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Politik: Deutschland

„Stuttgart 21“? – Meinetwegen! (I)

Was soll eigentlich diese alberne Aufregung?

Stuttgarter Hauptbahnhof
Stuttgarter Hauptbahnhof
Ganz ehrlich, ich mag den Stuttgarter Hauptbahnhof. Also den alten, den abgerissenen. Aus recht nostalgischen Gründen. Denn als kleiner Junge habe ich meine ersten Zeichnungen mit Bleistift und Kohle nach einem Bild dieses Gebäudes gemacht, das bei irgendeinem Onkel im Arbeitszimmer hing. Dieser klobige Turm, die Hallenfront mit dem romanisch anmutenden Riesenfenster. – Stundenlang habe ich diesen Turm abgezeichnet, Studien verfertigt, mal eher naturalistisch, manchmal abstrakt, gelegentlich impressionistisch, weniger expressionistisch. Wie zeichnet man perspektivisch, wie zeichnet man Mauerwerk, wie zeichnet man Schatten? Es gab ganze Mappen voll von diesem Motiv. Die liegen heute in irgendeinem alten Koffer auf dem Dachboden, vermutlich. Beim nächsten Sperrmüll müssen die mal weg...

Irgendwann wächst man da nämlich heraus. Es folgten zeichnerische Studien zu anderen Objekten, zu Tieren, zu Menschen. Den Wachsmalstiften und dem Bleistift folgten Aquarelle, Tusche und Kohle. Irgendwann aber wurde die Zeichenkunst von der Wortkunst und der Literatur abgelöst, es gab dann auch noch die Zeit der Radiobasteleien... – Diodenempfänger ohne Batterie waren einfach der Hit, ich konnte sogar die 400 km entfernte „Schweizerische Rundspruchgesellschaft“ (eine der Gründungsstationen der „Eurovision“!) damit empfangen, mit Kopfhörer, etwas verrauscht zwar, aber ohne Stromquelle, dank einer 20 Meter langen Wurfantenne und einer hervorragenden Erdung am Blitzableiter...

Wirklich wahnsinnig schützenswert...
Wirklich wahnsinnig schützenswert...
Irgendwann läßt man das alles hinter sich. Man wird erwachsen, fährt Motorrad, liest Camus und Sartre, studiert und macht eine Berufsausbildung, entdeckt das andere Geschlecht, gründet eine Familie, plant eine Karriere oder macht sie einfach, ganz ungeplant... – jedenfalls dann, wenn man nicht grün, links oder sonstwie intellektuell eingeschränkt ist. Irgendwann löst man sich von alten Ikonen. Irgendwann findet man neue Themen. Irgendwann ist ein altes Gebäude kein Wert an sich mehr. Irgendwann ist die Frage, ob ein Baum 100 oder 1.000 Jahre alt ist, recht bedeutungslos, wenn er am falschen Platz steht. Die Welt verändert sich. Die Menschen ändern sich, jedenfalls in gewissen Grenzen. Manche bleiben unverändert, unbelehrt, weil unbelehrbar. Besonders GRÜNE und LINKE leiden an diesem Handicap. Die denken dann immer, die Welt gehe unter, bloß weil man nicht ihrer Meinung folgt, die allerdings nichts weiter als eine Ersatzreligion ist. Die Vergötterung der Natur, die ewige infantile Traumtänzerei vom angeblich edlen Wilden, vom vermeintlich Guten im Menschen, vom Sozialismus. Den Anspruch auf „Gleichheit“ und „Brüderlichkeit“ einfach zu wörtlich nehmend, die Forderung nach „Freiheit“ nicht im Ansatz verstehend... – Freiheit von oder Freiheit zu? Na ja, geschenkt!

Die GRÜNEN ereifern sich über die Kosten für „Stuttgart21“? Das ist der ultimative Witz an sich. Wenn es darum geht, Tier- oder Naturschutz zu fordern, spielt für die GRÜNEN das Geld Anderer bekanntlich keine Rolle. Ich erinnere mich noch gut an das blödsinnige Gehampel um die Großtrappe. Schon vergessen? Nie gehört? – Die Großtrappe ist ein blöder Vogel, der zu recht schon ausgestorben wäre, streng nach Darwins „survival of the fittest“. Damals war nichts zu teuer, um den Bestand der 16 (sechzehn!) Vögel in Brandenburg zu sichern, an der Bahnstrecke Hannover-Berlin wurde für hunderte von Millionen Euro die Landschaft umgebaut, unter anderem wurde ein Erdwall aufgeschüttet, damit die schweren, fast flugunfähigen Viecher über die Bahnstrecke gelenkt werden. Ziemlich teuer, wenn man das auf einen Vogel umrechnet. Man hätte sie damals ja auch einfach umsiedeln und den Mongolen schenken können, zum Zeichen der Völkerverständigung:

...zu schwer, zu dumm, zu häßlich...
...zu schwer, zu dumm, zu häßlich...
Die Großtrappe besiedelt ein großes Areal zwischen Spanien und der Mongolei, sie kommt aber nur inselhaft und sehr lokal vor. In den meisten Ländern ist sie schon ausgerottet. Heute ist die Großtrappe auf der ganzen Welt gefährdet. Zu den letzten Rückzugsgebieten in Deutschland zählen die geschützten Bereiche Havelländisches Luch, Belziger Landschaftswiesen und Fiener Bruch.

Quelle: Wikipedia Großtrappe, siehe auch Schnellfahrstrecke Hannover–Berlin

Man sollte einmal in Erfahrung bringen, wieviele Bäume damals für diesen Erdwall gefällt wurden, bevor man sich über 25 Platanen in Stuttgart aufregt. Als ob es nichts Wichtigeres gäbe als ein bißchen alte Zellulose. Ach ja, ein Käfer soll in diesen Platanen sein Zuhause haben. Manche Argumente sind wirklich lächerlich und dumm. Ich jedenfalls weigere mich, über Käfer oder anderes Ungeziefer zu diskutieren, wenn es um wirtschaftliche Projekte geht. Man sollte diesen grünen Ökofaschisten, Möchtegern-Revoluzzern und Berufs-Randalierern, die jedes Thema dominieren wollen, allmählich einmal ihre Grenzen aufzeigen.

  • Bildnachweis:
  • „Stuttgart Hauptbahnhof“ by JuergenG. 07.09.2001, via Wikipedia, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported.
  • „Hauptbahnhof Stuttgart, Blick vom Bahnhofsturm“. 23. April 2005 by JuergenG via Wikipedia, die Datei ist unter den Creative Commons-Lizenzen Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 2.5 generisch, 2.0 generisch und 1.0 generisch lizenziert.
  • „Großtrappe.“ – ADN-ZB Link 25.11.1981 Bezirk Magdeburg: Schutz der Großtrappe - Bei der künstlichen Aufzucht des schwersten flugfähigen Landvogels der Erde, der Großtrappe, haben sich die Mitarbeiter der Biologischen Station in Steckby des Instituts für Landschaftsforschung und Naturschutz der AdL Verdienste erworben. Seit 1973 wurden hier gestörte Gelege von Großtrappen erbrütet, 190 Großtrappen aufgezogen und wieder in Freiheit entlassen. Der vom Aussterben bedrohte Großvogel zählt heute in der DDR etwa 500 Exemplare auch dank der Bemühungen ehrenamtlicher Naturschutzhelfer. Die Großtrappe ist eine in der ganzen Welt geschützte Vogelart. Beim Internationalen Rat für Vogelschutz wurde eine Arbeitsgruppe Trappen gebildet. An den regelmäßig stattfindenden RGW-Trappen-Symposien beteiligt sich die Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR. 25. November 1981. Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 183-Z1125-307, Hubert Link. Via Wikipedia, CCL Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 deutsch.

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Schlüsselwörter: Stuttgart | 21 | Bahn | Wirtschaft | Ökologie | Abrißbirne
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Kommentare

Kindergaertner
am 03.10.2010 14:07:30 (78.52.139.xxx) Link Kommentar melden
Ich denke es geht nicht nur um den Bahnhof, sondern vielmehr um die Haltung "Wir lassen nicht jeden Unsinn" durchgehen. Ich habe mich mit Stuttgart21 nicht beschäftigt, aber nach allem was man so mitbekommt, scheint es eine arge Blödelei zu sein.
Johannes Reiser
am 04.10.2010 20:07:48 (94.218.18.xxx) Link Kommentar melden
Hallo Chaim,
ich darf Ihren interessanten Bericht zu Stuttgtart 21 mit der doch sehr praktischen Denkweise unseres Landesvaters Mappus ergänzen, so wie sicher viele andere diese Denkweise auch verstehen.

Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Bäume im Schlossgarten ab 1. 10. 0 Uhr gefällt werden durften. Wir hatten also den grössten Teil des Herbstes und einen langen Winter noch vor uns bis zum nächsten Baumfällverbot.

Es war also keinerlei Hektik im Bezug auf das Fällen der Bäume geboten, dies wäre in einigen Tagen, einigen Wochen oder im Anfang des Neuen Jahres auch noch möglich gewesen, vor allem dann, wenn man es mit der geheuchelten Gesprächsbereitschaft auch ernst meinen würde.

Allerdings ist das Baumschutzgesetz nicht compatipel zum Wahltermin im Muschterländle! Und mit jedem Tag, der ohne Baumfällaktion verstreicht, kommt man diesem Wahltermin näher. Diejenigen, die dem Bürgerlein mit Wasserwerfer und Pfefferspray das Mitdenken abgewöhnen wollen, falls vor der Wahl nicht genügend Zeit zum Vergessen bleibt, würde dies Wählerstimmen kosten.

Unser Mappus, so wie sich dies für einen praktisch denkenden Landesvater geziemt, weist das Bürgerlein bereits am letzten Tag des Baumfällverbotes in die Schranken, lässt die Bäume in den ersten Stunden nach Ende des Baumfällverbotes fällen, und gibt dem Bürgerlein auf fürsorgliche Art und Weise 6 Monate bis zur Landtagswahl um diese "Menschenverehrende Ruhmestat" zu vergesen.

Eine besondere Grossherzigkeit zeigt unser hochverehrter Landesvater dadurch, dass er weitere Bäume erst im November 2011 fällen wird um den Mappus-Gedächtnisfleck zu vervollständigen!
Johannes Reiser
am 05.10.2010 13:24:49 (94.218.228.xxx) Link Kommentar melden
Hallo Chaim,
Sie haben recht! Wo ist das Problem? Die paar Bäume, gemessen an weit über hundert Verletzten, stellen keinerlei Problem dar. Die paar Bäume, gemessen an zerschlagenem politischem Porzellan, stellen für unsere Politiker auch keinerlei Problem dar. Wir werden es ja heute noch erleben wie sich unsere Politiker im Landtag auf rethorische Weise (der schärfsten Form der Lüge?) am eigenen Barth aus dem Sumpf ziehen wollen.

Die Obrigkeit in dem Land, in dem bereits der Verfasser von "die Räuber" verfolgt wurde, gab den Auftrag an die Polizei, die vor und nach dem 30. 10. deeskalierend erfolgreich arbeitete, an diesem Tage Pflöcke einzuschlagen (siehe auch Talkshow im Ersten vom 4. 10.)

Das Problem dürfte auch an anderer Stelle zu suchen sein:
Der rechtsstaatlich legalisierte Beschluss ruht uA auf Kosten, die mit Sicherheit um 100% überschritten werden, auf Gutachten von Geologen, die sich alles Andere als einig sind, auf Genehmigungen, die nicht für alle Abschnitte vorliegen, einem Denkmalrecht, das das Baudenkmal Stuttgarter-Hauptbahnhof (ein wesentlicher städtebaulicher Schwerpunkt im Stuttgarter Talkessel samt angrenzender Hanglagen) grösstenteils abreisen lässt, während der Eigentümer eines Jugendstilhauses noch nichteinmal einen einzigen, uralten Dachsparren austauschen darf um ein Dachflächenfenster einzubauen.
Mit grosser Wahrscheinlichkeit sind auch unzulässige Subventionen geflossen. Diese Reihe liese sich beliebig fortsetzen.
Johannes Reiser
am 06.10.2010 13:06:59 (94.218.0.xxx) Link Kommentar melden
Tja, lieber Chaim,
so ist dies eben: Unser Grundgesetz sieht für die passive und aktive Teilnahme an der Demokratie keinen Mindest-IQ vor! Wer es nicht glauben will, kann dies täglich an den Glanzleistungen unserer "Polit-Elite" und nicht nur an den von Ihnen als dumm bezeichneten Strassendemokraten erkennen.

Habe ich dies richtig verstanden, Sie bezeichnen es als Diktatur der Strasse, wenn die Obrigkeit denjenigen die auf die Strasse gehen die Augen verätzt (falls diese nicht gleich ganz herausgespritzt werden) und erklärt man sei zu Gesprächen bereit, es gäbe keinen Baustop, Stuttgart 21 würde gebaut?
In jedem Fall aber hat diese Obrigkeit das Niveau der Strassendemokraten sowohl aus demokratischer als auch aus moralischer Sicht noch lange nicht erreicht!

Ganz nebenbei, es besteht auch die Möglichkeit des Wegtragens von Demonstranten. Nachdem von dieser Möglichkeit bei Stuttgart 21 bereits mehrfach Gebrauch gemacht wurde, sollte dies am 30. 9. ganz offensichtlich unterbleiben.

Vermutungen - Spekulationen - recherchieren und dann schlüssig argumentieren!

Ich will Ihnen hier nochmals die 100 % Baukosten-überschreitung erläutern:
1) Die Summe der Baukostensteigerungen in den letzten 16 Jahren lagen in jedem Falle deutlich unter 50 % .
2) Die veranschlagten Kosten liegen bei knapp über 60 % der Kosten für vergleichbare, bereits ausgeführte und abgerechnete Schnellbahntrassen.

Vielleicht sollten wir über die Kosten nicht jetzt nutzlos dikutieren, sondern uns in 10 Jahren nochmals unterhalten.
286
am 06.10.2010 13:12:50 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Als ob es nichts Wichtigeres gäbe als ein bißchen alte Zellulose. Ach ja, ein Käfer soll in diesen Platanen sein Zuhause haben. Manche Argumente sind wirklich lächerlich und dumm. Ich jedenfalls weigere mich, über Käfer oder anderes Ungeziefer zu diskutieren...

Ja, ein Käfer, das ist schon ein tolles Argument. Aus den Bäumen kann man doch prima Möbel bauen, oder Brennholz machen. Deutschland hat wirklich genug Bäume, oder?
Kindergaertner
am 06.10.2010 13:17:05 (78.52.142.xxx) Link Kommentar melden
Dorota, kennst Du den Sketch von Badesalz mit dem Satz:
"Ozonloch? Also ich hab noch keins gesehen?"
Das ist die perfekte Persiflage auf Deine Worte. Mir grauts vor dem Gedanken, dass es vermutlich der Wahrheit sehr nahe kommt.
286
am 06.10.2010 13:29:34 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
es besteht auch die Möglichkeit des Wegtragens von Demonstranten
Aber selbst das ist eine Nötigung und führt zu einer strafrechtlichen Verurteilung von Blockierern, wie man seit Brokdorf, Grohnde oder Startbahn West wissen könnte.
Kindergaertner
am 06.10.2010 16:10:21 (78.52.142.xxx) Link Kommentar melden
Ein Poliszist wird für bestimmte Aufgaben vom Staat bezahlt. Er hat für Recht, Sicherheit und öffentliche Ordnung zu sorgen. Er soll deeskalierend auf die Situation wirken und nicht zuerst mit Gewalt beginnen.

Ich will nicht, dass meine Steuergelder in Kinderschläger investiert wird.
506
am 09.10.2010 10:42:04 (124.160.102.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 09.10.2010 11:17:27.
506
am 09.10.2010 10:45:50 (124.160.102.xxx) Link
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  • Gelöscht von OZ24 am 09.10.2010 11:17:34.
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