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Deutschländer - das Würstchen?

Was man in der Werbung so alles findet...

Wiener Würstchen im Topf
Wiener Würstchen im Topf
Bestimmte Sätze aus der Werbung prägen sich einem ganz leicht ein:

Denn wie kein zweites Würstchen vereint Deutschländer das Beste von allen deutschen Würstchen in sich: „Sie sind knackig wie Wiener, würzig wie Frankfurter und zart wie Bockwürstchen.

So lautet die Kernaussage eines Metzgermeisters, der seinem Auszubildenden in einem TV-Spot die Vorzüge des beworbenen Produkts nahebringt. Wirklich, dies wird in reinstem Schriftdeutsch vorgetragen, mit leicht niederdeutscher Sprachfärbung. Hat der Mann in Geografie denn nicht aufgepaßt? Deutsche Würste? Wien?

Die Geschichte vom Deutschländer

Vor fast 100 Jahren zog der Geselle Fritz Meinen durch die deutschen Lande, um von berühmten Metzgermeistern zu lernen, wie man besonders gute Würstchen macht. Als er sich in seiner Heimat, dem Ammerland, niederließ, schuf er sein Meisterstück – mit dem Besten von allen beliebten Rezepturen. Und zum Dank an seine Lehrmeister nennen wir sein Meisterstück Deutschländer.

Quelle: www.meica.de

Na ja, Wiener und Frankfurter sind ja letztlich dasselbe. In Süddeutschland – im alemannischen und im oberdeutschen Sprachgebiet – nennt man sie üblicherweise Saiten oder Saitenwürste (auf schwäbisch „gschwätzt“ dann natürlich „Saidewürrschdle“). Ein fränkischer Frankfurter Metzgermeister, der nach Wien auswanderte, soll sie erfunden haben, belehrt uns Wikipedia. Ursprünglich stammte jener Johann Georg Lahner (1772–1845) aus der fränkischen Schweiz, genauer aus Gasseldorf bei Ebermannstadt, ostsüdöstlich von Bamberg. In Frankfurt am Main erlernte er dann das Handwerk des Metzgers. – Natürlich wirft all das, was uns dieser Werbefilm nahebringen will, nun etliche Fragen auf. Zum Beispiel die, was denn nun eigentlich genau drin ist in der wienerischen Bockwurst nach Frankfurter Rezept, im ostfriesischen Ammerland hergestellt? Dazu schweigt man sich aus, aber so großartig differieren die Rezepte kaum, da das deutsche Lebensmittelrecht das alles genau regelt. Die Frage wäre weiterhin auch, wo die deftige Nürnberger, die leckere Thüringer, die schwäbische Rote und viele andere deutsche Wurstspezialitäten bleiben. Nicht zu vergessen die türkische Sucuk, denn wenn das hymnen-boykottierende National-Würstchen Mesut Özil Deutscher ist, dann ist die Sucuk natürlich auch eine deutsche Wurst.

Dann hätten wir da auch noch die hervorragende bayrische Weißwurscht – den dazu üblicherweise gereichten süßen Senf sollte man allerdings gegen einen richtig feurig-scharfen austauschen –, die es natürlich auch als koschere Weißwurscht gibt, auf dem Münchner Viktualienmarkt und im Internet sowieso. – Was uns daran erinnert, daß die Berliner Bockwurst erstens ursprünglich koscher und zweitens eine Erfindung (aus dem Jahr 1889) des Berliner Schochet (Schächters) Benjamin Löwenthal war. So hängt alles mit allem zusammen.

„Das“ Würstchen?
„Das“ Würstchen?
Zur Erschließung neuer Käuferschichten könnte man, rein marketing-psychologisch, den Spruch der bekannten Werbung noch abändern; für etwaige revisionistische, nationalistische und rechtsextreme Deutsche, die noch nicht mitbekommen haben, daß es östlich der Oder-Neiße-Grenze keine deutschen Gebiete mehr gibt, wäre diese Variante hier doch ideal:

Deutschländer, das Beste aus Deutschen Landen...

  • ...frisch wie Frankfurter
  • würzig wie Wiener
  • knackig wie Krakauer
  • bockig wie Berliner...

Es ist wohl kaum notwendig, auf die akustisch so gefälligen Alliterationen hinzuweisen; diese sind besonders einprägsam und steigern so den Merk-Effekt deutlich. Und wenn das schon so gut klingt, wer will dann noch wissen, was eigentlich wirklich drin ist? Hauptsache Deutsch!

Das Thema reizt so manchen Spaßvogel....

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Schlüsselwörter: Werbung | Würstchen | Deutschland
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