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Politik: Soziales & Bildung

Die kalte Bücherverbrennung

„Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“

...der Stein des Anstoßes...
...der Stein des Anstoßes...
Das ganze ist wirklich eine ziemliche Schweinerei. Da kommt jemand dahergelaufen, schreibt als Atheist ein Kinderbuch über Religion, und macht Religion als solche schlecht, indem er auch noch ausgerechnet ein Schwein als Hauptfigur benutzt... – davor muß man unsere Kinder ganz dringend schützen.

So etwa könnte man die unsinnige Aufregung der Christen um ein Kinderbuch zusammenfassen. Der landesübliche Christ fühlt sich ganz fürchterlich unterdrückt von einem Kinderbuch und außerdem auch noch in seiner erzieherischen Autonomie gefährdet; seltsamerweise konnten Juden jedoch die christlicherseits – in diesem albernen Kulturkampf gegen dieses an einer agnostischen Weltanschauung ausgerichtete Kinderbuch – gern verwendete Behauptung, das Buch sei antisemitisch, gar nicht bestätigen. Von Mohammedanern kamen auch keine wesentlichen kritischen Anmerkungen. Was soll also die künstliche Aufregung?

Außerdem: Sollten die Christen nicht eher endlich mal mit ihrem eigenen strukturellen – nämlich religiös motivierten und fundierten – Antisemitismus und Antijudaismus aufräumen, bevor sie ähnliches ohne weiteren Beleg ausgerechnet Atheisten und Agnostikern unterstellen? Und sollten auch Christen endlich einmal den Unterschied zwischen agnostisch und atheistisch wenigstens zu verstehen versuchen? Denn atheistisch ist dieses Buch keineswegs, wie man den bekannten Textauszügen und den Erläuterungen des Verfassers leicht hätte entnehmen können. Es ist agnostisch und in einer nicht besonders überzeugenden Weise religionskritisch. Man kann es also kritisieren, wie man alles kritisieren kann; doch dem Buch eine Gefährdung für Kinder und Jugendliche nachzuweisen, dazu bedürfte es doch etwas mehr.

Um es der Klarheit halber zu sagen:dies ist keine Rezension des Buches „Wo bitte geht’s zu Gott? fragte das kleine Ferkel“ von Michael Schmidt-Salomon (illustriert von Helge Nyncke); ich habe das Buch nicht gelesen und werde es auch nicht lesen, da es nicht zu den Büchern gehört, die mich tiefer interessieren. Es geht hier lediglich um die peinlichen Vorgänge bei dem ärgerlichen Versuch,dieses Buch zu verbieten. Allein die Idee eines CDU-Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, ein solches Kinderbuch durch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien als jugendgefährdende Schrift indizieren zu lassen, kommt der Bücherverbrennung durch die Nazis gefährlich nahe. – Warum um alles in der Welt sind Christen so unsicher? Warum haben sie so wenig Selbstbewußtsein? Glauben Christen wirklich, daß sie ihre Kinder von kritischen Gedanken, von Zweifeln fernhalten können? Obwohl doch der Zweifel zum Glauben dazugehört, insbesondere zum christlichen?

Daß die katholische Kirche – ausgerechnet diese! – dann auch noch Strafanzeige gegen die Autoren und gegen den Verlag erstattete, ist schon wieder fast satirisch. Denn wenn hier jemand jugendgefährdend ist, dann doch wohl insbesondere die katholische Kirche. Jedenfalls gibt es immer wieder katholische Priester, die ihre Schützlinge prügeln oder befummeln, wenn nicht gar mißbrauchen. Demgegenüber sind atheistische Päderasten und Pädophile statistisch wohl eher die Ausnahme...

Die Presseerklärung von Stefan Kramer mit der Überschrift Stellungnahme des Generalsekretärs des Zentralrats der Juden in Deutschland zum Kinderbuch „Wo bitte geht's zu Gott" schießt leider auch weit übers Ziel hinaus, operiert auch mit falschen Begriffen und verbreitet Fehl- oder Vorurteile.

Manchmal bedauert man, dass der Begriff Meinungsfreiheit fast keine Grenzen kennt" so Stephan J. Kramer, Generalsekretär des Zentralrats. „Der Meinung, das Buch sei antisemitisch, kann man so nicht folgen, da es gleichermaßen alle drei großen monotheistischen Religionen verleumdet. Es ist einfach Antireligion, Anti-G'ttes-Glaube und alles, was sich daraus ergibt", so der Generalsekretär.

Ich würde es als militant atheistisch einstufen, und das Zerrbild der Religionen, das hier gezeichnet wird, soll dem Zweck dienen - und das ist das Ziel dieses Machwerkes – Kinder jedweden G'ttesglauben zu vergraulen. Das Perfide und Gefährliche dabei ist, dass sich das Buch mit einer grafisch sehr attraktiven Aufmachung an junge Kinder wendet, die solch einer Antireligionshetze hilflos ausgesetzt sind. Auf jeden Fall ist das Buch gefährlich und gehört daher indiziert. Am Ende, insbesondere auf der letzten Seite ist es zudem absolut geschmacklos. Das dort dargebotene Bild nackter Menschen könnte heranwachsenden Kindern sogar Angst machen", kritisiert Kramer.

Die Meinungs- und Kunstfreiheit ist wichtig, darf aber auch nicht missbraucht werden. Hier liegt ein klarer Missbrauch vor und ich kann nur hoffen, dass alle monotheistischen Religionen hier einig sind und sich zur Wehr setzen", betont Kramer.

Berlin, den 30. Januar 2008

Knapp vorbei ist auch daneben. Wie will man sich gegen etwas wehren, was zulässig ist? Und warum sollte man das tun? – Kinder müssen und werden generell lernen, sich mit anderen Wertvorstellungen auseinanderzusetzen, das gehört zum Prozeß der seelischen Reifung und der Persönlichkeitsentwicklung. Wer davor Angst hat, sollte keine Kinder haben, denn er ist erziehungsunfähig.

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Schlüsselwörter: Schwein | Religionskritik | Religion | Atheismus | Agnostik | Humanismus | BMFSFJ | BPjM
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am 25.08.2010 10:46:19 (178.1.31.xxx) Link
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  • Gelöscht von Argusauge am 25.08.2010 10:54:14.

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