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Amok nicht nur im fernen Amerika - Jetzt auch gleich in der Nachbarstadt nebenan

Auch Rettungsfachpersonal muss für Einsätze bei Gewalttaten geschult werden

Da sich Amoktaten nicht nur im fernen Amerika ereignen, wo der Waffenbesitz zu elementaren Bürgerrechten zählt, sondern in den letzten Jahren auch in Deutschland häufen, und zu den gewalttätigsten und medienwirksamsten Ereignissen überhaupt gehören, stellt sich die Frage nach der Ursache. Man kann beobachten, dass nach jedem Ereignis, Reaktionen ausgelöst werden, die bei subjektivem Empfinden eher einem hyperaktiven Handeln gleichen, als einem gezielten Vorgehen und Nachdenken zur Ursachenforschung. Das betrifft im Wesentlichen, den aus meiner Sicht oftmals überzogenen Aktionismus in manchen Medien, und insbesondere aber, nach subjektivem Empfinden auch die Reaktionen aus der Politik.

Amokereignisse in Deutschland:

  • 1999 Dillingen (5 Tote und Suizid des Täters)
  • 1999 Bad Reichenhall (4 Tote und Suizid des Täters)
  • 1999 Bielefeld (7 Tote und Suizid des Täters)
  • 2000 Westerhold (2 Tote )
  • 2000 Dortmund (3 Tote und Suizid des Täters)
  • 2000 Salzgitter (3 Tote und Suizid des Täters)
  • 2001 Neubeuren (3 Tote und Suizid des Täters)
  • 2002 Freising (3 Tote und Suizid des Täters)
  • 2002 Erfurt (17 Tote und Suizid des Täters)
  • 2003 Pforzheim ( 3 Schwerverletzte)
  • 2006 Emsdetten (5 Personen mit Schussverletzungen, 32 mit Rauchvergiftung )
  • 2009 Winnenden (16 Tote und Suizid des Täters)
  • 2009 Ansbach (9Verletzte)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beschreibt Amok als willkürliche, nicht provozierte Abläufe mörderischer, oder erheblicher fremd - zerstörerischen Verhaltens.

Amoktaten sind im Vergleich zu anderen kriminellen Handlungen eher selten, aber in der Auswirkung fast immer ein sehr tragisches Tatgeschehen. Die Gewalt - Täter suchen bei ihren Aktionen oftmals den eigenen Tod, bei dem zuvor aber möglichst viele andere Menschen umgebracht oder verletzt werden sollen. Man kann auch davon ausgehen, dass diese Taten gut geplant sind. Weiterhin muss man annehmen, dass ein Tatentschluss über längere Zeiträume reift. Amoktaten werden in der Literatur als „Endpunkt eines langen Weges“ beschrieben, der die zielgerichtete tödliche Gewalt gegen andere als einzige Lösung der Probleme der Täter erscheinen lässt.

In der Forschungsliteratur, aber auch in anderen Veröffentlichungen, gibt es seit Jahren schon Hinweise darauf, dass. regelmäßige Kränkungen, Mobbing, Niederlagen, Demütigungen, Schulverweise, Kündigung von Beschäftigungsverhältnissen und Verlustsituationen von Tätern als besonders schwerwiegend wahrgenommen wurden.

Weiterhin ist längst bekannt, dass die psychische und physische Gesundheit durch Frust erheblich in Mitleidenschaft gezogen werden kann. Die Auswirkungen können bedrohliche Formen hervorrufen. Ängste, Enttäuschungen und Belastungen aus zwischenmenschlichen Beziehungen, wenn sie lange genug dauern und intensiv sind, hinterlassen deutliche Spuren. Das wichtige Gefühl der sozialen Zugehörigkeit zu einer Gruppe, und die Erfahrung gebraucht, anerkannt, und für vollbrachte Leistungen belohnt zu werden, ist aber erforderlich für die Bewältigung emotionaler Spannungen. Fehlen die Motivationen der Zugehörigkeit und Anerkennung, dann schlagen Krisen voll durch, und die Krankheitsanfälligkeit steigt dramatisch. Krankenkassen haben nun erneut festgestellt (Veröffentlichungen 2009/2010), dass eine verhältnismäßig hohe Steigerung von psychischen Erkrankungen bei Arbeitnehmern zu verzeichnen ist. Hierbei sehe ich große Schwierigkeiten bei Diagnostik und Therapie. Nicht jeder Mediziner nimmt seine, für ihn oftmals nicht erkennbare, aber dennoch schwer leidende Patienten immer so wirklich ernst. Gelegentlich könnte man den Eindruck gewinnen, dass den stressgeplagten Patienten gar unterstellt wird, „nicht wirklich krank“ zu sein.

Wir sollten aber hierbei nicht nur an die Arbeitnehmer denken. Auch Millionen Schüler / Innen erleben Alltagssituationen, in denen sie Anforderungen ausgesetzt sind, die sowohl bei subjektivem Empfinden, als auch bei objektiver Betrachtung, gelegentlich kaum zu Bewältigen sind. Überlastete Eltern können Kindern und Jugendlichen nicht immer den erforderlichen Rückhalt bieten. Fehlende Kommunikation trägt zur kontinuierlichen Verschlechterung der Situation bei.

Natürlich kann eine Auflistung möglicher Indikatoren, kein Beweis für die Ursache von Amoktaten sein. Dennoch kann man davon ausgehen, dass Menschen mit einem gesunden Selbstwertgefühl eher in der Lage sind, mit oftmals gegebenen Ausnahmesituationen fertig zu werden, als jene die sich permanent übergangen, übersehen, vernachlässigt und aus dieser werten Gesellschaft ausgestoßen fühlen oder wurden.

Grundlegende Kriterien gilt es zu intensivieren. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass wir gemäß einer Kultur des Vertrauens, mit der notwendigen Offenheit, und dem gebotenen gegenseitigen Respekt miteinander Umgehen. Auch wenn man untereinander nicht immer einer Meinung sein kann, so ist es doch wichtig, dass man rechtzeitig und konstruktiv miteinander an Problemstellungen arbeitet, und sich um Kompromisse und Konsens bemüht.

Eine Ursachenforschung, zur Klärung des zunehmenden Gewaltpotenziales in unserer Gesellschaft, könnte daher auf mehreren Ebenen erfolgen:

  • Individuell
  • Im sozialen Umfeld
  • Gesamtgesellschaftlich

Fakt ist aber, es wird weiterhin Amokläufe und Gewalttaten geben, das lässt sich nicht verhindern. Erschreckend ist, dass man bei einer großen Anzahl der Gewaltdelikte eine „andere Qualität“ feststellen muss. Täter gehen mittlerweile, regelmäßig mit massivster Gewalt gegen die „Opfer“ vor. Somit ergibt sich nun die dringliche Erfordernis, auch Rettungsfachpersonal auf solche Ereignisse vorzubereiten. Verhalten und Umgang mit Polizeikräften im Einsatz sollte gemeinsam geübt werden.

Es muss eine entsprechende Sensibilisierung des Rettungsfachpersonals erfolgen. Erkennbares Gewaltpotenzial sollte in den meisten Fällen zum geordneten Rückzug anregen. Auf nicht erkennbare Gefahrensituationen, mit Verhinderung von Fluchtwegen, und tätlichen Angriffen sollte Rettungsfachpersonal in praktischen Abwehrmaßnahmen geschult sein.

Von Alfred Brandner Rettungsassistent, Fachkraft Gewaltprävention/Abwehr

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Schlüsselwörter: Amok | Amokereignisse | Rettungspersonal
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