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Technik: Automobil

Die Mogel-Garantie

Lebenslange Garantie heißt bei Opel noch lange nicht lebenslang.

Das klang ja richtig gut, was der Opel-Chef Nick Reilly da verkündete: Seit dem 1. August 2010 gibt es auf alle Opel-Fahrzeuge, die neu zugelassen werden, eine lebenslange Garantie. Toll, mag man da denken, das ist ja noch besser als die siebenjährige Garantie, die KIA gewährt, und eine Garantie für ein ganzes Autoleben, das ist es doch, worauf die Autofahrer gewartet haben.

Aber viele großartige Ankündigungen sind oft nicht so großartig, wie man auf den ersten Blick denkt – so auch diese. Denn die angeblich lebenslange Garantie ist eine Mogelpackung, die nicht anderes ist als eine etwas erweiterte Garantie. Denn sie ist an so viele Bedingungen geknüpft, dass sie praktisch schon schneller ungültig wird, als man den Kaufvertrag unterschrieben hat.

Zum Beispiel gilt diese Garantie nur für die Erstbesitzer eines neuen Opel. Im Klartext bedeutet dies, das die Garantie automatisch erlischt, wenn jemand sein neues Gefährt nach vier oder fünf Jahren verkauft, der nächste Besitzer hat von dieser „lebenslangen“ Garantie also nichts. Bei den oft üblichen Tageszulassungen ist diese Opel-Offerte von Anfang an null und nichtig.

Außerdem ist diese Garantie auf eine Laufleistung von 160000 Kilometern begrenzt. Bei einer durchschnittlichen Fahrleistung von 12500 km im Jahr ist es also nach zwölf Jahren und acht Monaten vorbei mit der Garantie. Ein modernes Auto hält aber wesentlich länger, nicht nur von der Laufleistung, sondern auch vom sonstigen Zustand her. Ich fahre zum Beispiel um die 17000 Kilometer im Jahr, hätte also von der Garantie nach rund neuneinhalb Jahren nichts mehr. Und ich habe nicht vor, mir alle paar Jahre ein neues Auto zu kaufen, sondern fahre die solange, bis dass ein sogenannter wirtschaftlicher Totalschaden eintritt – das jetzige wohl bis an Ende seiner Tage. Würde ich mir jetzt einen neuen Opel kaufen, müsste mir Herr Reilly dann nach elf Jahren mal erklären, was er unter lebenslänglich versteht.

Ein Knackpunkt bei der neuen Opel-Garantie ist auch, dass man im Gegensatz zur bisherigen aktuellen Garantieregelung nach Ablauf der zweijährigen Hersteller-Gewährleistung an eine Opel-Werkstatt oder einen Servicepartner gebunden ist. Zur Zeit kann jeder Opel-Fahrer eine Werkstatt seiner Wahl aufsuchen, solange die Arbeit fachmännisch erledigt wurde, erlischt die Garantie nicht.

Der gemeine Autofahrer stellt sich unter einer Garantie auch vor, dass die notwendigen Reparaturkosten (ausgenommen Verschleißteile wie Bremsen, Auspuff, Stoßdämpfer und Unfallreparaturen) sowie die Lohnkosten übernommen werden. Falsch gedacht, bei Opel läuft das anders. Die Materialkosten werden nämlich nur bis zu einer Laufleistung von 50000 km in voller Höhe übernommen, danach gibt es bis 60000 km noch eine Erstattung von 90 Prozent und schließlich ab 100000 bis 160000 Kilometer nur noch 40 Prozent.

Wenn ich mir diese Garantie-Mogelpackung so ansehe, kann ich nur davon ausgehen, dass Opel im Kampf um Marktanteile mittlerweile sehr verzweifelt sein muss. Meiner Meinung nach ist diese angeblich lebenslange Garantie nichts anderes als Bauernfängerei. Opel baut hier offensichtlich darauf, dass viele Autofahrer darauf hereinfallen und im Vertrauen auf eine lebenslange Autogarantie einen Kaufvertrag unterschreiben.

Die Garantie eines Herstellers ist zwar im Gegensatz zur gesetzlich geregelten und vorgeschriebenen Gewährleistung immer freiwillig, aber auch eine freiwillige Leistung sollte ehrlich und nicht mit Ausnahmeregelungen gespickt sein. Auf mich wirkt so etwas unseriös.

Und ich bin mir ziemlich sicher, dass bei Eintritt eines Garantiefalles Ausreden gefunden werden, warum jetzt ausgerechnet diese oder jene Reparatur nicht unter die Garantieleistungen fallen kann. Da wird dann ganz schnell von unsachgemäßer Benutzung des Fahrzeugs gesprochen oder es wird einem ein Strick daraus gedreht, dass man einen Ölwechsel selbst vorgenommen hat oder diesen von einer Tankstelle erledigen ließ.

Nun könnte die Werbung mit der lebenslangen Garantie für Opel ein Rohrkrepierer werden, denn die Zentrale zur Bekämpfung unlauteren Wettbewerbs hat wegen dieser von mir erwähnten Einschränkungen eine Abmahnung an Opel geschickt, in der die Firma aufgefordert wird, die Werbung innerhalb von zwei Tagen einzustellen, ansonsten würde Klage erhoben.

Denn die Opel-Werber hielten sich offensichtlich für besonders schlau. Als sogenannte Blickfangwerbung wurde diese angeblich lebenslange Garantie erwähnt – was ja eben so nicht stimmt - , die Einschränkungen wurden mit Sternchen versehen und ganz klein als Fußnote vermerkt. Dies mag rechtlich vielleicht einwandfrei sein, moralisch halte ich dies aber für sehr bedenklich und auch unseriös. Denn das, was in Großbuchstaben als Wahrheit verkauft wird, im Kleingedruckten wieder zu relativieren, betrachte ich alsa zumindest schlechten Stil.

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Schlüsselwörter: Opel | Garantie | Abmahnung | Verbraucherschutz
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