren die Waffengeschäfte damals übrigens keineswegs. Es war allgemein bekannt, daß der Iran in seinem Krieg gegen den Irak von Israel materielle Unterstützung erhielt. Welches Motiv sollte Israel also damals gehabt haben, Barschel zu töten? Alles ziemlich unausgegoren, was O. da vermarktet hat.
Hartmut Holz
am 22.11.2010 15:50:26 (217.80.207.xxx) Link Kommentar melden
Ich bin ebenfalls der Meinung, dass der Fall Uwe Barschel nie ganz aufgeklärt werden wird. Fakt ist, dass Herr Barschel sich nicht selbst umgebracht hat.
Da hat schon jemand, von einem Geheimdienst, nachgeholfen hat.

Aber welcher Geheimdienst das war, dieses wird schwer herauszufinden sein.
286
am 22.11.2010 17:18:00 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Fakt ist, dass Herr Barschel sich nicht selbst umgebracht hat.
Woher willst Du das denn wissen? Warst Du dabei? Oder plapperst Du nur das nach, was irgendwelche Verschwörungstheoretiker spekulieren und phantasieren?
Alex Mais
am 22.11.2010 17:32:29 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Fakt ist, dass die Lübecker Staatsanwaltschaft im Fall Barschel wegen Mordes ermittelt hat.

Das Ermittlungsverfahren richtete sich gegen >Unbekannt<.

Eine Befragung Ostrovskys war ursprünglich angedacht, wurde jedoch wieder verworfen, da man damals zu große Differenzen zwischen Ostrovskys Schilderungen und den (nicht wirklich ausreichenden) toxikologischen Ergebnissen sah. So betrachtete die Lübecker Staatsanwaltschaft diese Hinweise (wenn man es denn mal so nennen will) als "Sackgasse".
266
am 22.11.2010 19:24:06 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Wer etwas als Fakt behauptet, sollte es beweisen können, das ist ein guter alter Brauch, lieber Hartmut Holz. Sie vermuten nur, mehr ist das nicht, aber dann nennen Sie es doch auch so.
Redaktion Tierschutz
am 23.11.2010 02:16:22 (90.169.147.xxx) Link Kommentar melden
Butter bei die Fische:

http://www.focus....64265.html

Barschel-Chefermittler„Es kann nur Mord gewesen sein“

Der Leitende Lübecker Oberstaatsanwalt Heinrich Wille hat den deutschen Nachrichtendiensten bei der versuchten Aufklärung der mysteriösen Todesumstände des früheren Ministerpräsidenten Uwe Barschel schweres Versagen vorgeworfen.
„Man hat mir nichts mitgeteilt“, sagte Wille in einem Interview mit FOCUS. Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst hätten sich seinerzeit geweigert, aktive Recherchen einzuleiten, sagte der frühere Chefermittler im Fall Barschel. „Sie haben nur reproduziert, was sie schon hatten.“

Mangelnde Unterstützung

Nach menschlichem Ermessen könne es nur Mord gewesen sein, kommentierte Wille Barschels Tod in Genf im Oktober 1987. Der Lübecker Behördenchef kritisierte seine früheren Vorgesetzten, die ihn seinerzeit bei der späten Aufnahme der Mord­ermittlungen im Jahr 1994 nicht ausreichend unterstützt hätten...



Es war von vornherein klar, dass die Lübecker Staatsanwälte nur minimale Chancen hatten, den Sachverhalt aufzuklären. „Mit anderen Worten, uns verdächtigen Personen für dieses mutmaßliche Tötungsdelikt zu nähern. Das wurde schon relativ frühzeitig vereitelt, auch durch Einflussnahme auf das Verfahren.“ Das sei ihm und seinen Leuten zunächst nicht klar gewesen.

Aber heute sei ihm deutlich, „dass wir praktisch keine Chance hatten“. Der Bundesnachrichtendienst (BND) war sehr interessiert an dem, was die Staatsanwaltschaft tat. „Als dann intensiv ermittelt, eine Spur in Richtung Tschechoslowakei, wo Uwe Barschel in einer Kur war, verfolgt wurde, haben wir diese Informationen weiter gegeben.“ Aber „rein zufällig“ sei dort das Gästebuch der westlichen Besucher vernichtet worden. Derlei gehöre zu den Ungereimtheiten, die Wille und seinen Leuten zu denken gaben...

Außerdem hätte er sich die Medikamente für einen Selbstmord gar nicht so schnell besorgen können. Seinen Rücktritt kündigte er am 25. oder 26. September an. Am 2. Oktober trat er zurück. Und am 6. Oktober flog er nach Gran Canaria. In dieser Zeit hätte er sich die vier Medikamente beschaffen müssen. Von denen ist aber eines in Deutschland gar nicht erhältlich. Und er konnte ja nicht irgendwo hingehen und danach verlangen. „Die hätte ihm jeder Apotheker verwehrt“, sagt Wille. Auch die Annahme, dass Barschel die Medikamente von Sterbehelfern bekommen habe, bestreitet der Staatsanwalt. Auf Gran Canaria habe Barschel krampfhaft nach Schlafmitteln gesucht. „Glauben Sie denn, dass Barschel, wenn er die tödlichen Medikamente schon alle besessen hätte, dass er dann noch nach Schlafmitteln suchen würde?“

Also könne es nur Tötung gewesen sein. Und da lastet sich Wille bei seinen damaligen Ermittlungen selber ein Versäumnis an.


Wer sich weiterhin die staatlich vorgedachten Denkstrukturen zueeigen machen will, kann das gern tun. Ich habe hierzu eine seit Jahrzehnten dezidierte eigene Meinung, und die ist nunmehr durch die Aussagen des Chefermittlers Wille gut belegt.
Insofern schliesse ich mich an, wenn ausgesagt wird
"es KANN nur Mord gewesen sein!"
Ich behaupte nicht, zu wissen, dass dies die Arbeit des Mossad gewesen sei, denn dazu habe ich keine Anhaltspunkte.

http://www.ln-onl...r_Mord.htm
Aktenzeichen 705 Js 33247/87
Redaktion Tierschutz
am 23.11.2010 11:36:01 (90.168.241.xxx) Link Kommentar melden
Und zu Meinungen: ich bin z.B. der Meinung, daß die Evolutionstheorie ein Humbug ist und Darwin bei weitem überschätzt. Nur mal so, nebenbei. Streiten würde ich mich darüber nie.

Interessant. Da haben wir ja was gemeinsam. Würde mich dazu gern mal näher mit deiner eigenen Weltsicht auseinandersetzen.

wer immer gleich an Mossad oder "jüdische Weltverschwörung" denkt,

nun, Chaim, nach 23 Jahren kommt nun langsam mal jemand auf die Idee, den Mossad als Schuldigen zu benennen, das kann man nun wirklich nicht als vorschnelle Verschwärungstheorie bezeichnen, insbesondere dann nicht, wenn die Aussage aus den REIHEN DES Mossad aufgebracht wurde und nicht von anderen, die vielleicht von eigenem Dreck am Stecken ablenken wollen.
Ich finde das übrigens eher belustigend als daß es mich ärgert...

also ich hab mich schon besser amüsiert...und ärgern muss es dich eh nicht, denn du BIST ja nicht beim Mossad...-(oder?Frown ) Wink
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