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Medien: Musik

Achtung vor diesem Mann !

Nils Heinrich bringt mit "Als ich ein FDJler war" neues Album auf den Markt

Nils Heinrich "Als ich ein FDJler war"
Nils Heinrich "Als ich ein FDJler war"
Liebe Ostdeutsche !

Ich bitte um Entschuldigung !

Ich habe laut, sehr laut über Sie gelacht. Habe mir den Bauch gehalten, und ernste Probleme mit dem Atmen bekommen, als ich mir die neue CD „Als ich ein FDJler war“ von Nils Heinrich angehört habe. Ich hatte noch Stunden später ein Grinsen im Gesicht, als ich Stadtbekannte „Ossis“ getroffen habe. Und ja, ich habe mich köstlich über Sie und über ihr ehemaliges Leben von dort „drüben“ amüsiert. Sie haben auch ganz bestimmt recht, wenn Sie jetzt sagen, man sollte keine Witze über ein Volk machen, welches über Jahrzehnte menschenverachtenden Bedingungen ausgeliefert worden war, und schon gar nicht so kurz vor dem zwanzigsten Jahrestag der deutschen Wiedervereinigung. Natürlich haben Sie recht. Aber ich konnte nicht anders! Ich war dem herrlichen Humor von Nils Heinrich machtlos ausgeliefert. Und Ihnen wird es beim Anhören dieses kleinen Meisterwerkes nicht anders ergehen. Darauf verwette ich meinen kleinen originalen, bunten Mauerstein aus dem Antifaschistischen Schutzwall, der seinerzeit Gut von Böse getrennt hat. Je nachdem auf welcher Seite man stand.

Nils Heinrich ist etwas gelungen, was anderen Künstler bisher nicht gelang. Er dringt mit dieser CD bis in den Kern der DDR Zeit vor, ist zuweilen durch ihn erschüttert und – ironisiert diese Erschütterung nahezu perfekt. Wenn man es recht verstehen will, ist der Künstler Heinrich ein vielseitig gebildeter Kabarettist und beileibe nicht nur ein Komödiant, so schwer es manchmal auch fällt, diese Grenze zu ziehen. Aber sie ist vorhanden; das merkt man an der Art, wie er seine Bühnenstücke vorträgt. Er verlegt nämlich seine sozialkritischen Ansichten in gekonnt bissige Witze und bitterbös funkelnde Ironie.

So auch, wenn er folgendes dem Publikum vorträgt: „Mit halbautomatischen Waffen schossen wir auf Pappkameraden, die Westdeutsche darstellten. Wir schossen quasi auf unsere eigenen Westverwandten. Da braucht es schon einen kurzen Moment der Überwindung. Wenn man allerdings solche Westverwandten hatte wie ich, dann überlegt man nicht lange. Sondern hielt drauf und drückte ab. Nachdem man den Dauerfeuermodus eingestellt hatte.“

Sein scharfes, unablässiges Beobachten und die meisterhafte Wiedergabe des Beobachtenden machen den Kabarettisten Heinrich zu einem hervorragenden Schilderer, vom Leben der so genannten Deutschen Demokratischen Republik. Aber Heinrich beobachtet nicht nur, nein, er schien auch unter den diversen Verhältnissen gelitten zu haben, die er auf seiner neuen CD veröffentlicht hat. Aber er hat wohl auch bei seiner Wiederkehr gelitten, jedenfalls hat man den Eindruck, wenn man sich das einzige Lied auf der CD anhört. „Willkommen in meiner Heimatstadt, vor Jahren bin ich hier weg, viele haben es mir nachgemacht, bleiben hat keinen Zweck“ heißt es in einer Zeile des Liedes „Zu Hause“. Und in einer anderen ist „Früher gab nur eine Sonderschule hier im Ort, jetzt gibt es davon einige. Die Klugen sind alle fort“ zu hören. Traurig, aber wohl Realität. Auch wenn er unter Umständen die Wahrheit besungen hat, Freunde hat er sich mit den Sätzen bestimmt nicht gemacht. Jedenfalls nicht auf dem ehemaligen Grund und Boden des Arbeiter und Bauernstaates. Dabei ist diese CD doch gerade dort entstanden, wo Heinrich seine Jugend verbracht hat. Kann es eine bessere Hommage an einer Klein Stadt im „terra nulluis“ an der Grenze zum Harz geben?

So macht sich der Mann mit dem selbst ernannten Migrationshintergrund auf seine Art und Weise lustig über ein Land, das vom Westen ausgesehen „Drüben“ hieß. Er selbst nennt es immer noch das Land „Wieso funktioniert denn der Rotz nicht?“ Aber er, aufgewachsen in der Sachsen- Anhaltischen Provinz Sangerhausen, er darf das. Denn Heinrich glaubt man jede Zeile seiner Erinnerungen als er ein FDJler war. Auch wenn er sagt, das sie früher ja nichts hatten, außer Bananen. Und die gab es auch nur dann, wenn die Grenzmarine der DDR in der Ostsee einen Bananenfrachter gekapert und zum Anlegen im Rostocker Hafen gezwungen hatte.

Dieses Gemisch von Witzigkeit, Spitzfindigkeit, Anmut und Plauderei ist es, was Heinrich zu einem wahren Gesellschaftsrevoluzzer macht.

Weitere Informationen gibt es unter: www.nils-heinrich.de

Nils Heinrich „Als ich ein FDJler war“ Ab 01. Oktober 2010 auf dem Markt Label: Kennen GmbH www.kennen.de ISBN: 978.3.938705-4

Marten J. Bruns, Roland News Bremen für Onlinezeitung24.de

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Schlüsselwörter: Marten J. Bruns | Roland News Bremen | Bremen | Nils Heinrich | Sangerhausen | FDJ | Mauer | DDR | Sachsen-Anhalt | Musik | Stuttgart | Kaberett | Sänger | Harz
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Kommentare

IPG Independent Pressgroup
am 28.09.2010 23:29:03 (90.169.190.xxx) Link Kommentar melden
naja, mögen..*ggg*...aber- was haben wir denn für Alternativen..???Grin
286
am 30.09.2010 22:36:05 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Wer eine Mauer will, soll sie haben. Aber dann bitte das Begrüßungsgeld zurückzahlen Wink und das empfangene Hartz-IV- und Kindergeld.
357
am 01.10.2010 11:57:10 (84.19.165.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 01.10.2010 12:21:44.
321
am 01.10.2010 18:47:56 (88.68.98.xxx) Link Kommentar melden
Ich glaube nicht, dass irgendjemand ernsthaft die Mauer will. Aber es ist schlimm, wenn 20 Jahre nach der Vereinigung der beiden deutschen Staaten mit einem solchen Gedanken gespielt wird.

Ich kenne sehr viele Paare, die ost-westliche Beziehungen sind, so langsam könnte man einfach mal "normal" werden, auch im Umgang miteinander.

Manche Witze muss man uns, der Generation nach der Vereinigung, erst erklären, aber das muss man bei Witzen aus der Adenauerzeit oder aus dem Dritten Reich auch, was solls.

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