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Sport: Sonstiges

Das Matterhorn

Wahrzeichen, Werbeträger und Todesfalle

Sonnenaufgang und schönstes Wetter...
Sonnenaufgang und schönstes Wetter...
Wer die Alpen als Bergwanderer und als Bergsteiger kennt, der weiß, wie launisch das Wetter im (Hoch-)Gebirge ist. Der weiß aber vor allem, was ein Wettersturz im Gebirge (genau wie auch auf See!) bedeutet: Lebensgefahr. Der Mensch ist nämlich, im Vergleich mit den Naturgewalten, recht schwach... – und ist dann im Ernstfall der angewandten Physik recht hilflos ausgeliefert.

Trotzdem fallen ungeübte Sonntags-Kletterer – also Menschen mit wenig Bergsteiger-Erfahrung, dafür jedoch mit einer maßlosen Selbstüberschätzung – und insbesondere solche mit völlig ungenügender Ausrüstung, mit Turnschuhen und im T-Shirt, trotz aller Warnungen der erfahrenen Bergsteiger und der Einheimischen regelmäßig in den Alpen ein und machen den dortigen Rettungs- und Bergungsdiensten unnötig Arbeit. Eventuell bescheren sie dann auch zum Teil dem einen oder anderen Bestattungsunternehmer unverhofften und vorzeitigen Umsatz. In jedem Fall jedoch belasten sie die Krankenkassen – und damit die Solidargemeinschaft, also uns alle – sowie die Versicherungen mit völlig unnötigen Kosten. Ein Helicopter-Einsatz der Bergrettung ist ausgesprochen teuer, die Flüge werden nach Flugminuten abgerechnet...

...an einem sonnigen Tag...
...an einem sonnigen Tag...
Selbst ohne plötzliche Gewitter, ohne einen Wettersturz, ohne reißende Sicherungsseile oder ohne Geröll-Lawine sind und bleiben Bergtouren in 2.000 Metern (z.B. Karawanken oder Große Arnspitze) bis über 4.800 Meter Höhe (z.B. Mont Blanc) nichts, was man „mal eben so“ machen sollte, ohne Vorbereitung, ohne Ausrüstung, ohne Erfahrung und know-how. Denn die Sonne brennt stärker, das UV-Licht ist gefährlicher, die radioaktive Höhenstrahlung ist größer, der Sauerstoffgehalt der Luft ist niedriger, der Klettersteig bröckelt schneller und der Wind pfeift schärfer, als der „Flachland-Tiroler“ es sich vorstellen kann.

Das Gepäck wiegt nach kurzer Zeit auf dem Rücken auch wesentlich schwerer, als der Neuling es wahrhaben möchte... – und wenn zu diesen normalen Bedingungen, die den Berg-Sport erschweren, noch das eine oder andere unvorhergesehene oder nicht ernstgenommene meterologische Schmankerl wie Gewitter, Regen, Hagel, Nebel oder Blizzard dazukommt, dann könnte es eben eng werden:

...sind plötzlich die Wolken da...
...sind plötzlich die Wolken da...
Ein Wettersturz ist eine meteorologische Erscheinung, die sich durch einen heftigen und vor allem plötzlichen Wetterumschlag auszeichnet. Oft wird ein Wettersturz durch eine Kaltfront oder kräftige Gewitter ausgelöst. Häufig wird die Sichtweite schlagartig durch starken Niederschlag und Nebel herabgesetzt, was besonders im Hochgebirge für Bergsteiger eine große Gefahr darstellt. Zudem kommt es zu einem Temperaturabsturz um bis zu 10°C und starkem Wind mit Sturmböen, was bei unangemessener Kleidung zu einer intensiven Auskühlung und im schlimmsten Fall zum Tod durch Unterkühlung führen kann. Experten rechnen im Hochsommer mit etwa ein bis zwei Wetterstürzen pro Monat.

(Wikipedia, Wettersturz)

Ungeachtet dieser leicht einsehbaren Zusammenhänge zwischen Sichtweite im Gebirge und Absturzgefahr, zwischen Gewitter und tödlichem Blitzschlag, zwischen Unterkühlung und Ausbleiben der Vitalfunktionen begegnen einem in den Alpen immer wieder Menschen mit Flipflops an den Füßen und Designer-Kleidchen über dem sonnenbank-gestählten Luxus-Körper, gerne auch mal über 3.500 Metern Höhe, man kann ja mal eben mit dem Lift hochfahren und dort eine Stunde „spazierengehen“...

Massentourismus par excellence: Auf das Matterhorn – mit 4.478 Metern Höhe einer der höchsten Berge der Alpen, einer von 128 Viertausendern – latschen jedes Jahr 3.000 Bergsteiger oder solche, die dafür gehalten werden wollen, bisher waren es insgesamt schon über 100.000; die Tour kostet rund 1.400 Euro inklusive Bergführer, Halbpension und Bahnkarte. Jeder wird irgendwie hochgeschleppt oder wird sich selber irgendwie hochschleppen... – wenn das der Erstbesteiger Edward Whymper wüßte, bei dessen Expedition im Jahr 1865 während des Abstiegs vier der Teilnehmer abstürzten, weil einer der vier Vordersten von Whympers Siebener-Seilschaft ins Rutschen kam und drei andere dabei mitriß in den sicheren Tod... – beim Abstieg stürzten die vorderen vier der Seilschaft (der Bergführer Michel Croz aus Chamonix sowie die drei Engländer Reverend Charles Hudson, Lord Francis Douglas und D. Robert Hadow) noch oberhalb der sog. „Schulter“ über die Nordwand tödlich ab. Drei der Toten wurden einige Tage später 2.000 Meter(!) tiefer auf dem Matterhorngletscher geborgen, die Leiche von Lord Francis Douglas wurde bis heute nicht gefunden. Und weswegen dieses Unglück? Einer rutschte und stürzte, ein Sicherungsseil war gerissen... – fertig, aus die Maus, es gab keine Chance, das ist wie Motorradfahren ohne Bremse. Der Abstieg ist das Gefährlichste, nicht der Aufstieg!

Reißt das Seil, wirkt die Schwerkraft!
Reißt das Seil, wirkt die Schwerkraft!
Das Matterhorn!

Für Unzählige ein Naturwunder, für viele ein Mythos, und für einige eine Herausforderung, einmal auf dem Berg der Berge zu stehen.

Wird die Besteigung aufgrund mangelnder physischer Voraussetzungen des Gastes abgebrochen, entfällt das Recht auf eine Rückerstattung.

Werbung in Zermatt (Alpincenter)

Besonders lesenswert ist dieser Erfahrungsbericht des Journalisten Hilmar Schmundt aus der Massenabfertigung der Instant-Bergsteiger in Zermatt, das den leichtesten Aufstieg über den Hörnligrat (Nordostgrad) anbietet:

Runter kommen sie immer!
Runter kommen sie immer!

Auf dieser Route muß man in ca. 6 Stunden 1.218 Höhenmeter überwinden, also 200 Höhenmeter pro Stunde; das ist kein Spaziergang. Der Ausgangspunkt ist die Hörnlihütte (auf 3.260 m), der Gipfel des Matterhorn liegt bekanntlich bei 4.478 Metern. Zuvor muß man von Zermatt aus (1.608 m) zur Hörnlihütte aufsteigen, das sind bereits die ersten 1.652 zu überwindenden Höhenmeter. – Wer hier keine Übung und keine Kondition hat, wird Probleme bekommen, nicht nur mit der Kondition, sondern auch mit dem Zeitplan...!

Blick von oben auf den Dent d'Hérens
Blick von oben auf den Dent d'Hérens
Blick vom Matterhorn nach Westen auf den Dent d’Hérens (4.171 m)

Edward Whymper hatte übrigens noch keine Hörnli-Hütte zur Verfügung, er durfte mit seiner Seilschaft, von der nur drei überlebten, den ganzen Weg in einem nehmen. Damals hatte Edward Whymper auch noch nicht das Not-Biwak Solvay-Hütte (4.003 m, 10 Plätze) zur Verfügung, alles ist also heute erheblich leichter und sicherer, aber dennoch schwer und gefährlich genug. Nach der SAC-Berg- und -Hochtourenskala des Schweizer Alpen-Club hat die Route heute die Schwierigkeitsgrade ZS+ und III+, das bedeutet

  • auf Fels: ziemlich schwierig / assez difficile „es muß wiederholt gesichert werden. Routinierte Seilhandhabung und guter Routensinn erforderlich. Bereits recht lange und exponierte Kletterstellen vorhanden.“
  • auf Firn und Gletscher: „Steilere Hänge, gelegentlich bereits Standplatzsicherung notwendig. Viele Spalten, kleiner Bergschrund. Rückzug unter Umständen bereits problematisch.“

Blick nach Osten aufs Matterhorn
Blick nach Osten aufs Matterhorn

Blick umgekehrt morgens nach Osten aufs Matterhorn, rechts vorn der Dent d’Hérens (4.171 m)

Zum guten Schluß: wer ohne Lebensgefahr nur das Panorama genießen möchte, der nutzt ganz gelassen das Internet und läßt den Ruf des magischen Berges unerhört:

Völlig gefahrlos: Symbole genießen!
Völlig gefahrlos: Symbole genießen!
Climb the Matterhorn with your mouse!

Feel the thrill of an ascent of the Matterhorn. Explore and experience how it feels to stand on a summit ridge that is just wide for your feet, with a vertical drop of 2500 meters on each side.

  • Bildnachweis:
  • „Matterhorn – Sunrise.“ Date: November 2006. Source: Made by Julius. Author: Julius Silver. Via Wikipedia, GFDL und Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported license.
  • „Zermatt and Matterhorn.“ The Matterhorn is located on the border between Switzerland and Italy, towering over the Swiss town of Zermatt and the Italian town of Breuil-Cervinia in the Val Tournanche. It was the last major mountain of the Alps to be climbed, not merely because of its technical difficulty, but of the fear it inspired in early mountaineers. The first serious attempts began around 1858, mostly from the Italian side, but despite appearances, the southern routes are harder, and parties repeatedly found themselves on difficult slippery rock and had to turn back. Photo taken June 1996 by Stan Shebs. Via Wikipedia, Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported.
  • „Matterhorn.“ Date: 14.05.99. Source: Own work. Author: Stan45. Via Wikipedia, public domain.
  • „Disaster strikes just after the first ascent of the Matterhorn“, drawn by Gustave Doré. Date: 1865. Source: Scanned from A Brief History of British Mountaineering by Colin Wells, ISBN 978-0903908627. Author: Gustave Doré (1832-1883). Via Wikipedia. Permission (Reusing this file): Public domain.
  • „Wettersturz auf dem Berliner Höhenweg“, Juli 2008. Quelle: Eigenes Werk. Urheber: Schlesinger. Via Wikipedia, Creative Commons-Lizenz Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported.
  • „Dent d'Hérens from the summit of the Matterhorn.“ Date: 10 August 2008. Source: www.flickr.com Author: Oargi. Via Wikipedia, CCL Attribution-Share Alike 2.0 Generic.
  • „Matterhorn, Dent d'Hérens.“ Datum: 16.05.05. Quelle: Eigenes Werk. Urheber: Grindel1. Via Wikipedia, CCL Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported.
  • „Opened Toblerone packaging.“ Photo taken by Rainer Zenz. Via Wikipedia, CCL Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported.

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Schlüsselwörter: Matterhorn | Alpen | Bergsteigen | Urlaub | Schweiz | Italien | Toblerone
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Kommentare

286
am 13.08.2010 09:05:00 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Climb the Matterhorn with your mouse!
Mir reichen diese Bilder völlig, und Toberone ist auch wirklich lecker Grin
317
am 14.08.2010 19:28:49 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Auch ich wandere und klettere gern in den Alpen, es ist wirklich erschütternd, was man dabei bei anderen menschen an Ausrüstung und Kleidung sieht. Die meisten sind sich der Gefahr wohl gar nicht bewusst.
300
am 14.08.2010 22:21:16 (62.2.182.xxx) Link Kommentar melden
Muss ja wirklich nicht sein, so ein Sport. Lieber Fußballspielen, skaten und surfen...

Wink
353
am 25.08.2010 10:46:12 (178.1.31.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von Argusauge am 25.08.2010 10:53:00.

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