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Politik: Politische Meinung

Manchmal muß man an das Böse und Schlechte erinnern:

Kein Nachruf auf Gerold Becker, doch ein Nachruf auf die Odenwaldschule!

Mißbrauchs-Opfer und ihre Umwelt...
Mißbrauchs-Opfer und ihre Umwelt...
Gerold Ummo Becker, der „Reform-Pädagoge“, Erziehungswissenschaftler und Kinderschänder, ist tot, am 7. Juli 2010 in Berlin eines natürlichen Todes gestorben. Er muß sich vor keinem irdischen Richter mehr verantworten. Er hatte nicht einmal soviel Respekt und Scham, daß er sein schuldiges Leben in Reue selbst beendet hätte. Nein, er ist einfach an einem Lungenemphysem gestorben. – Er hatte zehn Jahre Zeit, zu den Vorwürfen Stellung zu nehmen, und hielt es nicht für nötig, tauchte statt dessen lieber unter. Das nennt man normalerweise Totschweigen, Aussitzen oder ganz einfach: Feigheit. Da er diese zehn Jahre nicht genutzt hat um mit seinen Opfern zu reden, um zu bereuen, um zu sühnen, um sich zu versöhnen, darf man jetzt über ihn reden; er hatte seine Chance, und er hat sie vertan.

Seinen Opfern – es sollen mehr als hundert Männer sein, die damals seine Schüler waren – wird also die Sühne Gerold Beckers versagt, sie dürfen nicht die soziale Bestrafung Gerold Beckers erleben. Juristisch wäre er ohnehin nicht bestraft worden, die Taten waren längst verjährt, leider. – Moralisch und rechtsphilosophisch gesehen dürften jedoch solche Taten gar nicht verjähren, da sie eigentlich Mord sind: Mord an der Seele der Opfer, der Kinder und Jugendlichen von damals, Mord am Lebensmut und der Integrität der Schutzbefohlenen. Gerold Becker war somit, ethisch gesehen, ein Massenmörder. Das sollte man immer wieder betonen, wenn die Verharmloser und die Motivforscher dieses Verbrechen verharmlosen und beschönigen wollen. Es ist ein unwürdiges Verhalten und überdies ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit, als Erwachsener seine Sexualität an Kindern auszuleben oder als Pädagoge an seinen Schutzbefohlenen. Mag sein, daß es sich im Fall Gerold Beckers medizinisch oder psychologisch gesehen um eine Krankheit handelte, doch zum einen ist dies jetzt belanglos – er hat diesbezüglich keine therapeutische Hilfe für sich gesucht – und zum andern wird eine menschliche Gesellschaft dieses sexuellen und gewalttätigen Übergriffe niemals tolerieren. Die Schuld für Beckers Massenmord an Kindern bleibt bei ihm... – und bei denen, die davon wußten und ihn deckten.

Vergessen wir also in diesem Fall ganz schnell das „de mortuis nil nisi bene...“ – denn dieser meist völlig falsch verstandene klassische Satz des Chilon von Sparta („Chilon, Sohn des Damagetos, aus Lakedaimon“) wird gerne so übersetzt, als ob man von Verstorbenen nur Gutes erwähnen dürfe. Diese Interpretation ist rein grammatisch völlig falsch und völlig sinnentstellend, läuft also der im lateinischen Zitat ausgesagten und eigentlich gemeinten Bedeutung zuwider. Die übliche (falsche) deutsche Übersetzung „von Toten (soll man) nur Gutes (reden)“ käme ja auch einer heuchlerischen, verlogenenen Geschichtsfälschung gleich. Wir brauchen nicht erst an die großen Verbrecher der Weltgeschichte (Hitler und seine Schranzen, Stalin, Pol Pot, Idi Amin, Saddam Hussein) zu denken, um zu wissen, daß dieses klassische Zitat offenbar seine innere Grenze hat, (philo-)logisch wie auch moralisch. Wir brauchen uns nicht erst all die kleineren Verbrecher unserer Tage ins Gedächtnis zu rufen wie den Schüler Tim Kretschmer, den Massenmörder von Winnenden, oder wie den Rentner Hans Pytlinski, den vierfachen Mörder von Schwalmtal, um zu wissen, daß es falsch sein kann, über Tote gut zu sprechen.

Hilfe bei www.ZISSG.de
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Da die sprachliche Betrachtung den Rahmen dieses Artikels sprengen würde: demnächst folgt hier auf onlinezeitung24.de eine vertiefende philologische Erläuterung zu dem klassischen Zitat:
Politik: Soziales & Bildung

De mortuis nil nisi bene?

Chilon aus Lakedaimon und sein falsch verstandener Satz

Haben die Toten also Böses getan, darf, soll und muß man vom Bösen sprechen; haben sie Schuld auf sich geladen, muß man von ihrer Schuld sprechen; haben sie sich an anderen versündigt, muß man von dieser Sünde sprechen, von denen, die sie gedeckt und ermöglicht haben, die sie mittragen, und man muß denen bei-stehen, zur Seite stehen, an denen die Toten sich versündigt haben. Das gilt immer und überall, in Winnenden, in Schwalmstadt und im Hinblick auf viele Ereignisse speziell der deutschen Geschichte. – Das ist man nicht nur dem Andenken der Opfer schuldig, sondern auch der menschlichen Würde; Schuld und vor allem ungesühnte Schuld ist nicht mit dem Tod des Täters getilgt, sie läßt sich nicht wegwischen. Um den Opfern wenigstens darin beizustehen, zu einem würdigen Leben zu finden, dürfen wir das Andenken an tote Mörder und Kinderschänder nicht höher schätzen als die zum Teil unheilbaren Wunden der Opfer.

Hilfe bei www.tauwetter.de
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Den Opfern gehört unsere Empathie, nicht den Tätern. Die Lebenden brauchen unsere Hilfe und unsere Unterstützung, unsere Geduld und unser Zuhören, um die Toten kümmern sich schon die Würmer, die brauchen uns nicht mehr. – Wem das zu drastisch formuliert ist, der soll sich – auf eigene Gefahr und auf seine Verantwortung – den im folgenden als Artikel und als screenshot verlinkten Textausschnitt durchlesen, ruhig mehrmals. Wer dann noch ehrend über den verfluchten Kinderschänder Gerold Beckers sinnieren möchte, dem ist nicht zu helfen. – Wie gesagt, es ist nichts für Zartbesaitete:

Screenshot von www.gegen-missbrauch.de
Screenshot von www.gegen-missbrauch.de
Die Odenwaldschule wird in Trägerschaft eines Vereins betrieben, es ist eine „freie“ Privat-Schule. Der Verein täte gut daran, die Schule und danach sich selbst aufzulösen. Am Ort solcher Verbrechen kann man nicht mehr unterrichten und kann Kinder und Jugendliche nicht zu freien Menschen erziehen. In Auschwitz wird genau aus diesem Grund keine Kirche gebaut, Orte sind nicht aus der Geschichte herauszulösen. Diesen Ungeist, der dort Jahrzehnte gewütet hat und dem Deckmäntelchen moderner Pädagogik, den werdet ihr nicht mehr los. Reißt also die Odenwaldschule einfach ab. Manchmal hilft keine Reform, da braucht's eine Revolution. Das Projekt OSO ist verbrannt. Fangt anderswo ein neues an, aber diesmal in wahrhaft gelebter ethischer Verantwortung!

Nur um Mißverständnisse auszuschließen: diese Musik ist ausdrücklich nicht dem toten Seelenmörder gewidmet, sondern ausschließlich seinen Opfern, den getöteten und lebensgefährlich verletzten Seelen...

YouTube Video

  • Bildnachweis:
  • Nouvelles Fables. Author: Abellman. Via Wikipedia. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 1.0 / 2.0 / 3.0 Generic license and CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.
  • Screenshot von www.zissg.de
  • Screenshot von www.tauwetter.de
  • Screenshot von www.gegen-missbrauch.de

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Schlüsselwörter: Sexualität | Gewalt | Mißbrauch | Kinderschänder | Odenwaldschule | Reformpädagogik
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Kommentare

349
am 23.07.2010 23:39:21 (76.76.104.xxx) Link Kommentar melden
Vielleicht sollte der Staat die Privatschulen besser kontrollieren? Die meisten sind ja katholisch oder Waldorfschulen.

Für meine Kinder käme so etwas nicht in Frage. Die würden einen solchen „Lehrer“ auch zum Teufel jagen.

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