Politik: Recht & Co.

Überraschender Sieg für Emmely – Deutschlands bekannteste Supermarktkassiererin

Bundesarbeitsgericht entschied: Die Kündigung war nicht rechtens
10.06.2010 22:13:14 eingesandt von Alex Mais für OnlineZeitung 24.de

Verwaiste Supermarktkasse.
Verwaiste Supermarktkasse.
Bereits mehrmals wurde auch schon auf der OZ24 über Kündigungen in vermeintlichen Bagatellfällen berichtet. Sei es die Altenpflegerin, die sechs Maultaschen einsteckte, die sonst auf dem Müll gelandet wären oder eben Barbara E., die als Emmely bekannt gewordene Supermarktkassiererin von Kaiser’s Tengelmann, die zwei Pfandbons im Gesamtwert von 1,30 Euro unterschlagen haben soll…

Nach dem Einlösen der Pfandbons, die ein Kunde offensichtlich verloren hatte, war Emmely von einer Kollegin angeschwärzt worden, weil die Bons nicht vom Filialleiter abgezeichnet waren, was bei den Angestellten Pflicht ist. Daraufhin wurde Emmely ohne vorherige Abmahnung fristlos gekündigt. Die Klage gegen diese fristlose Kündigung wurde in zwei Instanzen abgewiesen.

Im Juli vergangenen Jahres entschied das Bundesarbeitsgericht die Revision „wegen grundsätzlicher Bedeutung“ zuzulassen. Jetzt, nach fast einem Jahr fiel das Urteil – ein Sieg für Emmely auf der ganzen Linie. Die Entlassung war nicht rechtens meinte das oberste Arbeitsgericht. Die Kassiererin muss wieder eingestellt werden. Damit hob das Bundesarbeitsgericht das Urteil des Landesarbeitsgerichts Berlin-Brandenburg vom Februar 2009 wieder auf, weil lediglich eine „erhebliche Pflichtwidrigkeit“ vorliege. Eine Abmahnung hätte im Fall Emmely völlig ausgereicht. Damit folgte das Gericht nicht der Argumentation des Arbeitgebers, der gesagt hatte, dass das Vertrauensverhältnis irreparabel zerstört sei.

Burghard Kreft, Richter des 2. Senats, betonte zwar, dass auch ein Diebstahl von Dingen geringeren Wertes durchaus eine fristlose Kündigung rechtfertigen könnte, es käme aber immer auf den Einzelfall an. Bei Emmely war nach Auffassung des Gerichtes keine Wiederholungstat zu erwarten. Außerdem müsse die lange Firmenzugehörigkeit berücksichtigt werden, in der ein nicht unerheblicher Vertrauensvorschuss aufgebaut worden war. Diese Umstände seien bei den vorangegangenen Instanzen nicht ausreichend berücksichtigt worden…

Nach dem Urteil kündigte Emmely an, ihre Arbeitskraft Kaiser’s wieder zur Verfügung zu stellen. Am liebsten wäre es ihr, wenn sie ihren alten Arbeitsplatz wieder einnehmen könnte, denn die Kasse sei ihr Leben hatte sie vor kurzem in einem Interview mit der „Berliner Zeitung“ gesagt.

Übrigens, im Fall der Altenpflegerin, die die sechs Maultaschen eingesteckt hatte, verurteilte das baden-württembergische Landesarbeitsgericht im März den Arbeitgeber zur Zahlung einer Abfindung von 25.000 Euro.

Fotolegende: Verwaiste Kasse im Supermarkt. Emmely will zurück an ihren Arbeitsplatz. Foto: Thommy Weiss, Pixelio.de.

Lesen Sie dazu auch: