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Pizza & Co.

We love Wagner, we love Doitschländ!

Authentic Neapolitan Pizza Margherita
Authentic Neapolitan Pizza Margherita
Pizza esse ich für mein Leben gern. Pizza ist für mich das, was für den faulen Kater Garfield Lasagne ist. – Also: Pizza ist einfach mein Ding, auch beim backen kann man da nicht viel falsch machen. Ein wahrer Genuß; obwohl die Pizza letztlich ja nichts weiter ist als die italienische Form einer möglichst schmackhaften Verwertung von Speiseresten, also ähnlich dem bekannten deutschen Eintopf, dem zum Sprichwort gewordenen norddeutschen „Sammelsur(ium)“, den schwäbischen Maultaschen oder dem jiddisch-polnischen Tscholent (am Schabbat darf man – wegen des Arbeitsverbotes – nicht kochen, deswegen kocht man am Freitag vor und hält den Eintopf warm)...

Unter anderem bin ich also auch ein begeisterter Pizzabäcker, privat, versteht sich; egal ob Hefe-, Mürbe- oder Quark-Öl-Teig, ich mache jede Pizza, ganz nach Wunsch, bevorzugt vegetarisch oder koscher. Damit habe ich bereits meine Freunde in der DDR zwischen 1975 und 1985 beglückt, wenn ich mit meinen ALDI-Einkäufen, damals im alten VW-Variant, studentenmäßig eben, nach Annaberg-Buchholz, nach Jüterbog, nach Bad Dürrenberg oder nach Eisleben fuhr, selbstverständlich hatte ich mich – ich kenne ja die Deutschen – präzise anhand der zollrechtlichen und sonstigen Einreisebestimmungen vorbereitet: alle meine von Deutschland nach Deutschland für die geplante Pizza eingeführten Zutaten waren selbstverständlich zollrechtlich erlaubt...

Dosentomaten, vier Sorten Käse, Auberginen, Zwiebeln, Kapern, Knoblauch, grüne Oliven, schwarze Oliven, Pesto und diverse Gewürze; für den Teig zwei Becher Quark, eine Flasche Sonnenblumenöl, 500 Gramm Weizen in ganzen Körnern. Damals war ich ein bißchen öko-bio, altersentsprechend. Meine Schnitzer-Getreidemühle hatte ich selbstverständlich auch mit, Dosenöffner und Pfeffermühle sowieso, bis auf den Backofen war ich also autonom. – Der Grenzer, der meinen Wagen und vor allem die Ladung und mein Gepäck genauestens inspizierte, war nicht sonderlich begeistert. Ich hatte ja am „Kontrollpunkt Helmstedt“ und an der „Grenzübergangsstelle Marienborn“ meine Sonderspur, wie sich das gehört: „Einreise in die Deutsche Demokratische Republik“. Während sich auf den beiden Transitspuren Richtung Westberlin die Blechkolonne staute. Der Grenzer hatte ja ohnehin viel Zeit und nahm sich noch mehr; während ein zweiter mit dem Spiegel um meinen Wagen herumlief, um die ganzen Verstecke am Wagenboden und in den Radkästen zu inspizieren, prüfte der erste mein Gepäck und meine Pizza-Zutaten. Als er meine Einkäufe sah, fragte er mich vergrätzt, ob man jetzt in der Westpropaganda behaupten würde, die Bürger der DDR hätten nichts zu essen?

California-style pizza
California-style pizza
Meinen frechen Spruch verkniff ich mir, um weitere Verzögerungen zu vermeiden: „Nein, Herr Leutnant, wie man an Ihnen sieht, kann das gar nicht sein!

Wie gesagt, so etwas in der Art schluckte ich hinunter – trotz seines deutlich sichtbaren Übergewichts, er hatte mindestens 100 Kilogramm netto bei 1,70 Meter Körpergröße (ohne Mütze) – und erklärte stattdessen höflich, jedoch ohne auszuschweifen – ich hatte ja einen preußischen sächselnden Militär vor mir! – ich sei begeisterter Hobbykoch und hätte ihnen versprochen, eine Pizza zu backen, und um ihnen die Einkäufe zu ersparen, hätte ich eben alles mitgebracht. Er gab sich damit zu frieden, was mir wiederum ersparte, alle Sitze im Auto auszubauen oder ihn anderweitig durch erlittene Schikanen zu erfreuen. So trennten sich relativ friedlich unsere Wege, und ich fuhr von Marienborn aus weiter in Richtung Magdeburg. Nettigkeit zahlt sich halt doch aus; außerdem war er eigentlich nur Unterleutnant (ja, sowas gab's tatsächlich da „drüben“), ich hatte ihn also um eine Stufe befördert, das kommt bei Beamten immer gut an...

Bodo Bach („...isch hätt' da gern emah e Brobleem...“) zum Thema Pizzabestellung:

Berechtigung, DM 1:1 gegen Alu tauschen zu dürfen.
Berechtigung, DM 1:1 gegen Alu tauschen zu dürfen.
Die Fahrt verlief dann reibungslos und sehr kurzweilig: die Einheimischen hatten viel Spaß daran, mit Tempo 120 in ihren Trabbis und Wartburgs an mir vorbeizubrettern, während ich eisern 95 km/h fuhr. Denn ihnen wie mir war klar, daß die reichlich vorhandenen Radarfallen auf der A 2 generell nur für jene Fahrer gedacht war, die in „Valuta“ bezahlen konnten. Die DDR-Bürger waren mir hier also rein strukturell eindeutig überlegen, und ich gönnte ihnen von Herzen dieses vermutlich eher selten erlebte Gefühl. Ich dagegen erlebte die besondere Genugtuung, einfach kurz vor Magdeburg von der Transitstrecke abweichen zu dürfen (ich hatte ja das Visum zur Einreise!). – Was mir dann allerdings auf der Landstraße in Richtung Wanzleben und Bernburg wenige hundert Meter nach Verlassen der Autobahn das typische Verfolgerfahrzeug bescherte (es war immer ein Wartburg 353) mit den beiden typischen Herren mit den typischen Gesichtern und den typischen Jacken... – aber das ist dann wieder eine ganz andere Geschichte.

Wohlbehalten kam ich also bei den Freunden an; das gemeinsame Pizza-Backen mit der ganzen Familie hat dann riesigen Spaß gemacht, und lecker war's natürlich auch.

  • Vater, Tochter und Sohn sitzen am Tisch. Die Mutter öffnet den Backofen und holt die fertige Pizza heraus.
  • Vater (zur Tochter gewandt): I love you, sweetie!
  • Tochter (zum Vater gewandt): I love YOU, Dad!
  • Sohn (zum Vater gewandt): I love YOU too, Dad!
  • Vater (zum Sohn): I love YOU too, Jim!
  • Mutter bringt die Pizza vom Ofen zum Tisch...
  • Vater (Kinder stimmen ein): ...and we all love Mummy...!
  • Vater: Yeah...!
  • Mutter: Hahahahaha
  • Sohn: Its's so good!
  • Tochter: It's perfect!
  • Vater: It's so... – ...AMERICAN!
  • Kinder im Chor: Ooooh, real american pizza!
  • Mutter geht unterdessen wieder zum Backofen, sie ißt nicht mit...
  • Mutter (nimmt die Verpackung und liest): OOOOH! ...it's from Doitschländ, it's WAGNER
  • Vater ist verdutzt, Pause, Blick zu den Kindern...
  • Vater (Kinder stimmen ein): We love DOITSCHLÄND...!
  • Die drei essen...
  • Sprecher aus dem off, unterlegt mit Musik: Orignial WAGNER Big Pizza. Luftig locker, super knusprig.
  • Sohn (zum Vater gewandt): What's Doitschländ?
  • Vater: Oh, that's that little country next to Austria.

(TV-Werbung lief in Österreich, in der deutschen TV-Werbung fehlten die beiden letzten Sätze).

YouTube Video

  • Bildnachweis:
  • Description English: Picture of an authentic Neapolitan Pizza Margherita taken by Valerio Capello on September 6th 2005 in a pizzeria ("I Decumani") located on the Via dei Tribunali in Naples. Italiano: Fotografia di un'autentica pizza Margherita napoletana scattata da Valerio Capello il 6 settembre 2005 nella pizzeria "I Decumani" situata in Via dei Tribunali a Napoli. Date: 2005/09/06. Author: ElfQrin (Valerio Capello). This file is licensed under the Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 License. Via Wikipedia.
  • California-style pizza from the Chez Panisse cafe in Berkeley, California. Date: 30 January 2007, 00:33. Source: pizetta. Author: stu_spivack. This file is licensed under the Creative Commons Attribution-Share Alike 2.0 Generic license. Via Wikipedia.
  • East German entry visa, July 1989. Datum: 1. Juli 1988, 00:00:00. Quelle: originally posted to Flickr as DDR Visum. Urheber: Ken Mayer, via Wikipedia. Diese Datei ist unter der Creative Commons-Lizenz Namensnennung 2.0 US-amerikanisch (nicht portiert) lizenziert.

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Schlüsselwörter: DDR | Grenzorgane | Transit | Care-Paket
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