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Sonstiges: Gesundheit

Organspende: Spenderorgane werden in Deutschland sinnlos vergeudet

1.217 Organspender gab es 2009 in Deutschland – Auf der Warteliste standen 12.000 Patienten

Organspendeausweis.
Organspendeausweis.
Jeden Tag, so heißt es, sterben drei Menschen hierzulande weil ein Spenderorgan fehlt. Die Wartezeit für ein Spenderorgan ist für die Betroffenen unendlich lang und nervenaufreibend. Sie leben zwischen Hoffen und Bangen, denn das dringend benötigte Spenderorgan ist die einzige Hoffnung auf ein Überleben. Derzeit stehen in Deutschland rund 12.000 Patienten auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Tendenz steigend. Dagegen gab es im vergangenen Jahr nur 1.217 Organspender. Das sind gerade einmal 10 % derer die ein Spenderorgan benötigen.

„Organspende rettet Leben“ – So, oder ähnlich, heißt es in der Werbung für Organspendeausweise. Ein solcher Ausweis ist eine verbindliche Willenserklärung, dass im Todesfall Organe entnommen werden dürfen. Die Organspende ist grundsätzlich eine freiwillige Angelegenheit. Um das Missverhältnis Spender/Patient zu verbessern fordert Peter Liese (CDU), der gesundheitspolitische Sprecher der konservativen Mehrheitsfraktion im EU-Parlament, eine energischere Befragung nach der Bereitschaft zur Organspende: „Die Bundesregierung sollte dafür sorgen, dass die Bereitschaft zu einer Organspende bei der Ausstellung von Reisepass, Personalausweis, Sozialversicherungskarte oder Führerschein automatisch abgefragt wird.“

Diese Äußerungen lösten bereits eine harte Diskussion aus. Bei einer Einführung einer solchen Abfrage könnte sich der Ausweisempfänger zur Organspende genötigt sehen. Hinzu kommt, dass allein die Hälfte der potentiellen Spenderorgane in den Krankenhäusern verloren geht, und das obwohl die Patienten einen Organspendeausweis haben oder die Angehörigen mit einer Organentnahme einverstanden sind. Diesen medizinischen Missstand abzuschaffen würde weitaus mehr bringen als eine Befragung wie sie der CDU-Politiker Peter Liese fordert.

Doch woran liegt dieser Missstand? Wird in deutschen Krankenhäusern geschlampt? – Nein, so kann man es nicht sehen. Der Großteil der Schuld liegt bei denen, die immer wieder für mehr Einsparungen im Gesundheitssystem verantwortlich sind. Kosten werden per Regierung zwangsgesenkt und Krankenhäuser müssen unter diesem Druck schließen. Den übrig gebliebenen fehlt es dann auch hauptsächlich am kompetenten Personal. Die Ärzte sind auch ohne zeitaufwändige Organentnahmen und der damit zusammenhängenden Versorgung der Verstorbenen und dessen Organe zeitlich völlig überfordert. Abhilfe könnte nur speziell und allein für diesen Zweck eingestelltes und ausgebildetes Personal schaffen. Doch dafür fehlt, dank der Sparmaßnahmen, das Geld.

Und so werden potentielle Organspender nicht erkannt und Gespräche diesbezüglich mit den Angehörigen bleiben aus. Dieses Problem hat die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) längst erkannt. Sie richtete im vergangenen Jahr in insgesamt 111 deutschen Krankenhäusern, die eine neurochirurgische Abteilung hatten, so genannte Inhouse-Koordinatoren ein. Das sind Mitarbeiter, die die DSO über Organspender in den Krankenhäusern informieren. Doch das ist nur ein minimaler Schritt in die richtige Richtung. „Das Verfahren ist zu bürokratisch und außerdem kann es Probleme mit dem Tarifrecht geben“, sagte Bruno Meiser, Präsident von Eurotransplant und Leiter des Transplantationszentrums an der Uni München im Klinikum Großhadern.

Tarifrecht – das ist das richtige Stichwort, denn es geht hierbei genauso ums liebe Geld. Die Organspender und ihre Angehörigen gehen leer aus, denn das ist für die Ehrensache. Vielleicht gäbe es mehr Organspender, wenn diese einen kleinen Obolus bekämen, so wie es früher bei den Körperspenden für medizinische Lehrzwecke üblich war. Seitdem dafür kaum noch oder gar nichts mehr bezahlt wird, gingen auch dort die Körperspenden deutlich zurück.

Anders hingegen sieht es bei den beteiligten Ärzten aus. Hier gibt es für die Krankenhäuser Vergütungen. Dies sollte jetzt nicht als Kritik aufgefasst werden, denn die Ärzte leisten ja auch Arbeit dafür und die Krankenhäuser müssen in entsprechende Gerätschaften investieren. Was mir dabei allerdings zu denken gibt, ist die europaweite ganz deutlich unterschiedliche Vergütung. Während deutsche Krankenhäuser 3.300 € (die Betroffenen sprechen hier von „schlechter Vergütung“, „Minusgeschäft“ und „Almosen“) für eine Multiorganentnahme bekommen, erhalten die Krankenhäuser in Kroatien und Spanien 6.000 € dafür. In Spanien wird zudem jede OP-Stunde zusätzlich mit 1.500 € vergütet. Eine bessere Vergütung der deutschen Krankenhäuser könnte die Quote der Organentnahmen auch in Deutschland steigen lassen, was dann wiederum auch die Wartezeit der Patienten verkürzen hilft.

Die Organvermittlungsstelle von Eurotransplant im holländischen Leiden koordiniert den Organspendeablauf zwischen den Beneluxländern, Slowenien, Kroatien, Österreich und Deutschland. Man wünscht sich dort weit mehr Mitgliedsstaaten. Nur so könnten die Spenderorgane optimaler eingesetzt werden. Doch viele Länder wollen lieber nur eigene bzw. inländische Organe verwenden. Deshalb fordert inzwischen auch das EU-Parlament diesbezüglich die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu verbessern. Dies würde vor allem auch den Patienten zu Gute kommen.

Das Fazit des ganzen Dilemmas ist: Es muss sich dringend etwas auf dem politischen und dem medizinischen Sektor tun, denn sonst nutzt auch ein Mehrfaches an Organspendern nicht.

Fotolegende: Organspenderausweis. Nicht vergessen auszufüllen. Foto: Thorben Wengert, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Organspende | Organspender | Organspendeausweis | Eurotransplant | Organentnahme | Organtransplantation
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Kommentare

300
am 18.07.2010 15:47:31 (62.2.182.xxx) Link Kommentar melden
Vielleicht gäbe es mehr Organspender, wenn diese einen kleinen Obolus bekämen, so wie es früher bei den Körperspenden für medizinische Lehrzwecke üblich war. Seitdem dafür kaum noch oder gar nichts mehr bezahlt wird, gingen auch dort die Körperspenden deutlich zurück.

Was war denn da so der Kurs, mal ganz neugierig gefragt? Wink

Derjenige hat ja selber nichts mehr davon, konnte man denn die Beerdigung und das Essen für die Trauergäste bezahlen?
Alex Mais
am 18.07.2010 16:44:57 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Also, das war wohl von Institut von Institut verschieden. Soweit ich es in Erinnerung habe waren dies mal so um die ca. 250 DM (plus/minus max. 100 DM).

Das reicht nicht für eine Bestattung (und hat auch damals dafür nicht gereicht). Aber diese fiel ja dabei auch nicht mehr an. Das wurde dann anonym vom Institut besorgt...
357
am 19.07.2010 21:03:31 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Wenn man diesen Artikel liest, fragt man sich schon, mit welchem Recht die Deutschen den Ruf genießen, gut organisieren zu können. Frown

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