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Politik: Recht & Co.

Heiraten ohne Standesamt

Fast unbemerkt seit 1. Januar 2009 – das neue Personenstandsgesetz

Hochzeitspaar in der Kutsche
Hochzeitspaar in der Kutsche
Eigentlich war alles sehr klar geregelt in Deutschland: wer kirchlich heiraten wollte, mußte sich vorher vor dem Standesbeamten trauen lassen. Die Zivilehe sollte die Macht des Staates gegen die Kirche sichern, die Idee stammt aus dem Deutschen Reich, das die Zivilehe in Deutschland 1875 eingeführt hatte. Seit dieser Zeit waren Priester bestraft worden, wenn sie eine Hochzeit in der Kirche zeitlich vor der standesamtlichen Eheschließung zelebrierten. Festgeschrieben wurde dieser Vorrang der zivilen Eheschließung zuletzt im Reichskonkordat von 1933, das zwischen dem „Reichskanzler des Deutschen Reiches“, Adolf Hitler, und dem „Apostolischen Nuntius im Deutschen Reich“, Eugenio Pacelli (vom 2. März 1939 bis zum 9. Oktober 1958 dann unter dem Namen „Papst Pius XII.“ als Pontifex Maximus amtierend) geschlossen wurde; das Reichskonkordat hat übrigens heute noch in Deutschland Gültigkeit und regelt das Verhältnis zwischen Staat und Kirche, nicht nur was den Einzug der Kirchensteuern durch die Finanzämter betrifft.

Das ist seit knapp zwei Jahren anders, ohne daß es große Wellen geschlagen hätte. Interessiert das Thema Eheschließung vielleicht nicht? Sind die Deutschen eventuell ehemüde? Zeigt sich hier eine gewissen Neigung zur Ex-und-hopp-Beziehung? Oder ist man es einfach nur leid, daß seitens des Gesetzgebers ständig neue Absurditäten veranstaltet werden, wie die gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaft, im Volksmund eher als „Homo-Ehe“ bekannt? – Manche Zahlen sprechen für sich: im Jahr 2008 – jüngere liegen statistisch noch nicht vor – gab es laut Statistischem Bundesamt in Deutschland 377.055 Eheschließungen (bei 191.948 Scheidungen im selben Zeitraum übrigens), wobei die Frauen bei der Eheschließung im Durchschnitt 30 Jahre alt waren und die Männer 33 Jahre (Quelle). Zum Vergleich dieser etwas absurden Situation die Zahlen aus dem Jahr 2007 zu gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaften:

WIESBADEN – Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, gaben im Jahr 2007 rund 68.000 Paare an, als gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften in einem Haushalt zusammenzuleben. Das zeigen die aktuellen Ergebnisse des Mikrozensus, der größten jährlichen Haushaltsbefragung in Europa. 1996 machten deutschlandweit 38.000 Paare eine entsprechende Angabe. Die Beantwortung der Frage nach einem Lebenspartner im Haushalt ist freiwillig. Im Zeitvergleich ist deshalb zu berücksichtigen, dass sich die Antwortbereitschaft in der Bevölkerung verändert haben kann.

Die gleichgeschlechtlichen Paare werden zusätzlich danach gefragt, ob sie als eingetragene Lebenspartnerschaft nach dem im Jahr 2001 eingeführten Lebenspartnerschaftsgesetz registriert wurden. Hiernach gab es in 2007 rund 15.000 eingetragene Lebenspartnerschaften in Deutschland. Rund zwei Drittel (67%) der eingetragenen Lebenspartnerschaften wurden von Männern geführt.

Quelle: Zahl der Woche Nr.037 vom 16.09.2008

Es ergibt sich also die einigermaßen problematische Situation, daß gleichgeschichtliche Lebenspartnerschaften im Hinblick auf Erbrecht, Unterhaltsrecht oder Zugewinnausgleich einklagbar der Zivilehe gleichgestellt sind, dagegen die heterosexuellen Ehen – die seit 2009 eben auch als „nur religiös“ geschlossene möglich sind – nicht in gleicher Weise vom Staat geschützt werden; eventuell haben sich hier einfach nur die Lobbyisten der Schwulen- und Lesbenbewegung, die bekanntlich besonders bei Grünen und Linken eine politische Heimat gefunden haben, durchgesetzt. Und die restlichen Parlamentarier diese beiden unsinnigen Gesetze vielleicht unwissend im Halbschlaf abgenickt. Moralisch jedenfalls sind beide Gesetze – das alte (homosexuelle) Lebenspartnerschaftsgesetz von 2001 und das neue Personenstandsgesetz von 2009– recht fragwürdig und offenbar nicht zu Ende gedacht; die durch diese beiden sich widersprechenden Gesetze entstehende Ungleichbehandlung von normalen, also heterosexuellen Ehen, könnte sogar verfassungsrechtlich problematisch sein.

Die Gruppe derjenigen, die sich für das neue Personenstandsgesetz von 2009 begeistern könnten, dürften zum einen Menschen sein, die zwar religiös gebunden sind, aber den Staat aus religiösen Gründen ablehnen oder ihm distanziert gegenüberstehen, wie es bei manchen evangelischen, biblizistischen und fundamentalistischen Gemeinschaften der Fall ist; auch Jehovas Zeugen werden sich vermutlich zu dieser neuen staatlichen Entwicklung positionieren. Zum anderen jedoch – und das dürfte die weitaus größere Gruppe sein – werden Menschen, die nach dem Tod ihres Ehepartners wieder heiraten wollen, über diese Form der rein kirchlichen Ehe nachdenken, vor allem aus rein wirtschaftlichem Kalkül: um nämlich die Hinterbliebenenrente nicht zu verlieren, die bei einer Wiederverheiratung bekanntlich entfällt.

Doch diesen Menschen muß klar sein, daß sie für diesen Schritt dann einen guten Rechtsanwalt aufsuchen sollten, um das privat zu regeln, was das Eherecht im Bürgerlichen Gesetzbuch automatisch regelt: das Familienrecht und das Erbrecht sowie Regelungen für eventuell vorhandenen oder gemeinsam erwirtschafteten Besitz.

„Bauer sucht Frau“-Trauung ohne Standesamt

Narumol hat ihren Josef nur kirchlich geheiratet

...sonst hätte sie ihre Witwenrente verloren

  • Bildnachweis:
Miniaturhochzeit by johannes vortmann/pixelio.de, Lizenz

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Schlüsselwörter: Personenstandsgesetz | Standesamt | Trauung | Zivilrecht | Bauer sucht Frau | Narumol | Ralf Bernd Herden
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Kommentare

Redaktion Tierschutz
am 27.10.2010 20:28:24 (90.169.90.xxx) Link Kommentar melden
Hört sich ja taff an. Und wie lässt "Mann" sich scheiden??
286
am 28.10.2010 10:21:13 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Ist denn nicht bei einer jüdischen Hochzeit generell ein Vertrag dabei, der die Frau schützt und die materiellen Dinge bei einer Scheidung regelt? Das wäre doch vergleichbar, eine religiöse Eheschließung, geht die auch ohne zivile Ehe?

Juden fallen in Deutschland vermutlich nicht unter dieses doofe "Reichskonkordat", oder?
IPG Independent Pressgroup
am 31.10.2010 01:33:16 (90.169.128.xxx) Link Kommentar melden
http://de.news.ya...11c04.html
da lob ich mir aber das Standesamt, bevor es so ausgeht wie in diesem Video...
266
am 31.10.2010 09:34:50 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Manche Menschen verdienen es nicht besser... Smile
Redaktion Tierschutz
am 31.10.2010 09:43:54 (90.169.112.xxx) Link Kommentar melden
Nee, ich denke die beiden im Video haben das echt nicht verdient, die so geschlossene Eheerinnerung ist für alle Zeiten kaputt, wenn die beiden an ihre Traumhochzeit denken, dann werden sie immer daran erinnert sein, wie man sie ohne ihr Wissen verspottet und beleidigt hat. Das ist sicher eine schwere Last, die sie hier so unverschuldet aufgebürdet bekamen. Hoffentlich werden sie trotzdem glücklich, und können dieses Desaster irgendwann vergessen.
Redaktion Tierschutz
am 31.10.2010 10:35:24 (90.169.112.xxx) Link Kommentar melden
nun, wie kommt man auf solch eine Idee...da kann ich mitreden.
Man überlegt, was einem am Wichtigsten ist für den schönsten (ersten) Tag offiziellen gemeinsamen Lebens.
Wenn man nicht mit vielen Freunden und Familie ein gewöhnliches Hochzeitsfest wünscht, so stösst man vielleicht viele Leute, die man nicht einlädt, vor den Kopf.
Es gibt Leute, denen das "übliche" Zeremoniell einfach nicht gefällt, es wirkt vielleicht abgedroschen und antiquiert.
Manche Leute, die sich für eine exotische Heirat entscheiden, haben auch keine Lust mehr auf Kirche, wollen aber eine Zeremonie, die sie als Erinnerung einzigartig empfinden.
Und manchen gefällt einfach nur die Idee (wie auch mir) nur mit dem Partner allein für sich auf einer idyllischen Insel zu sein, sich das Eheversprechen zu geben und den Urlaub sofort und ohne weiteres Procedere daranhängen zu können.
Es wäre mir ein Graus, wenn ich vor 300 Leuten in Deutschland Holz hacken müsste oder die üblichen kindischen Hochzeitsspielchen durchziehen müsste und so tun müsste, als ob mir das Ganze wirklich Spass macht.
Eine romantische Eheschliessung nur für die beiden, die es betrifft, scheint mir hier weitaus verlockender, und dazu noch Südsee, Palmen, gutes Essen und Musik, was will man mehr?
Wenn so ein Depp wie dieser Zeremonienmeister des Hotels daraus eine Verarschung macht, dann ist das eine Sauerei erster Klasse. Aber die Malediven gibt es in ein paar Jahren wohl ohnehin nicht mehr, dann hat sich das Problem biologisch gelöst.
Redaktion Tierschutz
am 31.10.2010 11:42:10 (90.169.112.xxx) Link Kommentar melden
Oder sie lachen irgendwann selber drüber. Das nennt man dann Humor und Selbstironie.

naja, daran hab ich auch gedacht;
aber stell dir doch mal bitte vor, du zahlst richtig Geld, um eine romantische Hochzeit zu feiern, und alles was dir übrgigbleibt, ist eine Schmierenkomödie, die dir deine Naivität vor Augen hält.
Bei allem Humor, aber da ist der gesamte Sinn der Hochzeitsreise verfehlt. Normalerweise müsste der Veranstalter für die verlorene Hochzeits- und Urlaubsfreude belangt werden und Schadensersatz bezahlen, damit man sich eine richtige Hochzeitsreise buchen kann.
300
am 06.11.2010 13:11:26 (62.2.182.xxx) Link Kommentar melden
Wieso hat eigentlich in diesen zwei Jahren kaum ein Journalist diese Gesetzesänderung mitbekommen? - Vermutlich, weil es kaum jemanden betrifft und noch weniger interessiert. Ohne Bauer Josef und seine Narumol wäre das bestimmt auch so geblieben.

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