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Technik: Sonstiges

Der Kompasswagen des Ma Jun

Frühe mechanische Erfindungen im alten China

Konstruktion ohne Verkleidung
Konstruktion ohne Verkleidung
Im alten China gab es vielerlei Erfindungen, technische Leistungen und geniale Konstruktionen, oft den europäischen um Jahrhunderte voraus. Von vielen gibt es gut gehütete Aufzeichnungen und Bücher, von manchen aber nur noch wenige Aufzeichnungen, die man mühselig rekonstruieren muss. Durch jahrhundertalte Kriegswirren oder sinnlosen Zerstörungen von kulturellen Aufzeichnungen, Büchern und Schriftrollen, ging so manches enormes Wissen des alten China verloren oder geriet sogar deswegen in Vergessenheit, so das manches legendär wurde. Seid vielen Jahren ist aber China bemüht, auch altes Schriftgut zu rekonstruieren, um es in Datenbanken als nationales Erbe zu sichern.

Einer der vielen technischen chinesischen frühen Erfindungen ist der Kompasswagen. Als Konstrukteur wird ein gewisser Ma Jun genannt.

Ma Jun - genialer Ingenieur und Erfinder

Ma Jun wurde zwischen 200-220 in Fufeng (in der heutigen Provinz Shaanxi) geboren und verstarb 265. Er lebte er in der Zeit der drei Reiche (208-280). Nach dem Zerfall der Han-Dynastie war China in drei Königreiche verfallen, das Königreich Wei im Norden, das Königreich Wu im Süden und das Königreich Sgu Han im Westen. Ein Freund und Zeitgenosse von ihm war der Dichter und Philosoph Fu Xuan (217-278), so das es nicht verwundern kann, das er einen Abschluss in Literatur machte und den Titel bo shi (Doktor) erwarb. Es verhalf ihm jedoch nicht zu einem ausreichendem Auskommen, nein im Gegenteil, er soll zunächst sogar relativ arm gewesen sein. Ob er eine eigene Werkstatt hatte oder gewisse handwerkliche Dienste anbot wissen wir nicht, er soll aber schon als junger Mann viel Geschicklichkeit bei mechanischen Apparaturen gehabt haben, so das auch eines Tages der Herrscher von Wei auf ihn aufmerksam wurde.

So trat er in die Dienste des nördlichen Wei-Königreichs und hatte damit einen Beamtenstatus erlangt. Durch sein technisches Verständnis bekam er als Berater und Aufseher zunächst die Mitverantwortung beim Bau des König-Palastes von Chong Hua. Doch es war eine kriegerische Zeit und jeder der drei Königreiche wollte die absolute Macht erreichen. Kaiser Cao Rui, der 2.Herrscher von Wei beauftrage Ma Jun auch mit der Konstruktion und Verbesserung von Kriegsgeräten. Dies führte auch zu der Erfindung des Kompasswagens.

Es war Kriegszustand und das führen von großen Armeen, auch bei schlechten Wetterverhältnissen, war oft mehr Glück als stategisches Genie. Dies wusste auch der Kaiser und deshalb beriet er sich mit seinen Generälen. Er ließ Ma Jun rufen und fragte ihm, ob es eine zuverlässige Apperatur geben könnte, um den Soldaten den richtigen Weg anzuzeigen. Ma Jun erinnerte an den legendären Kompasswagen. Auch wenn es nur wenige Aufzeichnungen und keine Originalpläne mehr gäbe, so hätten doch die Armeen des legendäre Herrscher Huang Di (2600 v.Chr, auch als Gelber Kaiser bekannt), durch einen Kompasswagen seine Armeen selbst bei Nebel und Dunkelheit immer die Orientierung behalten können. Dies ließe sich nachbauen.

Obwohl die militärischen Berater des Kaisers über Ma Jun´s Idee spotteten, weil sie solch einen Kompasswagen als ein Märchen von Poeten und für unbrauchbar hielten, widersprach Ma Jun des Generälen mit dem Argument Leere Worte lassen sich nicht mit einem praktischen Test vergleichen. Vermutlich ist es Ma Jun´s Verständnis für Mechanik und sein Erfindungsreichtum zu verdanken, das er das technische Prinzip erkannte, wahrscheinlich modifizierte, und schließlich 255 dem Kaiser und seine verblüfften Generälen den Kompasswagen präsentieren konnte. Warum man sich nicht auf den Si´nan, den ersten Kompass, besinnte, ist nicht bekannt. Es wird vermutet, das man ihn nicht für zuverlässig hielt.

So gilt bis heute Ma Jun als der eigentliche Erfinder und Konstrukteur des ersten Kompasswagen. Dabei ist die Bezeichnung Kompasswagen etwas irreführend, beruht doch das Konstruktionsprinzip, im Gegensatz zu einem Kompass, nicht auf dem Erdmagnetismus. Doch was ist ein Kompasswagen ?

Als Kompasswagen bezeichnete man einen kastenförmiger transportablen Richtungszeiger, siehe auch Bild. In der Praxis war es ein Karren mit zwei über ein Differentialgetriebe auf einer gemeinsamen Achse verbundene Räder, was den Effekt hatte, selbst bei unterschiedlicher Geschwindigkeit oder Kurvenfahrt immer in die gleiche Richtung zu zeigen. Somit gehört das Differential zu den frühen chinesischen technischen Leistungen. Das Prinzip hatten aber schon vorher die alten Griechen genutzt, bekannt als Mechanismus von Antikythera, und später u.a. von Leonardo da Vinci wiederentdeckt und modifiziert. Durch Kriegswirren gingen die Aufzeichnungen von Ma Jun gingen verloren, so das sein Kompasswagen erst wieder von Zu Chong-Zhi (429–500), ein genialer Mathematiker und Astronom, neu gebaut wurde.

Weitere Erfindungen & Konstruktionen

Viele Aufzeichnungen und Originalpläne gingen verloren, doch es soll belegt sein, das Ma Jun einer der frühen Konstrukteure moderner Seiden-Webstühle war. In seiner Zeit hatten die Webstühle bis zu 50 Pedale und Hebel, so das die Herstellung von Seide zeitaufwendig war. Ma Jun modifizierte den damaligen komplizierten Seiden-Webstuhl so gut, das ein Webstuhl mit nur 12 Pedalen und Hebel auskam. Dadurch wurde die Weberei nicht nur effizienter, sondern es konnte auch weitere kompliziertere Muster angefertigt werden.

Weiterhin konstruierte oder verbesserte er verschiedene mechanische Pumpen für die Be- und Entwässerung von Feldern, Kanälen und Deiche sowie eine Handpumpe zum Besprühen von Pflanzen.

Spektakulär war jedoch die Konstruktion und der Bau eines hydraulisch angetriebenes mechanisches Puppentheaters für den Kaiser, das vor ihm, in der Umsetzung, eigentlich nur Heron von Alexandria schaffte. Der englische Autor Joseph Needham (1900-1995), seine Werke sind sehr zu empfehlen, war eine große Autorität auf dem Gebiet der chinesischen Wissenschaftsgeschichte. Ab dem Jahre 1954 verfasste er u.a. seine Artikel-Serie Science and Civilisation in China. Dabei übersetzte er auch eine alte chinesische Quelle, worin das mechanische Puppentheater von Mae Jun wie folgt beschrieben wird.

Verschiedene Personen boten dem Kaiser Theater mit Puppen an, die in vielfältigen Szenen aufgestellt werden konnten, aber alle bewegungslos. Der Kaiser fragte, ob man sie beweglich machen könnte, und Ma Jun sagte, dass man es könnte. Der Kaiser wollte das ganze geistreicher haben. Ma Jun erhielt den Befehl, es auszuführen. Er modellierte ein hölzernes Rad, das sich horizontal drehte und unsichtbar von Wasser angetrieben wurde. Er arrangierte Bilder von singenden Mädchen, die Musik spielten und tanzten, und wenn eine bestimmte Puppe auf die Bühne kam, trommelten andere hölzerne Männer und bliesen auf Flöten. Ma Jun baute auch einen Berg mit hölzernen Bildern, die auf Bällen tanzten, Schwerter warfen, über Kopf an Seilleitern hingen und sich allgemein mit Leichtigkeit bewegten. Regierungsangestellte waren in ihren Büros zu sehen, Hähne kämpften, und alles wechselte ständig und bewegte sich raffiniert und in hundert Variationen.

Die mechanische Diener-Puppe

Gewiss nur eine Legende, weil es keine Pläne davon gibt, aber sicherlich erwähnenswert. Ma Jun soll in seinen letzten Lebensjahren eine mechanische Diener-Puppe konstruiert haben, um sie den Kasierhof präsentieren und schenken zu können. Jedoch fand sie nicht so viel Beachtung wie sein Puppentheater, so das er enttäuscht seine Puppe wieder nach Hause gebracht haben soll. Freunden und Besucher seines Hauses verblüffte er mit den mechanischen Fähigkeiten seiner Diener-Puppe. Die Puppe soll aus Holz bestanden haben und im Innern gab es ein Metallgetriebe. Beweglich waren der Kopf, die Augen aus Bernstein, die Arme/Hände und der Brustkorb. Es wird beschrieben, das Ma Jun eine Bodenplatte vor der Puppe angebracht hatte, die auf Druck reagierte. Sobald ein Besucher diese Bodenplatte betrat, schloss die Puppe die Augen, verbeugte sich leicht, wobei sich die gefaltenen Hände zum Gruss erhoben und ein Ton/Geräusch aus dem Mund kam.

Somit wissen wir wenigstens etwas über den talentierten Ma Jun und seine Erfindung des Kompasswagens. ©excursor

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Schlüsselwörter: china | erfindung | ma jun | altes china | mechanik | puppe | roboter | getriebe
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