Politik: Politische Meinung

Streitkultur?

Wenn der Mob einmal in Schwung ist...
01.09.2010 09:43:49 eingesandt von Chaim für OnlineZeitung 24.de

...hot'n spicy...
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Der Mann ist alt genug. Er weiß, was er sagt. Er provoziert gern. Er legt sogar gern noch nach, wenn er angegriffen wird. Er hat echte Nehmer-Qualitäten, und er teilt gezielt aus. Wenn man das Geheul derjenigen als Maßstab nimmt, die er angeht, dann ist es ein Volltreffer, den er ihnen besorgt hat. – Der Mann ist übrigens das Musterbeispiel eines Europäers mit – wie man heute so gern sagt – „Migrationshintergrund“, er spricht perfekt deutsch und er ist bestens integriert. Was will man eigentlich noch mehr?

Dr. Thilo Sarrazin braucht keine Schützenhilfe. Er ist alt genug, und er weiß, was er sagt. Genau deswegen sagt er es ja. Seltsamerweise kann man ihn auch, was die Fakten angeht, gar nicht widerlegen. Das macht das wütende Geheul derer, denen er es mal wieder besorgt hat, umso wütender. Die Fakten liegen schon lange auf dem Tisch, und sie sehen nicht gut aus. Deutschland ist hinterrücks zu einem Zuwanderungsland gemacht worden, ohne daß es eines war oder hätte sein sollen. Die erste Hintertür war das Asylrecht, das als gutmenschlicher Reflex auf die deutschen Greuel der NS-Ära implantiert wurde. Nett gemeint, aber eben mißbraucht. Die zweite Hintertür waren diverse Änderungen des Staatsbürgerschaftsrechts, mit dem mittlerweile Ausländer zu Deutschen gemacht wurden, ohne daß sie dies eigentlich sein wollten. Sie wollten allerdings Stütze und andere Annehmlichkeiten... Gleichzeitig jedoch weigern sie sich, die Nationalhymne zu singen, oder sie sind schlicht und einfach nicht in der Lage oder nicht willens, deutsch zu lernen. ganz davon abgesehen, daß speziell die Mehrheit der Türken und Araber die Deutschen und die deutsche Kultur verachten.

Die Diskussion um Sarrazin ist peinlich. Nicht wegen der Streitpunkte, sondern weil die Streitpunkte gar nicht als solche wahr- und ernstgenommen werden. Peinlich sind nicht biologistische Metaphern in Sarrazins Buch, sondern die Lust des deutschen Mob aus Linken, Roten, Grünen und vor allem aus Journalisten, die nun eine unglaubliche Hatz veranstalten: auf den Menschen Sarrazin, nicht auf die Thesen, die er vertritt. Hoffnungsvoll jubeln bereits die Nachrichtenagenturen: „Es wird eng für Sarrazin“.

Der Mann geht seinen Weg...
Der Mann geht seinen Weg...
Eng? Wieso eng? Der Mann geht seinen Weg, so oder so. Er kann deutsch, er ist integriert, und mindestens zwei Drittel aller Deutschen finden das goldrichtig, was er sagt und welche Schlüsse er daraus zieht. Je enger es angeblich für ihn wird, desto besser wird sich sein Buch verkaufen, desto häufiger wird er zu Vorträgen eingeladen werden. Ein solcher Mann braucht keinen Posten bei einer Bundesbank, aber andere brauchen oder wollen ihn: jedes Unternehmen dürfte sich glücklich schätzen, ihn im Vorstand zu haben. Soll die Meute aus halbgaren Journalisten wie Beckmann, Kerner & Co. ruhig Jagd auf ihn machen. Mag die Kanzlerin sich weiter dadurch lächerlich machen, daß sie meint, einen Buchschreiber zensieren zu sollen.

Vor kurzem passierte übrigens schon einmal etwas ähnliches: in Duisburg machte der Mob auf der Straße Jagd auf den Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Es ging nicht so sehr darum, ob dieser OB Fehler gemacht hat, oder ob seine Mitarbeiter sie gemacht haben und er dafür verantwortlich ist. Es ging um den Stil, mit dem man politisch streitet, um den Stil, wie man einen menschen öffentlich behandelt. Es geht um die Würde. Wenn ein Oberbürgermeister in Duisburg nicht einmal an einem Trauer-Gottesdienst für 21 Jugendliche teilnehmen kann, ohne beschimpft und gemobbt zu werden, dann heißt das Problem dieses neuen deutschen Idealismus ganz einfach: Würdelosigkeit.

Der Mob ist an sich immer würdelos, das liegt in seiner Psychologie begründet. Daran sollten gerade Deutsche gelegentlich einmal denken. – Die aufgebrachte Meute in Duisburg bei ihrer Jagd auf Adolf Sauerland hat mich an die SA-Leute erinnert, die auf der Straße Hatz auf mißliebige Menschen machten oder sich vor Läden postierten, um einen Boykott zu erzwingen. Und die Journalisten, die jetzt gerne Sarrazin jagen, ohne mitzukriegen, daß ihn das gar nicht tangiert, die erinnert mich an den Straßenmob in Duisburg.

Vermeintlich rechtschaffene Bürger, in angeblich gerechtem Zorn, voller Emotion und mit wenig Verstand. Zu dumm jedenfalls, den Analysen und Thesen von Thilo Sarrazin mit vernünftigen Argumenten zu begegnen, politisch darum zu streiten. Dabei wäre genau das sehr angebracht, wenn man kein Scharia-Land werden möchte. Und es wäre doch so einfach: man bräuchte nur die Zuwanderung klar zu regeln, sinnvoll zu steuern. Wenn man fleißige Vietnamesen oder Chinesen, intelligente russische Juden oder polnische Katholiken sowie vor dem islamischen Mob geflohene Iraner oder Inder in Deutschland manch anderen Gruppen vorzieht, was sollte daran rassistisch sein? Man nimmt doch auch nicht jeden Anhalter mit, wenn er einem optisch oder aus anderen Gründen nicht paßt... – Vermutlich wird Sarrazin heute abend gemütlich in seinem Sessel sitzen, ein Glas Rotwein genießen, vielleicht auch eine gute Zigarre oder Pfeife rauchen, und er wird sich denken: was juckt es die Eiche, wenn sich eine Sau an ihr reibt?

Recht hat der Mann! – Le'chaim! Santé! Cheers! Op uw gezonheid! Na zdrowie!

  • green pepper via image*after, public domain
  • Thilo Sarrazin am 3. Juli 2009, via Wikipedia, Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported

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