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Technik: SonstigesAl-Dschazari - verkanntes Genie

Al-Dschazarī
Sein Buch Die Kunst trickreicher mechanischer Vorrichtungen
Etwa 1205 vollendete er sein Werk Kitab fiy marifat al-Hiyal al-Handasiya (Die Kunst trickreicher mechanischer Vorrichtungen) in sechs Einzelwerken mit insgesamt rund 550 Seiten und 150 Zeichnungen, das auch ins Türkische und Persische übersetzt wurden. Sein Werk über theoretische und praktische Mechanik enthält auch Beschreibungen von etwa 50 mechanische Apparaturen, die er konstruierte und baute. Sehr präzise werden von ihm u.a. Konstruktions- und Funktionsbeschreibungen von Wasseruhren, komplizierte Sicherheitsschlösser, Vermessungsgeräten, Händewaschen-Apparaturen, Wasserpumpen mit bis zu sechs Zylinder, doppelt wirkende Pumpen mit Kurbelwelle, geschlossene Metallboxen für das Gießen von Metallen, Metallformen für die Feinschmiedekunst, mechanische Getriebe, Antriebe und Zahnräder, optisch-mechanische Geräte und weiteres beschrieben. In der westlichen Welt wurde es als „Automata“ bekannt, verschwand aber bald in den Archiven der Kirche.

Elefanten-Uhr
Bücherverbot - Die Rolle der Kirche
Rühmlich ist die Rolle der Kirche nicht zu nennen. Seit den Kreuzzügen kamen immer mehr arabische und persische wissenschaftliche Werke nach Europa, die in vieler Hinsicht den europäischen wissenschaftlichen Werken weit voraus waren, manche sprachen sogar von Jahrhunderten voraus. Der Kirche waren die Werke ein Dorn im Auge, befürchtete man doch auch „aufklärende Werke“ darunter. Würden diese erst einmal übersetzt werden, könnten u.a. die Texte der Bibel angezweifelt werden und somit die Rolle der Kirche untergraben werden. So begann ein systematischer Kreuzzug gegen arabische und persische Werke jeder Art, auch wenn man deren Inhalt nicht immer verstand. Dieser Kreuzzug wurde bis ins späte Mittelalter fortgeführt, so das auch alsbald das Buch Automata von Al-Dschazari beschlagnahmt wurde, ja sogar als Teufelwerke verurteilt wurden. Diese Bücher und Manuskripte wurden dann in Archiven oder Klöstern versteckt oder sogar verbrannt. Zugang zu diesen wissenschaftlichen Büchern hatten nur wenige Vertreter der Kirche, wie zum Beispiel Mönche. Diese Mönche brachten diese Werke oft heimlich ins Skriptorium (Schreibwerkstatt), wo sie dann auch seitenweise oder gar als ganzes ins lateinische übersetzt wurden, aber selbst die übersetzten Werken wurden unter Verschluss gehalten, ganz der Anweisung der Kirche. So wurde ein enormes Wissen in Klöstern gehortet und nur wenigen Eingeweihten, also nur kirchlichen Vertretern und einigen Mönchen erlaubt.

Wasserpumpe
Humanus Calator - mechanische Puppen Verblüffend sind bei vielen seinen beschriebenen Apparaturen und deren Funktionsweisen auch seine Kenntnisse in Kybernetik, deshalb zählt er zu den bekanntesten frühen arabischen Kybernetikern. Er definiert in seinem Werk auch die Kommunikation und Kontrolle von mechanischen Apparaturen, die lebenden Organismen ähneln. Darunter eine Konstruktion eines humanus calator, eines menschlichen Dieners. Die folgende Abbildung soll seine erste einfache Konstruktion gewesen sein, die Arme und Kopf bewegen konnte.
Er konstruierte er auch eine mechanische bewegliche Getränkegeber-Puppe in Menschengröße. So wird beschrieben, sobald man einen Hebel betätigte, wurde nach sieben Minuten eine Tasse mit heißen Tee gefüllt und die Puppe bewegte sich auf Rollen an eine bestimmte Stelle im Raum zu. Wurde die Tasse genommen, bewegte sich die Puppe wieder an die Stelle zurück, wo sie vorher stand. Weiterhin gab es eine bewegliche menschgroße Puppe, die beim Händewaschen jemanden Seife und Handtücher reichte.

Sein erster Roboter
Doch Al-Dschazari wollte anscheinend mehr. Auch wenn es in seinem Werk Kitab fiy marifat al-Hiyal al-Handasiya es nur wenige Andeutungen dazu gibt, so soll er sich bis zum Lebensende, nach den kybernetischen Regeln, mit der Konstruktion eines vollendeten kinesis humanus calator gearbeitet haben. Dabei experimentiere er mit Einbeziehung von Zahnrädern, Rollen, Gewichten, Zylinder, Ventilen, Getrieben, Kurbelwellen, Wasserdampf und Quecksilber, die seine Konstruktion bewegen sollte. Nach einer Legende erschien zu bestimmten Zeiten sein kinesis humanus calator am Fenster, er trug KLeidung und sein Gesicht sah aus wie das des Meisters Al-Dschazari, dabei begrüßte die vorbei gehenden, wobei er Mund und Augen bewegte, sein Hand zum Grusse erhob, und schien den Leute hinterher zu schauen. Damals für die Menschen nichts unheimliches, wusste man um die Genialität des Meisters. Vielleicht finden sich ja später doch noch arabische oder persische Quellen mit einer Aufzeichnung solch einer Konstruktion.
Heute gilt besonders sein Werk Automata von ihm als ein Nachweis über den damaligen fortschrittlichen Stand der arabischen (muslimischen) Technik im Mittelalter, die der europäischen Technik deutlich voraus war. Einige seiner Apparaturen sind in neuerer Zeit experimentell rekonstruiert und als funktionsfähig bewiesen worden und stehen im Istanbuler Museum für Geschichte der Wissenschaft und Technik im Islam. ©excursor
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Kommentare

Woher stammt denn dieser Mann, dessen Name mir eher arabisch klingt?



