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Medien: Sonstiges

Gedenktage und Erinnerung

Wer sich seiner Geschichte nicht erinnert, ist gezwungen, sie zu wiederholen

Deutsche Zwerge im „Haus der Geschichte“
Deutsche Zwerge im „Haus der Geschichte“
Die Erinnerung an die Vergangenheit, das Bewußtsein der Gegenwart und die Gestaltung der Zukunft sind eng miteinander verknüpft. „Die Gegenwart ist die zukünftige Erinnerung, entsprechend sollte man sie gestalten“ (Gerhard Uhlenbruck, in: Weit Verbreitetes kurzgefaßt). Erinnerung heißt auch, anderen Menschen deren geraubte Würde zurückzugeben: „All jenen gewidmet, die nicht genug Leben hatten, um dies zu erzählen. Sie mögen mir verzeihen, daß ich nicht alles gesehen, nicht an alles mich erinnert, nicht alles erraten habe“ (Alexander Solschenizyn, in: Der Archipel Gulag). Erinnerung bildet erst Bewußtsein: „Die Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden können“ (Jean Paul, in: Die unsichtbare Loge).

Erinnerung bedeutet auch Befreiung: „Das Vergessenwollen verlängert das Exil, und das Geheimnis der Erlösung heißt Erinnerung“ (Jiddisches Sprichwort).

Für psychotherapeutisches Aufarbeiten eigener Geschichte gilt der Satz „Wer sich seiner Geschichte nicht erinnert, ist gezwungen, sie zu wiederholen“ in besonders deutlicher und scharfer Weise: Erinnerung ist eine Form der eigenen Erarbeitung, der Durcharbeitung, des Verstehens und des Sich-selber-Verständlichmachens von Geschichte. Das Ergebnis dieses komplexen psycho-mentalen Vorgangs ist die Verinnerlichung – um es mit Heidegger zu sagen: die Ver-inner-lichung – von Geschichte, von einzelnen Ereignissen und vor allem deren Zusammenhang.

Damit wird Objektives, außerhalb einer Person Vorhandenes, auch das, was diese Person nicht selbst erlebt hat, von von ihr erarbeitet. Das Äußere wird zum Bestandteil des Inneren, es wird der Person zu eigen, weil sie es sich an-eignet. Dann erst verfügt sie darüber, dann erst kann sie es reflektieren, durchdenken, Schlüsse fürs eigene Verhalten ziehen, sich „hineinfühlen“. Es handelt sich also um einen gleichermaßen mental intellektuellen wie auch psychisch empathischen Vorgang. „Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, daß es zu einem Teil des eigenen Innern wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit“, sagte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 in seiner Rede zum vierzigsten Jahrestag der Befreiung.

Interessant jedoch ist in diesem Zusammenhang: wer erinnert sich wirklich? Wer erinnert andere Menschen an bestimmte Ereignisse? Erinnert man falsch und verlogen, wie Revisionisten es tun?Und wie kommt es, daß bestimmte Ereignisse, die völlig anders – als es in der Folge propagandistisch ausgeschlachtet wird – stattgefunden haben (wie die Palloganda-Lügen um den selbstverschuldeten Unfalltod von Rachel Corrie oder den von den Pallis selbst ermordeten Muhammad al-Durrah), dennoch zu schwülstiger Pseudo-„Geschichte“ aufgeblasen werden, andere dagegen, die real, belegt, dokumentiert und bezeugt sind (wie der 8. Mai 1945 als Befreiung der Deutschen, oder der D-Day 1944 als Ouvertüre dieser Befreiung), kaum noch wahrgenommen werden?

Vorschau:

Politik: Deutschland

„Wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigal“

Wie Alt-Bundespräsident Weizsäcker am 8. Mai 1985 Deutschland befreite

Demnächst veröffentlicht von Chaim für OnlineZeitung 24.de

Dieser D-Day ist real, er gehört untrennbar zu deutschen Geschichte: an diesem einen Tag wurden von einem einzigen deutschen MG-Schützen – dem Bauernsohn Hein Severloh aus der Lüneburger Heide – 2.000 amerikanische Soldaten getötet. Insgesamt waren es dann fast 54.000 Tote und 18.000 Vermißte, die die Alliierten zu beklagen hatten... – 72.000 junge Männer, die sich opferten, um Europa von Nazi-Deutschland und um Deutschland vom NS-Faschismus zu befreien. Hinzu kamen noch 155.000 Verwundete auf Seiten der Alliierten.

D-Day auf einer Originalkarte der US-Army
D-Day auf einer Originalkarte der US-Army

Die Frage bleibt: warum nehmen Deutsche diesen Teil der Geschichte so ungern wahr? Weil sie nichts damit zu tun hätten als Nachgeborene? Weil sie es schon bis zum Überdruß gehört hätten? Das erste stimmt nicht, denn man kann sich nicht das, was einem gefällt an der Geschichte des eigenen Volkes, herauspicken wollen, das andere jedoch, was einem mißhagt, außer Betracht lassen wollen – Geschichte ist unteilbar. Und „zu oft gehört“ können das die wenigsten Deutschen haben, dafür ist deren Geschichtswissen einfach zu schlecht. Woran liegt es also? Warum die Verdrängung? Weil man diesen Krieg – wie den zuvor – die beide von Deutschland vom Zaun gebrochen wurden, verloren hat, und sich der Mißerfolge weniger gern erinnert als der Erfolge, wie z.B. einer gewonnen Fußball-Weltmeisterschaft 1954 oder der einen oder anderen olympischen Medaille? An denen man als Nachgeborener ebenfalls nicht den geringsten Anteil hat?

Auch diese Erklärung kann nicht befriedigen, denn andererseits erinnert man sich ja gern seiner historischen Mißerfolge, sei es das Attentat vom 20. Juli 1944, sei es der Kampf gegen Kernkraftwerke oder man erinnert sich lustvoll-destruktiv der irren gutmenschlichen Bemühungen, unbedingt eine völkerrechtlich völlig legale Blockade – die Israels gegen den von der Putsch-Junta der Hamas im Gazastreifen – brechen zu wollen. Man erinnert sich dabei sogar nicht nur der realen Mißerfolge, sondern auch dessen, was es nie gab, wie ein „Blutbad“ beim Entern des Blockadebrechers „Mavi Marmara“ durch die israelische Armee oder ein angeblich hungerndes Volk im Gazastreifen; übrigens ist das laut Mark Twain ein Zeichen von Vergreisung, wenn man sich derjenigen Dinge „erinnert“, die es nie gab: „Als ich jünger war, konnte ich mich an alles erinnern, egal ob es wirklich passiert war oder nicht, aber ich werde alt und bald kann ich mich nur noch an das letztere erinnern“ (in: Mark Twain, eine Biographie).

Ausgesprochen gern erinnert man sich auch einer irren jungen Amerikanerin – ewige Studentin, Anarchistin und aggressive „Aktivistin“ – die bekanntlich ebenfalls erfolglos war und ihre Dummheit und Erfolglosigkeit mit ihrem Leben bezahlte; immerhin hatte man bei den regisseuren von Pallywood den „Gewinn“, daß man einen Mythos konstruieren und einen ganzen Staat, wenn nicht gar ein ganzes Volk fortgesetzt verleumden konnte. Darüber kann man leicht vergessen, wie verdammt dumm es ist, wenn ein Mensch mit einem Bulldozer fangen spielen will.

Vorschau:

Politik: Welt

Wer oder was ist eigentlich Rachel Corrie?

Lang lebe Rachel Corrie! – Oder: Wer steckt eigentlich hinter der Organisation „Free Gaza“?

Demnächst veröffentlicht von Chaim für OnlineZeitung 24.de

Wieviele von diesen Menschen kamen durch?
Wieviele von diesen Menschen kamen durch?
Was lehrt uns das? Aneignung von Geschichte setzt nicht nur das Wollen von Erinnerung voraus, sondern auch das Können. Und das Können besteht zum Beispiel auch aus der Fähigkeit, Quellen beurteilen und auswerten zu können, was nicht zuletzt auch eine Frage des Wissens und der Intelligenz ist.

Hier kommt die Bildung ins Spiel; leider versagt das deutsche Schulsystem hier weitgehend, wenn man es mit dem britischen, französischen oder gar polnischen vergleicht. In jenen Ländern gehört eine gute historische Wissensbildung zu einer der wichtigsten Grundlagen, übrigens ebenso wie die Ausbildung der Sprachkompetenz, die sowohl Kenntnisse der nationalen und internationalen Literaturgeschichte wie auch Grammatik und Orthographie umfaßt. Das ist der Faktor „Können“, der auf diese Wissensbasis aufbaut; nur allein gutmenschliches „Wollen“ schlägt immer fehl, wenn es dieser soliden Fundamente ermangelt. Eines der drängendsten Probleme PISA-Deutschlands.

Leistung wird nach der LKW-Formel berechnet

L = K x W

Leistung ist das Produkt aus Können und Wollen

Die diesjährigen Erinnerungen in Deutschland zum 6. Juni 1944 und zum 8. Mai 1945 fielen merkwürdig leise aus, in manchen Medien fanden sie gar nicht statt. Das ist bedenklich. Denn zur Erinnerungskultur einer Nation gehört es, sich aller wesentlichen geschichtlichen Ereignisse zu erinnern, nicht nur derer, die Lust erzeugen oder einem besonders gut gefallen.

Ein Produkt ist mathematisch gesehen immer dann gleich null, wenn einer der Faktoren gleich null ist; es ist also bedeutungslos, ob es im speziellen Fall am fehlenden Können oder am fehlenden Wollen lag (oder an beidem), denn die allgemeine deutsche Erinnerungsleistung geht immer mehr gegen null. Dieser leidige Effekt ist bereits bei der Rezeption der jüngsten Geschichte, der Auflösung der DDR und der Vereinigung der beiden deutschen Staaten zu bemerken.

Insofern ist also dem geschichtslosesten aller europäischen Völker mehr Bewußtsein zu empfehlen, damit es endlich einmal etwas Gutes wird mit der Identität der Deutschen.

  • Bildnachweis:
  • “Karikaturengalerie Gartenzwerge“, 23. Mai 2009, Own work by Author Wahlenbernd via Wikipedia. Licensing: I, the copyright holder of this work, hereby release it into the public domain. This applies worldwide. In case this is not legally possible: I grant anyone the right to use this work for any purpose, without any conditions, unless such conditions are required by law
  • Official U.S. 12th Army position map at 2400 hours on D-Day (June 6, 1944). Datum: 6. Juni 1944. Quelle: Library of Congress CALL NUMBER G5701.S7 svar. A4. Urheber: U.S. Twelfth Army Group. Via Wikipedia, public domain
  • A LCVP (Landing Craft Vehicle Personnel) from the U.S. Coast Guard-manned USS Samuel Chase disembarks troops of the U.S. Army's First Division on the morning of June 6, 1944 (D-Day) at Omaha Beach. Datum: 6. Juni 1944. Via Wikipedia, public domain

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Schlüsselwörter: Geschichte | Bewußtsein | Erinnerung | D-Day | 6. Juni 1944 | 8. Mai 1945 | Leugnung | Verdrängung
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Kommentare

349
am 09.06.2010 14:21:29 (80.190.200.xxx) Link Kommentar melden
Das ist mir auch aufgefallen, dass der D-Day dieses Jahr irgendwie unterging, der 8. Mai wird wohl eine ähnliche Entwicklung nehmen, aus Gründen, die auf der Hand liegen dürften.
334
am 09.06.2010 17:55:25 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Warum werden immer nur die amerikanischen Opfer gezählt? Sind die getöteten Deutschen vernachlässigbar?
286
am 09.06.2010 18:15:49 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Na ja, sie standen auf der falschen Seite, nämlich auf der Hitlers.
334
am 09.06.2010 18:42:33 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Waren aber nicht Hitlers Anhänger.
334
am 09.06.2010 18:59:32 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Ich kannte da einen, der sogar die russische Kriegsgefangenschaft überlebt hat. Nur war das Alles so schlimm, dass er kaum drüber redete. Ich musste ihm jeden Popel einzeln au der Nase ziehen.
334
am 09.06.2010 19:52:19 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Mur handelt es sich bei dem mir Bekannten um meinen Vater, der bestenfalls geographisch auf der Seite Hitlers stand.
334
am 09.06.2010 20:09:28 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Was russische Kriegsgefangenschaft bedeutet hat, kann sich gar kein Mensch vorstellen.
357
am 10.06.2010 15:23:07 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Das ist eine sehr einprägsame Formel, gibt es darauf einen Urheberschutz?

Leistung wird nach der LKW-Formel berechnet

L = K x W

Leistung ist das Produkt aus Können und Wollen


Leicht zu merken und wirklich wahr, gerade im Personalmarketing merkt man das immer wieder.

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