Rund um OZ24

Suchen

Unterstütze OZ24

Medien: Buch

The Big Butt Book

„Dieses Buch kehrt die Rückseite nach vorn und stellt sie in den Mittelpunkt“

Bildband von Dian Hanson
Bildband von Dian Hanson
Ganz ohne Zweifel ist das Gesäß des Menschen ein wichtiger Körperteil, ermöglichen die „Vier Buchstaben“ doch längeres Sitzen, was für die Generation Internet ebenso von Bedeutung ist wie für die (auto)mobile Gesellschaft. Außerdem dient der „Podex“ der Balance beim aufrechten Gang, ja ermöglicht diesen eigentlich erst, und stellt überdies - nicht immer ist das erwünscht - ein Fettdepot dar.

Das kann aber doch nicht alles sein? Nein, natürlich nicht: der Po ist bekanntlich einerseits dem Intimbereich zugeordnet, andererseits aber auch ein sozial - also durchaus in der Öffentlichkeit - eingesetztes erotisches Signal. Die sexuelle Attraktion wird somit als einladendes Spiel, doch auch als Beleidigung verwendet; schon Irenäus Eibl-Eibesfeldt beschreibt das Phänomen bei den indigenen Völkern der Südsee. Das entblößte Gesäß wird optisch dargeboten, gleichzeitig aber dem direkten Zugriff und der körperlichen Verfügbarkeit entzogen, genau hierin liegt die Beleidigung und Verhöhnung.

Mooning bezeichnet im Englischen den Vorgang, jemandem seinen nackten Hintern zu zeigen, um Protest, Hohn oder Geringschätzung auszudrücken, um zu provozieren, zu schocken oder einfach aus Spaß. Bei den Maori bezeichnet man diese dort schon sehr lange existierende Geste als Whakapohane. In Deutschland bezeichnet man es unter anderem als „den Hintern blank ziehen“.

Quelle: Wikipedia, Mooning

Das Gesäß ist also ein sehr intimes Körperteil mit starkem erotischen Reiz, gilt jedoch - wegen der Nähe zum Anus - gleichzeitig als unrein. In vielen Kulturen gebietet es daher das Schamgefühl, das Gesäß zu bedecken; somit stellt seine Entblößung meist eine sexuelle Einladung oder beleidigende Provokation dar. Schläge auf das Gesäß sind in vielen Kulturen eine Methode der Körperstrafe, vor allem in der Kindererziehung (in Deutschland übrigens, was vielen Eltern nicht bewußt ist, gesetzlich verboten). Im Sado-Machismus werden solche Schläge als spanking bezeichnet. - Allein diese Eckpunkte der Thematik zeigen die Bedeutung des Themas, auch Freuds Theorie der analen Phase und der analen Erotik belegt dies. Schmutz, Strafe, Gewalt, Körperlichkeit und Lust bilden hier also eine fulminante Mischung. Nicht umsonst sind die in jüngster Zeit aufgedeckten Skandale innerhalb der katholischen Kirche genau in diesem Feld pädagogischen Mißbrauchs zu verorten: männliche Gewalt, Schläge auf das Gesäß und sexueller Mißbrauch.

Odalisque (Jules Joseph Lefebvre, 1874)
Odalisque (Jules Joseph Lefebvre, 1874)
Wikimedia Commons: Gesäß – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Ein bekanntes Motiv ist – auch hier gleichzeitig Machtdemonstration und Verhöhnung – der Spruch des Ritters Götz von Berlichingen: „Götz (antwortet). Mich ergeben! Auf Gnad und Ungnad! Mit wem redet ihr! Bin ich ein Räuber! Sag deinem Hauptmann: Vor Ihro Kaiserliche Majestät hab' ich, wie immer, schuldigen Respect. Er aber, sag's ihm, er kann mich er kann mich im Arsche lecken! (Schmeißt das Fenster zu.)“ (Zitiert nach Wikisource: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand. Ein Schauspiel. Johann Wolfgang von Goethe. 1989.). – Selbst auf jiddisch gibt es diesen Ausdruck : „Kisch mir in toches!“ Kein Wunder, denn es handelt sich um einen uralten Abwehrzauber, Goethe hat mit dem Götz von Berlichingen diese Tradition – die in ganz Europa belegt ist – nur literarisch geadelt und ihr zur heutigen Bekanntheit verholfen. Der sogenannte „schwäbische Gruß“ ist also durchaus nicht nur schwäbisch.

Doch bleiben wir lieber bei den ansprechenderen Aspekten der Thematik, nämlich bei der Erotik, und zwar bei ihrer angenehmen und ästhetischen Ausdrucksform. Im vorliegenden Buch „The Big Butt Book“ hat die schon mit einigen einschlägigen Photographien und Kunstbüchern in Erscheinung getretene Dian Hanson erneut eine eindrucksvolle und ansprechende Sammlung von Motiven zum Thema vorgelegt.

Buffie The Body
Buffie The Body

Wie alles sind auch diese Bilder Geschmacksache, manche mögen dem einen oder anderen zu „deftig“ sein, doch insgesamt kann man die Darstellungen doch als künstlerisch kennzeichnen. Übrigens – es ist ein weitverbreiteter Irrtum, daß das weibliche Hinterteil nur für Männer anziehend wäre, richtig ist vielmehr, daß auch Frauen die Ästhetik und die Erotik des weiblichen Körpers wahrnehmen und schätzen.

Naked male back in front of a door
Naked male back in front of a door

Selbst wenn sich die Damenwelt eher für den sogenannten „Knackarsch“ eines gut gebauten und vor allem trainierten männlichen Exemplars des „homo erectus“ begeistern sollte – das Prinzip ist dasselbe. Wer es allerdings noch animalischer haben möchte, der bewundert hochachtungsvoll die pracht- und kraftvollen Hinterbacken eines Reitpferdes, beiderlei Geschlechts.

Für die optische und psychische Attraktivität dieses lustig lustvollen Muskels – er ist am menschlichen Körper neben dem Kaumuskel der kräftigste – dürfte der Grund unter anderem in der Verwurzelung in uralten Kulten von Fruchtbarkeitsgöttern – meist weiblich – liegen, die ebenfalls überall auf der Erde ihre Spuren hinterlassen haben. Die Skulpturen dieser weiblichen Gottheiten sind in aller Regel nicht nur mit überdimensionierten Brüsten, sondern auch mit extremen Gesäßmuskeln ausgestattet, wie man sich im nächstgelegenen Museum für Völkerkunde oder Ur- und Frühgeschichte leicht überzeugen kann. – Eine Urform der Männerphantasien also...

Venus Kallipygos, Neapel
Venus Kallipygos, Neapel
Daß das Motiv auch in der griechischen und römischen Götterwelt eine – im wahren Sinn des Wortes – hervorragende Rolle spielte, kann hier kaum verwundern. Die betreffende Dame nennt sich dort „Aphrodite Kallipygos“ oder „Venus Kallipygos“ – das ist griechisch und bedeutet „mit dem schönen Hintern“ oder, ganz schlicht, „die Schönärschige“ – und dies ist ein Beiname der Aphrodite beziehungsweise der Venus, der für diejenigen Götter-Statuen verwendet wird, die diese Göttin nach hinten blickend abbilden.

Nach einer alten Sage – ähnlich derjenigen vom Apfel des Paris – geht dieser Name für die griechische bzw. römische Göttin der Schönheit auf die Geschichte zweier Mädchen aus Syrakus zurück: diese stritten sich nämlich darüber, welche von ihnen den schöneren Hintern habe. Ein vorbeigehender junger Mann wurde aufgefordert, als Schiedsrichter darüber zu urteilen. Er entschied zugunsten der Älteren und heiratete sie, während sein Bruder die jüngere der beiden Schwestern nahm. Die beiden Frauen, die durch die Eheschließung reich geworden waren, errichteten daraufhin einen der Aphrodite geweihten Tempel in Syrakus; die dort aufgestellte Statue blickt über ihre Schulter und versucht ihren Hintern zu betrachten.

Vielleicht eine Vorlage für Bart Simpson? Der ist ja bekannt dafür, daß er sich selber den Hintern fotografiert. Der Gipfel der Selbstverliebtheit...

Bart Simpson's ass...
Bart Simpson's ass...
  • Bildnachweis:
  • The Big Butt Book. Dian Hanson. Taschen Verlag, Scan
  • Odalisque (Jules Joseph Lefebvre, 1874), via Wikipedia, public domain
  • Buffie The Body, aus: The Big Butt Book. Dian Hanson. Taschen Verlag, Scan
  • Naked male back in front of a door. Date: 13 September 2005. Source: Own work. Author: Gayleks via Wikipedia, Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported
  • Venus Kallipygos im Archäologischen Nationalmuseum Neapel, via Wikipedia, by www.everyfoto.com, CCL Namensnennung 3.0 Unported
  • Bart Simpson, eigener scan

uploaded

Der Inhalt des vorstehenden Artikels gibt nicht die Meinung der Redaktion von Onlinezeitung24 wieder. Für den Inhalt ist allein der Autor des Beitrages verantwortlich!
Drucken Empfehlen
Schlüsselwörter: Gesäß | big butt book | Erotik | Ästhetik | Götz von Berlichingen | schwäbischer Gruß | Mozart
Sie wollen selber einen Artikel schreiben. Kein Problem, einfach registrieren!

Kommentare

kommt123
am 24.05.2010 18:53:57 (92.230.249.xxx) Link Kommentar melden
Was nützt der schönste Po,wenn der Mensch einen miesen Charakter hat.
Leider kann man aufgrund der Po Form ja nicht auf den Charakter schließen,den lernt man ja erst im Laufe einer Beziehung kennen.

Und Schönheit wird von jedem anders interpretiert.

Die sogenannten Knackärsche,ja,sie sehen schon nicht schlecht aus,aber wer mit so einem Vorzeigemodell liiert ist,läuft auch ständig Gefahr,dass derjenige von anderen angebaggert wird.
Und die 08/15 Teile,nicht gerade spektakulär,aber Anmachresistent.Grin

Ich persönlich schaue bei einem Mann zuerst ins Gesicht,denn ich möchte mich ja nicht mit seinem Arsch unterhalten.Grin

Wenn mir das äußere Erscheinungsbild zusagt und man auch noch das Glück hat,mit diesem Menschen nett zu kommunizieren,dann kann man auch schon mal seinen Blick auf den verlängerten Rücken werfen.
266
am 25.05.2010 17:04:58 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
@ kommt123

Was nützt der schönste Po,wenn der Mensch einen miesen Charakter hat.

Das ist wahr, ideal ist natürlich von jedem das Beste, also ein schöner Mensch mit einem guten Charakter, mit einem wachen Verstand und mit einem schönen Hintern.

Die eierlegende Wollmilchsau also! Grin
kommt123
am 25.05.2010 19:24:06 (85.179.234.xxx) Link Kommentar melden
I,Mayer schrieb:
Das ist wahr, ideal ist natürlich von jedem das Beste, also ein schöner Mensch mit einem guten Charakter, mit einem wachen Verstand und mit einem schönen Hintern.


So ist es,wer will schon einen Mann mit miesen Eigenschaften und einem Teflonarsch.
Grin
kommt123
am 25.05.2010 20:04:35 (78.54.13.xxx) Link Kommentar melden
Habe auch eine sogenannte Schatzkiste,wenn ich mal was raus krame,kannst du dich gerne bedienen...Grin
266
am 25.05.2010 20:49:13 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Endlich mal ein schönes, harmloses Thema, ohne Verschwörungstheorie und ohne Rassismus.

Schöne Hinterteile sind natürlich ein sogenannter Hingucker, so wie dieses hier:

www.edu.dudley.gov.uk/foundation/pbskids/images/kids_tele_po.jpg
kommt123
am 25.05.2010 21:03:16 (92.230.250.xxx) Link Kommentar melden
Ich habe auch einen gefunden...Entenform Grin
YouTube Video
286
am 26.05.2010 08:12:18 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Habt Ihr endlich mal ein Thema gefunden, bei dem sich alle einig sind? Wink

Dagegen kann man ja auch wirklich nichts sagen:
www.freundin.de/Artikel/19372229_e9b1167081.jpg
kommt123
am 26.05.2010 08:44:07 (92.224.97.xxx) Link Kommentar melden
Dorota schrieb:

Dagegen kann man ja auch wirklich nichts sagen:


Das ist ein Beispiel für einen sexy Po,der gefällt mir auch.
(Kann man als Frau auch mal sagen,ist ja wohl nicht so schlimm.)


Der im Video,das war ein Beispiel,nein es war ein abschreckendes Beispiel.

Ist fraglich,ob man den wieder in Form bekommt.Sad

Vielleicht würde es helfen,ich weiß ja nicht,wenn man eine Arschdrenage legen würde? Grin

Aber genug der schrecklichen "Dinge",da unten,das ist ein Hingucker.
kommt123
am 26.05.2010 19:08:27 (92.224.97.xxx) Link Kommentar melden
Chaim schrieb:
Das wäre die sinnvolle Reihenfolge.
Aber manchmal kommt es eben anders als man denkt...


Es wäre ja auch langweilig,wenn sich das Leben und die dazu gehörenden Ereignisse,wie ein Film abspielen lassen.

Das Leben birgt viele Überraschungen,Überraschungen,mit denen man nie gerechnet hat.
Und wenn es eine freudige Überraschung ist,um so besser.

Aber auch der negative Teil des Lebens muss bewältigt werden.

Doch zurück zum Thema.
Wusstet ihr eigentlich,dass es sogar eine Po-Meisterschaft gibt?

http://www.welt.d..._Welt.html

Grin
266
am 26.05.2010 20:27:34 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Wusstet ihr eigentlich,dass es sogar eine Po-Meisterschaft gibt?

Smile ...man lernt nie aus. Mir war das unbekannt.
Seite 1 von 3: 1 2 3

Einen Kommentar schreiben







Kommentare von Nichtmitgliedern der Seite Onlinezeitung24.de müssen durch einen Bestätigungslink per E-Mail freigeschaltet werden, für Mitglieder entfällt diese Bestätigung. Diese Maßnahme dient der Diskussionskultur und soll die Kommentarfunktion vor Spam schützen. Wir bitten um Ihr Verständis für diese Maßnahme.

Seitenaufbau: 0.07 Sekunden
39,654,131 eindeutige Besuche