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Politik: Welt

Jagd?

Warum Juden üblicherweise nicht jagen... – oder: das Jagdverbot in Israel

Der November (Joachim v. Sandrart 1643)
Der November (Joachim v. Sandrart 1643)
Jeder, der sich auch nur oberflächlich mit den jüdischen Speisegesetzen befaßt hat, der weiß: Juden jagen keine Tiere. Denn die Jagd auf Tiere mit den üblichen Mitteln wie Schrotkugeln, Schlingen, Fallen oder Pfeil und Bogen verletzen das Tier oder fügen ihm körperlichen und seelischen Schmerz zu, selbst das Fangen mit Lebendfallen wird als Quälerei des Tieres angesehen. Davon abgesehen läßt sich die Jagd natürlich nicht mit dem unabdingbaren rituellen Gebot des Schächtens vereinbaren. Während das geschächtete Tier, sofern es zu den erlaubten Tieren zählt, koscheres Fleisch liefert, ist erjagtes Wild generell treif. Ein im Gehege gehaltener Hirsch ist jedoch – falls geschächtet – selbstverständlich koscher.

Angesichts dieser Normen und Maßstäbe ist es nicht verwunderlich, daß es demnächst in Israel ein generelles Jagdverbot geben wird, wie die israelische Internet-Plattform „walla!“ berichtete. Der Gesetzgebungsausschuss der Knesset hat am vergangenen Sonntag 24.10.) in erster Lesung einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet, der alle Wildtiere zu geschützten Tierarten erklärt. Die Initiative dazu geht auf das israelische Umweltministerium zurück, das die Verabschiedung natürlich begrüßt hat. Von der neuen Regelung ausgenommen ist lediglich die Jagd in konkreten Fällen, wo Schäden an Mensch und Natur zu befürchten sind. Neben der Sportjagd, die derzeit für Inhaber einer Lizenz noch möglich ist, soll auch das Streuen von Gift auf freiem Feld verboten werden.

Eigentlich müßte diese Nachricht einen begeisterten Jubel bei allen Tierschützern und Tierfreunden auslösen. Doch dazu wird es wohl kaum kommen, aller Erfahrung nach. Denn aus Böswilligkeit oder aus Unwissenheit wird man lieber weiter Hetze gegen das Schächten betreiben. So, wie auf einer bekannten einschlägigen website:

Absturz in die Barbarei

Israel: Schächten Ja, Jagen Nein

Auf Jesus von Nazareth kann sich das kirchliche Christentum dabei aber nicht berufen. Er lebt mit seinen Jüngern ähnlich wie die jüdische Gemeinschaft der Essäer als Vegetarier, und viele seiner Erlebnisse mit den Tieren als den kleinen Geschwistern der Menschen sind erst in den beiden vergangenen Jahrhunderten neu entdeckt worden. Eine wesentliche Quelle ist z. B. das im Jahr 1881 von dem britischen Theologen Gideon Jasper Richard Ouseley in einer Innenschau empfangene "Evangelium der Heiligen Zwölf", das sich mit einem in Aramäisch geschriebenen Ur-Evangelium aus antiker Zeit decken soll. Tatsächlich kennt auch die kirchliche Wissenschaft ein "Evangelium der Zwölf", wobei ein paar erhaltene Reststücke, die mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit diesem Evangelium zugeschrieben werden können, tatsächlich mit Passagen des im 19. Jahrhundert inspirierten Textes übereinstimmen. Doch selbst in der Bibel ist noch nachlesbar, wie Jesus - ähnlich wie andere Propheten vor ihm (siehe z. B. Hosea 6, 6; Jesaja 1, 11.13, Jeremia 7, 21-23, Amos 5, 21-23) - seine Stimme z. B. gegen die furchtbaren Tieropfer erhebt (z. B. Matthäus 9, 13) und wie er die Tierhändler aus dem Tempel treibt. Doch viele Tiere sind in Israel aus religiösen Gründen auch vor der Opferung und dem Fleischverzehr geschützt. Ausgerechnet der kultische "Makel", dass man sie als "unrein" betrachtete (siehe die Aufzählung in 3. Mose 11, 1-30), schützte sie. Religiöse Gründe hat allerdings auch das bestialische Schächtgebot (die Pflicht, Tieren ohne Betäubung die Kehle durchzuschneiden und sie ausbluten zu lassen). Es gilt in Israel jedoch auch ein komplettes Jagdverbot, da man ein Tier auf der Jagd nicht auf diese "korrekte" Weise töten könne. So wird in Psalm 104, einem Lob Gottes, auf wunderbare Weise das Miteinander von Mensch und Tier in freier Natur veranschaulicht: "Du lässt die Quellen hervorsprudeln in den Tälern, sie eilen zwischen den Bergen dahin. Allen Tieren des Feldes spenden sie Trank..."

Quelle: Das weiße Pferd, Hervorhebungen nicht im Original

Die übliche bildungsferne Hetze, es ist immer dasselbe. Schächten gilt bei Fachleuten in Wahrheit nämlich zurecht als die beste, an sich schmerzfreie Tötungsmethode bei Säugetieren. Denn diese Art des Tötens läßt sich nicht, wie in Schlachthöfen, automatisieren und am Fließband erledigen, es gibt also niemals Massenschlachtungen. Schächten ist immer Handarbeit, und es ist Respekt vor der Schöpfung: wer schächtet oder geschächtetes Fleisch kauft, ißt weniger Fleisch. Wer's nicht glaubt, sollte einmal die Probe aufs Exempel machen.

Vor allem aber sollte man die Brandopfer im Tempel zu Jerusalem vor 2000 Jahren nicht verwechseln mit Fleisch, das – heute wie damals – als Speise auf den Tisch kommt. Im übrigen ist es etwas albern, den frommen Juden Jesus als Vegetarier oder gar als Veganer umzudichten. Man aß damals zwar weniger Fleisch, aber sehr gerne Fisch, auch Paulus schreibt nicht nur metaphorisch vom Fleisch. Nicht umsonst war einer der wichtigsten Jünger, nämlich jener Petrus, auf den sich die katholische Kirche gründet, ein Fischer, ebenso Andreas, Jakobus und Johannes...

Stolzer Jäger (erfolgreich)
Stolzer Jäger (erfolgreich)
Übrigens, folgende Anmerkung scheint doch unerläßlich:

es gibt für Nichtjuden selbstverständlich keinen vernünftigen Grund, auf die Jagd oder auf den Verzehr des erjagten Wilds zu verzichten; das oben Gesagte stellt eine rein jüdische Perspektive dar.

Wohl bekomm's!

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Schlüsselwörter: Jagd | Jagdverbot | Israel | Tierschutz | Schächten | Dr. Beate Klein
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Kommentare

MarBrun
am 28.10.2010 19:55:57 (84.137.254.xxx) Link Kommentar melden
Ist es besser für ein Tier, wenn es langsam ausblutet oder - wenn es klappt - schnell durch einen Bolzen erst betäubt und dann ins Jenseits befördert wird?

Ist beides nicht, je nach Auslegung, Tierquälerei ?

Kann koscher essen wirklich von Vorteil sein?

Welche Art von Tiertötung bevorzugt der Chaim persönlich ?
Redaktion Tierschutz
am 28.10.2010 20:17:20 (90.171.3.xxx) Link Kommentar melden
Diesen Artikel finde ich sehr aufschlussreich, lehrreich und wichtig. Danke dafür.
Detlef
am 28.10.2010 21:44:08 (84.128.6.xxx) Link Kommentar melden
Es ist doch eine Ansichtssache,ich für meinen Teil halte eben nichts davon.
Höchste Gerichte haben sich in Deutschland schon mit dem Thema befasst. Das Schächten ist in Deutschland zwar grundsätzlich verboten, aber es muss Ausnahmen geben. Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet.
Viele sehen diese Methode des Minutenlangen ausbluten bei vollen Bewusstsein als Tierquälerei.
Denn laut Gesetz darf ein Tier in Deutschland erst das Blut entzogen werden,wenn es vorher betäubt wird.
Hier wird eben die Religion in den Vordergrund gestellt.In der Schweiz z.b. ist das Schächten verboten,ausser beim Geflügel,da ist es wieder erlaubt,
kommt123
am 28.10.2010 22:00:16 (85.179.232.xxx) Link Kommentar melden
Wer die Wahrheit sagt, braucht ein schnelles Pferd!
Grin
kommt123
am 28.10.2010 22:06:50 (85.179.232.xxx) Link Kommentar melden
Okay, hier ist die richtige Antwort:

„Es kommt darauf an, ob man in die richtige Richtung reitet!“

Wink
Redaktion Tierschutz
am 28.10.2010 22:11:09 (90.171.72.xxx) Link Kommentar melden
Eigentlich halte ich mich aus diesem religionsthematischen Bereich gern raus, weil man da IMMER irgendwie anecken MUSS.
Aber eine sachliche Anmerkung möchte ich einbringen:
Egal ob Juden oder Moslems, das ESSEN ist in diesen Kulturkreisen (ich vermeide hier bewusst das Wort RELIGIONEN) etwas sehr viel bewussteres als in westlich/christlichen Lebensbereichen, wo man ohne zu zögern mehrmals die Woche bei McD vorfährt, um sich den schnellen Burger zu ziehen oder den HotDog mal eben vor dem richtigen Abendessen an der Frittenbude reinschmeisst.
Um das Thema koscher/halal verstehen zu können, muss man diese Kulturen kenne und verstehen.
Solange man diese Kenntnisse nicht hat, ist Unverständnis die logische Konsequenz.
Daher sollten die, die Fragen stellen wie "ist koscher denn wirklich vorteilhaft?" oder so in der Art, zunächst verstehen, dass sowohl Judentum als auch Islam nicht nur Religion, sondern Lebensform sind, die den Tag gestaltet, die zu einem geregelten, zu einem gesunden und wohltuenden Leben verhelfen soll.
Wie weit die Lebensregeln eingehalten werden, obliegt immer der jeweiligen Person, die für sich entscheidet, ob sie nun stringent oder weniger stringent den Vorgaben Folge leistet.
Ob es Vorteile bringt, ist dabei unerheblich, es ist erheblich, ob man das für sich in Anspruch nimmt.
Und alle, die damit nichts zu tun haben, sollten entweder lernen, was die Hintergründe sind, für solche Lebensweisen, oder ganz einfach akzeptieren, dass unterschiedliche Menschen unterschiedliche Lebensstile pflegen.

Es käme mir niemals in den Sinn, einen Christen zu fragen, ob es wirklich vorteilhaft ist, dass er sich Sonntags eine Hostie reinschiebt und dabei denkt, er esse den Körper des getöteten Messias...Frown (...das ist mein Leib, der für Euch und für alle hingegeben wird, nehmet und esset alle davon...)
Detlef
am 28.10.2010 22:58:39 (84.128.6.xxx) Link Kommentar melden


Da ich selbst Ausländer bin,sehe ich Gewisse Dinge oft mit einem lachenden und weinenden Auge.
Schade nur das alle Diskussionen sofort (geschichtlich gesehen)im dritten Reich enden.
Ich bin Ausländer,mein Vater auch und mein Opa hat sich da leider auch nicht mit Ruhm bekleckert.
Deutsche Spießbürger,die mag ich übrigens auch nicht.
Allerdings habe ich eine Meinung und dazu wird man doch noch stehen dürfen.
Redaktion Tierschutz
am 29.10.2010 22:00:21 (90.169.179.xxx) Link Kommentar melden
Chaim hat völlig recht.
Geschichtlich korrekte, chronologische Entstehung des heutigen TSG
(...)Die hoffnungsvollen
Versprechungen der Nationalsozialisten, sich bei einer Machtübernahme
verstärkt um den Tierschutz zu kümmern und „das Vereinsziel zu stützen“
(SCHWEIGER, 1993), haben vermutlich dazu beigetragen, dass die Tierschutzbewegung
zu großen Teilen politisch immer weiter nach rechts rückte.(...) Zitat Ende


Unverhohlen fragte die Jugendzeitschrift „Die Weiße Fahne“ 1933 (Nr. 14,
S. 404-406): “Weißt Du, daß Dein Führer schärfster Gegner jedweder Tierquälerei,
vor allem der Vivisektion, der „wissenschaftlichen“ Tierfolter ist, dieser
entsetzlichen Ausgeburt der jüdisch-materialistischen Schulmedizin, von
der er erklärt, daß im nationalsozialistischen Staat diese Zustände sehr bald beendet
sein werden?“(...)

und dazu passend der Gastkommentar zur Begründung eines 1. deutschen Tierschutz-Reiches...http://tierschutz...entar.html
317
am 30.10.2010 19:33:08 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
Diesen Artikel finde ich sehr aufschlussreich, lehrreich und wichtig. Danke dafür.
Da schließe ich mich einfach mal an.
Redaktion Tierschutz
am 31.10.2010 09:24:40 (90.169.112.xxx) Link Kommentar melden
Chaim schrieb
Nun, das ist ja offensichtlich eine böse Satire...

Aber mal im Ernst: ich empfinde es als bedenklich, wenn der Hinweis auf die Zusammenhänge zwischen der deutschen Tierschutzbewegung und dem NS-Rassismus sofort beleidigt zurückgewiesen werden, obwohl sie doch offensichtlich belegt und wissenschaftlich dokumentiert sind.

ja, es ist natürlich eine Satire. Betroffen sind davon diejenigen, die verkennen, wo dieses ganze Getue um den sogenannten Tierschutz herkommt, die die Manipulation dahinter noch nicht einmal erkennen.
Und du hast recht, es ist äusserst bedenklich, wenn die geshclichtlichen Zusammenhänge in blindem Eifer geleugnet werden, denn dann hat das ganze nämlich seinen Zweck erfüllt: eine Ideologie, die sich hinter einer anderen tarnt, wird selbst dann noch geschützt und verleugnet, wenn allen klar ist, dass diese Ideologie diese Tarnkappe nur missbraucht hat. Dann wird die neue Identität zum Selbstzweck und die Anhänger bejubeln etwas als gut und richtig, obwohl es im Kern eigentlich vollkommen durchtrieben und manipulativ ist. Und sagen dann noch denen den Kampf an, die ihnen die Augen öffnen.
Von soviel Gehirnwäsche konnte Hitler nur träumen.
den Satz:
Schächten ist keine Tierquälerei, sondern im Gegenteil Tierschutz
würde ich nicht so schreiben.
Schächten ist die nach Tierschutzgesichtspunkten schonendste Tötungsart, das ja.
Aber keine Tötung, ausser die eines Tierarztes bei einem unheilbar kranken Tier, kann wirklich Tierschutz genannt werden, denn dann müsste man ja das Tier am Leben lassen Wink
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