Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Medien: Sonstiges

Perverser Ablaßhandel

„Willst Du Spaß? Dann wähle Null-Neunhundert, einssex, einssex, sexneun! – Komm schnell, jetzt!“

Red-Nose-Play
Red-Nose-Play
Pakistan und kein Ende. Unter dem etwas flachsinnigen Spaß-Motto „Tut was Verrücktes und sammelt Geld!“ greift der Spendenwahn weiter um sich. Wer nicht mitmacht, wer sich der psychischen Nötigung und der sprachlichen Vergewaltigung nicht beugt, der wird öffentlich beschimpft, für vogelfrei erklärt, zum Haßobjekt aufgeblasen und bekommt den Stempel „Unmensch“ auf die Stirn gebrannt. Wer nicht im Gleichschritt der Spendierhosen marschiert, der ist – ganz klar! – ein Kameradenschwein (lat.: sus incollegialus).

Völlig verrückt, stimmt. So aber wird das derzeit gemacht. So funktioniert sozialer Druck, so macht man Propaganda, so geht Gehirnwäsche. Weh dem, der da aus der Reihe tanzt! Der angewandte Faschismus der von sich selbst überzeugten Gutmenschen wird ihn ewig dissen, mobben und stalken! Und das alles nur wegen einer hirnlosen Manie, einer wütenden Raserei, nämlich dem gemeinen Spendenwahn (lat. mania largitionis)...

Ein paar Tage später als andere Dienstbeflissene, aber noch nicht zu spät, haben sich die verrückten Spaßvögel vom Red-Nose-Day unter die Kombattanten des verrückten Bürgerkriegs um Pakistan gemischt. Man blendet alle fünf Minuten beim sonntäglichen TV-Krimi-Abend die 0900er-Spendennummer ein, ein Fünftel des Bildes ist damit am unteren Rand verhunzt, auch das ist doch verrückt. Man steht beim Kampf liebe Menschen gegen böse Spenden-Verweigerer auf der richtigen Seite, auf der Seite der Guten, und verschafft sich ein gutes Gewissen – und genau das ist das eigentliche Begehren bei diesem modernen Ablaß-Handel – für ein paar lausige Kröten. Einmal weniger die Telefon-Sex-Nummer gewählt und dafür die 0900-Nummer vom Red-Nose-Day, und schon klappt es wieder mit der guten Meinung von sich selber: jeder Anruf spendet fünf Euro...

Verrückt! Wahnsinn! Fünf Euro, das ist ja billiger als der Besuch im Biergarten. Für Pakistan kann man doch schon mal ein zwei Bierchen weniger trinken, oder?! – Das schont die Leber, ist gut für die CO2-Bilanz, geht mit ca. anderthalb Minuten genauso schnell wie die Entspannung am Sex-Telefon, ist damit sogar noch preiswerter... – hält jedoch viel länger vor und man darf sich dessen sogar rühmen, im anderen Fall schweigt der Genießer ja lieber. – Dagegen kann man also wirklich nichts sagen, immerhin ist die gesamte Creme der Gutmenschen-Aktionen mal wieder in einer verrückten Mission unterwegs – die Aufzählung ist unvollständig – man sollte sich also schnell bei der nächsten Rekrutierungsstelle für den aufgeschlossenen cyber soldier des Guten Willens bewerben und sich auf die richtige Seite schlagen: Aktion Deutschland Hilft: Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen, Diakonie, Caritas, Katastrophenhilfe, Deutsche Welthungerhilfe, UNICEF, Kindernothilfe, Ärzte ohne Grenzen, Deutsches Rotes Kreuz, Christoffel-Blindenmission, Oxfam, Save the Children, und wer sich unsicher ist, was er tun soll, dem hilft die „Spendenberatung“ beim Deutschen Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI). – Super, da kann ja nun nichts mehr schiefgehen!

Keine Hilfe für Pakistan!

Die Atombombe, natürlich. Wer sich die Atombombe leisten kann, dem muss nicht geholfen werden, der kann sich selbst helfen. Und überhaupt, die Taliban. Da triffts ja wenigstens ein paar Richtige unter den zwanzig Millionen Opfern. Und der Rest duldet sie ja schließlich die Taliban, Sympathisanten sind das. Wer weiß, wohin das Spendengeld dann sickert! Sowas kann man guten Gewissens nicht unterstützen.

„Red“ rocks, „Red“ rules...
„Red“ rocks, „Red“ rules...
So reden sie, die sich keinerlei Gedanken darüber machen, wer hier in Wahrheit wen unterstützt. Sie tippen solche Kommentare in Laptops, die für den Gegenwert einer Pfandflasche irgendwo in China für sie zusammengeschraubt wurden. In ihrem Garten spielen derweil die Kinder mit Fußbällen, die andere, gleichaltrige Kinder am anderen Ende der Welt in Sklaverei zusammengenäht haben. Und wenn ihr Herz kurz aussetzt oder sie einen Unfall haben, dann werden sie wieder zusammenoperiert mit Skalpellen, die andere Kinder aus Sialkot (Pakistan) für sie zusammengedrechselt haben. Aber die Atombombe, das ist ein first strike-Argument. Unklar bleibt, was ein Bauer im Swat-Tal oder ein Schuster aus Jacobabad, deren Grundbesitz jetzt meterhoch unter Schlamm begraben liegt, für die Atombombe können. Oder Balqis, zwanzig Jahre alt, im achten Monat schwanger:

(Youtube-Video)

Lady in „Red“
Lady in „Red“
In diesem Zusammenhang unerwähnt bleibt natürlich auch, dass die Komplizen Abdul Kadir Khans, des ‘Vaters der pakistanischen Atombombe’ Mitteleuropäer waren, Deutsche und Schweizer zum Beispiel. Ein gutes Argument gegen Spenden beim nächsten Oderhochwasser, muss man sich merken.

Aber die Taliban. Überhaupt, die Extremisten und Islamisten. Die hassen alles, wofür der Westen steht. Warum sollte man deren Einzugsgebiet wieder aufbauen?

Seit Jahren alimentiert der Westen die korrupten und selbstherrlichen Eliten des Landes, die sich übrigens jetzt keinen Deut um ihre Landsleute scheren. Der Westen, das ist in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht synonym mit Menschenrecht, Demokratie und Stabilität, ganz im Gegenteil. Der Westen, das ist das Geld, mit dem die korrupte, inkompetente Oberschicht Pakistans am Leben erhalten wird. Der Westen, das ist dort, wo die Fussbälle und Skalpelle hinverschifft werden. Der Westen, das ist das, was Afghanistan verheert hat. Und mit dieser Politik die Taliban als Inkarnation des Antiwestens überhaupt erst populär gemacht hat.

Atombombe, Taliban, gutes Gewissen. Lasst es euch gesagt sein: Euer moralischer Zeigefinger, der riecht nach Arsch.

Hier kann man spenden.

Frédéric Valin | 18.08.2010 um 13:07

___________________________

Anmerkung: Man kann's auch lassen, das spenden. Bilder und Hervorhebungen nicht im Original enthalten, C.L.

Frédéric und der Ar***
Frédéric und der Ar***
„...Euer moralischer Zeigefinger, der riecht nach...“ – deklarierte und deklamierte der Meister höchstselbst, im Überschwulst des Pathos. Gelsenkirchener Barock als Berliner Sprachhunze. Doch wer öffentlich sichtbar im Glashaus kotzt, sollte ausgiebig lüften... – vor allem dann, wenn auch die billige Inszenierung des Guten Gewissens eines Anspruch-auf-Anspruch-Literaten ihrerseits wiederum ziemlich für den Ar*** ist.

Der dumme Denkfehler des Kreuzritters Frédéric besteht schlicht und einfach darin, daß er dasselbe tut, wie er den von ihm Geschmähten unterstellt. Er nimmt alle zukünftigen(!) Hochwasser-Opfer an Rhein, Neckar, Mosel, Oder oder Neiße schon einmal präventiv in Sippenhaft, nur weil ein paar böse Spenden-Verweigerer sich nicht seinem Verdikt beugen, daß man gefälligst zu spenden habe. Jedes sachliche Argument (es gibt deren reichlich!) gegen private Spenden für Pakistan wird ja schon einmal – und zwar in einer pubertär-fäkalen, faschistoid-intoleranten und manisch-aggressiven Manier vom Tisch gefegt. Es gibt nichts Gutes, außer man tut es... – und zwar so, wie es Ritter Frédéric von der traurigen Gestalt für gut befindet.

...die Atombombe, das ist ein first strike-Argument. Unklar bleibt, was ein Bauer im Swat-Tal oder ein Schuster aus Jacobabad, deren Grundbesitz jetzt meterhoch unter Schlamm begraben liegt, für die Atombombe können. Oder Balqis, zwanzig Jahre alt, im achten Monat schwanger...“ – Absolut korrekt. Und die vom europäischen Hochwasser betroffenen Deutschen, Italiener, Tschechen oder Polen können auch nichts dafür, wenn jemand eben nicht für Pakistan spenden möchte. Genau das ist der Punkt. Übrigens geht es auch gar nicht um den Islamismus. Oder um die angeblich falsche Religion, nämlich jenen Mohammed-Kult, der uns als „Ungläubige“ beschimpft. Darum geht es wirklich nicht; denn wenn ich für Polen oder Tschechen spende, interessiert mich doch auch nicht, ob die Katastrophen-Opfer Katholiken oder überhaupt Christen sind. – Kurz gesagt: wer nicht spenden möchte, braucht sich gar nicht zu rechtfertigen. Es ist also barer Unsinn, seine Argumente dafür überhaupt einzufordern oder dann auch noch mit sophistischem Geschwätz „widerlegen“ zu wollen.

Was bleibt, nach der Lektüre des etwas eruptiven Elaborats jenes Frédéric, des Ritters der hohlen Kokosnuß, ist ein gewisses Fremdschämen, irgendwie kann einem das Jüngelchen doch wirklich leid tun, kommt nur mit solchen Vorlagen und dann auch noch viel zu früh zum Höhepunkt. Wie kann man sich nur so peinlich aufführen und sich ohne Not zum moralinsauren Hanswurst machen? Dieses Berliner Ejakulat ist wirklich völlig daneben geschossen. Oder, um es im Sprachstil des präpotenten Hausmeisters Fred von der Spree zu sagen: eine blöde „Wi**se“.

  • Bildnachweis:

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Red-Nose-Day | Spaß | Frédéric Valin | Haß | Spende | Pakistan | Islamismus | Antisemitismus | psychische Nötigung
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

266
am 23.08.2010 15:07:27 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Nach diversen Warnungen bzw. Hinweisen wegen völlig unsachlicher und nicht nachvollziehbarer Löschungen habe ich eben den Versuch gewagt und stellte einen Kommentar um 13:58 Uhr beim Spreeblick ein, siehe Bild. Den Screenshot sicherte ich drei Minuten später.

img834.imageshack.us/img834/9852/spreeblicknr99.jpg

Um 14.20 Uhr war der Kommentar bereits gelöscht. Es wird also inhaltliche Zensur ausgeübt, man wird für andere, mißliebige Kommentatoren in Sippenhaft genommen.

Besser kann man sich selbst nicht entlarven... Sad

Da muß jemand ja ziemlich viel Angst vor einer Steigerung seines Bekanntheitsgrades haben, umso mehr sollte man natürlich die Thesen und die Beleidigungen von Herrn Valin verbreiten.
Kindergaertner
am 23.08.2010 15:59:24 (217.224.59.xxx) Link Kommentar melden
Es ist doch in Ordnung nicht zu spenden. Aber so zu tun als sei Spenden etwas ehrenrühriges ( wie im Text angedeutet), ist nun gelinde gesagt, blanke Idiotie.
353
am 25.08.2010 10:19:23 (178.1.31.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von Argusauge am 25.08.2010 10:44:57.
kommt123
am 25.08.2010 10:42:23 (92.230.248.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von Argusauge am 25.08.2010 10:45:08.
Kindergaertner
am 26.08.2010 18:05:03 (80.136.225.xxx) Link Kommentar melden
Vielleicht wollen manchen auch nur einfach helfen. Ja, vermutlich ist es das. Ist doch schön.

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.08 Sekunden
39,885,367 eindeutige Besuche