Medien: Buch

Strohfeuer

Ekel als Marketing-Strategie hält nicht lange vor
17.11.2010 14:48:45 eingesandt von Vater von Gandalf und Galahad für OnlineZeitung 24.de

„Feuer“
„Feuer“
Vor einiger Zeit hat die ehemalige Moderatorin einer Musiksendung ein Buch geschrieben. Wer sie vor ihrer Karriere als Autorin in Fernsehsendungen gesehen hat, der hat erlebt, dass sie nicht besonders gut reden kann. Das ließ nichts gutes ahnen für das Buch, und so war es dann auch. Denn das Buch ist nicht nur eine billige Schulmädchen-Kopie richtiger erotischer Literatur, sondern glänzt vor allem mit ekelhaften Details darüber, was die Autorin aus welcher ihrer Körperöffnungen herauspopelt. Das Buch ist eigentlich ohne echten Inhalt, dazu ist es auch noch miserabel geschrieben. Doch es war als Tagebuch angelegt, nach Auskunft der Autorin zu siebzig Prozent autobiografisch und weckte dadurch niedrigste Instinkte des offenbar voyeuristischen Publikums.

Wer möchte nicht einmal die Sudelbücher mit den Phantasien einer jungen Frau lesen? Der Vater von Gandalf und Galahad möchte das zum Beispiel gar nicht, zum einen, weil er sich mit Literatur leidlich auskennt und weder an den Popeln oder den benutzten Tampons von Frau Roche interessiert ist, zum anderen aber auch deshalb, weil er ein eigenes Liebesleben hat, sich somit also nicht an dem anderer ergötzen muss. Doch aus wissenschaftlichem Zwang stand die Aufgabe an, das Werk in Augenschein zu nehmen und eine Stellungnahme dazu abzugeben, einen Auszug findet man seit zwei Jahren auf diversen Internetseiten:

Feministische Pornographie als "Befreiung"?

Erstellt: 17.08.08

Im Prinzip ist es mir egal, wie Charlotte Roche ihr Geld verdient. Ob als TV-Moderatorin, als Pornoqueen oder als Nachfolgerin von Alice Schwarzer. Nur ihre Aussage

"Frau Schwarzer möchte Sadomaso-Sex verbieten. Frauen sind aber total masochistisch, das wird auch sie nicht mehr ändern können. Ich habe keine Lust, Frau Schwarzer um Erlaubnis zu fragen, bevor ich im Bett richtig loslege"

(Spiegel-Interview)

fand ich etwas daneben. Verallgemeinerung beim Privatesten von Privatsphäre ist nicht besonders intelligent, wohl aber reißerisch. Das kommt gut an. Angesprochen fühlen als Zielgruppe dieses (zu 70% autobiografischen Tage-) Buches dürfen sich also vor allem die phantasielosen Voyeure, die im Bett selber nichts mehr auf die Reihe kriegen.

Das Buch ist wohl wegen seiner "Tabulosigkeit" so hochgepushed worden und gehört damit in die Reihe von Ekel-Events wie "Dschungel-Camp" und "Elton versus Simon". Insofern ist es passend, daß Charlotte ausgerechnet dort "moderiert".

In 5 Jahren spricht keiner mehr von diesem Buch "Feuchtgebiete", wetten? Ekel als Marketing-Strategie hält nicht so lange vor. Ein Strohfeuer, mehr nicht.

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Offenbar war die Voraussage gar nicht so schlecht, nur dauerte es nicht etwa fünf Jahre, sondern nur zwei, bis kein Mensch sich mehr für dieses miserable Machwerk in Buchform interessierte. Da man aber auf dem Markt präsent bleiben muss oder will, ist es für solche Autoren natürlich wichtig, wieder ins Gespräch zu kommen. Das Buch ließ sich kaum toppen, also musste eine andere Marketing-Strategie her: Frau Roche wurde politisch. Sie entdeckte aber nicht nur die Politik, sondern auch das Atom. Dafür wurde sie von dem bekannten Anwalt Jürgen Steinhöfel auf dessen Blog ausgiebig gewürdigt: „Ey, die Charlotte ist auch da“. Unter anderem ist dort der Satz von Frau Roche zitiert, der wirklich besser als jeder Intelligenztest aussagt, mit welchem Körperteil diese Frau denkt: „Ich habe das Gefühl, dieser kriminelle Turbobeschluss im Bundestag war alles andere als rechtsstaatlich!“. Offenbar übersteigt es Frau Roches intellektuelles Fassungsvermögen: die Brennstäbe aus La Hague, die jetzt nach Gorleben kommen, sind ein Produkt früherer rot-grüner Regierungen und damals geschlossener Verträge. Und Frau Roche scheint auch nicht zu verstehen, dass der Beschluss des Bundestages zur Laufzeitverlängerung von Kernkraftwerken legal ist, das Heraussreißen von Gleisen dagegen illegal.

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Ärgerlich aber ist vor allem, dass ausgerechnet eine renommierte Zeitung wie die „Süddeutsche“ diesem bildungsfernen Schmierfinken Charlotte Roch ein Podium bietet, nachdem diese zuvor sogar zu gefährlichen Straftaten („Schottern“) aufgerufen hatte. Konnte man wirklich keine richtigen und wichtigen Experten finden für ein sinnvolles Interview zum Thema Atom oder Gorleben?

Foto ©Josef Hannig/pixelio