Politik: Welt

Jagd?

Warum Juden üblicherweise nicht jagen... – oder: das Jagdverbot in Israel
28.10.2010 19:15:11 eingesandt von Chaim für OnlineZeitung 24.de

Der November (Joachim v. Sandrart 1643)
Der November (Joachim v. Sandrart 1643)
Jeder, der sich auch nur oberflächlich mit den jüdischen Speisegesetzen befaßt hat, der weiß: Juden jagen keine Tiere. Denn die Jagd auf Tiere mit den üblichen Mitteln wie Schrotkugeln, Schlingen, Fallen oder Pfeil und Bogen verletzen das Tier oder fügen ihm körperlichen und seelischen Schmerz zu, selbst das Fangen mit Lebendfallen wird als Quälerei des Tieres angesehen. Davon abgesehen läßt sich die Jagd natürlich nicht mit dem unabdingbaren rituellen Gebot des Schächtens vereinbaren. Während das geschächtete Tier, sofern es zu den erlaubten Tieren zählt, koscheres Fleisch liefert, ist erjagtes Wild generell treif. Ein im Gehege gehaltener Hirsch ist jedoch – falls geschächtet – selbstverständlich koscher.

Angesichts dieser Normen und Maßstäbe ist es nicht verwunderlich, daß es demnächst in Israel ein generelles Jagdverbot geben wird, wie die israelische Internet-Plattform „walla!“ berichtete. Der Gesetzgebungsausschuss der Knesset hat am vergangenen Sonntag 24.10.) in erster Lesung einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet, der alle Wildtiere zu geschützten Tierarten erklärt. Die Initiative dazu geht auf das israelische Umweltministerium zurück, das die Verabschiedung natürlich begrüßt hat. Von der neuen Regelung ausgenommen ist lediglich die Jagd in konkreten Fällen, wo Schäden an Mensch und Natur zu befürchten sind. Neben der Sportjagd, die derzeit für Inhaber einer Lizenz noch möglich ist, soll auch das Streuen von Gift auf freiem Feld verboten werden.

Eigentlich müßte diese Nachricht einen begeisterten Jubel bei allen Tierschützern und Tierfreunden auslösen. Doch dazu wird es wohl kaum kommen, aller Erfahrung nach. Denn aus Böswilligkeit oder aus Unwissenheit wird man lieber weiter Hetze gegen das Schächten betreiben. So, wie auf einer bekannten einschlägigen website:

Absturz in die Barbarei

Israel: Schächten Ja, Jagen Nein

Auf Jesus von Nazareth kann sich das kirchliche Christentum dabei aber nicht berufen. Er lebt mit seinen Jüngern ähnlich wie die jüdische Gemeinschaft der Essäer als Vegetarier, und viele seiner Erlebnisse mit den Tieren als den kleinen Geschwistern der Menschen sind erst in den beiden vergangenen Jahrhunderten neu entdeckt worden. Eine wesentliche Quelle ist z. B. das im Jahr 1881 von dem britischen Theologen Gideon Jasper Richard Ouseley in einer Innenschau empfangene "Evangelium der Heiligen Zwölf", das sich mit einem in Aramäisch geschriebenen Ur-Evangelium aus antiker Zeit decken soll. Tatsächlich kennt auch die kirchliche Wissenschaft ein "Evangelium der Zwölf", wobei ein paar erhaltene Reststücke, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit diesem Evangelium zugeschrieben werden können, tatsächlich mit Passagen des im 19. Jahrhundert inspirierten Textes übereinstimmen. Doch selbst in der Bibel ist noch nachlesbar, wie Jesus - ähnlich wie andere Propheten vor ihm (siehe z. B. Hosea 6, 6; Jesaja 1, 11.13, Jeremia 7, 21-23, Amos 5, 21-23) - seine Stimme z. B. gegen die furchtbaren Tieropfer erhebt (z. B. Matthäus 9, 13) und wie er die Tierhändler aus dem Tempel treibt. Doch viele Tiere sind in Israel aus religiösen Gründen auch vor der Opferung und dem Fleischverzehr geschützt. Ausgerechnet der kultische "Makel", dass man sie als "unrein" betrachtete (siehe die Aufzählung in 3. Mose 11, 1-30), schützte sie. Religiöse Gründe hat allerdings auch das bestialische Schächtgebot (die Pflicht, Tieren ohne Betäubung die Kehle durchzuschneiden und sie ausbluten zu lassen). Es gilt in Israel jedoch auch ein komplettes Jagdverbot, da man ein Tier auf der Jagd nicht auf diese "korrekte" Weise töten könne. So wird in Psalm 104, einem Lob Gottes, auf wunderbare Weise das Miteinander von Mensch und Tier in freier Natur veranschaulicht: "Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin. Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank..."

Quelle: Das weiße Pferd, Hervorhebungen nicht im Original

Die übliche bildungsferne Hetze, es ist immer dasselbe. Schächten gilt bei Fachleuten in Wahrheit nämlich zurecht als die beste, an sich schmerzfreie Tötungsmethode bei Säugetieren. Denn diese Art des Tötens läßt sich nicht, wie in Schlachthöfen, automatisieren und am Fließband erledigen, es gibt also niemals Massenschlachtungen. Schächten ist immer Handarbeit, und es ist Respekt vor der Schöpfung: wer schächtet oder geschächtetes Fleisch kauft, ißt weniger Fleisch. Wer's nicht glaubt, sollte einmal die Probe aufs Exempel machen.

Vor allem aber sollte man die Brandopfer im Tempel zu Jerusalem vor 2000 Jahren nicht verwechseln mit Fleisch, das – heute wie damals – als Speise auf den Tisch kommt. Im übrigen ist es etwas albern, den frommen Juden Jesus als Vegetarier oder gar als Veganer umzudichten. Man aß damals zwar weniger Fleisch, aber sehr gerne Fisch, auch Paulus schreibt nicht nur metaphorisch vom Fleisch. Nicht umsonst war einer der wichtigsten Jünger, nämlich jener Petrus, auf den sich die katholische Kirche gründet, ein Fischer, ebenso Andreas, Jakobus und Johannes...

Stolzer Jäger (erfolgreich)
Stolzer Jäger (erfolgreich)
Übrigens, folgende Anmerkung scheint doch unerläßlich:

es gibt für Nichtjuden selbstverständlich keinen vernünftigen Grund, auf die Jagd oder auf den Verzehr des erjagten Wilds zu verzichten; das oben Gesagte stellt eine rein jüdische Perspektive dar.

Wohl bekomm's!

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