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Medien: Sonstiges

Jugendmagazine unter der Lupe

Foto: www.spiesser.de
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Sie heißen “Spiesser”, “YAEZ” oder “Häfft” und treiben ihr “Unwesen” in Dresdener und Stuttgarter Cafés oder unter Schulbänken. Sie sind jung und spritzig und sorgen für Abwechslung auf dem stetig wachsenden Markt der Teenie-Lektüren.

In den Markt der Jugendzeitschriften ist Bewegung gekommen. Während die etablierten Magazine wie “Bravo” oder “Popcorn” einen Rückgang der verkauften Auflage von jeweils circa 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr melden, blühen regionale Titel regelrecht auf. Das Besondere der neuen Konkurrenz: Es handelt sich um jugendeigene Medien, die den altbekannten Teenie-Zeitschriften inhaltlich und im Vertrieb ordentlich Paroli bieten.

Zum Beispiel “Spiesser”

Vor zehn Jahren entstand beispielsweise “Spiesser” als Freizeitprojekt sächsischer Jugendlicher, heute ist es mit einer 300.000er Auflage und 3.000 Auslagestellen das größte und auflagenstärkste Jugendmedium Ostdeutschlands. “Wir sind stolz, intelligentes Lesefutter für die junge Zielgruppe zu bieten”, sagt Gründer und Geschäftsführer Frank Haring zum redaktionellen Konzept. Im Mittelpunkt des sächsischen Kultmagazins stehen unter anderem regelmäßig Texte zum Thema Ausbildung, der ersten eigenen Wohnung oder Geschichten über den beschwerlichen Weg zum Führerschein. Auch politisch heikle Themen wie beispielsweise Rechtsextremismus sind der mitteldeutschen Jugendzeitung nicht zu heiß. “Wir schreiben aber nicht bloß über Schüler, sondern für sie und mit ihnen. Viele unserer Redakteure sind selbst Schülerzeitungsmacher, die bei uns professionelle Anleitung bekommen”, erklärt Haring das erfolgreiche Konzept.

Ausruhen? YAEZ doch nicht!

Ähnlich erzählt sich auch die Erfolgsgeschichte von drei jungen Medienmachern aus Baden-Württemberg. In einem Alter, in dem sich andere Jugendliche vor die Glotze hängen, um sich von den dramatischen Erlebnissen abgestumpfter Talkgäste berieseln zu lassen, gründeten Janos Burghardt und Simon Keller das erfolgreiche Online-Magazin yaez.de - wenig später kam auch Michael Hartung hinzu. Auf ihren Lorbeeren ruhten sich die drei jungen Medienmacher allerdings nicht lange aus. Schon bald folgte die landesweite Print-Version des YAEZ-Magazins, zu der heute zusätzlich zwei weitere Regionalausgaben in Stuttgart und Freiburg erscheinen.

Auf hohem Niveau

Das Magazin mit einer Auflage von ca. 92.000 Exemplaren ist allerdings schon lange kein Hobby mehr für die Köpfe von YAEZ. “Wir wollen Journalismus auf hohem Niveau bieten, abseits von gängigen Popblättern und Politmagazinen. Gleichzeitig sollen Jugendliche durch unseren regionalen Terminkalender einen großen Servicenutzen haben”, meint das Team des jungen süddeutschen Magazins. “Wir versuchen Entertainment und Wissensthemen für Jugendliche so aufzubereiten, dass ein Themenfeld das andere abdeckt und interessanter macht.”

So gehören Buch-, Film- und CD-Kritiken genauso zu YAEZ Baden-Württemberg wie Popstars, Wissensthemen und Politikerinterviews. Besucht man YAEZ im Internet, so fällt auf, dass es sich bei besagtem Magazin nicht um einen billigen Abklatsch von kommerziellen Jugendmagazinen handelt. Vielmehr konzentrieren sich die drei Jungjournalisten und ihr Team auf Themen des Weltgeschehens, die sie jugendgerecht aufbereiten. Es gelingt ihnen, auch durch eigene Themen und Schwerpunkte eine attraktive Mischung für die jungen Leser anzubieten.

Ein etwas anderes Hausaufgaben-Häfft

Eine gelungene Alternative zum “Otto-Normalverbraucher-Hausaufgabenheft” bietet der Häfft-Verlag. Beim “Häfft” handelt es sich um ein von Jugendlichen konzipiertes Hausaufgabenheft, das neben den klassischen Hausaufgabenfunktionen auch Notizbereiche, Informationen zu Schulthemen, Spiele und viele schlaue Sprüche für den langweiligen Schulalltag enthält. Die Anfänge des wohl erfolgreichsten Hausaufgabenhefts Deutschlands liegen nirgendwo anders als ausgerechnet in einer Schule. Im Bunker, wie das Gymnasium Fürstenried West von seinen Schülern genannt wird, tüftelten die beiden Schülerzeitungsredakteure Andy Reiter und Stefan Klingberg vor 15 Jahren so lange an einem Hausaufgabenheft herum, bis es lustiger, einfallsreicher und einfach besser war als die “Normalos”, die jeder Schüler in seinem Rucksack spazieren trägt.

Bundesweit erfolgreich

Mit 400 Heften begann die rasante Karriere der kreativen Köpfe, im Jahr 1995 war das damalige “Münchner Hausaufgabenheft” bereits an sämtlichen Münchner Schulen erhältlich. Im selben Jahr holten die beiden auch den Münchner Rapper und Zeichner Werner Härtel mit ins Boot, der die beiden Häfft-Maskottchen Brot&Schwein gestaltet. Mittlerweile ist das Häfft farbig, bundesweit erhältlich und bringt deutschlandweit etwa eine Million Schüler zum Lachen. Weitere Produkte, wie beispielsweise das Vokabel-Häfft mit Brot&Schwein im Tango-Outfit oder der Häfft-Timer, kamen erst vor etwa zwei Jahren dazu.

Wissen, was Jugendliche interessiert

Doch woher kommt der außergewöhnliche Erfolg von Häfft und Jugendmagazinen, wie YAEZ oder Spiesser? Kreativität, Innovation und das Prädikat “von Jugendlichen für Jugendliche” scheinen der Schlüssel zum Erfolg zu sein. Das normale Jugendmagazin beschränkt sich meist auf ein Themengebiet, wie zum Beispiel Musik, Fernsehserien oder PC-Spiele. Magazine wie YAEZ hingegen liefern eine bunte Mischung aus einer Vielzahl von Themenbereichen. Der Vorteil: Die Autoren selbst sind Jugendliche und wissen, welche Themen ihre Zielgruppe interessieren und auf welchen Stil die Jugend anspringt.

Außerdem spielt wohl die Eigenmotivation der jungen Medienmacher eine große Rolle. So wollen sie ernst genommen und bei politischen und kritischen Themen nicht mit einem “Das ist sowieso zu hoch für dich” abgespeist werden. Eines, so finden die Macher von YAEZ, Spiesser & Co, verbindet die jugendlichen Redakteure: Mit Motivation und Idealismus entstehen ihre Artikel in erster Linie aus Spaß am Schreiben und nicht, weil der Chefredakteur einen “super coolen” Artikel über das “trashige” BMX-Bike von ihnen verlangt.

Das Erfolgsgeheimnis: Zielgruppe sein!

Jugendliche sprechen nun mal ihre eigene Sprache - und in den Magazinen gelingt es, über diese Sprache informativ und unterhaltend zu sein. Würden nur Erwachsene Jugendmedien machen, würden ihnen sicherlich reihenweise Leser wegbrechen. Daher sind jugendeigene Medien dabei, den Markt umzukrempeln. Das Erfolgsgeheimnis ist wohl, nicht zu versuchen, wie eine jugendliche Zielgruppe zu denken. Wer ein Jugendmagazin sein will, muss Teil der Zielgruppe werden.

Dieser Artikel erschien zuvor im “Schekker“, einem Jugendmagazin der Bundesregierung.

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Schlüsselwörter: Jugendmagazin | Spiesser | Bravo | Popcorn | Teenie-Zeitschriften
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