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Politik: Soziales & Bildung

Rechtschreibung endlich wieder leichtgemacht!

Der „Falsch-nach-Richtig“-Umwandler für MS-Office von Jürgen Langhans

Narrenschiff Kultusministerkonferenz
Narrenschiff Kultusministerkonferenz
Die Schildbürgergeschichten sind sicher allgemein bekannt und immer wieder eine genußbringende Lektüre. Besonders schön ist die Erzählung vom neuen Rathaus, bei dem die Schildbürger vergessen hatten Fenster einzubauen, weswegen sie dann drinnen im Dunkeln saßen. Bis einer der schlauesten Bürger unter ihnen auf die Idee kam, draußen das Tageslicht in Kannen, Säcken und Töpfen einzufangen, und dann die Behältnisse mit dem eingefangenen Licht im fensterlosen Rathaus auszuleeren. Weil das erstaunlicherweise nichts halt, deckte man dann irgendwann das Dach ab, saß gelegentlich im Regen und in der Kälte, hatte dafür aber wenigstens Licht... Herrlich auch die Geschichte, wie die Schildbürger während des Krieges ihre Kirchenglocke im See versenken, damit sie nicht von plündernden Truppen gestohlen und zu Kanonenrohren umgegossen werden konnte. Man versenkte sie also im See; und um sie in Friedenszeiten wieder finden zu können, schnitzen die Schildbürger eine Kerbe in den Bootsrand, genau an der Stelle, wo sie die Glocke versenkt hatten. Als sie aber die Glocke wieder bergen wollten, fanden sie diese nicht, und vor Lauter Wut schnitten sie die Kerbe aus dem Bootsrand „heraus“...

So ähnlich funktioniert die sogenannte „Rechtschreibreform“, die eigentlich kaum noch der Rede wert ist. Denn einerseits war sie nie wirklich eine Reform, sondern lediglich ein Diktat, und zum anderen nimmt sie kaum noch jemand ernst. Schriftsteller, Journalisten und Autoren wie Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass, Peter Hacks, Stefan Heym, Hermann Kant, Elfriede Jelinek, Walter Kempowski, Georg Klein, Günter Kunert, Siegfried Lenz, Monika Maron, Herta Müller, Ralf Rothmann, Martin Walser, Hans Bender, Ulla Berkéwicz, Alois Brandstätter, Friedrich Denk, Ota Filip, Friedhelm Kemp, Wulf Kirsten, Reiner Kunze, Loriot, Adolf Muschg, Herbert Rosendorfer, Albert von Schirnding oder Guntram Vesper haben öffentlich bekundet, am Unfug der oktroyierten „Reform“ nicht teilzunehmen. Selbst Altbundespräsident Roman herzog, wahrlich kein Revoluzzer, hat ebenfalls ganz offen bekundet, er schreibe wie er's gelernt habe, und er lerne nicht mehr um. Der Widerstand zieht sich durch alle Schichten, die Deutschen wollten keine Reform, schon gar nicht eine so schlecht durchdachte.

Als erste hatte sich damals nach kurzer Zeit die F.A.Z. verabschiedet und wieder der bewährten Rechtschreibung zugewandt, und auch heute, nach nahezu 15 Jahren einer Dauer„reform“ in verschiedenen Stufen, mit viel Hin und Her und vor allem mit halbherzigen Zurücknahmen, hilflosen Nachbesserungen und sinnlosen Verschlimmbesserungen läßt sich konstatieren: es hat sich nicht gelohnt. Schade um die Zeit, schade ums Geld. Die Schüler wurden als Geisel genommen von einer wildentschlossenen Kultusministerkonferenz, die eigentlich gar keine Befugnisse hat, nach Recht und Gesetz. Der einzige Effekt, der sich messen läßt, ist kein guter: die Schüler sind verwirrt, die Lehrer sind durcheinander, und die Eltern können ihren Kindern nicht mehr bei den Hausaufgaben helfen, weil sie auch nicht wissen, welche Regel gerade gilt oder schon wieder zurückgenommen wurde.

Tröstlich bei all diesem Unsinn ist aber: jeder kann so schreiben, wie er möchte, nur für Schüler gilt die „Reform“ zwangsweise, und eben für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Jeder Verlag, jede Zeitungsredaktion kann ihre hauseigenen Regeln aufstellen, einführen und durchhalten. Weiterhin ist tröstlich und mutmachend: es gibt organisierten Widerstand von Sprachpflegern, von sprachbewußten Menschen, von der „Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung“, von der „Deutschen Sprachwelt“. Tröstlich und hilfreich ist, daß einer dieser Menschen ein freeware-Programm geschrieben hat, das innerhalb des Microsoft-OFFICE-Paketes einen Falsch-Nach-Richtig-Konverter (FNR) installiert, mit dem der Unfug ausgemerzt werden kann und die nicht automatisch umwandelbaren Zweifelsfälle markiert werden. Für eine Schutzgebühr von 10 Euro werden alle Funktionen uneingeschränkt freigeschaltet.

Bild: Narrenschiff, Ölbild (2009) von Thomas Bühler, Lizenz „CC-by-sa 3.0/de“.

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Schlüsselwörter: Sprache | Deutsch | Rechtschreibreform | FNR-Konverter | Jürgen Langhans
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Kommentare

Gino Dino
am 06.11.2010 15:37:46 (82.113.145.xxx) Link Kommentar melden
Am besten fährt man vielleicht damit, dass/daß man sich um diesen ganzen Quatsch mit der Rechtschreibreform gar nicht kümmert. Mit Logik hat das alles nichts zu tun. Mir tun aber die Schüler Leid/leid, die das Hin und Her/hin und her ausbaden müssen.
286
am 06.11.2010 17:25:23 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Meine Meinung dazu: das ist ein typisch deutsches Problem. Die RS-Reform, die keine ist, und die Aufregung darüber ebenso.

Shock Als ob es keine wichtigeren Probleme gäbe....
524
am 19.11.2010 17:35:56 (84.181.241.xxx) Link Kommentar melden
Tröstlich bei all diesem Unsinn ist aber: jeder kann so schreiben, wie er möchte,

Tröstlich??? Ich lese wohl nicht richtig? Der Schreiber ist sich offensichtlich nicht im geringsten darüber im klaren, welche Folgen es hat, wenn jeder schreibt, wie er will und damit die gesamte Schreibkultur zusammenbricht.
266
am 20.11.2010 09:54:04 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Haben wir das nicht schon längst? Nicht zuletzt durch die Kette von verunglückten Rechtschreib"reformen", die nie welche waren?
357
am 20.11.2010 14:56:06 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Tröstlich bei all diesem Unsinn ist aber: jeder kann so schreiben, wie er möchte, nur für Schüler gilt die „Reform“ zwangsweise, und eben für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst. Jeder Verlag, jede Zeitungsredaktion kann ihre hauseigenen Regeln aufstellen, einführen und durchhalten.
Estella am 19.11.2010
Tröstlich??? Ich lese wohl nicht richtig? Der Schreiber ist sich offensichtlich nicht im geringsten darüber im klaren, welche Folgen es hat, wenn jeder schreibt, wie er will und damit die gesamte Schreibkultur zusammenbricht.

Es ist in der Tat so, daß/dass es keine Vorschrift fürs Schreiben gibt. Die Rechtschreibregeln wurden nur - per Erlaß/Erlass für die genannten Gruppen verbindlich gemacht.

Was soll denn passieren, wenn jeder so schreibt, wie er will? Das ist doch in Deutschland immer schon so, wie I. Mayer richtig andeutet. Wer kann denn fehlerfrei alle Regeln umsetzen?

Und außerdem - geht davon die Welt unter? Eine Schreibkultur kann nicht "zusammenbrechen", entweder sie existiert, oder sie existiert nicht. Mit Rechtschreibregeln hat das wenig zu tun.
kommt123
am 20.11.2010 21:11:58 (92.224.97.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 21.11.2010 16:31:14.
524
am 25.11.2010 16:29:19 (84.181.234.xxx) Link Kommentar melden
Wenn Gino Dino meint, daß man sich um die Schlechtschreibreform nicht kümmern soll, so hat er dabei offenbar ausgeblendet, wieviel kostbare Zeit sie seit 1996 nicht nur Schülern, sondern auch Erwachsenen geraubt hat.

Wenn Dorota meint, es gäbe wichtigere Probleme, als sich über die Rechtschreibreform aufzuregen, so hat sie(er?) wohl unverständlicherweise deren tabuisierte Kosten (zig Milliarden Euro) ignoriert und daß in einem halben Jahr schon die fünfte Version derselben ansteht - wieder mit viel Rückbau plus irrwitzigen Neuerungen.

Wenn Chaim in geradezu beleidigender Weise diese Pseudoreform auf "idiotische" Kultusminister zurückführt, so übersieht er dabei, daß sie letztlich am 16.04.1996 von Kohl (wohl im Beisein von Seehofer, Merkel, Waigel...) abgenickt wurde (wobei Kohl und Waigel sogar Unbehagen an der Reform äußerten).

Wenn Speh von einer Welt ohne (ja in allen Sprachen fixierten) Rechtschreibregeln träumt, wünschen wir ihm viel zeitverschwenderischen Spaß mit dem sinnerfassenden Lesen von völlig regelfrei erstellten Texten.

Zur Schreibkultur gehört nun mal, daß Wortbilder grammatikalischen Verhältnissen entsprechen und Gemeintes verdeutlichen.
Drei spinnen im Haus - Drei Spinnen im Haus
Es bleibt beim Alten - Es bleibt beim alten
zurechtkommen - zu Recht kommen
286
am 26.11.2010 10:17:35 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Wenn Dorota meint, es gäbe wichtigere Probleme, als sich über die Rechtschreibreform aufzuregen, so hat sie(er?) wohl unverständlicherweise deren tabuisierte Kosten (zig Milliarden Euro) ignoriert und daß in einem halben Jahr schon die fünfte Version derselben ansteht - wieder mit viel Rückbau plus irrwitzigen Neuerungen.

"Sie", liebe Estella, "Dorota" ist weiblich.

Ich weiß, was diese blöde Reform gekostet hat. Es war überflüssig, rausgeschmissenes Geld. Es war von Anfang an falsch, kein vernünftiger Mensch wollte das, trotzdem wurde es gemacht.

Ich bin nicht schuld dran. Komisch finde ich aber die inhaltliche Aufregung und die Rechthaberei, die sich mit diesem Thema Rechtschreibung verbindet, das ist vermutlich typisch deutsch. Und dazu kann man wirklich sagen: "Wenn Ihr sonst keine Probleme habt...!"
349
am 26.11.2010 11:54:01 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Selbst die Bürworter der Rechtschreibreform räumen doch inzwischen ein, diese sei kein Erfolg. Das war zu erwarten, weil es zum einen keine Basis in der bevölkerung gibt, die die Reform wirklich wollte, und zum anderen sind vielleicht ein paar Probleme beseitigt, jedoch durch neue ersetzt worden.

Ärgerlich aber ist doch die wilhelminisch-diktatorische Art, mit der das alles "durchgedrückt" wurde. Ergo: man kann nicht "Gorleben-" und "Stuttgart 21"-Demos gut finden und als Ausdruck des Volkswillens bejubeln, wenn auf der anderen Seite der Wille des Volkes von ein paar Ministerialbeamten ignoriert wird.
522
am 26.11.2010 23:56:46 (93.219.190.xxx) Link Kommentar melden
Wenn ich mich hier mal kurz einklinken darf:

Kein einziger Mensch hat diese Rechtschreibreform begrüßt!

Der normalsterbliche, der normal denkende Bürger ging damit nicht konform!

Was am Schluss bleibt:

Wir haben Kinder, die nun einmal zur Schule gehen.Wir als Erwachsene sind in der Pflicht, ihnen in jeglicher Hinsicht zu helfen, sie zu unterstützen - bitte vermeiden Sie jegliche Diskussion über eine Reform, die Ihre Kinder nicht verstehen. Haben sie Erst- oder Zweitklässler an Ihrer Seite, dann sollten Sie aufpassen, was Sie oder sie oder er sagen.

Sollte nur mal ein kleiner Hinweis sein - denn wenn selbst wir Deutschverfechter uns wehren - es nützt ja nun mal Alles nichts, wenn in der Schule das "neue Deutschprogramm" gelehrt wird ...
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