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Sonstiges: Kultur & Religion

Jom Kippur – der Versöhnungstag

Das höchste und wichtigste jüdische Fest

Gebet in der Synagoge, 1878
Gebet in der Synagoge, 1878
Jom Kippur, der Versöhnungstag, ist das heiligste Fest der jüdischen Religion. An ihm herrscht nicht nur völliges Arbeits- und Werkverbot, sondern zusätzlich ein absolutes Fastengebot. Der Jom Kippur wird übrigens auch als schabbat schabbaton bezeichnet, als Sabbat aller Sabbate: der höchste eben, der wichtigste, der heiligste. In diesem Jahr 2010, nach dem jüdischen Kalender das Jahr 5771, fallen Schabbat und Jom Kippur auf denselben Tag, beginnend am Freitagabend, dem 17.09.2010, bei Sonnenuntergang. – Wie immer gelten diese strengen Fasten-Vorschriften nur für gesunde und erwachsene Juden: Kranken und Kindern ist das Fasten sogar verboten, ferner selbstverständlich auch schwangeren Frauen. Ebenso gilt – wie bei allen 248 Geboten und 365 Verboten der Torah, den sogenannten 613 Mitzwoth („Pflichten“) – die Regel: Lebensgefahr hebt den Schabbat und jedes Gebot auf! – Alles, was das Menschenleben schützt und rettet, geht also jeder anderen Regel vor. Deswegen funktionieren in Israel Krankenhäuser oder die Feuerwehr und Polizei auch an Jom Kippur genauso gut wie diese Einrichtungen in Europa am Sonntag oder an Weihnachten und Ostern.

An Jom Kippur wird 24 Stunden lang streng gefastet, was bedeutet: keine Nahrung, auch nichts zu trinken! Wer schon einmal gefastet hat, der weiß, daß dies manchem recht schwer fällt, bei einer medizinischen Fastenkur sind bekanntlich die ersten 36 Stunden die schlimmsten; da sich der Körper noch nicht auf die „innere Ernährung“, also die Energieversorgung durch Fettverbrennung, umgestellt hat, quälen beißende Hungergefühle die meisten Menschen in den ersten Tagen des Fastens. – Aber es kommt noch besser: neben dem totalen Arbeitsverbot und dem strengen Fasten ist es weiterhin nicht erlaubt, zu baden oder sich zu salben bzw. zu parfümieren, ebenso sind auch Lederschuhe und Schmuck jeder Art verboten. Selbstverständlich auch das Rauchen. Alles, was dem Körper von außen zugeführt wird, ist an diesem Tag tabu. Außerdem – wen wundert's noch? – auch jede sexuelle Betätigung. Wenn aber alles, was dem Menschen Freude macht – insbesondere also arbeiten, essen, trinken und Sex – an diesem Tag verboten ist, ist klar, was dabei übrigbleibt: nachdenken, in sich gehen, beten. Genau das ist auch der Sinn, und so verbringen die meisten diese Zeit in der Synagoge oder mit dem Studium der Schriften. Der Körper wird hier für einen Tag dem Geist und vor allem der Seele untergeordnet, eine gute Übung...

Militär-Gottesdienst am Jom Kippur in Brüssel 1915
Militär-Gottesdienst am Jom Kippur in Brüssel 1915
Um das alles zu verstehen, muß man sich folgendes vergegenwärtigen: Jom Kippur, der Versöhnungstag, ist ein Tag der Versöhnung mit G-TT, im Mittelpunkt steht das Bekennen und Bereuen religiöser Verfehlungen und des Nichteinhaltens von religiösen Geboten. Der Bund zwischen dem Jüdischen Volk und G'TT wird erneuert. Jom Kippur markiert den Tag, an dem G-TT dem Jüdischen Volk die Sünde des Goldenen Kalbes vergeben hat. – Dies erklärt auch die Abkehr von Äußerlichem wie Schmuck, Parfümieren oder edler Kleidung und teurem Schuhwerk, frei von diesem und ebenso frei von Arbeit oder vergnüglichen Aktivitäten soll jeder in sich selbst schauen und im Gedenken an seine unabdingbare Sterblichkeit vor G'TT treten.

Es ist also eine Art Innehalten, eine Besinnung, ein inneres Aufräumen; dies geht selbstverständlich nur, wenn man sich nicht nur mit G'TT versöhnen will, sondern zuvor auch die Streitigkeiten mit seinen Mitmenschen befriedet und eventuelle materielle Verpflichtungen erfüllt hat...

IDF am 12.10.1973, Golan Heights
IDF am 12.10.1973, Golan Heights
Leider hat seit einigen Jahrzehnten Jom Kippur für Juden noch eine weitere Bedeutung: die schlimme Erfahrung des heimtückischen ägyptischen und syrischen Überfalls auf Israel an Jom Kippur 1973, der als Jom-Kippur-Krieg in die Geschichte einging, als der vierte arabisch-israelische Krieg. Während es für Christen normal ist, sich wenigstens an Heiligabend und an Weihnachten bei Streitigkeiten sowie auch bei kriegerischen Auseinandersetzungen gegenseitig eine Feuerpause und Waffenruhe zu gönnen – so geschehen in den beiden Weltkriegen, sogar auch in den Kriegen in Korea und Vietnam – ist dies für Araber anders: im Krieg gegen die als „Ungläubige“ geschmähten Andersgläubigen ist Arabern und Mohammedanern jedes Mittel der Lüge, des Betrugs und der Heimtücke recht. Letztlich eben alles eine Frage der Kultur und der Ethik; hier zeigt sich somit wieder einmal recht anschaulich die religiöse „Toleranz“ des „Islam“. Die Araber dachten damals, sie könnten – das den höchsten jüdischen Feiertag begehende – Israel leicht überrumpeln; Israel brauchte dann auch in der Tat 24 Stunden, um die Armee zu mobilisieren, und verlor bei diesem heimtückischen arabischen Überfall 2.656 Menschenleben und hatte 7.250 Verwundete zu beklagen. – Wie gesagt, Menschenleben zu retten geht immer vor. Wenn man an Jom Kippur oder an Schabbat überfallen und mit dem Tod bedroht wird, steht jedes religiöse Gebot zurück.

  • Bildnachweis:
Dieses Jahr: 17./18. Sept. 2010
Dieses Jahr: 17./18. Sept. 2010
  • Jews Praying in the Synagogue on Yom Kippur“. Maurycy Gottlieb (1856-1879). Via Wikipedia, public domain.
  • Bildaufschrift: „Militär-Gottesdienst am Jaum Kippur in Brüssel 1915. Veranstaltet durch Off. Stellv. Baum aus Cöln“. Verlag Louis Lamm, Berlin, – (Jüdische Kriegspostkarte Nr. 14), 1915/16. – Der Verleger Louis Lamm veröffentlichte eine Serie patriotischer Postkarten. – Eigener Scan.
  • Hostilities during the Arab-Israeli War of 1973“. Via Wikipedia, public domain.
  • Yom Kippur 2003“. This image is a work of a U.S. military or Department of Defense employee, taken or made during the course of an employee's official duties. As a work of the U.S. federal government, the image is in the public domain.

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Schlüsselwörter: Judentum | Feiertage | Jom Kippur | Schabbat
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Kommentare

317
am 17.09.2010 18:46:33 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
Umkehr und Gebet und Liebeswerke wenden ab das Böse des Verhängnisses, denn so wie Dein Name, so ist Dein Ruhm:
Schwer zu erzürnen und leicht zu versöhnen!

Denn nicht hast Du Gefallen am Tod des Sünders, sondern dass er umkehre zu Dir und lebe.



Gmar chatimah towah!

Möget Ihr ins Buch des Lebens eingeschrieben und besiegelt werden für ein gutes Jahr.




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317
am 07.10.2011 08:58:08 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
In meinem interreligiösen Kalender sehe ich, dass das jüdische Neujahrsfest Rosh Hashanah (Neujahr) gerade vorbei ist und nun heute abend der Jom Kippur (Versöhnungsfest) vor der Tür steht, danach dann Sukkot, das Laubhüttenfest.

Zu den Jüdische Feiertagen und eventuellen Fettnäpfchen wäre es für mich nun interessant zu wissen, wie wird dies von Juden gesehen, wenn ein Nichtjude darauf Bezug nimmt? Etwa mit einer Grußformel („Ein schönes Rash Hashanah?“)? Oder ist das unpassend und man sollte lieber beim unverfänglichen „ein schönes Wochenende“ bleiben? Welche Adjektive sind den Feiertagen angemessen? „Fröhliches Purimfest“ ist wohl nicht verkehrt, ebenso ist es wohl bei Chanukka. „Ein froher Yom Kippur“ kommt mir aber ein bisschen vor wie „ich wünsche Ihnen einen lustigen Karfreitag“. Was passt jeweils, weiß das jemand?
kommt123
am 07.10.2011 12:55:32 (92.230.248.xxx) Link Kommentar melden
@ Annett

Ich denke, in Zeiten der Globalisierung und dem Zusammenwachsen vieler Länder, wenn man es ehrlich meint, ist eine Grußformel, gemäß der jüdischen Feiertage, durchaus gerne gesehen ...
627
am 07.10.2011 17:56:48 (204.93.160.xxx) Link Kommentar melden
Siehe ersten Kommentar, das ist schon richtig. Hier noch als Übersicht:
http://www.hagali...formel.htm

"Zom kal" (leichtes Fasten) wäre jetzt gerade angebracht.

Judentum: Jom Kippur | Informationsplattform Religion
www.religion-online.info/judentum/themen/feiertage/jomkippur.html
"Chatima towa!" - "Eine gute Besiegelung" lautet deshalb der traditionelle Gruß an diesem Tag. Jom Kippur gilt als heiligster Tag im Jahr. Zentrale Bestandteile ...

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