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Politik: Deutschland

Gesundheitsreform: 5 Euro für jeden Besuch beim Arzt

Die Mehrheit der Kassenärzte steht angeblich hinter dieser Version

Nicht mehr genug?
Nicht mehr genug?
In meinem Artikel „Sparen auf Kosten der Falschen“ hatte ich am 4. Juni bereits auf den Sparvorschlag der CSU hingewiesen, die vorgeschlagen hatte dass die Ärzte bei jedem Praxisbesuch eine Praxisgebühr erheben sollten. Jetzt schlägt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in die gleiche Bresche…

Eine Pauschale von 5 Euro schlug jetzt Andreas Köhler, der Vorstandschef der KBV, für jeden Arztbesuch vor. Also auch dann, wenn man nur ein neues Rezept für ein dauerhaft benötigtes Medikament braucht. Nach Aussagen Köhlers gibt es dafür unter den Kassenärzten schon eine „stabile Mehrheit“.

Das verwundert jetzt doch ein bisschen. Wir alle erinnern uns doch noch ganz gut, wie die Ärzte gegen die Einführung der quartalsweisen Praxisgebühr von 10 Euro Sturm gelaufen sind. Als Zwangseintreiber der Krankenkassenbeiträge sahen sie sich damals, die damit nur viel Arbeit und Kosten hätten. Jetzt auf einmal wollen sie freiwillig ein Mehrfaches an Arbeit und Kosten?

Ursprünglich stammte der Vorschlag von Johannes Singhammer (CSU) und war seinerzeit im Rahmen der Koalitionsverhandlungen zur Gesundheitsreform gemacht worden. Doch so ganz neu war dieser Vorschlag doch nicht, denn ähnliches fordert die Arbeitgebervereinigung BDA schon seit mehreren Jahren. Und, da sich immer mehr positiv dazu äußern stehen inzwischen (war ja auch nicht ernsthaft anders zu erwarten) auch CDU und FDP diesem Vorschlag offen gegenüber.

Nach Köhler würde das dem Patienten gar nicht teurer, da sie durchschnittlich zweimal im Quartal zum Arzt gingen und somit wie bisher dann das Gleiche bezahlen müssten. Fast im gleichen Atemzug weist er aber darauf hin, dass die neue Variante darin begründet sei, dass die Deutschen durchschnittlich 18 Mal im Jahr zum Arzt gingen.

Ja, bitte schön, Herr Köhler, das müssen Sie mir aber mal genau erklären – diese widersprüchlichen Angaben. Zweimal im Quartal macht bei vier Quartalen acht Arztbesuche (bei gleich bleibender Praxisgebühr. Aber es sind doch nach Ihren Aussagen 18 Arztbesuche im Jahr. Also zahlt der Durchschnittspatient doch 50 Euro drauf (10 Besuche a. 5 Euro macht 50 Euro).

Natürlich hat Köhler Recht, wenn er meint, dass nicht jeder Arztbesuch sein müsse: „Es gibt nicht immer einen gebotenen Krankheitsgrund, weshalb die Leute den Arzt aufsuchen.“ Aber dies auf 10 Arztbesuche bezogen, wie es Herr Köhler offenbar macht, ist eine absurde Milchmädchenrechnung, die nicht aufgeht. Und was ist mit den Arztbesuchen, die uns von Seiten der Mediziner aufgedrängt werden und vollkommen unsinnig sind? Erinnert sei hier nur an die weltweite Panikmache mit der Schweinegrippe.

Ein anderer Vorschlag zur Gesundheitsreform kommt vom Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Das schlägt eine Einheitsprämie von monatlich 250 Euro für jeden Erwachsenen vor. Der Bundeshaushalt könne so um 4,5 Milliarden Euro entlastet werden (von denen dann wieder die EU-Pleiteländer finanziert werden können – oder was?). Außerdem, so errechnete man, würde der Staat dabei mehr als 15 Milliarden Steuern mehr einnehmen, weil dabei das zu versteuernde Einkommen höher läge. Die CSU lehnt eine solche Prämie strikt ab, während Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) dies offenbar favorisiert.

Auch eine Erhöhung der kasseneigenen Zusatzbeiträge ist beim Streit um die Finanzreform im Gesundheitswesen im Gespräch der Union und FDP. - Egal, was auch kommt, eins steht fest: Es kostet unser Geld...

Fotolegende: Der eine nimmts, der andere muss es geben. Doch 10 Euro Praxisgebühr werden schon bald nicht mehr genug sein. Foto: Günter Havlena, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Praxisgebühr | Gesundheitsreform | Finanzreform | Sozialversicherung | politisches Gerangel
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Kommentare

122
am 29.06.2010 15:17:37 (217.83.65.xxx) Link Kommentar melden
Unser Gesundheitsstystem wird mehr und mehr zu einem "Überweisungs- oder Bezahlungsystem".
Ich bezahle meinen Beitrag in die gesetzliche Krankenversicherung.
Ich bezahle einen Beirtag für einen private Zusatzversicherung.
Ich bezahle beim Besuch des Arztes meine 10 Euro
Ich bezahle 8 Euro zusätzlich an die Krankenkasse Monat für Monat.
Das sind schon mal vier Beiträge von denen Verwaltungen und andere leben. Zusätzlich arbeite ich in einer Bank, die vom Staat Garantien erhalten hat, sonst wäre sie Pleite gegangen.
Unser Gesundheitssystem ist zu einem System der Unfähigkeit und Abzocker geworden, mein Glück, ich bins seit 36 Jahre nie ernsthaft krank gewesen, war etwa 12 Wochen in diesem Zeitraum wegen Grippe und ähnlichem krank.
Ich habe nicht Angst vor einer Krankheit, ich ahbe aber Angst vor einem "Gesundheitsystem dem ich dann als Opfer zum "Ausschlachten" dienen könnte.
Quo vadis Deutschland oder lieber: AUFHÖREN.Shock
Hartmut Holz
am 29.06.2010 16:17:16 (217.80.215.xxx) Link Kommentar melden
Außerdem ist unser Gesundheitssysthem von Lobbyisten, der Pharma Industrie,
durchsetzt. Und diese Herrschaften möchten natürlich, dass sich das normale Volk bald gar kein Arztbesuch mehr leisten kann.

So kann und darf es einfach nicht weitergehen. Der Pharmamarkt muss kontrolliert und auch reguliert werden. Die Preise, für Medikamente, sollten gesenkt werden. Denn sie sind viel zu hoch.

Außerdem leisten wir uns noch immer 150 Krankenkassen. Wozu eigentlich? Zwei Kassen sind doch völlige ausreichend. Eine Privatkrankenkasse und eine für die normal Versicherten.
122
am 29.06.2010 23:34:59 (217.83.118.xxx) Link Kommentar melden
"Und diese Herrschaften möchten natürlich, dass sich das normale Volk bald gar kein Arztbesuch mehr leisten kann", außer er arbeitte für sie. Und die Tabletten kommen dann aus China, was wollen eigentlich die Bürger?
Denen da oben geht es gut und denen da unten schlecht, so war es und so wollen sie es haben.
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