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Das ist mir doch wurscht!

...ça m'est égal = das ist mir gleich...!

Auch hier ging's um die Wurst
Auch hier ging's um die Wurst
Würste sind eine Vertrauenssache: in einer Wurst läßt sich viel verarbeiten, was man dann beim Verzehr nicht mehr so genau herausschmeckt. Dennoch – oder vielleicht auch gerade deswegen, nämlich nach dem Motto „was ich nicht weiß, macht mich nicht heiß“ – erfreut sich die Wurst in Deutschland großer Beliebtheit: jeder Deutsche ißt 60 kg Fleisch im Jahr und davon sind ca. 30% bis 50% Wurst. So sagen es jedenfalls die Statistiken:

Fürst Otto von Bismarck jedoch hatte zur Wurst ein wohl eher ambivalentes Verhältnis; einerseits wird er gelegentlich als Liebhaber der Wurst genannt – ebenso wie Goethe und Schiller, wie Kant und Luther, wie Kafka und Hemingway – andererseits warnte er vor der Wurst oder doch jedenfalls vor ihrer Herstellung; nun ja, eigentlich war er eher der parlamentarischen Demokratie abgeneigt, und die Wurst mußte dafür herhalten. Sein Hinweis leuchtet in gewisser Weise ein, denn das Argument läßt sich ja auf Fleischproduktion generell anwenden; würde jeder Fleischesser gelegentlich mal beim Töten und Zerlegen von Tieren mit anpacken müssen, gäbe es erheblich mehr Vegetarier.

Gesetze sind wie Würste, man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden.

Otto Eduard Leopold von Bismarck-Schönhausen – zitiert in Robert B. Laughlin: „Abschied von der Weltformel“, 2. Kapitel: „Leben mit der Unbestimmtheit“, S. 34, Piper Verlag, September 2007.

Doch die Wurst ist ohnehin in aller Mund, nämlich in der Redewendung „das ist mir Wurst“, die in vielen anderen Formulierungen letztlich ja nur eines bedeuten soll: daß das Interesse des Sprechers an einer gewissen Sache eher gering ausgeprägt sei, im Sinn von „das tangiert mich nur äußerst peripher“. Bei Wikipedia (Auszug) findet man nicht nur die Übersetzung in einige Fremdsprachen, sondern ebenfalls noch sehr schöne oder doch jedenfalls ausdrucksstarke Synonyme auf deutsch:

  • schriftdeutsch: das ist mir einerlei
  • das ist mir kackegal, (schnurzend) piepegal / scheißegal / schietegal / (piepend) schnurzegal / schnurzpiepegal / wurschtegal / wurschtpiepegal
  • das ist mir Banane / schnuppe / schnurz / wurscht / Wurst / Bums / Erbse / Latte / hulle
  • das ist mir Arsch und Friedrich
  • das ist mir achtundachtzig
  • das geht mir (direkt, glatt) am Arsch / Hintern vorbei
  • das kannst du deinem Friseur erzählen
  • das juckt / kratzt / kümmert / schert mich nicht
  • das juckt / kümmert / schert mich einen Dreck / Scheißdreck
  • das interessiert / kratzt / kümmert / schert mich nicht die Bohne
  • das ist doch Jacke wie Hose / Pott wie Deckel
  • das ist doch worscht wie Käs
  • das ist doch gehupft / gehüpft wie gesprungen
  • das ist mir wurscht
  • das ist doch g'hupft wie g'sprunga (bayrisch) bzw. das ist g'hupft wie g'hechtet (schwäbisch)

Ferdinand Tönnies, Gesamtausgabe
Ferdinand Tönnies, Gesamtausgabe
Doch woher kommt nun eigentlich dieser Ausdruck „das ist mir Wurst“? – Ursprünglich ist dieses Wort wohl Bismarck zuzuordnen; denn er sprach bereits in einem Brief (1853) an seine Schwester von „gänzlicher Wurschtigkeit“, die er in sich „vorherrschend werden“ ließ. Zum Klassiker wurde Spruch allerdings dann 18 Jahre später. Bismarcks Presseagent Moritz Busch berichtet in seinem Buch „Graf Bismarck und seine Leute während des Krieges in Frankreich“ (Leipzig 1878, S. 255) unter dem Datum 21 Jan. 1871

„...bei Gelegenheit einer Erörterung über die Titulaturen 'deutscher König', 'deutscher Kaiser', 'Kaiser von Deutschland', 'Kaiser der Deutschen': als ein Weilchen darüber verhandelt worden war, fragte B.: weiß einer der Herren was Wurst auf Latein heiße? Es kamen antworten wie farcimentum, farcimen. Bismarck antwortete: nescio quid mihi magis farcimentum esset, d.h.ich weiß nicht, was mir mehr wurscht wäre.“

Soweit Moritz Busch, zitiert nach Ferdinand Tönnies (siehe auch Quelle).

Besonders amüsant ist hier jedenfalls, daß Tönnies dem Grafen Bismarck zurecht vorhält, dieser habe einen Grammatikfehler in seinem durchaus witzigen Spruch, nämlich die sogenannte Zeitenfolge (consecutio temporum) betreffend, gemacht. Natürlich muß es auf lateinisch sit (Konjunktiv Präsens) und nicht esset (Konjunktiv Imperfekt) heißen. Das Zitat findet sich übrigens auch in einem anderen seriösen Buch wieder, darf also als gesichert gelten.

The Kaiser

...dominance of Prussia and its King. They would not yield, and he remains to-day the uncrowned German Emperor, not the crowned Emperor of Germany. It is the fly in the Imperial ointment, the supreme disappointment of his career. Bismarck had cared only for the substance, and not for the shadow, when he consented to the limited title of the ruler of the new Empire. The subject was being discussed in his presence at the time of the union. Some were for German Emperor, and some for Emperor of Germany. „Does anyone know the Latin word for sausage?“, asked Bismarck, using that homely imagery of his. „Farcimentum“, said one. „Farcimen“, said another. „Farcimentum or farcimen, it is all the same to me“ said Bismarck. Sausage was sausage, whatever the name. He had welded Germany and was indifferent to titles.

A. G. Gardiner, "Prophets Priests And Kings" S. 67

Zwei sogenannte Rohwürste
Zwei sogenannte Rohwürste
Nun wissen wir also, wessen Spruch wir da eigentlich zitieren, wenn wir sagen, „das ist mir Wurst“. Schön und tröstlich ist es jedoch zu wissen, daß sogar der große Bismarck nicht fehlerfrei war, jedenfalls, so weit es die lateinische Grammatik betrifft. Aber das kann uns heute eigentlich völlig wurst sein. – Auch die Vermutung, ob der Spruch damit zu tun hat, daß es eigentlich egal ist, an welchem Ende die Wurst angeschnitten wird, interessiert doch wirklich nicht die Bohne, oder?

  • Bildnachweis:
  • Dropping the Pilot. Caricature by Sir John Tenniel (1820-1914), first published in the British magazine Punch, March 1890. Showing German Emperor Wilhelm II and the leaving Chancellor Otto von Bismarck. The reference to Bismarck as a "pilot" comes from an earlier cartoon from the Puck magazine from Saint Louis, Missouri. For that magazine, the cartoonist Joseph Keppler made one titled "The Master Pilot of the Age", featuring Bismarck on a ship, having brought it out to the high seas, from which the stars and gods looked down. This symbolized Bismarck's accomplishment of forming the Kaiserreich, which enabled Germany to be recognized as a great power. . – Deutsch: Der Lotse geht von Bord. Karikatur von Sir John Teniel, abgedruckt im englischen Magazin Punch. Oben Kaiser Wilhelm II, Reichskanzler Otto von Bismarck muss das Schiff verlassen. – Via Wikipedia, public domain
  • Screenshot Ferdinand Tönnies, Gesamtausgabe, 1905-1906, Band 7, Seite 255
  • Rohwurst by Rainer Zenz, via Wikipedia. Diese Datei wurde unter den Bedingungen der „Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen Unported“-Lizenz (abgekürzt „cc-by-sa“) in der Version 3.0 veröffentlicht.

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Schlüsselwörter: Werbung | Würstchen | Bismarck | Kaiser | Deutschland
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Kommentare

266
am 17.09.2010 08:54:40 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
„Gesetze sind wie Würste, man sollte besser nicht dabei sein, wenn sie gemacht werden.“

Ein befreundeter älterer Herr pflegte bei einer Einladung zum Eisessen stets zu sagen, nein, vielen Dank, er wisse, wie das gemacht werde. Offenbar hatte er den Bismarck gelesen und sich gemerkt.

Bei der Herstellung von Gesetzen sollten wir allerdings viel intensiver dabei sein und unseren Volksvertetern auf die Finger (sc)hauen.
357
am 17.09.2010 12:32:24 (84.19.165.xxx) Link Kommentar melden
Die etymologische Herkunft des Wortes "Wurst" stammt übrigens von althochdeutsch "wurst" = "Gemengsel; Drehung, Walze" aus indogermanisch *uert- ("drehen"Wink, laut Wahrig.
506
am 09.10.2010 10:50:47 (124.160.102.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 09.10.2010 11:19:30.
kommt123
am 19.05.2011 13:13:29 (92.231.125.xxx) Link Kommentar melden
Die Wurst ansich esse ich sehr selten, höchstens mal eine aus Geflügelfleisch. Alles andere ist mir zu fett.
Aber wie gesagt, ganz selten, ich mag keine Lebensmittel wo ich den Inhalt nicht identifizieren kann.

Zusammengewürfelte Stücke, dann zerkleinert - muss ich nicht haben. Dann noch aus dem Supermarkt - abgepackt!

Und als Aufschnitt präferiere ich ebenfalls die fettarme Variante. Es gibt ganz fantastische Puten-Mettwurst.
Mit Bärlauch, die ist super lecker.


Die Sachen kaufe ich mir direkt von einer Dömäne. Ich kenne die Anlage, die Tiere, den Schlachter, die Zubereitung.
Peter Maier
am 19.05.2011 20:45:44 (93.219.160.xxx) Link Kommentar melden
Die Wurst ansich esse ich sehr selten, höchstens mal eine aus Geflügelfleisch. Alles andere ist mir zu fett.
Aber wie gesagt, ganz selten, ich mag keine Lebensmittel wo ich den Inhalt nicht identifizieren kann.


Man muss sich doch nur genau damit beschäftigen - auch die Wurst oder ausgerechnet eine Mettwurst .... in der sich stets jede Menge Fett befindet -- hat schädliche Stoffe für unsere Gesundheit. Die Pauschalisierung, "ich esse nur Geflügelfleisch", hat vielleicht noch 10 Jahren "imponiert" - heutzutage weiß doch aber eigentlich auch ein 38jähriger Mensch, dass das alles nur Gelaber ist, eine Verkaufsstrategie; wenn man sich wirklich gesund ernähren möchte, lässt man selbst "Geflügel-Mettwurst "weg", denn die ist mit viel Salz gewürzt, das unseren Flüssigkeitshalt schädigt. Da spielt der Inhalt "Bärlauch" auch keine Rolle mehr.
Peter Maier
am 19.05.2011 20:47:33 (93.219.160.xxx) Link Kommentar melden
schriftdeutsch: das ist mir einerlei
das ist mir kackegal, (schnurzend) piepegal / scheißegal / schietegal / (piepend) schnurzegal / schnurzpiepegal / wurschtegal / wurschtpiepegal
das ist mir Banane / schnuppe / schnurz / wurscht / Wurst / Bums / Erbse / Latte / hulle
das ist mir Arsch und Friedrich
das ist mir achtundachtzig
das geht mir (direkt, glatt) am Arsch / Hintern vorbei
das kannst du deinem Friseur erzählen
das juckt / kratzt / kümmert / schert mich nicht
das juckt / kümmert / schert mich einen Dreck / Scheißdreck
das interessiert / kratzt / kümmert / schert mich nicht die Bohne
das ist doch Jacke wie Hose / Pott wie Deckel
das ist doch worscht wie Käs
das ist doch gehupft / gehüpft wie gesprungen
das ist mir wurscht
das ist doch g'hupft wie g'sprunga (bayrisch) bzw. das ist g'hupft wie g'hechtet (schwäbisch)


um aber auf den "Inhalt des Artikels" zurück zu gelangen - ja, mir ist das auch alles komplett wurst. Ciao.
kommt123
am 19.05.2011 21:08:38 (92.224.99.xxx) Link Kommentar melden
Man muss sich doch nur genau damit beschäftigen - auch die Wurst oder ausgerechnet eine Mettwurst .... in der sich stets jede Menge Fett befindet


Vollkommen richtig - genau 3% - sehr viel. Grin

Sie kennen weder meinen Schlachter, die Zubereitung oder meine Wurst, die ich bevorzugt esse.

Warum erlauben Sie sich ein Urteil über Lebensmittel die Ihnen nicht bekannt sind?

Kleiner Ratschlag...reflect befor you act!

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