Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Politik: Politische Meinung

„So nicht, Herr Schäuble!“

Offener Brief an den noch amtierenden Bundesfinanzminister, Herrn Dr. jur. Wolfgang Schäuble (CDU)

Schäubles Handicap
Schäubles Handicap
Sehr geehrter Herr Bundesfinanzminister, sicher und ganz unbestreitbar haben Sie ein sehr schweres und äußerst belastetes Leben; ein Krimineller, ein Attentäter, hat Ihr Leben der Normalität zerstört, von einer Minute zur nächsten. Das ist bitter, das ist ungerecht. Sie haben meine Hochachtung dafür, wie Sie dieses Schicksal meistern. Doch bei allem gebotenen Respekt... – das berechtigt Sie natürlich noch lange nicht, andere Menschen öffentlich zu demütigen. – Dem Vernehmen nach sind Sie Christ, doch was Sie vor wenigen Tagen in einer Pressekonferenz gezeigt haben, ist eine Schande, ein zutiefst unchristliches, unmoralisches und darüber hinaus unreifes infantiles Verhalten.

So etwas ist nicht nur für jeden erwachsenen Betrachter eine Zumutung, sondern es ist – insbesondere für einen Bundesminister – ein faux pas, der Gipfel der Peinlichkeit. Es beschämt jeden erwachsenen, sensiblen und emotional intelligenten Menschen. Landläufig nennt man Menschen, die sich so aufführen, üblicherweise einen „Kotzbrocken“!

Sicher erinnern Sie sich, sehr verehrter Herr Minister, an besagte Pressekonferenz, wo es Ihnen allem Anschein nach ein tiefes Bedürfnis war, Ihren damaligen Pressesprecher, Herrn Michael Offer (immerhin 51 Jahre alt, also nicht gerade ein kleiner dummer Schuljunge), in aller Öffentlichkeit bloßzustellen. Doch, geben Sie es zu, Ihr hämische Grinsen war leider nicht zu übersehen. Sie haben das mit großem Genuß getan, absichtlich, und es ist völlig uninteressant, welcher Teufel Sie dabei geritten hat. – So etwas gehört sich nicht, und Sie sollten das wissen. Man beschämt einen Menschen nicht öffentlich, schon gar nicht, wenn dieser zum eigenen Haus gehört, wenn er ein loyaler Mitarbeiter ist. Das treibt jedem normalen Menschen, wird er Zeuge eines solchen widerlichen Tuns, die Röte ins Gesicht: entweder die Zornesröte oder die des Fremdschämens.

Da Sie, Herr Dr. Schäuble, als guter Christ sicher die Bibel kennen, könnte Ihnen eventuell ein zusätzlicher Denkanstoß von Nutzen sein, der aus dem (Babylonischen) Talmud stammt, also ebenfalls – wie Ihre Bibel – aus dem Kontext der geistig-moralischen Fundamente des Abendlands:

Wer beschämt, der mordet

Ein Mischnalehrer lehrte vor Rabbi Nachman, Jizchaks Sohn: Jeder, der das Gesicht eines Gefährten vor den Vielen erbleichen läßt, ist, als ob er Blut vergieße. Er sagte zu ihm: Vortrefflich hast Du das gesagt, ich habe es nämlich gesehen, wie die Röte geht und die Blässe kommt.

Bawa mezia 58b

Übersetzung von Reinhold Mayer, Goldmann-Klassiker, 1. Aufl. 1963, Seite 508; Anmerkung in der Fußnote des Übersetzers: Bei einem Beschämten ist wie bei einem Sterbenden zu bemerken, wie die Farbe weicht und wie er bleich wird.

Gehen Sie, Herr Schäuble!
Gehen Sie, Herr Schäuble!
Zu Ihren Gunsten, sehr verheerender Herr Minister, läßt sich nur anführen, daß Sie Mittäter hatten. Zum einen die widerlich grölende Masse der Journalisten, die es offensichtlich geil fanden dabei zuzusehen, wie ein deutscher Doktor der Jurisprudenz sich nicht entblödet, einen Mitarbeiter coram publico zur Sau zu machen. Anderswo – wie vor einigen Jahren in Bagdad – hätte man (mindestens) Schuhe nach Ihnen geworfen, Herr Schäuble! Normalerweise hätten diese Journalisten Sie doch wenigstens auspfeifen oder ausbuhen müssen, sie hätten auch aus Protest den Saal verlassen können. Aber so ist das nun mal mit der Zivilcourage in Ihrem Deutschland, Herr Schäuble: man schaut lieber einer Vergewaltigung zu, statt die Polizei zu rufen und einzuschreiten.

Einen Teil der Mitschuld an Ihrem unmöglichen Benehmen trägt hier leider auch Ihr devotes Opfer, Ihr ehemaliger eilfertiger Pressesprecher. War er doch nicht Manns genug, den Spieß umzudrehen, und sich wenigstens diese miese Anmache von Ihnen zu verbitten, indem er Sie zur Ordnung ruft (Führung von unten nennt sich das bei den Fachleuten des human resource development) oder seinerseits Sie ganz öffentlich vorführt nach dem Motto: auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil...

Stasi 2.0-Schablone, sog. „Schäublone“
Stasi 2.0-Schablone, sog. „Schäublone“
Jeder Mann mit Mumm hätte Ihnen doch öffentlich Kontra geboten, zum Beispiel mit den (noch harmlosen) Worten „Mit Verlaub, Herr Minister, Sie vergreifen sich im Ton!“, in der etwas deutlicheren Variante vielleicht auch mit „Lassen Sie das, bitte!“, oder hätte wenigstens die doch sehr harmonisch-abgeschwächte Version à la Desperate Housewives genommen: „Gibt es etwas, was Sie mir unter vier Augen sagen wollen, Herr Schäuble?“ Alternativ hätte Herr Offer Sie auch, sofern er eines oberdeutschen oder alemannischen Dialekts mächtig ist, zurechtweisen können mit einem herzhaften „Halt's Maul, Du g'scherter Seckl, od'r i schlag D'r an d'Ranze no!“ – Beherztere Naturen, wie der Verfasser zum Beispiel, hätten sich gar an die versammelte geiernde Journaille gewandt mit den Worten, „Wie Sie sehen, geht es dem Herrn Bundesfinanzminister derzeit nicht so gut, psychisch. Die Pressekonferenz ist hiermit beendet, vielen Dank!“ Und hätte daraufhin Sie, lieber Wolfgang, mit ihrer grundlosen und völlig unberechtigten Arroganz so richtig zusammengebrüllt, vor den immer noch blöde dasitzenden Schreiberlingen, denn vermutlich brauchen Sie genau das. Da ihr viel zu lieber und netter Herr Offer das offensichtlich nicht im Portfolio hatte: gehen Sie einfach mal ganz unverbindlich zu einer Domina, Herr Minister!

Dennoch: Was bei Herrn Sarrazin, der lediglich Vorstand der Bundesbank war, offensichtlich recht war, sollte bei einem Bundesminister der Finanzen doch sicher billig sein! Wenden Sie also weiteren Schaden ab von der Bundesrepublik Deutschland – deren Ansehen Sie im In- und Ausland durch Ihre Rüpelei beschädigt haben – und treten Sie zurück! Doch entschuldigen Sie sich vorher öffentlich bei Herrn Offer, das wäre das mindeste, was Sie zu tun hätten, ja: was Ihnen ein Bedürfnis wäre, wenn Sie auch nur einen minimalen Rest von Anstand verspürten.

Der Blick dieses Misanthropen (links) sagt alles..
Der Blick dieses Misanthropen (links) sagt alles..
Fürs nächste Mal, wenn Sie sich über jemanden ärgern – ob zu recht oder zu unrecht, lassen wir einmal dahingestellt – erinnern Sie sich als Akademiker, Lateiner und promovierter Volljurist doch einfach an die ganz leicht zu merkende Grundregel des Mitarbeiter- oder Kritikgesprächs: „coram uno aliquid dictum ridemus, coram pluribus indignamur“, „Was unter vier Augen gesagt wird, lässt uns lachen, was vor mehreren (gesagt wird), erzürnt uns.

Und, Schäuble! Denk künftig auch immer dran: ein mieser Charakter ist selbst dann ein mieser Charakter, wenn er im Rollstuhl sitzt, es gibt nämlich für rotziges und unflätiges Benehmen keinen Krüppel-Bonus... – oder, um es in der – nach Deiner rhetorischen Vorlage – Dir angemessenen Sprache zu sagen: Scheiße stinkt auch dann, wenn ein Querschnittsgelähmter seine Windel voll hat! Außerdem sagt man auch nicht „der Offer“, sondern „Herr Offer“! Das müßtest Du eigentlich schon kapiert haben, Schäuble! Außerdem müßtest Du auch wissen oder wenigstens ahnen (also auch befürchten!): irgendwann einmal kommst Du mit Deinem Fehlverhalten an den Falschen – denk an Beate Klarsfeld und ihre Ohrfeige für den Altnazi Kiesinger – der Dir dann nämlich einfach eins auf Dein freches Maul haut! Kann man auch als Mitarbeiter machen, gell?!

Und, mal ganz ehrlich: welchen der Normalbürger würde das stören, Schäuble? Kaum einen, Du Gelbfüßler! So gut wie keinen, Du bronnsender Badenser! Denn einen Finanzminister, denn möchte doch jeder gern einmal verprügeln, gell?!

Mobbing und Stalking von Amts wegen?

YouTube Video

  • Bildnachweis:
  • File:Handicap.svg als JPG via Wikipedia, public domain.
  • Bildbeschreibung: „Standard Greifreifenrollstuhl mit fest verschraubten 24" Antriebsrädern und zwei Druckbremsen“. Hersteller: Meyra Modell 3.600. Quelle: selbst fotografiert. Datum: August 2005. Fotograf: bestrossi via Wikipedia, public domain.
  • Stasi 2.0-stencil, so-called „Schäublone“, apparitional portrait of German politician Wolfgang Schäuble as head of the Stasi 2.0. Date: 2007-04-14, revised: 2007-08-30. From www.dataloo.de/stasi-20-525.html. Author: Dirk Adler. Permission: Literal on website. License chosen to "harmonize with the legal prerequisites of the Wikipedia", via Wikipedia, CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported
  • Screenshot von Youtube/ZDF

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Schäuble | Michael Offer | Pressesprecher | Pressekonferenz | Beleidigung | Gelbfüßler | Badenser | aufs Maul hauen
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

IPG Independent Pressgroup
am 17.11.2010 19:21:37 (90.171.0.xxx) Link Kommentar melden
Als ich las, wie Schäuble seinen Mitarbeiter abgekanzelt hat, dachte ich nur, was für eine aufgeblasene Pappnase auf Rädern!

Ich bewundere, dass Herr Offer sich gerade NICHT auf das gleiche Niveau begeben hat wie Herr Schäuble, der ja anscheinend mittlerweile gewöhnt ist, dass er weit unter dem normalen Level sich bewegt.

Dein Artikel, Chaim, war offen gestanden Balsam für meine Seele, denn jedes Wort trifft den Kern der Sache. Man möchte Herrn Schäuble eigentlich nur noch raten, endlich aufzuhören, den Krüppelbonus auszuspielen und den Weg freizumachen für jemand, der mit ganzer Kraft für Deutschland Einsatz bringen kann.
Einen arroganten Widerling, der seine nächsten Mitarbeiter behandelt wie Müll, der seine Selbstbestätigung aus der eigenen Macht zieht, den braucht Deutschland als allerletztes.
Mein Mitgefühl gilt Schäuble, da er selbst ein Opfer ist. Aber müssen wir alle nun zusehen, wie er die Politik als Therapie nutzt, indem er selbst zum Täter wird und andere mobbt wie kein zweiter?
Neben dem Verlust der Mobilität hat Herr Schäuble offensichtlich auch jegliches Gefühl für Takt und Anstand verloren.
Sowas ist in diesem Amt untragbar, daher danke ich für diesen Artikel, denn er spricht mir zutiefst aus der Seele.
Dieser Mensch ist nicht mehr mit den Beinen auf der Erde, er schwebt in anderen Sphären, und hält sich anscheinend für allmächtig.

Gerade durch Herrn Offers defensives Verhalten wurde dies umso offenbarer.

Ein wunderbarer Artikel zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit und des Ausgleichs. Danke.
349
am 18.11.2010 14:24:25 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Ein schlimmes Video, von jenem Vorfall auf der Pressekonferenz. Wie kann man sich nur so aufführen?
286
am 18.11.2010 15:33:58 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
irgendwann einmal kommst Du mit Deinem Fehlverhalten an den Falschen – denk an Beate Klarsfeld und ihre Ohrfeige für den Altnazi Kiesinger – der Dir dann nämlich einfach eins auf Dein freches Maul haut!

Schöne Vorstellung. Smile Aber dafür ist Herr Offer zu anständig und zu gut erzogen. Man muss ein Schwein sein auf dieser Welt...
Kindergaertner
am 18.11.2010 17:28:28 (217.224.41.xxx) Link Kommentar melden
Völlig einverstanden. Man sollte aber nicht unerwähnt lassen, dass Herr Offer womöglich auch einen Fehler bzw. seine Arbeit nicht gut gemach hat. Aber das schwächt im Grunde nicht seine Position gegenüber Schäuble, wenn der so ausfallend wird.
266
am 18.11.2010 18:06:26 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Natürlich hat Schäuble das Chaos selbst produziert:

Die Außenwirkung ist jedenfalls auch für Schäuble fatal. Gerade bürgerliche Wähler empfinden seinen Umgang mit Offer als unangemessen harsch. Zumal inzwischen bekannt wurde, dass Offer nicht daran schuld war, dass das Papier nicht rechtzeitig verteilt werden konnte - Schäuble hatte kurz vor der Pressekonferenz noch Änderungen verlangt.

http://www.stern....22248.html

Das ist ein uralter unfairer Trick von Führungskräften, mit denen sie ihre Mitarbeiter unter Druck setzen.
266
am 19.11.2010 15:04:48 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Den Herrn Piëch kenne ich nicht persönlich, aber dieser Auftritt von Herrn Schäuble sollte eigentlich reichen, um seine Karriere zu beenden. Es wäre sicher kein Verlust für dieses Land.
357
am 20.11.2010 14:58:36 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Etwas mehr Zivilcourage würde vielen Mitarbeiter gut anstehen, nicht nur im öffentlichen Dienst. Herr Dr. Offer hat sich leider recht früh in eine Opferrolle begeben, nach kurzem zögerlichen Aufbegehren, wie man im Film sehen kann.
286
am 03.12.2010 21:15:56 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Der Offer ist ein Weichei, der Schäuble ist ein Schw**n.
Damit zusammenkommt, was zusammengehört.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.06 Sekunden
38,926,892 eindeutige Besuche