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Politik: Politische Meinung

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20 Jahre neue Einheit Deutschlands

Stimmt's? Oder doch nicht so ganz?
Stimmt's? Oder doch nicht so ganz?
Nun feiern wir also wieder einmal die Deutsche Einheit. Feiern wir sie wirklich? Oder gedenken wir ihrer nur mehr oder wenig feierlich? Der Journalist Günther Jauch jedenfalls bekannte im sonntäglichen Presseclub der ARD, er feiere eigentlich nicht. Warum nicht? Gibt es nichts zu feiern? Sind die Deutschen nicht glücklich über die das Glück der zweiten Chance? Sind sie nicht dankbar, daß die Sieger des Zweiten Weltkrieges, vor allem aber Gorbatschow, ihnen die volle Souveränität gegeben haben? Ist es das bekannte ewige Genörgel der Deutschen, ihre gleichzeitig weinerliche wie auch geschichtslose nationale Identitätskrise? Hält sie das davon ab, sich einfach zu freuen? Oder ist es der unsinnige Termin am 3. Oktober, wo man doch besser den 9. November hätte nehmen sollen?

Wir feiern – brüderlich mit Herz und Hand – etwas, was eigentlich ganz normal sein sollte: die nationale Einheit Deutschlands. Was wir im Westen, gerade nach dem Mauerbau am 13. August 1961, auch immer geglaubt und erhofft haben, was im Osten dagegen verpönt und von einer Art Gedankenpolizei verfolgt wurde; die Gedankenkontrolle ging in der DDR so weit, daß die Nationalhymne mit dem wunderschönen Text von Johannes R. Becher aufgrund einer Anordnung von Honecker ab 1971 nur noch als Musikstück gespielt werden durfte, da das Wort „Deutschland“ darin vorkam, vor allem aber auch noch das „einig Vaterland“: Auferstanden aus Ruinen / Und der Zukunft zugewandt / Laß uns dir zum Guten dienen / Deutschland, einig Vaterland.

Wir feiern dieses ominöse Konstrukt, das angeblich fast alle Deutschen wollen, einmal abgesehen von den 1.500 Hanseln aus der „antideutschen“ linken Ecke, die gegen die Nation an sich sind. Die Hansestadt Bremen brauchte 3.000 Polizisten, um die Stadt vor diesen Krawallmachern zu schützen. Diesen Schmutzfleck bekommt die Veranstaltung leider nicht wieder los. – Die Mehrheit der Deutschen findet allerdings die Deutsche Einheit gut: „Nach einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen fällen in den neuen Bundesländern sogar 88 Prozent dieses Urteil, in den alten Ländern tun es 82 Prozent. Etwas mehr als die Hälfte der Deutschen meint jedoch immer noch, dass die Unterschiede zwischen West und Ost überwiegen“, so der Kölner Stadtanzeiger.

Wieso aber „ominöses Konstrukt“? – Nun, mit dem Begriff fängt es an: man nennt den historischen Vorgang üblicherweise „Wiedervereinigung“, was natürlich sprachlicher Unsinn ist: man kann das „wieder“ nur dort sinnvoll verwenden, wo es zuvor bereits denselben Zustand gab. Einen solchen gab es aber vorher nicht, denn sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die „DDR“ waren Zerfallsprodukte, die der NS-Unrechtsstaat „Großdeutsches Reich“ hervorgebracht hatte. Es war also keine „Wiedervereinigung“, sondern eher schon eine „Vereinigung“. Doch auch dies wiederum ist nicht korrekt, denn völkerrechtlich war es eine Selbstauflösung des einen Staates und der anschließende Beitritt zum anderen Staat. Sprachlich am besten träfe es also der schlichte Ausdruck: die Deutsche Einheit. – Die gäbe auch einen besseren Anschluß an die Gedanken und Forderungen der Demokraten von 1848, also aus jener Zeit, in der das Wort „Demokrat“ in Deutschland noch ein Schimpfwort war.

Gespräch: Zollitsch warnt vor Ost-Romantik

Freiburg (dpa) - Zum 20. Jahrestag der Deutschen Einheit hat der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch zu einem dauerhaften Erinnern an die DDR und die deutsche Teilung aufgerufen.

«Die Einheit darf nie Normalität, darf nie zur Selbstverständlichkeit werden», sagte der Freiburger Erzbischof in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. «Wir dürfen die Vergangenheit nicht vergessen, müssen sie wach halten und eine romantisierende Ostalgie verhindern.»

Hier muß man Herrn Zollitsch unbedingt widersprechen: natürlich sollte die Einheit normal werden. Diese gesunde Normalität schließt eine lebendige Erinnerung doch keineswegs aus. Selbstverständlich sind 20 Jahre nichts, jedenfalls nicht genug Zeit, wenn es um die Unterschiede von Ost und West geht; vermutlich dauert das zwei bis drei Generationen, also mindestens 50 Jahre. Und natürlich wird es weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West geben, so wie es übrigens auch erhebliche Unterschiede zwischen Nord und Süd gibt. Wer um alles in der Welt hat den Ossis denn diesen Floh ins Ohr gesetzt, daß es bei der Einheit darum ginge, eine Gleichheit herzustellen? Die durch unsere Verfassung garantierte Gleichheit vor dem Gesetz bedeutet nicht das, was vielleicht noch in manchen SED- oder PDS-Hirnen herumspukt: wirtschaftliche Gleichheit. Der Sozialismus ist tot, es lebe Deutschland.

Der Text der DDR-Hymne folgt (bis auf die letzte Zeile) dem Versmaß der österreichischen Kaiserhymne. Er kann also mit dieser Einschränkung auch auf die Melodie des Deutschlandliedes gesungen werden, genauso wie der Text des Deutschlandliedes umgekehrt auch auf die Eisler-Melodie gesungen werden kann.

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Schlüsselwörter: Nationalfeiertag | 3. Oktober | Mauerfall | Einheit | DDR
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Kommentare

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am 09.10.2010 18:10:08 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Wer um alles in der Welt hat den Ossis denn diesen Floh ins Ohr gesetzt, daß es bei der Einheit darum ginge, eine Gleichheit herzustellen?

Vermutlich ein Erbe von 40 Jahren "sozialistischer" Erziehung.

Ach ja, eine Assoziation zum Thema "Gleichheit":

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Ich fahre einen Porsche 911

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