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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Krematorien unter Verdacht illegaler Geschäfte mit Zahngold

Ermittlungen gegen neun Krematoriumsmitarbeiter in Hamburg – Bandenmäßiger Diebstahl

Goldringe
Goldringe
Vor einigen Wochen geriet das 1965 im Herzen des Parkfriedhofs Öjendorf eröffnete Hamburger Krematorium in die Negativ-Schlagzeilen der Presse. Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelte gegen mehrere Mitarbeiter des Krematoriums, deren Arbeitsplätze und Wohnungen durchsucht wurden. Der Vorwurf: Illegale Geschäfte mit Edelmetallen, die den Verstorbenen entwendet wurden. Die Rede ist hier sowohl von Schmuck als auch vom Zahngold der Verstorbenen.

Dies warf wieder einmal mehr ein Negativ-Bild auf eine ganze Branche, die aufgrund ihres sensiblen Themas schon immer – anhand von möglichen Einzelfällen – im Gesamten von Sensationsreportern und Autoren pauschal in den Schmutz gezogen wird. Das war wieder einmal mehr Wasser auf die Mühlen schlecht recherchierender Schreiberlinge.

Im aktuellen Fall stellte die Krematoriumsleitung Anfang des Jahres fest, dass der Anteil von Edelmetallen in der Asche der Verstorbenen immer stärker zurückging. Ermittlungen dazu wurden eingeleitet. Dabei stellte sich nach diversen Medienberichten heraus, dass offensichtlich mehrere Mitarbeiter Schmuck und Zahngold in nicht unerheblicher Menge von den Verstorbenen entwendet hatten. Nun steht der Vorwurf des „bandenmäßigen Diebstahls“ im Raum.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass dies bereits seit Jahren geschah. Von der Hamburger Morgenpost wurde ein Informant zitiert, dass „Brücken und Zahnprothesen aus dem Gebiss heraus gebrochen“ und „Ringe mit Seitenschneidern vom Finger getrennt“ wurden. So wurden die „Leichen rücksichtslos geplündert“. Das Edelmetall wurde dann weiterverkauft. Ein „lukratives Nebengeschäft“ für die diebischen Krematoriumsmitarbeiter. Die Folge, in den Medien war bereits zu lesen, dass diese Praktik bei rund 400.000 Feuerbestattungen pro Jahr jährliche Millionenumsätze erzielte. Und so beschlagnahmte die Polizei bei der Razzia in Hamburg mehr als 140.000 Euro wie die Bestatterzeitung.de berichtete.

Neun Mitarbeiter des Krematoriums wurden wegen des Diebstahlverdachts inzwischen „einstweilig suspendiert“. Sie haben, wenn sich dieser Verdacht bestätigt, nicht nur gegen das Gesetz verstoßen, sondern auch gegen die innerbetriebliche Anweisung zum Umgang mit gefundenen Metallrückständen. Darin heißt es, dass nur „oberflächlich sichtbares Metall“ der Asche entnommen und „sicher verwahrt“ werden soll. „Der Erlös wird von der Hamburger Krematorium GmbH der Deutschen Kinderkrebshilfe gespendet.“

Eine Praxis, die so akzeptabel erscheint und nach Auffassung der Hamburger Krematorium GmbH allgemein bei den Krematorien üblich sei. Doch dies ist zu bezweifeln. Zuvor waren schon die Krematorien in Hof und Nürnberg unter gleichem Verdacht. Informanten aus der Krematoriumsbranche, die sich zumeist nur anonym an die Presse wendeten, berichteten auch, dass von solchen illegalen Erlösen der Chef einmal im Jahr in den Wintersporturlaub nach Davos fährt.

Zahngold
Zahngold
Wie heikel das Thema ist beweist augenscheinlich auch eine Blitzumfrage von der Bestatterzeitung.de, die nach eigenen Angaben 80 Krematorien zum Umgang mit den Edelmetallen befragte. Selbst bei nochmaliger Nachfrage, so die Onlinezeitung, haben nur ganze sechs Krematorien geantwortet. Dazu die Zeitung: „Drei belassen die Edelmetalle in der Urne, ein Krematorium spendet die Erlöse aus der Edelmetallverwertung zu 100 % sozialen und karitativen Zwecken.“

Die jüngsten Medienberichte haben wieder einmal mehr den Verbraucher verunsichert. Der Ruf nach einer einheitlichen Regelung wird laut. Und mehr Transparenz in dieser Sache fordert auch Aeternitas, die Verbraucherinitiative Bestattungskultur. Sie schlägt vor, dass jeder (gegebenenfalls auch die Angehörigen) selbst bestimmen soll, was mit den Edelmetallrückständen bei der Kremierung geschehen soll. Drei Varianten stünden dabei zur Auswahl:

  • Nach dem Verbrennungsvorgang vorgefundene und von der Asche getrennte Edelmetalle sind der Asche beizufügen und mit beizusetzen.
  • Nach dem Verbrennungsvorgang vorgefundene und von der Asche getrennte Edelmetalle sollen den Hinterbliebenen ausgehändigt werden.
  • Nach dem Verbrennungsvorgang vorgefundene und von der Asche getrennte Edelmetalle können vom Krematorium selbständig verwertet werden.

Ein entsprechendes Formular kann bei Aeternitas als PDF-Datei aufgerufen und herunter geladen oder ausgedruckt werden.

  1. Fotolegende: Goldringe. Foto: © Monika Lechler, pixelio.de.
  2. Fotolegende: Zahngold. Foto: © Jerzy Sawluk, pixelio.de. bearbeitet/Ausschnitt.

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Schlüsselwörter: Feuerbestattung | Krematorium | Zahngold | Edelmetall | Wiederverwertung | Kriminalität
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