Sonstiges: Vergnügen

Der Klempner und das Telefon

Wie es zu Fehlverbindungen mit weitreichenden Folgen kommen kann
20.10.2010 17:54:00 eingesandt von Dorota für OnlineZeitung 24.de

...hallo...?
...hallo...?
Heute habe ich meine langjährige Freundin Anne* angerufen, deren Mann Franz* ich auch ganz gut kenne. Eine harmlose alte Bekanntschaft, man sieht sich einmal im Monat oder seltener auf ein Glas Wein, quatscht ein bisschen über Kinder, Beruf oder Politik, erinnert sich an gemeinsame Erlebnisse oder erzählt vom letzten Urlaub. Ganz harmlos also, sehr innig oder tiefschürfend ist die Beziehung nicht, aber gut, ohne Konflikte und störungsfrei.

Bei meinem Anruf war Franz* am Telefon, wir plauderten kurz, ich fragte ihn, ob ich Anne* sprechen könne, doch sie war unterwegs mit den Kindern. Dort sind gerade Herbstferien, sie hatten den ganzen Tag zu tun mit Zoobesuch und Einkauf von Kinderkleidung für den Herbst, der gerade beginnt, miserables Wetter zu produzieren. Eigentlich wollte ich dann Schluß mit dem Telefonat machen, aber Franz* musste noch unbedingt glucksend und kichernd eine Geschichte erzählen, die ihm gerade passiert war, daraufhin tat ich ihm eben die Freude und hörte zu. Die Geschichte ist nämlich die:

Franz* rief seinen Klempner an, weil irgendwas im Haus zu machen war. Das Telefon klingelte ziemlich lang, und dann war eine offensichtlich sehr junge Frau am Telefon, die sich mit „Chantal“ meldete. Franz* entschuldigte sich sofort mit „falsch verbunden, sorry“, weil er dachte, er hätte sich verwählt, und legte wieder auf. Doch er sah auf dem Display die Nummer, die er völlig korrekt gewählt hatte: die seines Klempners.

...ohne Worte...
...ohne Worte...
Er dachte an eine technische Panne bei der Telekom und rief erneut sein Telefonbuch auf, wählte daraus die Nummer des Klempners. Dasselbe Spiel, diesmal schnappte er nach Luft, was eine Pause ergab. „Chantal“ hauchte ins Telefon: „komm doch einfach vorbei, für 50 Euro mache ich alles, was Du willst...!“ – Aus Höflichkeit und wohl auch aus Neugier fragte er, wohin er denn da kommen sollte, und „Chantal“ nannte ihm die Adresse, tatsächlich in einem ganz anderen Stadtteil, jedoch in der selben Stadt. Zu diesem Zeitpunkt glaubte Franz* immer noch an eine technische Panne, weil er sich erinnerte, daß er vor Jahren so etwas schon einmal bei seinem Klempner erlebt hatte: immer dann, wenn der telefonierte und das Fax ebenfalls gerade belegt war, gab es beim Anruf eine Fehlverbindung zu einer anderen Nummer, eine alte Telefonanlage vermutlich... – Ja, das war die Geschichte. Ich dachte mir meinen Teil und bat Franz*, er möge Anne* meine Bitte um Rückruf ausrichten.

Was ich ihm nicht sagte, war die eigentliche Geschichte, wie sie in Wahrheit vermutlich aufzulösen war: Vermutlich – nein, höchstwahrscheinlich – hat der Klempner in seiner Anlage eine externe Rufumleitung programmiert, damit eingehende Rufe in dem Fall zu einer anderen Nummer, zu seinem Handy zum Beispiel, umgeleitet werden, wenn alle Kanäle belegt sind. Dabei hat der gute Mann dann jedoch aus seinem Telefonbuch eine falsche Nummer angeklickt und verknüpft, die eben direkt darüber oder darunter stand. So ein Pech aber auch. Hat er doch damit seinen Kunden versehentlich eine Rufumleitung zu seiner offenbar häufig angerufenen und besuchten „Bekannten“ geboten.

Keine Nummer bei diesem Anruf?
Keine Nummer bei diesem Anruf?
Eine sehr aufschlussreiche Geschichte. Immerhin kenne ich jetzt den Marktpreis für solche „Dienstleistungen“ und habe begriffen, warum Klempner so teuer sind. Irgendwoher muss das Geld für diese Freizeitgestaltung ja kommen...

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* Die Namen sind frei erfunden, die Geschichte ist wahr.