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Lokales: Sonstiges

Die Fremden sind immer die anderen

Xenophobie und Lokalpatriotismus

Offenbach
Offenbach
Das Phänomen ist bekannt: die Bösen sind immer die anderen, und im nächsten Tal wohnen die Menschenfresser. In der Ethnologie und der Psychologie ist das eine Konstante, die sich in ehrlicher Gleichheit über den ganzen Globus verteilt. Das hat etwas mit der Stabilität und Stabilsierung von Gruppen zu tun, dieses zum Teil recht künstlich erzeugte Wir-Gefühl, das andere ausgrenzt, lächerlich macht, beleidigt. Sozialpsychologisch gesehen wird mit der Feindseligkeit gegenüber ‚Fremden‘ ein negativ konnotiertes – bzw. abgewertetes – Fremdbild geschaffen, um ein überlegenes – bzw. aufgewertetes – Selbstbild zu erzeugen. Dieses Verhalten wird sozial gelernt – kann somit also auch verändert oder abgelegt werden – ist jedoch in allen Kulturen nachweisbar; bereits die Griechen nannten alle Nicht-Griechen „Barbaren“. Ähnlich auch das als rassistisches Schimpfwort mißbrauchte „Kanake“, das in der Hawaiischen Sprache der sich selbst so bezeichnenden Melanesier bzw. Südkaledonier einfach nur „Mensch“ bedeutet.

In Deutschland gibt es einige Städte, bei denen das sozialpsychologische Phänomen in schöner Offenheit zutage tritt:

  • Köln vs. Düsseldorf
  • Mannheim vs. Ludwigshafen
  • Mainz vs. Wiesbaden
  • Frankfurt vs. Offenbach
  • Villingen-Schwenningen, als künstliche grenzüberschreitende Doppelstadt

Besonders amüsant ist in diesem Zusammenhang die Zwangsehe zwischen dem (süd)badischen katholischen Villingen im Schwarzwald und dem württembergischen evangelischen Schwenningen am Neckar, die erst seit der Kreisreform 1972 vereint sind: im Rahmen der Gemeinde- und Kreisreform schlossen sich Villingen und Schwenningen nach einem – man soll es kaum glauben – positiven Votum der Bürger zur Stadt Villingen-Schwenningen zusammen, in Berlin dauerte das bis 1989 (und in Jerusalem wird das nie gehen).

Bei Berlin und Brandenburg lief eine ähnliche Entwicklung ja anders, auch das Saarland möchte lieber nicht zu Rheinland-Pfalz gehören, ebenso wollen die überflüssigen Stadtstaaten Hamburg und Bremen nicht zu Schleswig-Holstein bzw. Niedersachsen, was im Fall des verarmten Bremen doch eine erstaunlich fragwürdige Arroganz darstellt.

Sei es nun wie es will, der Volksmund bringt derlei Abneigungen und geschichtlich gewordene Zerwürfnisse oft auf den Punkt; die Witze und bösen Anspielungen gehen zwar gelegentlich unter die Gürtellinie, doch besser Witze gemacht als Kriege geführt... – das sollten sich die Mohammedaner hinsichtlich ihrer Karikaturen-Intoleranz durchaus mal zu Herzen nehmen oder vielleicht sogar Gedanken darüber machen.


Achtung! Nicht ärgern – umdrehen!

Die meisten Witze funktionieren auch jeweils umgekehrt!

Der Leser, der des Hessischen und insbesondere des "frankforderische" (noch) nicht mächtig ist, findet weiter unten Übersetzungshinweise; es hilft aber bereits, die Texte laut zu lesen, das ganze zu verschleifen, die Endung "-an" französisch nasal zu sprechen und die Endungen "-en" und "-er" wegzulassen, wie das bekannte TV-Pferdegesicht ("...isch bin de Maadiin...") weit und breit bekannt gemacht hat: "Alle Hesse sin Vebrescheee, alle klaue Aschebescheee!"

Zurück zu den Differenzen und daraus resultierenden Witzen. Die Offenbacher und die Frankfurter haben da ihre ganz eigene Konfliktgeschichte, die bereits recht früh anfängt:

"Es is kaa Stadt uff der weite Welt, die so merr wie mei Frankfort gefällt, un es will merr net in mein Kopp enei, wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Un wär'sch e Engel un Sonnekalb, e Fremder is immer von außerhalb! Der beste Mensch is e Ärjerniß, wann er net aach von Frankfort is.

Was is des Ofebach for e Stadt! Die hawe´s ganz in der Näh gehat un hawe's verbaßt von Aabeginn, daß se net aach von Frankfort sin. (...)" (Friedrich Stoltze, 1816 - 1891)

En naggische Offebeschee steicht in Frankfurt an de Hanauer Landstraß in e Taxi. De Taxifahrer guggt e bissi erfrischt un fraacht: „Wo solls dann higehn?“ sacht de Offebeschee: „Hier isch muss nach Heddernheim da issn Fassenachtsumzuuch!“ de Taxifahrer guggtn ah un meint: „du Simbel bist doch naggisch... Als was gehste dann?“ Da macht de Offebeschee des Maul uff un hat e Kirsche zwische de Zähn und meint: „Siehste die Kirsch hier? Des is mei Kostüm. Ich geh dies Jahr als Mon Cheri... un nu fahr endlisch!“ – De Taxifahrer fährt dann also los. Plötzlisch muss er e Vollbremsung mache. Den Offebeschee hauts im Audo hin un her un ZACK... hat er sei Kirsch veschluggt. „Bist du narrisch?“... ranzt er de Taxifahrer an. „Ich hab die Kirsch verschluckt un etz hab ich kaa Kostüm mehr... Was soll ich dann jetz nur mache?“ De Taxifahrer mault e bissi rum steicht aus un geht in e Geschäft uff de anner Straaßeseit. Es dauert un dauert bis er widder rauskommt. Er steicht ins Audo un schmeisst dem Offebächer e Glas Erdbeerschellee hinne auf de Rücksitz. – „Erdbeerschellee??? Was soll ich dann dademit? Ich brauch e Kirsche!!“ „Hawwe se net gehabt !“ brummt de Taxifahrer: „Un was soll ich jetz mit Erdbeerschellee???“ „Des schmierst de dir jetz in de Arsch un gehst als Krebbel...!!!“

Ein „Krebbel“ ist ein Krapfen, auch als „Berliner“ bekannt, also das in Fett gebackene Hefeteilchen, das mit Marmelade („Muus“) oder Gelee („Schellee“) gefüllt ist. – Immer gerade heraus, da tun sich die Offebeschee und die Frankforder gar nichts. Aber lustig ist es für beide Parteien trotzdem, und für Außenstehende allemal.

Schulausflug in Offenbach. Man besucht den Bieberer Berg. Die Kinder sind hellauf begeistert. Alle haben ihre Offenbach Trikots angezogen und staunen Bauklötze über das imposante Offenbacher Stadion. Bis auf Lisa. Die hat ihr Eintracht-Trikot angezogen. Als die Lehrerin das bemerkt, spricht sie das Mädchen an: „Aber Lisa, was ist denn mit dir los? Wir wohnen doch hier in Offenbach. Warum bist du denn kein Offenbach-Fan?“

Lisa: „Weil meine Mama die kommt aus Frankfurt und die ist auch Eintracht-Fan und die hab' ich ganz arg lieb und darum bin ich auch Eintracht-Fan.“

Lehrerin: „Ja und dein Papa? Ist der denn kein Offenbach-Fan?“

Lisa: "Nein, mein Papa ist schon seit er ein kleiner Junge war, Eintracht-Fan und ich hab meinen Papa sooooo lieb und darum bin ich auch Eintracht-Fan.“

Lehrerin: „Ja Lisa, du kannst doch nicht alles nachmachen, was deine Eltern machen. Was wäre denn, wenn dein Papa Hartz 4-Empfänger und deine Mutter Prostituierte wären?“

Lisa: „Ja dann wäre ich auch Offenbach-Fan.“

Ein klassischer Witz, den man – zum Glück aus Sicht des seit vier Generationen in Frankfurt verwurzelten Verfassers – nicht umdrehen kann:

...nicht ganz Frankfurt: Offenbach
...nicht ganz Frankfurt: Offenbach
Geht ein Vater mit seinem Sohn in Frankfurt spazieren; kommt ein Auto mit dem Kennzeichen OF vorbei, fragt der Sohn was denn „OF“ heißt; daraufhin der Vater: „OF heißt ohne Verstand“, da sagt der Sohn: „Verstand wird aber mit „V“ geschrieben“, da sagt der Vater: „Da siehst du mal wie blöd die Offenbacher sind!“

Im weiteren Umfeld um Offenbach liest man das Autokennzeichen „OF“ auch als „Ohne Führerschein“, so wie das – aus Sicht eines Frankfurters – hinter dem Rhein-Main-Airport liegende Groß-Gerau (amtliches Kennzeichen „GG“) als „große Gefahr“ gedeutet wird. In Gefahr begibt man sich übrigens auch, wenn man in falscher Kleidung oder unerwünschten Accessoires in das unpassende Umfeld gerät:

Ein Kickers-Fan kommt in eine Kneipe. Er legt seinen Schal auf die Theke und bestellt ein Bier. Erst dann schaut er sich um und stellt entsetzt fest, dass er in einer Eintracht-Kneipe gelandet ist. Ruckartig reißt er seinen Schal an sich und will aus der Kneipe flüchten. Doch der Wirt packt ihn am Kragen und sagt: „Moment; Freundchen, jetzt wird erst mal gewürfelt!“ „Ok, wie geht das Spiel?“, fragt der Offenbacher: „Bei 1, 2, 3, 4 oder 5 kriegst du eins auf die Fresse“, meint der Wirt. „Und was ist bei 6?“, fragt der Offenbacher. „Dann darfst du noch mal würfeln!“

Na ja, shit happens. Zum Abschluß eine wirklich ganz gemeine Bosheit, die jedoch leicht auf jede beliebige andere Gruppe umgemünzt werden kann:

Ein Offenbacher kommt das erste Mal nach Wuppertal und sieht die Wuppertaler Schwebebahn. „Boah ey, fliegende Busse, geile Stadt. Hier bleib ich!“ Als erstes braucht er eine Bude. Also geht er zu einer Zeitung, und gibt eine Annonce auf. Am nächsten Tag bekommt er ein Angebot: 100 qm, Neubau, Penthouse, total billig. „Boah ey, Wuppertal!! Fliegende Busse, billige Wohnungen. Hier bleib ich!“ Jetzt also noch 'n Job. Er geht wieder zur Zeitung, gibt eine Annonce auf. Am nächsten Tag bekommt er einen Job: wenig Arbeit, aber dafür massig Kohle. „Boah eyh, Wuppertal!!! Fliegende Busse, billige Wohnungen, tolle Jobs. Hier bleib ich!“ Jetzt fehlt nur noch 'ne Freundin. Also geht er wieder zur Zeitung. An der Anzeigenannahme sagt er zu der Angestellten: „Ey, ich möchte gern 'ne Bekanntschaftsanzeige aufgeben, um 'ne Frau kennen zu lernen.“ Sagt die Angestellte: „Gern, .... einspaltig, zweispaltig oder dreispaltig?“ Der Offenbacher fällt fast vom Stuhl: „Boah ey, WUPPERTAL!!!“

Also, mein Weib fand den Witz lustig. Aber sie kommt ja auch nicht aus Offenbach!

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Schlüsselwörter: Köln | Düsseldorf | Mannheim | Ludwigshafen | Mainz | Wiesbaden | Frankfurt | Offenbach | Patriotismus
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Kommentare

266
am 13.06.2010 12:58:52 (109.91.162.xxx) Link Kommentar melden
Ob Das_Gewissen sich hier jetzt wohl auch mit den Frankfurter-Witzen aus Offenbach einbringt? Smile
286
am 13.06.2010 16:12:53 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Grin Der Witz mit dem "Mon Cherie" als Karnevalskostüm ist wirklich gut.
266
am 14.06.2010 07:28:09 (109.91.162.xxx) Link Kommentar melden
Mit einer solchen Karte verläuft man sich immer, nicht nur als Offenbacher, denn sie müßte ja, wie Dorotas Krawattenvideo, auf dem Kopf stehen, damit man sie als Krawattenträger auch lesen kann!
349
am 14.06.2010 22:23:42 (76.76.115.xxx) Link Kommentar melden
Wink Prima Witze (besonders der mit dem Berliner!), auch wenn man als Norddeutscher ein wenig Zeit braucht, um sie zu übersetzen.
Hartmut Holz
am 15.06.2010 17:05:30 (217.80.196.xxx) Link Kommentar melden
Umgekehrt ist es richtig. Hamburg muss nicht zum Schuldenland Schleswig-Holstein.

Sondern das Land Schleswig-Holstein gehört aufgelöst und könnte auch, teilweise, von Hamburg regiert werden.Smile
286
am 19.06.2010 18:06:05 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Diese Sendung sehe ich immer gern. Wink
321
am 19.06.2010 21:12:29 (88.68.123.xxx) Link Kommentar melden
Hammerhart, der Witz:
En naggische Offebeschee steicht in Frankfurt an de Hanauer Landstraß in e Taxi.

Grin Schon der Anfang ist ein Witz Wink Der Offenbacher läuft extra über die Brücke ins feindliche Gebiet für ein Taxi?

http://de.wikiped...Landstraße
Hartmut Holz
am 21.06.2010 17:13:10 (217.80.197.xxx) Link Kommentar melden
Klar. Schon einmal darüber nachgedacht, dass in dieser Sendung gar keine Arbeitslosen auftreten?

Sondern dieses sind Schauspieler die den Auftrag haben Arbeitslose zu spielen und diese schlecht zu machen.

Das ist, meiner Meinung nach, eine Art Volksverhetzung. Diese Art von Sendungen verstoßen gegen Pressefreiheit und gehören somit rigeros verboten.
Hartmut Holz
am 21.06.2010 17:33:41 (217.80.197.xxx) Link Kommentar melden
Das fängt schon mit den Talkshows von Maybritt Illner und Anne Will an.

Und wie kann es sein, dass eine Gastgeberin wie Anne Will ihre Sendung selber
produziert. Da ist der Missbrauch, von Informationen, doch Tür und Tor geöffnet.

Und es zieht sich über die Sendungen von SAT 1 und RTL hin und hört bei Frontal 21 auf.
Hartmut Holz
am 21.06.2010 17:41:36 (217.80.197.xxx) Link Kommentar melden
Nein. Dieses bin ich nicht. Sondern ich sehe diese ganzen sehr realistisch und auch sehr sehr kritisch.
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