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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Bewusster Betrug oder leichtfertiges Versehen?

Wenn man statt „harten“ Euros minderwertige Münzen angedreht bekommt

2-Euro-Sondermünzen
2-Euro-Sondermünzen
An die gute alte D-Mark hatte man sich über Jahrzehnte gewöhnt. Kaum möglich, dass einem da eine fremde Münze untergejubelt wurde. Mit der Einführung des Euros hat sich das grundlegend geändert. Da muss man schon genauer hinschauen. Zu groß ist die Auswahl der Motive, da jedes Euroland seine eigene Motivseite hat. Hinzu kommen die Euro-Sonderprägungen bei den Umlaufmünzen (von den Gedenkmünzen wollen wir hier gar nicht reden), die viele Länder jedes Jahr herausgeben. Wer kennt da noch alle Motive?

Über die anfängliche Praktik statt einem 1-Cent-Stück ein 1-Pfennig-Stück beim Wechselgeld herauszugeben, die ab und zu auch heute noch vorkommt, kann man sicher nur lachen, der Verlust ist gleich Null – zumal sich auch kaum noch jemand bückt, wenn irgendwo ein herrenloses 1-Cent-Stück auf der Straße liegt. Doch geht es an die 1- oder 2-Euro-Stücke, dann ist es schon schmerzlicher. Und hier sind offenbar auch viele Zeitgenossen auf bewussten Betrug aus.

Es gibt verschiedene alte ausländische Münzen, die der 1- oder 2-Euromünze stark ähneln – wenigstens auf den flüchtigen Blick. Dazu gehört beispielsweise die alte 1-Franc-Münze aus Frankreich, die man mit dem 1-Euro-Stück verwechseln könnte. So eine hat man mir auch schon mal angedreht. Ich hab’s gelassen betrachtet und die Münze meiner Münzsammlung einverleibt…

10-Baht-Münzen
10-Baht-Münzen
Schmerzlicher wird es bei der 2-Euro-Münze. Und da gibt es eine ausländische Münze, die praktisch in Größe, Gewicht und dem ersten optischen Eindruck völlig identisch ist. Und diese Münze ist nach dem offiziellen Wechselkurs gerade einmal 25 Cent wert. Es handelt sich dabei um die thailändische 10-Baht-Münze. 8 Münzen davon (= 80 THB) entsprechen dem Gegenwert von 2,00 Euro. Wer es auf Betrug anlegt, kann damit aus 2,00 Euro satte 16,00 Euro machen. Das entspricht einer Gewinnspanne von 700 %. Ein lukratives Geschäft für Betrüger.

Besonders anfällig und beliebt sind dabei Münzautomaten. Das Problem ist allgemein bekannt und die Automatenindustrie versucht seit dem ersten Auftauchen solcher „Falschmünzen“ zu Anfang der Euroeinführung die Automaten sicher zu bekommen. Bisher allerdings nur mit mäßigem Erfolg. Und gerade die 10-Baht-Münzen aus Thailand scheinen für den Automatenbetrug besonders geeignet zu sein. Hinzu kommt, dass am Automaten der „Umtausch“ für Betrüger am ungefährlichsten ist. Im Gegensatz zum Versuch ein 10-Baht-Stück als 2-Euro-Wechselgeld herauszugeben, was durchaus sofort bemerkt werden kann, stellt sich der Automatenbetrug erst beim Leeren des Automaten heraus.

Der Nachschub an 10-Baht-Münzen ist einfach. Entweder man bringt sich eine größere Menge aus dem Urlaub mit oder bittet seine Freunde und Bekannten solche Stücke mitzubringen. Aber auch wer keine Beziehungen zu Thailand hat, kommt problemlos an solche Stücke übers Internet heran. Auch bei Ebay werden immer wieder große Mengen solcher Stücke angeboten. Aktuell bietet ein österreichischer Münzhandel dort eine solche Auktion (300 x 10 Baht Bimetallmünzen = 3000 BATH) an. Startpreis: 1,00 Euro. Versandkosten innerhalb Österreichs und nach Deutschland 4,00 Euro als versichertes Hermes-Paket. Aktueller Kurswert der Münzen: 75,34 Euro (Stand 28.05.2010). Im Falle des Missbrauchs der Münzen für Betrug würde der „Betrugswert“ bei 600,00 Euro liegen.

Erst vor kurzem erhielt ein Straßenbahnfahrgast beim Kauf seiner Fahrkarte am Fahrscheinautomaten in München eine 10-Baht-Münze als Wechselgeld heraus. Und, wie von den Betrügern erwartet, fiel ihm dies erst auf den zweiten Blick auf. Dieser Fall wurde bekannt. Die Dunkelziffer, bei der es nie publik wird, liegt da schon ganz enorm höher. Nicht jeder Betrogene wendet sich an die Öffentlichkeit oder gar die Polizei. Man scheut den Aufwand und nimmt dann lieber den Verlust von 2,00 Euro in Kauf. So manch einer mag das fremde Geldstück sicher auch wieder versuchen auf ähnliche Art loszuwerden und wird damit selbst zum Betrüger.

Auf den deutschen Reichsbanknoten wurde im Kleingedruckten mit Zuchthausstrafen gedroht: Wer Banknoten nachmacht oder verfälscht, oder nachgemachte oder verfälschte sich verschafft und in Verkehr bringt, wird mit Zuchthaus nicht unter zwei Jahren bestraft. Auf den deutschen DM-Scheinen ab 1963 wurde dann Zuchthaus durch Freiheitsstrafe ersetzt. (Zitat aus: Wikipedia)

Gemäß dem § 146 des Strafgesetzbuches ist sowohl Geldfälschung als auch das wissentliche Inverkehrbringen von Falschgeld ein Verbrechen. Das unwissentliche Inverkehrbringen ist immerhin noch ein Vergehen. Deshalb sollte Geld, das als Falschgeld erkannt wird, umgehend zur Polizei gebracht werden. Falschgeld wird auch von den Banken, gemäß § 36 des Bundesbankgesetzes, eingezogen. Ersatz für Falschgeld wird nicht geleistet.

Nun handelt es sich bei den 10-Baht-Münzen nicht um Falschgeld im Sinne von gefälschtem Geld. Die Stücke sind (in der Regel) zweifellos echt und tatsächliche thailändische Kursmünzen und damit in Thailand gültiges Zahlungsmittel. Wer damit in Deutschland jedoch betrügt, der begeht eine Straftat und wird ähnlich verurteilt wie jemand, der Falschgeld in Verkehr bringt.

Die National Rejectors Inc. GmbH in Buxtehude zählt zu den führenden Münzprüfgeräteherstellern in Europa. Klaus Meyer-Steffens ist dort der Manager des Coordination International Projekts. Ihm kommt Panikmache um die 10-Baht-Münzen gar nicht recht. So verweist er auf die moderne Technik heutiger Verkaufsautomaten. Der deutschsprachigen Zeitschrift FARANG, die in Pattaya/Thailand erscheint, sagte er: „Im Münzprüfer stellen diese Stücke aufgrund ihrer unterschiedlichen Materialeigenschaften keine Gefahr dar und werden abgewiesen. Es hat zwar in der Einführungsphase des Euro einige Probleme gegeben, wo in älteren Münzprüfergenerationen keine saubere Trennung realisiert war, jedoch sind diese Geräte unseres Wissens nachgestellt worden. … Von Betrug kann nur die Rede sein, wenn Automaten mit größeren Mengen Fremdgeld manipuliert werden. … Hier sind immer die Automaten betroffen, die unbeobachtet aufgestellt sind. Hierzu gehören vielfach auch Zigarettenautomaten.“

Das Problem mit den 10-Baht-Münzen war vorprogrammiert. So haben „wir“ es uns selbst zuzuschreiben. Die 10-Baht-Münzen gibt es bereits seit dem Jahr 1988 in Thailand. Das sind mehr als 10 Jahre länger als es den Euro überhaupt gibt. Und sie ist auch ordnungsgemäß beim weltweiten Münzregister in London angemeldet.

Zudem wurden die Rohlinge der thailändischen 10-Baht-Münzen in Deutschland angefertigt. Sie stammen von der Fa. Krupp VDM GmbH in Werdohl. Das ist ein Unternehmen von ThyssenKrupp. Dessen Tochter- bzw. Partnerunternehmen in Thailand ist die Sahakol Trading Co. Ltd. in Lampang/Thailand. Zwar hält das Unternehmen ein Patent auf „Automatensicheren Werkstoffverbund für Münzen und Medaillen“, doch zeigt die Praxis dass dies nicht immer funktioniert.

Die Krupp VDM GmbH ist weltweit einer der fünf größten Hersteller von Münzrohlingen mit einer monatlichen Produktionskapazität von mehreren hundert Millionen Stück. Es gehörte zum Kreis der Produzenten, die seinerzeit von der EU-Kommission bei der Materialauswahl für die neuen Euro-Münzen einbezogen wurden. So kamen bei der Materialauswahl für die Euro-Münzen auch VDM-Erfindungen zum Zuge.

  1. Fotolegende: 2-Euro-Münzen mit Sondermotiven auf der Länderseite. Foto: © Jens Bredehorn, Pixelio.de.
  2. Fotolegende: Thailändische 10-Baht-Münzen aus meiner Privatsammlung. Foto: © Axel Ertelt.

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Schlüsselwörter: Münzen | 2-Euro-Münze | 10-Baht-Münze | thailändisches Geld | Thai-Baht | THB | Falschgeld
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