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Medien: LeuteContergan und kein Ende?

Contergan...
Der Münchner bildende Künstler und Pressefotograf Christian G. Knabe zum Beispiel hat vor kurzem in einer Publikation als Betroffener, nämlich als selbst durch Thalidomid (Contergan) Geschädigter, folgendes formuliert:
„In einem Land, in dem im 20. Jahrhundert 300000 behinderte Menschen wegen 'Rassenhygiene' getötet wurden und in dem Priester sich noch vor wenigen Jahrzehnten geweigert haben, behinderte Ehepaare zu trauen, ist es wichtig, zu reden und die Menschenwürde von 2700 deutschen Überlebenden der Contergantragödie endlich herzustellen.“
Nichts gegen das Reden, denn Kommunikation ist alles. Aber genauer hinsehen darf man ja wohl... – Der schreibende Fotograf nimmt hier also expressis verbis und ganz dezidiert Bezug auf den rassistischen und eugenischen Massenmord der Nazis, die in der „Aktion T4“ das von ihnen so genannte „lebensunwerte Leben“ maschinell und industriell vernichtet haben, analog der von den Deutschen – aus rein rassistischen Gründen – vorgenommenen Vernichtung ganzer Völker (Polen, Sinti, Roma, Juden) und Gruppen (Homosexuelle, Bibelforscher, Kommunisten) in Auschwitz und an etlichen anderen Orten. – Das alles darf Christian G. Knabe natürlich miteinander vergleichen, es hängt ja ohnehin alles irgendwie mit allem zusammen, das liegt für ihn möglicherweise auch nahe; doch es hat mit der Wirklichkeit der Bundesrepublik nach 1949 objektiv recht wenig zu tun, somit ist es also eine etwas geschmacklose Inanspruchnahme und eine Umdeutung der Historie für ein medizinisch-technisches Unglück der Gegenwart. Es fehlt leider auch jeder Anschein eines Nachweises dafür, daß die Menschenwürde von Behinderten in Deutschland verletzt sei...
Weiterhin schreibt Christian G. Knabe: „Das ist uns das Land schuldig!“, nachdem er weitere staatliche Renten gefordert hat für seine Klientel.
Oh weh! Oh nee! – Lieber Christian, wir sind im Alter nicht allzuweit auseinander, ich betrachte es also mehr oder weniger als Zufall oder schicksalhafte Fügung, daß ich nicht ebenfalls von jenem Medikament geschädigt wurde... – doch eins weiß ich sicher: das Land, in diesem Fall also der Staat, die Bundesrepublik Deutschland, hat damit nun wirklich gar nichts zu tun. Dies in aller Härte, nur damit das klar ist: ich kann nichts für das Schicksal jeder beliebigen Behindertengruppe, und ich sehe mich auch nicht in der Pflicht, dafür zu kämpfen oder zu zahlen. Auch nicht per Steuerlast. Das ist alles damit abgegolten, daß ich ohnehin nur 50 Cent von jedem Euro sehe, den ich verdiene.
Anders gesagt: die Firma Grünenthal hat vor 50 Jahren ein – übrigens auch im Tierversuch getestetes – Medikament auf den Markt gebracht, das leider unerwünschte Nebenwirkungen hatte. Das ist bedauerlich, aber es ist eben nicht dasselbe wie der Massenmord der Nazis. Das sollte man bei diesem emotional überhitzten Thema nicht außer acht lassen. Alles andere wäre dumm und peinlich!
Doch das alles, die Maßlosigkeit der Thalidomid-Opfer-Lobbyisten wie auch der Unsinn ihrer Vergleiche und Bilder, dies wiederum ist ja nun mal eine rhetorische Vorlage, die man sich als beschlagener Schreiber und streitlustiger Diskutant eigentlich nicht besser wünschen könnte... – doch ich gebe zu, bei Behinderten bin ich in gewisser Weise gehemmt. Da kann man nicht einfach jeden Ball zum Tor verwandeln, nur weil die einem diesen Ball so locker und unbedacht vor den Fuß gespielt haben.
Also, wie sag' ich's meinem Kinde? Am besten sachlich, aber auf einer emotional sicheren Grundlage. – In diesem Fall ist die sachliche Grundlage die: ich habe in meinem Studium freiwillig und unentgeltlich in den Bodelschwing'schen Anstalten in Bielefeld gearbeitet, ich kenne sehr viele Menschen, die geistig oder körperlich behindert sind, ich habe beruflich wie privat recht viele Kontakte zu Menschen, die von der Gesundheits- und Schönheits-Norm abweichen: Menschen mit Down-Syndrom, Frauen ohne Brust nach Krebserkrankung, Motorradfahrer, die nach einem Unfall querschnittsgelähmt sind, usw. usf.
Das erwähne ich nur um zu sagen: ich brauche keine Nachhilfe im Umgang mit Behinderten. Behinderte sind so, wie sie sind, wie wir nicht behinderten Menschen auch. Mir Vorwürfen kommt man hier ebensowenig weiter wie mit selbstmitleidigem Gegreine. Der ebenfalls betroffene Sänger Thomas Quasthoff hat es so formuliert: er habe gelernt, über sich selber lachen zu können. Na also! Nur Mut! Etwas Humor schadet nicht! – Man kann es auch so sehen: es gibt in Deutschland derzeit noch 2.600 Menschen mit dieser Contergan-Behinderung, keiner ist jünger als 48 und keiner älter als 52 Jahre. Im Jahr 2040 ist das Thema also gar keins mehr, rein statistisch gesehen. – Es ist daher nicht sinnvoll, andauernd mit diesem Nichtthema auf aggressive oder weinerliche Weise Menschen zu belästigen, die dafür nun wirklich nichts können. Man kann schließlich den Staat auch nicht andauernd für jeden quersitzenden Pups in Haftung nehmen.
Und nun ins Blaue hinein zu fordern: „Wir brauchen so viel Geld, dass wir unabhängig vom Staat sind, und wir brauchen ein unabhängiges Einkommen, also eine Entschädigung der Erwerbsunfähigkeit, damit wir Partner finden, oder damit unsere Partner nicht mehr für uns zahlen müssen“, das ist einfach absurd und lebensfremd. Es gibt bereits eine Stiftung der Firma Grünenthal, finanziert von (1) jener Firma, (2) deren Kunden und (3) allen Steuerzahlern (das aufgewendete Geld verbucht die Firma Grünenthal als steuermindernde Belastung!):
„Der Bundestag beschloss Anfang Mai 2008 einstimmig als 'ersten Schritt in die richtige Richtung' eine Verdoppelung der monatlichen Entschädigungszahlungen an Contergangeschädigte. Nun bezahlt die Conterganstiftung den Betroffenen zwischen 242 und 1090 Euro. Die Staffelung orientiert sich an der Schwere der Behinderung.“
Mehr kann man doch wirklich nicht wollen, oder? – In jedem Fall, nur mal so als Hinweis für eine gute PR-Kampagne: die Verbrechen der Nazis haben mit Contergan nicht das geringste zu tun, versucht also nicht, auf einen Zug aufzuspringen, der zu schnell für Euch fährt. Fast hätte ich geschrieben: „für den Eure Arme zu kurz sind“, kleiner Scherz am Rande. – Nein, ganz im Ernst: Contergan war kein staatlich organisierter Massenmord, es war einfach nur Pech. Euer Pech. Kommt also schleunigst von diesem Trip 'runter, dann kann man vielleicht mal vernünftig über dies und jenes reden.
Es liegt einzig und allein an Euch, ob man Euch ernstnehmen kann. Schließlich hat jeder von uns sein Schicksal zu tragen.
Klassisch wäre dann das:
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Kommentare
Ziemlich hart, was Du da von Dir gibst...
Einfach mal locker bleiben!

Etwa der depperte Massenmordvergleich von Christian G. Knabe?was in diesem Fall geschmackvoll gewesen wäre, kann ich nicht sagen. Aber Klasse hättest Du gezeigt, wenn Du ihn einfach weg gelassen hättest. Machmal ist weniger halt mehr!

Aber hier....., nee das ist nicht lustig!
Davon abgesehen, nimmt er dem Artikel seine Seriösität.
Kann ich aber auch.
Denn ich bin nicht auf der Welt, um so zu sein, wie andere mich gern hätten.




Der Satz gegen Ende jedoch, der mit der Armlänge ist nicht mal für ein Augenzwinkern geeignet. Er ist geschmacklos.