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Internet: Kuriositäten

Schlechtes Deutsch, miserables Englisch, falsches Französisch – Übersetzungsfallen und »false friends«

Die »duck leadership« und anderes aus der »style bloom collection«

Gefangen!
Gefangen!
Die meisten Menschen erinnern sich mit einem gewissen Schrecken an den Fremdsprach-Unterricht während ihrer Schulzeit. Damals hat man wahrscheinlich alles mögliche gelernt, aber nicht unbedingt die betreffende Fremdsprache. Später dann, als Erwachsener, hatte man in aller Regel immerhin ein eigenes Motiv, einen Sprachkurs zu machen: man brauchte die Sprache beruflich oder wollte für den Urlaub wenigsten die Grundbegriffe für Hotel, Strand oder Einkauf beherrschen lernen. Den Rest des Spracherwerbs besorgte dann das allgegenwärtige Englisch im Internet, meistens allerdings als „Denglisch“.

Idiomatische Wendungen lassen sich nicht wörtlich übersetzen!

Mit der Sprache und vor allem mit Übersetzungen in eine andere Sprache ist es nicht immer ganz einfach, da jeder ungeübte Übersetzer immer wieder gern der Versuchung erliegt, die ihm bekannten Begriffe und Idiome – also sogenannte Phrasen oder feststehende Redewendungen – wörtlich in eine oder aus einer Fremdsprache zu übersetzen oder deren Struktur und Denkweise in die eigene Sprache zu übertragen (vice versa). Doch idiomatische Wendungen lassen sich eben nicht wörtlich übersetzen. Unfreiwillige Stilblüten und falsche Übertragungen kommen daher häufig vor und sind fast immer ein Anlaß zum Schmunzeln, sofern man dafür nicht gutes Geld bei einem schlechten Übersetzer ausgegeben hat; denn dann hat man eher Grund, sich zu ärgern.

Finger weg von Übersetzungsprogrammen!

Übersetzungsprogramme wie zum Beispiel die beliebten Sprachtools von Google liefern im besten Fall Rohübersetzungen, mit denen 90% der Wörter eins zu eins übersetzt werden und der Rest entweder gar nicht oder falsch. Dies ist allein deswegen unvermeidbar, weil Sprache nie ganz eindeutig ist, sondern doppelsinnig und nuanciert. Die »duck leadership« zum Beispiel ist eine von einem ungenügend arbeitenden Übersetzungsprogramm ins Englische übersetzte deutsche »Ent-Führung«, in dieselbe Kategorie gehören auch die »Lucky Pig Tomatoes« aus deutsch »Glücksautomaten« (falsche Silbentrennung, nämlich Glück-Sau-Tomaten) oder die »Kaukasusrepublik«, die zu einer »chewing case republic« mutiert. Solche komischen Treffer liefert übrigens kein geringerer als der PONS Translator; weitere Beispiele dieser Art:

Schlimmer geht's immer!

Leseprobe aus dem Alltag (von Johannes Michalowsky): „Eben bekomme ich von Customer Care der Deutschen Telekom AG die Message, daß ich jetzt meine Rechnung Online bekomme. Ich kann sie dann downloaden und auf meine Hard Disc storen. Nachdem ich sie auf meinem Laser-Jet geprintet habe, kann ich sie dann dort wieder deleten, damit sie mir nicht zuviel Space wegnimmt. Für künftigen Access habe ich mir sicherheitshalber die URL der Web Site gebookmarkt. Bei Unklarheiten darf ich die Hotline contacten.“

Sprachverhunzung als Prinzip?

Leseprobe aus dem Arbeitsleben: „Heute morgen hatten wir das Kick-Off-Meeting zum neuen Workshop zum Thema 'Baselinening und Benchmarking'. Dabei haben wir festgestellt, dass einige Skills nicht in unserer Portfolio passen. Außerdem müssen wir unser Customer Relationship Management verbessern, denn unsere Message kommt nicht so recht rüber.“ – Beide Beispiele sind der zitierten Quelle entnommen.

Die Wirklichkeit übertrifft jede Satire

Wer davon noch nicht genug hat, der hört sich dieses Telefonat aus Australien mit einer Werbeagentur an, selbstverständlich nur der Scherz eines Radiosenders, aber nicht besonders weit von der Wirklichkeit entfernt (besonders gelungen der „chief of permanent outgoing incomes“ bei 1' 25''): «Junk and Trashcarter».

Was hilft? Ein gutes Sprachgefühl. Wie bekommt man das? Lesen, lesen, lesen... – am besten die Klassiker. Und bei Übersetzungen darf man gern einen Muttersprachler um Rat fragen oder ein gutes idiomatisches Wörterbuch. Ansonsten gilt bei fremdsprachigen Ausdrücken in der eigenen Sprache meist: weniger ist mehr. Wenigstens heißt das auch auf Englisch: less is more.

Bildquelle: Pixelio #458006, casiocan, R.B. (Lizenz Pixelio-Nutzungsbedingungen (Nennung Name & Quelle))

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Schlüsselwörter: Übersetzung | Übersetzungsfallen | Denglisch | Anglizismen | false friends | Stilblüte
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Kommentare

286
am 17.02.2011 18:08:46 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Smile Das ist ja echt der pure (Sprach)Wahnsinn (aus dem link im Artikel):

»Ziegelstein-Seiltänzer-Leser« -> »Adobe Acrobat Reader«
»auskommentieren« -> »lifelyhood animals« (Auskommen-tieren)
»Barbezahlung« -> »night club payment«

Auf solche Ideen muss man erst mal kommen Wink
286
am 17.02.2011 18:10:47 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Smile Das ist ja echt der pure (Sprach)Wahnsinn (aus dem link im Artikel):

»Ziegelstein-Seiltänzer-Leser« -> »Adobe Acrobat Reader«
»auskommentieren« -> »lifelyhood animals« (Auskommen-tieren)
»Barbezahlung« -> »night club payment«

Auf solche Ideen muss man erst mal kommen Wink
317
am 18.02.2011 15:16:34 (80.237.225.xxx) Link Kommentar melden
Das stimmt, Idiome richtig zu übersetzen, das ist die Hohe Schule der Dolmetscher und Übersetzer!

Deutsch: Nicht nachlassen! / Mach weiter! / Nicht aufgeben!
Englisch: Keep at it!
Spanisch: ¡Sigue! ¡Resiste!
Französisch: Ne (le) lâche pas!
Italienisch: Non mollare!
Kurpfälzisch: Heer jezz bloos nedd uff, gell! Smile (Bülent Ceylan spricht so)

Es kommt eben immer auf den genauen Zusammenhang an.
349
am 19.02.2011 11:44:10 (212.227.103.xxx) Link Kommentar melden
Sehr schöne Beispiele! Die Beschäftigung mit Sprachen ist doch immer wieder aufs neue interessant.
266
am 19.02.2011 14:16:58 (204.93.160.xxx) Link Kommentar melden
Die Beschäftigung mit Sprachen ist doch immer wieder aufs neue interessant.

Eigentlich zeigen sich bei derlei Problemen vor allem (der Mangel an) Bildung und Intelligenz. Denn wer eine "Stilblütensammlung" als "style bloom collection" übersetzt, der hat ein generelles Problem, das nichts mit Fremdsprachkenntnissen zu tun hat, mehr schon mit Egozentrik.

Allein die im Deutschen übliche leidige Substantivierung sollte zur Vorsicht gemahnen, bevor man solche Germanismen "verbricht". Am besten wäre für Stilblüte im Englischen wohl "bloomer" oder "howler".

Übrigens: es gibt auch "Übersetzungs"-Programme, die einem anbieten:
(engl.) Waterchicken = (deutsch) Wasserhahn. Denn manches "chicken" ist in der Realität ein "Hähnchen", wohingegen das (grammatische) Brathähnchen im Deutschen durchaus auch (biologisch) weiblich sein kann.
286
am 19.02.2011 18:34:37 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
"Englisch: Keep at it!"

Genau, auf polnisch sagen wir dazu: "tak dalej!", und im Russischen ganz einfach: "dawaj!"
300
am 23.02.2011 08:54:12 (178.33.255.xxx) Link Kommentar melden
Das sind ja krasse Beispiele unter den Links, und bei dem Telefon-Mitschnitt komme ich aus dem Lachen nicht mehr raus Smile

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