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Politik: Politische MeinungConterganopfer in Angst!
Die angekündigte Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an die Vorsitzende des Bundesverbandes der Contergangeschädigten, Margit Hudelmeier versetzt viele Betroffene in Angst. Ist damit das Engagement der Bundesregierung und anderer beendet?
Aber fragen wir uns zuerst doch einmal, warum der Orden verliehen werden soll. Welche Verdienste hat Margit Hudelmeier erworben? Nun, sie hat zweifellos dafür gesorgt, dass es den Bundesverband überhaupt noch gibt. Das ist Fakt! Aber damit sind die positiven Verdienste nach Meinung vieler Betroffener auch schon erschöpfend beschrieben. Ich will das mal aus einer ungewöhnlichen Sicht beschreiben, was alles im Argen lag und zum Teil noch liegt.
Als ich am 7. November 2007 in der Fernsehdiskussion „Hart aber Fair“ Sebastian Wirtz, den Enkel des Firmengründers der Grünenthal GmbH zu einem Treffen einlud, wollte ich nach 30 Jahren eisigem Schweigen unter anderem auch die Tür für Gespräche öffnen. Nun, das scheint funktioniert zu haben. Aber die Lage ist immer noch kompliziert. Viele Conterganopfer haben bis heute Angst vor solchen Gesprächen. Sie wurden im Laufe ihres Lebens zu oft belogen und betrogen.
Als ich mich dann Ende Januar 2008 mit Sebastian Wirtz traf, traf ich gleichzeitig den ersten – und leider bis heute fast einzigen Lobbyisten. Der allerdings möchte heute doch lieber wieder im Hintergrund bleiben. Das kann ich zwar verstehen, finde es aber schade. Da war – auch für den Bundesverband eine große Chance. Aber der Verband war hilflos und ist es bis heute! Heinrich Heyne hat mal über die Deutschen gesagt, sie verhielten sich so, als hätten sie den Stock verschluckt, mit dem sie als Kinder einst geschlagen wurden.
Margit Hudelmeier ist nun seit etwa 20 Jahren Bundesvorsitzende eines Teils der Conterganopfer – ein großer Teil ist nicht in Verbänden. In diesen 20 Jahren ist eigentlich wenig passiert: kein Gespräch mit der Grünenthal, kaum Gespräche mit Politikern, nur diese absurde weinerliche Behindertenmasche. Als der Fernsehzweiteiler „Contergan“ gezeigt werden sollte, ging der Bundesverband auf die Betroffenen los, die mitgeholfen hatten, den Film zu realisieren, statt die Gelegenheit beim Schopf zu packen, endlich was zu verändern.
Bei Gesprächen mit Politikern hätte ich vom Bundesverband gerne Unterlagen überreicht. Ich hatte aber keine, weil es keine gab! Das war ein weiterer schwerer Fehler. Ich musste mich selbst darum kümmern, was mir, einem ehemaligen Fachjournalisten für Soziales nicht so schwer fiel. Aber nicht nur das: ich – und andere wurden vom Bundesverband wie Verbrecher behandelt, weil wir mit Argumenten statt Parolen für unser Recht auf ein menschenwürdiges Leben kämpfen wollten.
Es war, als ob wir unsere Mitmenschen in Watte packen sollten!
Aber worum geht es den Conterganopfern denn nun wirklich? Nun, sie haben Freund oder Freundin, Ehefrau oder Ehemann. Selbst schwerstgeschädigte Betroffene haben Kinder. Meist sind es Frauen, die dann später von ihren Partnern verlassen wurden. Sie mussten ihre Kinder unter den widrigsten Umständen alleine großziehen. Andere gingen nach Misserfolgen Partnerschaften aus dem Weg. Sie haben die Hoffnung verloren, dass da noch jemand kommt, der sie liebt.
Das hatte unter anderem einen Grund, den es nie hätte geben dürfen: die Sozialhilfe. Damals hätten sogar die Eltern der Partner für ihre Kinder zahlen müssen, wenn die mit einem Conterganopfer zusammen in die Sozialhilfe abgerutscht wären. Noch heute in Zeiten von Hartz4 müssen Partner ihr Einkommen und Vermögen offenlegen. Ja sie müssen sogar private Geschenke zum Geburtstag oder zu Weihnachten den Behörden angeben, damit die den Wert vom Unterhalt abziehen.
Dieses Jahr hat sich die Britische Regierung bei den dortigen Betroffenen für Jahrzehnte der Missachtung entschuldigt. Die wussten schon, warum!
Wer Vater oder Mutter im Altersheim hat oder zu Hause versorgt, der weiß, wie medizinische Dienste und Kassen sparen. Da werden schwere Pflegefälle einfach wegdefiniert. Den Conterganopfern geht es da genauso. Sie stehen Gutachtern und Helfern gegenüber, die sie für selbstständiger halten, als sie es tatsächlich sind. Die Folgen von über 30 Jahren verzweifelter, weil erzwungener Selbstständigkeit sind Folgeschäden, Arbeitsunfähigkeit und drohender Umzug in ein Pflegeheim.
Margit Hudelmeier und der Bundesverband sind viel zu verschämt um die Wahrheit zu sagen: wir brauchen echte Hilfe. Wir brauchen so viel Geld, dass wir unabhängig vom Staat sind, und wir brauchen ein unabhängiges Einkommen, also eine Entschädigung der Erwerbsunfähigkeit, damit wir Partner finden, oder damit unsere Partner nicht mehr für uns zahlen müssen. So wie es bisher ist, kommt es einem Heiratsverbot gleich. Das darf einfach nicht sein.
Kurz gesagt: man darf das Bundesverdienstkreuz nicht dazu missbrauchen, um eine noch andauernde Entwicklung zu steuern, wie es hier der Fall ist. Ehrungen sollten vor allem die mutigen Menschen erhalten, die das Thema Contergan wieder an die Öffentlichkeit gebracht haben. Die Betroffenen sollten sich weiter um einen ehrlichen Dialog bemühen – nicht nur mit der Grünenthal GmbH, sondern auch mit Politikern und Prominenten. Jeder ernsthafte Fürsprecher ist wichtig.
In einem Land, in dem im 20. Jahrhundert 300000 behinderte Menschen wegen „Rassenhygiene“ getötet wurden und in dem Priester sich noch vor wenigen Jahrzehnten geweigert haben, behinderte Ehepaare zu trauen, ist es wichtig, zu reden und die Menschenwürde von 2700 deutschen Überlebenden der Contergantragödie endlich herzustellen.
Das ist uns das Land schuldig!
Christian G. Knabe
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Kommentare
Welche Verantwortung hat denn der Enkel des Firmengründers für dieses Unglück?
Welche Verantwortung hat denn der Enkel des Firmengründers für dieses Unglück?
Gar keine.
Das Interessante ist, daß der Fotojournalist Christian G. Knabe genau das macht (zur Einnerung, er steht auf NS-Vergleiche!), was die nachgeborenen Deutschen zu recht ablehnen, wenn es um die deutsche Schuld an Auschwitz geht.
Nur: wieso macht er das jetzt mit dem Enkel des damaligen Firmeninhabers? Sollen wir wegen Contergan jetzt auch ALDI boykottieren?



Der Mann hieß Heinrich Heine.
Bestimmte basics sollte man auch als Journalist beherrschen.
Auch dann, wenn das Zitat hier nun wirklich gar nicht passen will...
Es stammt übrigens aus Deutschland- Ein Wintermärchen:
CAPUT III
Zu Aachen, im alten Dome, liegt
Carolus Magnus begraben.
(Man muß ihn nicht verwechseln mit Karl
Mayer, der lebt in Schwaben.)
Ich möchte nicht tot und begraben sein
Als Kaiser zu Aachen im Dome;
Weit lieber lebt' ich als kleinster Poet
Zu Stukkert am Neckarstrome.
Zu Aachen langweilen sich auf der Straß'
Die Hunde, sie flehn untertänig:
»Gib uns einen Fußtritt, o Fremdling, das wird
Vielleicht uns zerstreuen ein wenig.«
Ich bin in diesem langweil'gen Nest
Ein Stündchen herumgeschlendert.
Sah wieder preußisches Militär,
Hat sich nicht sehr verändert.
Es sind die grauen Mäntel noch
Mit dem hohen, roten Kragen -
(Das Rot bedeutet Franzosenblut,
Sang Körner in früheren Tagen.)
Noch immer das hölzern pedantische Volk,
Noch immer ein rechter Winkel
In jeder Bewegung, und im Gesicht
Der eingefrorene Dünkel.
Sie stelzen noch immer so steif herum,
So kerzengerade geschniegelt,
Als hätten sie verschluckt den Stock,
Womit man sie einst geprügelt.
Ja, ganz verschwand die Fuchtel nie,
Sie tragen sie jetzt im Innern;
Das trauliche Du wird immer noch
An das alte Er erinnere.
Der lange Schnurrbart ist eigentlich nur
Des Zopftums neuere Phase:
Der Zopf, der ehmals hinten hing,
Der hängt jetzt unter der Nase.
Nicht übel gefiel mir das neue Kostüm
Der Reuter, das muß ich loben,
Besonders die Pickelhaube, den Helm
Mit der stählernen Spitze nach oben.
Das ist so rittertümlich und mahnt
An der Vorzeit holde Romantik,
An die Burgfrau Johanna von Montfaucon,
An den Freiherrn Fouqué, Uhland, Tieck.
Das mahnt an das Mittelalter so schön,
An Edelknechte und Knappen,
Die in dem Herzen getragen die Treu
Und auf dem Hintern ein Wappen.
Das mahnt an Kreuzzug und Turnei,
An Minne und frommes Dienen,
An die ungedruckte Glaubenszeit,
Wo noch keine Zeitung erschienen.
Ja, ja, der Helm gefällt mir, er zeugt
Vom allerhöchsten Witze!
Ein königlicher Einfall war's!
Es fehlt nicht die Pointe, die Spitze!
Nur fürcht ich, wenn ein Gewitter entsteht,
Zieht leicht so eine Spitze
Herab auf euer romantisches Haupt
Des Himmels modernste Blitze! - -
Zu Aachen, auf dem Posthausschild,
Sah ich den Vogel wieder,
Der mir so tief verhaßt! Voll Gift
Schaute er auf mich nieder.
Du häßlicher Vogel, wirst du einst
Mir in die Hände fallen;
So rupfe ich dir die Federn aus
Und hacke dir ab die Krallen.
Du sollst mir dann, in luft'ger Höh',
Auf einer Stange sitzen,
Und ich rufe zum lustigen Schießen herbei
Die rheinischen Vogelschützen.
Wer mir den Vogel herunterschießt,
Mit Zepter und Krone belehn ich
Den wackern Mann! Wir blasen Tusch
Und rufen: »Es lebe der König!«