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Sonstiges: ReiseStudentenaustausch (II)

Auszeichnung DDR-Grenztruppen
Zum Glück mußte mich meine Heimat Deutschland (BRD) dann aber doch nicht freikaufen von dem mir aus unerfindlichen Gründen nicht besonders freundlich gesonnenen Feindstaat Deutschland (DDR), sondern durch ein ausnahmsweise einmal weniger vorlautes Benehmen – als sonst bei mir üblich – kam ich relativ zügig wieder frei.
Das ist jetzt natürlich etwas erklärungsbedürftig, der Leser wird verwirrt sein: wer um alles in der Welt sind denn jetzt Hartmut und Ellen Mehls? Und wieso spendet die Begegnung mit ihnen Trost? – Das darin liegende Verwirrende wiederum ist reine schriftstellerische Absicht – um dem Leser zu helfen, sich in meine damalige Situation hineinzuversetzen – denn nicht anders ging es mir damals, nach den Gängen des Labyrinths unter dem Bahnhof Friedrichstraße. Mein Orientierungssinn ist wirklich außerordentlich gut, doch immer nur im Freien. In Kaufhäusern, Ladenpassagen oder Tiefgaragen brauche ich einen Kompaß oder einen Ariadnefaden. Auch im Auto hatte ich übrigens – lange bevor es Navigationssysteme gab – immer einen Kompaß, das trainiert zusätzlich. – Wenn ich jedoch einmal durch äußere Einflüsse verwirrt bin, brauche ich einen inneren Punkt der Fixierung, der Konzentration. Das geht am besten durch autogenes Training oder den Blick auf unberührte Natur und ausdauernde Pflanzen; Fische im Aquarium sind ebenfalls hilfreich, wenn man ihnen tief in die Augen sieht. Dies alles geht natürlich nicht, wenn man gerade in einem Ghetto unterwegs ist. Ersatzweise kommen daher dann klassische Musik in Frage oder eben die Lektüre eines guten Buches. Beides war damals jedoch nicht zur Hand (es war die Zeit ohne MP3-Player, iPhone oder Hörbuch, nicht zu vergessen!), und daher stolperte ich aus der Unterführung unter dem Bahnhof Friedrichstraße heraus, ins Licht... – und siehe da: „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“ – Friedrich Hölderlin (Patmos).

...dort stolperte ich entlang...
Hier im Bild wäre das also aus Sicht des Betrachters nach links, an der Ecke mit dem heutigen Ladengeschäft „Glenfield“, wo der junge Mann mit dem blauen Rucksack im Jahr 2008 steht und offenbar bettelt, das Bahnhofsgebäude ist am linken Bildrand zu sehen. – Wie aus dem Nebel tauchte damals plötzlich vor mir diese Buchhandlung auf; ob sie wirklich „Karl-Marx-Buchhandlung“ hieß, weiß ich gar nicht, ich habe damals jede Buchhandlung in der DDR so genannt, so wie ein Butler immer James und eine Köchin immer Magda genannt wird (die jeweiligen Namen sind natürlich eine Familientradition, es können also auch die Namen Felix und Minna Verwendung finden). Auf jeden Fall rettete ich mich dort hinein und wurde – obgleich als Westler leicht zu erkennen – freundlich begrüßt, Bücherwürmer mögen sich eben. Ich orientierte mich kurz, aha, hier waren Kinderbücher, dort waren die Werke von Marx und Engels, doch ich ging erst einmal in die Ecke mit der russischen Literatur. Dort gab's natürlich reichlich Makarenko, denn Anton Semjonowitsch war ja seinerzeit hoch im Kurs in der linken und stalinistischen Pädagogik. Sein „Buch für Eltern“ habe ich mir damals dort gekauft, ich mußte ja meinen Zwangsumtausch loswerden. Viel mehr interessierte mich dann aber die Rezeption des Anton Semjonowitsch, und daher blätterte ich ein wenig in der Sekundärliteratur des (damaligen) Aufbau-Verlags.

Der Ort des stalinistischen Eispickels...

...nicht politisch gemeint!
We love Wagner, we love Doitschländ!
Dort stieß ich auf großartige Schilderungen der ökonomischen Zusammenhänge, die genau erläuterten, warum die Produktivkraft der DDR so immens war – im Wesentlichen durch die kluge Politik der Staatsorgane unter Führung der Partei der Arbeiter und Bauern – und ständig überproportional wuchs. Außerdem ging es natürlich um die Freundschaft mit den anderen sozialistischen Staaten, um die Kriegshetzereien von Franz Josef Strauß, und um die Liebe der Deutschen Demokratischen Republik zum Weltfrieden.

Das war unsere Perspektive...

Der „antifaschistische Schutzwall“...

...ein Vierteljahrhundert später...
(Fortsetzung folgt)
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