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Sonstiges: Kultur & Religion

Fronleichnam – was ist das eigentlich?

Das katholische „Hochfest des Leibes und Blutes Christi“ oder „Corpus Christi“

Fronleichnam
Fronleichnam
Fragt man Christen nach der historischen und theologischen Begründung für eins ihrer Feste, so erhält man sehr oft falsche oder irreführende Antworten. Das liegt sicher zum einen an der allgemeinen Säkularisierung, zum anderen aber auch ganz einfach an mangelndem Interesse.

Bestimmte Feste feiert man einfach aus Gründen der Tradition. Besonders bei Katholiken ist dieser Effekt spürbar, auch dadurch verstärkt, daß man sich eher am Priester und dem Kult orientiert, während evangelische Christen sich eher direkt an der Bibel orientieren und daher in aller Regel auch wesentlich bibelfester sind. Hierbei sind besonders die pietistischen und evangelikalen Gruppen herausragend, also exzellente Bibelkenner, die aus einem Fundus von Zitaten schöpfen können. Als Extremfall kann man hier auch „Jehovas Zeugen“ ansehen.

Am 60. Tag nach dem Ostersonntag feiern die Katholiken das Fest „Fronleichnam“; es fällt somit immer auf einen Donnerstag und findet frühestens am 21. Mai und spätestens 24. Juni statt. Protestanten wissen mit dem Fest „Fronleichnam“ in aller Regel nichts anzufangen, der Reformator Martin Luther war ein ausdrücklicher Gegner dieses Fests; er hielt es für das „schädlichste aller Feste“ und betrachtete die Prozessionen als unbiblisch und sogar als Gotteslästerung.

Katholiken dagegen können oft nicht nachvollziehbar erklären, warum es dieses Fest gibt... – sie können allenfalls beschreiben, was sie an diesem Tag gemäß ihrer Tradition tun. Allein aus diesen Gründen bereits darf ein Nichtchrist sicher einmal versuchen, das Fest auch dem Laien verständlich zu erklären: den Katholiken zum Nutzen und den Protestanten zur allgemeinen Belehrung und enzyklopädischen Bildung. Für alle anderen – außer eben für Religionswissenschaftler – ist das Thema, also dieses rein katholische Fest, ohnehin bedeutungslos.

Das Wort „Fronleichnam“ leitet sich ab vom mittelhochdeutschen vrône lîcham, „des Herrn Leib“. Daher sagt man im Polnischen, im Englischen und in vielen anderen Sprachen zu diesem Fest auch „Corpus Christi“, was auf lateinisch bekanntlich dasselbe bedeutet. Gefeiert wird mit diesem Fest die sogenannte Einsetzung der „Eucharistie“ – im Bereich der evangelischen Kirchen auch „Abendmahl“ genannt – als Sakrament, also als durch die Kirche verwaltete und zugesprochene „Heiligung“. Hierin liegt also, by the way, der Schlüssel, warum Protestanten und Katholiken kein gemeinsames Abendmahl feiern können, jedenfalls nicht aus römisch-katholischer Sicht. Man sollte nun annehmen, daß das Fest am Gründonnerstag oder Karfreitag zu feiern wäre, denn der fromme Jude Jesus hat ja an diesem Freitag vor Pessach, mit Beginn des Abends das jüdische Schabbatmahl, gefeiert, an dem man den Wein segnet und das Brot bricht sowie segnet („Kiddusch“, hebräisch für „Heiligung“). – Doch aus dogmatischen Gründen wurde natürlich die Passionszeit und die Karwoche der Trauer, dem Schmerz und der Askese gewidmet in der katholischen Tradition, zu diesem Zeitpunkt konnte das prunkvolle „Corpus Christi“ bzw. „Fronleichnam“ also nicht gefeiert werden.

Hieran zeigen sich bereits auch die historischen und logischen Brüche. Das Fest „Fronleichnam“ wurde nämlich erst im Mittelalter „erfunden“, um genau zu sein von einer Nonne, die Flecken auf dem Mond gesehen und diese Flecken als das bis dahin fehlende Kirchenfest gedeutet hatte:

Die Anregung zu diesem Fest entstammt einer Vision der heiligen Augustinernonne Juliana von Lüttich (+ 5.4.1258) und wurde im Bistum Lüttich 1246 eingeführt. Am 11. August 1264 erhob Papst Urban IV. (1261 - 1264), zuvor Erzdiakon in Lüttich, Fronleichnam als "Fest des Leibes Christi" ... mit der Enzyklika "Transiturus de hoc mundo" zum allgemeinen kirchlichen Fest. (...) Die Dominikaner haben die Ausbreitung dieses Festes stark gefördert. 1311, wurde es unter Papst Clemens V. (1305 - 1314) auf dem Konzil von Vienne bestätigt und 1317 unter Papst Johannes XXII. (1316 - 1334) endgültig weltweit angeordnet wurde. 1264 fanden in Rom, Münster und Orvieto die ersten Fronleichnamsfeien statt, 1273 in Benediktbeuron, 1274 in Köln, 1276 in Osnabrück. (...)

© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, zitiert nach: www.festjahr.de

Theologisch-dogmatisch brauchte das Fest „Fronleichnam“, noch eine Grundlage, die knapp 50 Jahre zuvor das IV. Laterankonzil geschaffen hatte. Hier ordnete Papst Innozenz III. seine Kirche und festigte bestimmte theologische Positionen, er ließ siebzig fertig formulierte Dekrete mit Dogmen, Disziplinarentscheidungen, Maßnahmen gegen Ketzer und den Bedingungen des nächsten Kreuzzugs vom Konzil absegnen, das aus 71 Patriarchen und Metropoliten, 412 Bischöfe und 900 Äbten und Priores zusammengesetzt war. Beschlossen wurde hier übrigens die Lehre von der Wandlung (Transsubstantiation) beim Sakrament des Abendmahls, zu deutsch: durch den Segen des Priesters verwandelt sich die Hostie tatsächlich in den Leib Christi und der Wein tatsächlich in dessen Blut.

Eine Lehre, die heute noch maßgeblich für die römisch-katholische Kirche bestimmend ist; Kritiker sehen hierin – nicht ganz zu Unrecht – eine Art Kannibalismus, und aus evangelischer Sicht sind Wein und Hostie natürlich immer nur Symbole in der Liturgie des Abendmahls. Aus jüdischer Sicht wäre anzumerken, daß der Genuß bzw. der Verzehr von Blut streng verboten ist.

Das Allerheiligste
Das Allerheiligste
Die Themen gehören daher untrennbar zusammen:
  • die Transsubstantiation, also die geweihte Hostie, die der „realpräsente Gott“ ist, als theologische Auswirkung des IV. Laterankonzils (11.-30 November 1215, Papst Innozenz III.), und
  • das Fest „Fronleichnam“, in der dieses Allerheiligste durch die Welt getragen und den Gläubigen präsentiert wird, die theologische Auswirkung der Einführungsbulle „Transiturus hoc mundo“ (1264, Papst Urban IV.).

Weiterhin wurde dekretiert: das omnis utriusque sexus („Jeder beiderlei Geschlechts“), die jeden „mannbaren“ Christen verpflichtete, alle seine Sünden dem Priester mindestens einmal jährlich zu beichten. Dem Klerus wurde auferlegt, er dürfe keine „Unzucht“ treiben, nicht der „Trunksucht“ frönen, nicht Jagd betreiben, keinen Theater- und Spielebesuch vornehmen und sich nicht als Arzt betätigen. Priestern wurde auch untersagt, Todesurteile zu fällen, an solchen mitzuwirken oder darauf hinzuwirken (Canon 18) eine Regel, die in der für viele Frauen, Juden und Häretiker tödlichen Inquisition bekanntlich nicht so genau beachtet wurde.

Interessant ist übrigens auch, daß auf diesem IV. Laterankonzil noch mehr beschlossen wurde, was auch soziale, wirtschaftliche und politische Auswirkungen auf Nichtchristen hatte:

  • zum einen bestätigte das Konzil die Erhebung des Stauffers Friedrichs II. zum König des Heiligen Römischen Reichs,
  • zum anderen gab es das Dekret des Aufrufs zum Kreuzzug in das „Heilige Land“, der dann allerdings wegen des Todes des Papstes nicht zustande kam.
  • Ferner wurden Juden zum Tragen einer diskriminierenden, sie von den Christen unterscheidenden Tracht (Judenhut, Gelber Fleck) gezwungen.
  • Es wurde ein Geldverleihverbot für Christen verfügt.
  • Außerdem wurden Juden vom Handwerk und Gewerbe ausgeschlossen und erhalten das Monopol für den Geldverleih.

Zur eigentlichen Blüte kam das wiederbelebte Fest „Fronleichnam“ aber dann erst nach der Reformation und nach dem Dreißigjährigen Krieg. Das Konzil von Trient (1545–1563) bestätigte das Fest „Fronleichnam“ und wertete es vor allem anderen zu einer gegenreformatorischen Machtdemonstration auf. „Außerdem erklärt der heilige Kirchenrat, es sei eine vorzügliche fromme und erbauliche Sitte..., daß alle Jahr dieses erhabene und ehrwürdige Sakrament ... durch die Straßen und öffentlichen Plätze herumgetragen werde.“ Angeblich sollen sich dann später, in gemischten Siedlungsgebieten, die Protestanten dem Prunkfest der Katholiken durch Ausbringen von Mist auf den Äckern widersetzt haben...

Gerade die Fronleichnamsprozession versinnbildlicht gelebtes Christentum: Zum Ende des Osterfestkreises symbolisiert sie den christlichen Lebensvollzug, das gläubige "Wallen", das Ziehen durch die Zeit, dem ewigen Vater entgegen. Es ist die Heimkehr der Kinder Gottes in das himmlische Jerusalem. (...) In Gestalt der geweihten Hostie wird Christus selbst durch Stadt, Flur und Wald geführt. Der realpräsente Gott wird sichtbar, er verläßt das "fanum" (lat. Tempel, Allerheiligste) und durchzieht das "profanum" (das dem Allerheilgsten Vorgelagerte). Zu diesem Zweck entstand die Monstranz, ein Ostensorium mit Lunula - ein halbmondförmiges Schiffchen, in das die Hostie eingesteckt wird -, sondern auch der Baldachin, der Tragehimmel, ursprünglich ein Herrschaftszeichen der Monarchen, wurde für kultische Zwecke übernommen. In der Reformation entwickelte sich Fronleichnam zu einem konfessionsscheidenden Merkmal. Luther bezeichnete Fronleichnam 1527 als "allerschädlichstes Jahresfest". Ihm fehlte die biblische Grundlegung, Prozessionen galten ihm als Gotteslästerung.(...)

© Dr.theol. Manfred Becker-Huberti, zitiert nach: www.festjahr.de

Zusammengefaßt kann man also sagen:

  • „Fronleichnam“ ist das „katholischste“ aller katholischen Feste.
  • Es liegt stets in der zweiten Woche nach Pfingsten.
  • Es verbindet die neue „siegreiche“ Lehre von der „Transsubstantiation“ mit einer machtpolitischen Demonstration der römischen gegen die orthodoxe Kirche und der Verfolgung von „Häretikern“ (IV. Laterankonzil).
  • Es ist ein demonstratives Fest der erfolgreichen Gegenreformation (Konzil von Trient) und ist somit dem Prunk des Barock verhaftet.
  • Das am 03. Juni 2010 stattfindende Fest „Fronleichnam“ ist in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag, allerdings nur in den Ländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie in einigen Gemeinden mit überwiegend katholischer Bevölkerung in den Ländern Sachsen und Thüringen (im gesamten Landkreis Eichsfeld und in den Eichsfelder Ortschaften des Unstrut-Hainich-Kreises und Teilen des Wartburgkreises).

Was wünscht man sich an einem solchen gesetzlichen Feiertag?

Na, das ist doch klar: allen Nichtkatholiken wünscht man einen erholsamen Feiertag, sofern sie im richtigen Bundesland wohnen. Mit viel Sonne und wenig Störung der Ruhe durch Prozessionslärm oder olfaktorische Belästigung durch Weihrauch oder ähnliches!

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  • Bildnachweis:
  • Cardinal Godfried Danneels. Source: Own work. Author: Carolus. Via Wikipedia, Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 License
  • Cardinal Godfried Danneels holding a monstrance with a humeral veil around his shoulders. Date: 22:45, 17 May 2007 (UTC), Mechelen (Provinz Antwerpen, Belgien). Author: Carolus. Via Wikipedia. This file is licensed under the Creative Commons Attribution 2.5 Generic license.

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Schlüsselwörter: Fronleichnam | katholisch | Katholizismus | Corpus Christi | Eucharistie | Abendmahl | Transsubstantiation
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Kommentare

266
am 02.06.2010 18:59:58 (109.91.162.xxx) Link Kommentar melden
Wink Also wirklich, Sachen gibt's! Der Wein wird wirklich Blut? Und die Hostie wird zum Leib? Komisch, daß diese Religion überhaupt noch Anhänger hat heutzutage. Vielleicht wissen die das nicht? Oder es ist ihnen egal?

Kreuzzüge, Inquisition, Taufe mit dem Schwert, Zwangsbekehrung, Unterdrückung von Frauen, Hetze gegen Juden, Pakt mit Hitler, Fluchthilfe für Nazi-Verbrecher nach 1945, Kindesmißbrauch - gibt es eigentlich irgendeine kriminelle Handlung, die diese komische Religion von Männern in Frauenkleidern nicht gemacht hat?
266
am 03.06.2010 15:44:42 (109.91.162.xxx) Link Kommentar melden
Diese Art der Verwandlung beherrsche ich auch Wink
Hartmut Holz
am 04.06.2010 16:19:18 (217.80.198.xxx) Link Kommentar melden
Also: Was warum feiern wir eigentlich das Fest Fronleichnam? Es ist so, dass bei diesem Fest der Leib Christi gefeiert wird.

Denn Fron kommt von Herrn und Lichnam kommt von Leib - Der Leib Christi.
Jeus, der Leib Christi, verschenkt sich ja, in der Eucharistiefeier, an uns.

Wir nehmen, als Hostie, den Leib Christi auf. Denn, beim letzten Abendmahl am Gründonnerstag, mit seinen Jüngern sagt ja Jesus folgendes: "Nehmt und esst. Das ist mein Leib. Tut dieses zu meinem Gedächtnis.

Dann das Blut Christi. Es muss nicht immer Wein sein. Denn bei vielen evangelischen Abendmahlfeiern wird auch roter Traubensaft verwandt.

Jesus nahm den Kelch. Hob ihn hoch und sagte folgendes: "Trinkt. Das ist mein Blut. Tut dieses ebenfalls zu meinem Gedächtnis.

die Heilige Kommunion oder Eucharistiefeier ist ja auch immer der Höhepunkt eines jeden Gottesdienstes.

Nur schade, dass immer noch nicht katholische und evangelische Christen gemeinsam das Heilige Abendmahl feiern dürfen.

Und nun ist Fronleichnahm ebenfalls schon wieder vorbei. So schnell läuft die Zeit. Hoffentlich ist, im nächsten Jahr, das Wetter auch so gut wie es dieses Jahr, an diesem Feiertag war.
266
am 05.06.2010 10:19:47 (109.91.162.xxx) Link Kommentar melden
@ Hartmut Holz
Nur schade, dass immer noch nicht katholische und evangelische Christen gemeinsam das Heilige Abendmahl feiern dürfen.
Das sollten Sie vielleicht ihrem "Heiligen Vater" in Rom sagen, es ist doch dessen Befugnis, solche Dinge zu entscheiden und vor allem zu ändern. Meines Wissens hätten die Protestanten nichts dagegen.
266
am 06.06.2010 18:15:38 (109.91.162.xxx) Link Kommentar melden
Das wird vermutlich dann am St. Nimmerleinstag stattfinden.
349
am 09.06.2010 14:08:27 (80.190.200.xxx) Link Kommentar melden
Und diese lutherische Kirche geht ebenfalls, wie die katholische Kirche, von einer sogenannten Realpräsenz beim Abendmahl aus.
Das verstehe ich jetzt nicht, ich dachte, das wäre gerade der Unterschied zwischen Protestanten und Katholiken?

Lutheraner sind doch protestantisch ( = evangelisch)?

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