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Urteil

Le rêve et le message de la déesse noire

La déesse noire
La déesse noire
Das Urteil stand längst fest. Es war ein Urteil ohne Anklage, ohne Verhandlung, ohne Berufung. Ein endgültiges Urteil. Dabei war er ohne jede Schuld. Er nahm es gefaßt hin, er hatte es ohnehin seit langem gewußt. Was änderte sich denn auch schon? Er würde sie verlassen. Es mußten vorher jedoch ganz plötzlich noch sehr viele Dinge erledigt werden, denn niemand weiß Tag und Stunde... – noch nie hatte er einen so vollen Terminkalender gehabt.

Sie dagegen fühlte sich, als sei sie mit dem Kopf gegen eine Wand gelaufen, ein plötzlicher dumpfer Schlag, ein Dröhnen, Wellen von Schmerz. Animalische Panik, der horror vacui, das kann doch nicht wahr sein, das darf nicht wahr sein, warum wird das alles zerstört...? Sie flüchtete sich anfangs in die Ablenkung, Bücher lesen konnte sie nicht mehr, alles verschwamm vor ihren Augen, also legte sie Patiencen und sah Belanglosigkeiten im Fernsehen an. Auch Arbeit war eine gute Ablenkung, ebenso backen und kochen. Im Garten war den Winter über nicht viel zu tun, an frostfreien Tagen beschnitt sie die Obstbäume und weinte dabei.

Es war ihr klar, sie hatte es immer gewußt, sie hatte auch gewußt, worauf sie sich eingelassen hatte, damals, so viele Jahre zuvor, und doch eine erfüllte Zeit mit ihm. Es war ein Vertrag, eine Zusage, ein Versprechen; ein Geschenk, freiwillig gegeben. Ein Bund, feierlich besiegelt ohne Priester, ein Bund nur vor IHM geschlossen, rein und klar. – Sie wußte immer, daß sie eines Tages ihr Versprechen würde einlösen müssen: ich bleibe bei Dir. Ich sorge dafür, daß Deine Würde erhalten bleibt. Ich sorge dafür, daß Du keine Schmerzen hast. Angst hatte sie nicht, eher Unsicherheit: was genau würde das genau bedeuten, das Versprechen einlösen? Würde sie stark genug sein? Was würde danach kommen? Sie wußte, wie absurd solche Fragen waren und daß sie notwendigerweise immer ohne Antwort bleiben mußten. Sie wußte auch, daß – wenn es keine Antwort auf eine Frage gab – die Frage dann falsch gestellt oder unsinnig war. Dennoch ließ sie die Fragen zu, akzeptierte sie als Ausdruck der Dynamik ihres Inneren, so wie man Kinder miteinander streiten läßt, wissend, daß Form und Inhalt dieses Streitens absurd sind. So sind Kinder eben.

Sie sprachen viel miteinander, noch mehr als sonst. Manchmal weckte er sie nachts, weil er nicht schlafen konnte, dann gingen sie in den kalten Winternächten im Mondlicht spazieren, nicht allzu weit, er wurde jetzt schnell kurzatmig. Das tat gut, die Nähe des vertrauten Körpers zu spüren, dessen Wärme zu genießen, so lange es sie noch gab. Sie sprachen über alles, Geheimnisse hatte es ohnehin nie gegeben. Er sprach, ohne Angst, davon, wie es wohl sein würde, wenn er nicht mehr in seinem Körper existierte. Sie suchten sich gemeinsam einen Stern für ihn aus. Auch das empfanden sie als Glück, sie lachten viel zusammen.

Er erzählte ihr von seinem Traum, in dem ihm alles längst mitgeteilt wurde, bevor die Ärzte etwas wußten. Lange, bevor es diese Bilder gab, über die sie weniger erschrak als die Ärzte, die an ihrer Ohnmacht hilflos litten; diese riesigen Schwarzweißbilder von diesem klugen, schönen Kopf, der geistige Funken sprühte. Auf den Bildern dieser Schädel in weiß, in Scheiben geschnitten, von dem schon die Hälfte des Gehirns schwarz gezeichnet war. Im Traum, schon Monate zuvor, als die Untersuchungen alle noch ohne Befund waren, wie die Ärzte stolz versicherten, war ihm – so nannte er sie – die Schwarze Göttin erschienen, ihn bei seinem Namen gerufen und mit zornig funkelnden Augen und einer, wie er sich genau erinnerte, donnernden Stimme zugerufen: „Ihr alle müßt sterben, der eine früher, der andere später. Und Du eben FRÜHER!“ – Was ihn selbst verwunderte beim Erzählen dieses Traums, war diese widerspruchsfreie Gleichzeitigkeit von zornigen Augen und liebevoller Zuwendung, die Schwarze Göttin hatte glühende, funkensprühende Augen, und war ihm doch sanft und freundlich zugewandt. Er wußte, das kam vor allem davon, daß er gar keine Angst vor ihr hatte, das wiederum hatte die Schwarze Göttin überrascht, damit hatte sie offenbar nicht gerechnet, Angst war sie gewohnt. Sie berührte ihn sanft, umhüllte ihn mit ihren Flügeln, die sich ganz samtig anfühlten, jedoch stahlhart waren, und sagte, plötzlich mit einer ganz zärtlichen Stimme: „Dir geschieht nichts, was Du nicht schon weißt, und Du bist nicht allein – Du wirst nicht mehr zu tragen bekommen als Du tragen kannst.“ So erzählte er ihr seinen Traum, und mit diesem Traum war ihm alles klar plötzlich ganz geworden.

Das Warten war das Schlimmste. Zu warten, ohne zu wissen, wie lange das Warten dauern würde. Das Ziel war klar, es war ein Abschied, keiner für immer, sondern eher eine Verwandlung. Er würde gehen, und wäre dennoch immer da, weiterhin. Ein Abschied, jedoch nur der von einer Form, kein inhaltlicher. Abschiede hatten sie immer sehr ernstgenommen, zelebriert. Jede Fahrt zur Arbeit, jede Reise – der Abschied war immer ernsthaft, es hätte ja der letzte sein können, es gab so viele Unfälle. Sie hatten nie Unfälle, riskierten wenig, lebten gesund; jedem Abschied folgte ein beglücktes, dankbares Wiedersehen. Auch nach dem Traum und nachdem sie gemeinsam die bestürzten Gesichter der Ärzte ausgehalten hatte, war ihr Glück ungebrochen. Nun also dieser Abschied, der endgültige. Das Warten darauf war grausam, lediglich das Warten.

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Schlüsselwörter: Abschied | Angst | Traum | Urteil | CT | MRT
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Kommentare

kommt123
am 04.07.2010 13:57:41 (92.230.250.xxx) Link Kommentar melden
Als ich deinen Beitrag gelesen habe,da sind mir doch wirklich ein paar Tränen aus meinen Augen gerollt.

Es ist wirklich sehr emotional geschrieben.
Ich habe mich ,ich weiß auch nicht warum,in die Rolle der Frau hinein versetzt.
Und es liegt bestimmt nicht daran,das ich eine bin.

Es liegt vielleicht daran,dass der Tod für viele immer noch ein Tabu Thema ist und man sich selber auch mit dem Tod nicht auf eine Stufe stellen möchte.

Aber der Tod gehört zum Leben.

Und die Schwelle in diese unbekannte Dimension zu übertreten,oder zu wissen,wir alle werden sie irgendwann übertreten,das ist für viele etwas unheimliches.

Weil es unbekannt und voller Geheimnisse ist,diese andere Welt.

Ja,ich spreche von einer anderen Welt,denn ich glaube fest daran,dass es wenn wir sterben,nicht zuende ist.


Ich möchte dir mal eine kleine Geschichte erzählen,sie ist mir passiert,da war ich ungefähr 30 Jahre.

Ich schlief in meinem Bett,plötzlich,da war ich auf einer Wiese,es war ein grauer Himmel und eigentlich fühlte ich mich auch nicht so besonders.

Ich lief so auf dieser Wiese entlang,plötzlich sah ich eine Art Spiraltunnel,er drehte sich im Inneren,nicht schnell,eher langsam.
Ich schaute volller Neugier in diesen Tunnel hinein.
Drehte mich dann wieder um und sah einen Mann neben mir stehen.
Er sagte zu mir:"Geh ein Stück hinein und schau dich um,es wird dir gefallen,die andere Welt"
Ich ging bis kurz vor den Eingang von diesem Tunnel und hörte dann wunderschöne Klänge und es war sehr hell in diesem Tunnel.
Eine Frau reichte mir ihre Hand und meinte:"
Komm,komm nur,du brauchts keine Angst zu haben,es ist wunderschön hier."
Wie von unsichtbarer Hand,so eine Art Sog,zog es mich in diesen Tunnel hinein,ich ging weiter und weiter,immer der Musik nach,es waren zauberhafte Klänge.
Als ich ein Stück gegangen war,da sah ich eine große Öffnung,es war das Ende des Tunnels.
Ich ging genau bis an diese Schwelle heran und da war ein so zauberhaftes Licht,das kann man sich gar nicht vorstellen.
Obwohl es so hell war,man konnte in diese Licht sehen,ohne das es einen blendete.
Es war eine Wiese,doch diese Wiese war voller Blumen und es spielte eine Musik,die klang so wunderschön,das kann man sich nicht vorstellen.

Ich schaute wie gebannt in dieses Licht hinein und hörte dann wieder diese Stimme:
Komm,Komm hinein..."
Ich drehte mich um und sah nach hinten,weit entfernt war diese andere Welt,diese graue Welt.
Ich atmete ein paar Mal tief durch und wollte gerade in dieses Licht hineingehen,da hörte ich eine Stimme,aus dieser grauen Welt rufen:
"nein"
Wie ein Geschoss wurde ich in diesem Moment aus dem Tunnel rauskatapultiert.
Ich wachte auf und saß senkrecht in meinem Bett,da wusste ich,ich hatte nur einen Traum,aber er war so real und einfach wunderschön.


Seit diesem Tag da weiß ich,es geht auch nach dem Tod weiter,wir brauchen uns vor dieser neuen Welt auch nicht zu fürchten,denn sie ist wunderschön und der Weg dahin,wenn man diesen Weg gehen muss,dieser Weg ist nicht schwer.
kommt123
am 04.07.2010 19:10:03 (78.54.15.xxx) Link Kommentar melden
Chaim schrieb:
Eigentlich ist es sehr sachlich beschrieben, vermutlich meinst Du, daß es Dich berührt und bei Dir Emotionen auslöst. - Denn geschrieben ist es ohne Emotionen.


Richtig,das meinte ich damit.
Menschen haben ja verschiedene Charaktere,für den einen,da löst so ein Text dann eben Emotionen auf dieser Ebene aus.

Aber,ich frage dich jetzt mal,sind es nicht auch Emotionen,wenn man diesen Text als eher sachlich betrachtet.
Es ist dann halt eine andere Art von Emotion.

Oder sind Emotionen immer nur auf die"Herz/Schmerz" Linie begrenzt.

Ich denke da auch an Wut,das ist doch auch eine Emotion.Grin

Wahrscheinlich liege ich wieder völlig verkehrt.Frown
kommt123
am 04.07.2010 23:47:34 (92.224.149.xxx) Link Kommentar melden
Chaim schrieb:
Über die Auswirkungen auf den Leser habe ich nicht spekuliert. - Ich wollte nur klarstellen, daß der Text ohne Emotion GESCHRIEBEN wurde...


Ja,ich hab es verstanden...Wink

Hast echt Geduld mit mir.
Ich glaube manches Mal die Witze und Sprüche über Blondinen sind aus dem Leben gegriffen...Grin
kommt123
am 05.07.2010 12:19:18 (92.230.250.xxx) Link Kommentar melden
Man sieht eben nur die geschriebenen Worte,es ist keine Mimik vorhanden,das ist manchmal auch verwirrend.
Jedenfalls für mich.

Und die ganzen Fremdwörter,da google ich dann immer,aber das empfinde ich nicht so schlimm,dadurch lernt man ja einen Begriff auch anders zu kommunizieren.

Wink

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