Politik: Soziales & Bildung

Ex!

Boshafte Anmerkungen zu mangelndem Sprachgefühl in Verbindung mit „politischer Korrektheit“
26.08.2010 07:41:54 eingesandt von Chaim für OnlineZeitung 24.de

Ehemalige Mohammedaner...
Ehemalige Mohammedaner...
Man muß wirklich kein Latein gelernt haben, um als gebildet zu gelten. Das Internet und Google gleichen dieses Manko schließlich unkompliziert und kostenlos aus. Doch zuvor bereits gab es Bücher wie „Latein für Angeber“, in denen die wichtigsten lateinischen Zitate zum Nachschlagen und Angeben alphabetisch sortiert zusammengefaßt waren. Außerdem sind viele Begriffe, die reines Latein sind, wenn auch oft verstümmelt, längst ins Deutsche aufgenommen. Medizinische Fachausdrücke wie „exitus“ oder unter Zechern übliche Ausrufe wie „ex und hopp!“ versteht jeder, auch das – meist mit angewidert verzogenem Mund gespuckte – Wort „mein Ex“ oder „meine Ex“ muß man wirklich niemandem übersetzen.

Nehmen wir jedoch einmal eine andere sprachliche Anwendung in den Blick, nämlich die sogenannte „Exklave“ und damit auch die sogenannte „Enklave“. Wer den Unterschied verstanden hat zwischen „ich ging in den Raum hinein“ und „er kam in das Zimmer herein“, der versteht auch, was es mit Exklave respektive Enklave auf sich hat... – es geht, wie so oft, um die Perspektive desjenigen, der das Wort verwendet, beziehungsweise geht es darum, worauf das Wort bezogen ist. Ähnliches kennen wir ja auch von hinauf – herauf, hinab – herab, hinaus – heraus. Ich werfe dem Straßenmusiker ein paar Münzen aus dem Fenster hinunter, aus seiner Sicht fällt das Geld vom Himmel herunter. Ich steige den Berg hinauf, die Entgegenkommenden steigen aus ihrer Wahrnehmung hinunter, und wenn sie ein Daheimgebliebener unten erwartet, dann kommen die müden und verschwitzten Bergwanderer – aus seiner Sicht – herunter. Daher sagt man ja auch zu einem, der sich aufregt, „komm mal wieder 'runter!“, weil man selbst, emotional gesehen, ja unten geblieben ist, nämlich auf dem Teppich. – So schwer ist das alles nicht, und im Griechischen oder im Lateinischen legte man eben einfach sehr großen Wert auf eine präzise Formulierung, die die Logik des Denkens in der Logik der Sprache wiedergab. Deswegen schult der Lateinunterricht ja auch das logische Denken.

Ergebnis der Google-Suche...
Ergebnis der Google-Suche...

Auch bei PI beherrscht man – wen wundert's? – die eigene Muttersprache nicht mehr so ganz richtig; dies ist überhaupt ein seltsames Phänomen: je nationalistischer und „toitscher“ ein Deutscher ist, desto schlechter wird seine Sprache, ganz schlimm wird es bei den Nazis. Was natürlich nicht im Umkehrschluß heißen soll, daß man umso nationalistischer wird, je weniger man in der eigenen Muttersprache bewandert ist. Ein Legastheniker ist schließlich noch lange kein Nazi. Doch peinlich für denjenigen selbst und amüsant für den sprachkundigen Betrachter ist's mitunter schon, wenn so ein brauner Berufs-Teutone – der möglicherweise schlank und rank ist wie Göring, so ebenmäßig und athletisch wie Goebbels oder so blond und so blauäugig ist wie Hitler – dann schlechter deutsch spricht als die Thais, die Türken, die Schwarzafrikaner oder die russischen Juden, denen er aus „rassischen“ Gründen überlegen zu sein glaubt.

Eine Blockade der unbeachteten Art trifft derzeit die spanische Enklave Melilla an der afrikanischen Mittelmeerküste. Die Stadt, die ebenso wie Ceuta der ungehinderten Invasion von Schwarzafrikanern und Moslems in die europäische Union im Wege ist, wurde von Marokko von Lebensmittel Lieferungen abgeschnitten. Proteste des spanischen Königs zeigen ebenso wenig Wirkung wie die wachsweichen Dialügangebote des sozialistischen Ministerpräsidenten Zapatero.

Quelle: PI, Hervorhebungen nicht im Original

Ex~ oder En~?  Wer hat's begriffen?
Ex~ oder En~? Wer hat's begriffen?

Wer Enklaven von Exklaven nicht unterscheiden kann, braucht sich erst gar nicht an so wahnsinnigen Wort-Kreationen wie Dialüg zu versuchen, aber geschenkt! Lassen wir auch mal den krummen Sinn der Aussage unberücksichtigt, den semantischen Unsinn. – Es ist nämlich eher so, daß die beiden Städte Melilla und Ceuta natürlich nicht „der ungehinderten Invasion von Schwarzafrikanern und Moslems in die europäische Union im Wege“ sind, sondern allenfalls gerade im Gegenteil Einfallstore für eine solche Invasion sein könnten, wenn nämlich jemand die dortigen drei bis sechs Meter hohen Schutzzäune überwindet und sich dann – auf dem afrikanischen Kontinent! – bereits auf dem Boden der EU befindet. Doch lassen wir dergleichen Petitessen; versuchen wir lieber mal zu klären, ob Melilla und Ceuta denn nun spanische Enklaven oder doch eher spanische Exklaven in Marokko sind.

C ist Exklave von(!) B und Enklave in(!) A!
C ist Exklave von(!) B und Enklave in(!) A!
Spielen wir das doch einfach mal in Deutschland an einem viel bekannteren Beispiel durch: Bremerhaven ist eine Exklave des Landes Freie Hansestadt Bremen. Die Stadt Bremen wiederum hat das Stadtbremische Überseehafengebiet Bremerhaven als „Exklave in der Exklave“. Die Stadt Bremerhaven (und somit auch das Land Bremen!) hat das Fehrmoorgebiet im Nordosten als Exklave, das durch einen schmalen Streifen Niedersachsens abgetrennt ist. Die Stadt Bremen ist wiederum eine Enklave im Bundesland Niedersachsen, nicht jedoch das Bundesland Bremen, da dieses in Bremerhaven eine Küstenlinie hat. – Alle Klarheiten beseitigt? Wenn es noch eines Arguments bedurft hätte, warum man das Bundesland Bremen, das ohnehin pleite ist, endlich einmal auflösen und dem Land Niedersachsen angliedern sollte, hier hätte man es. Das En- und Exklavenproblem Bremens und Niedersachsen wäre in einem Aufwasch beseitigt, also ex und hopp!

Exklave von B, aber keine Enklave von A oder C!
Exklave von B, aber keine Enklave von A oder C!
Melilla und Ceuta sind übrigens Spaniens Exklaven, sie sind aber keineswegs Enklaven, aus einem ganz einfachen Grund. Eine Enklave (von französisch enclaver ‚umschließen‘) ist nämlich ein Staatsgebiet, das vollständig vom Gebiet eines anderen Staates umschlossen ist, also hat, wie beispielsweise Lesotho (vollständig umschlossen von Südafrika), San Marino und Vatikanstadt (beide haben nur eine Auslandsgrenze, nämlich zu Italien). Liechtenstein dagegen ist keine Enklave, da es an die Schweiz und an Österreich angrenzt. Ceuta und Melilla sind keine Enklaven, weil beide Städte einen eigenen Zugang zum Mittelmeer haben. Ergo: Melilla und Ceuta sind Exklaven, quod erat demonstrandum. Da beißt die Maus keinen Faden ab...!

...also nein, Sachen gibt's!
...also nein, Sachen gibt's!
Apropos beißen... – Es gibt doch immer wieder bemerkenswerte Ereignisse und seltsame Begegnungen, nicht nur bei Vampiren. Hunde begegnen Katzen, Katzen begegnen Mäusen; boy meets girl, eine uralte Story, die gelegentlich nur ein wenig variiert wird.

Christ begegnet Heiden, Jude begegnet schickse, Mohammedaner begegnet Christen. Unter Umständen begegnet ein Ex-Sklave einem Exoten in einer Exklave voller Ekstase. Manchmal ist der Christ ein Ex-Priester und zudem auch noch schwul, manchmal ist der Mohammedaner schwul und verdient sich seine Brötchen als Stricher...

Das Leben ist bunt und vielfältig. Soll jeder selber sehen, wie er damit klar kommt. Und das Exklaven-Enklaven-Problem kann bei dieser Story nun der Leser selbst ekstatisch oder emphatisch durchdeklinieren, wenn ihm danach ist...

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Screenshots aus dem Internet, z.T. bearbeitet; die Quelle ist jeweils ersichtlich. Die beiden graphischen Darstellungen aus Wikipedia sind GNU-FDL- bzw. CC-linzensiert, der link zu den Artikeln ist im Text bereits enthalten.