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„Aktion T4“ - Erinnerung und Protest

"Aktion T4"-Gedenktafel
"Aktion T4"-Gedenktafel
Berlin, 2. Mai, 16 Uhr. An der Gedenktafel der „Aktion T4“ in der Tiergartenstraße kommt eine kleine Gruppe von Menschen zusammen, um der Opfer des unmenschlichen medizinisch-psychiatrischen Massenmordes zu gedenken (siehe Info). In die bronzene Tafel, die an diesen barbarischen Akt erinnern soll, wurde folgender Text eingraviert:

„Ehre den vergessenen Opfern "An dieser Stelle, in der Tiergartenstraße 4, wurde ab 1940 der erste nationalsozialistische Massenmord organisiert, genannt nach dieser Adresse Aktion T4. Von 1939 bis 1945 wurden fast 200.000 wehrlose Menschen umgebracht. Ihr Leben wurde als "lebensunwert" bezeichnet, ihre Ermordung hieß "Euthanasie". Sie starben in den Gaskammern von Grafeneck, Brandenburg, Hartheim, Pirna, Bernburg und Hadamar. Sie starben durch Exekutionskommandos, durch geplanten Hunger und Gift. Die Täter waren Wissenschaftler, Ärzte, Pfleger, Angehörige der Justiz, der Polizei, der Gesundheits- und Arbeitsverwaltungen. Die Opfer waren arm, verzweifelt, aufsässig oder hilfsbedürftig. Sie kamen aus psychiatrischen Kliniken und Krankenhäusern, aus Altenheimen und Fürsorgeanstalten, aus Lazaretten und Lagern. Die Zahl der Opfer ist groß, gering die Zahl der verurteilten Täter."

Rene Talbot von der Irren-Offensive, eine der Mitorganisatoren des „T4-Umzuges“, sagte in seiner Ansprache unter anderem: „Obwohl das Arbeiten in den geschlossen Stationen der BRD seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention in der BRD am 01.01.2009 ein Verbrechen und damit die MitarbeiterInnen dort zu VerbrecherInnen geworden sind und obwohl sowohl das Einsperren von Menschen in geschlossene Stationen seit diesem Datum insgesamt als auch die diskriminierenden psychiatrischen Sonder-Gesetze, die dieses Einsperren legalisieren, illegal sind, existieren diese Folter-Gefängnis-Stationen bis heute weiter! Psychiatrische Zwangsbehandlung ist Folter! Die, die in den „Geschlossenen“ arbeiten, sind Verbrecher! Weg mit den illegalen „Psychisch-Kranken“-Sonder-Gesetzen! Sofort!“

Nach einer Schweigeminute zog der „T4-Umzug“ zum Denkmal des Polnischen Soldaten. „Wir wollen damit einerseits auch an die von Deutschen Ermordeten in den polnischen Psychiatrien erinnern und anderseits die Gründung einer polnischen Sektion der IAAPA, „Internationalen Vereinigung gegen psychiatrische Angriffe“ (International Association Against Psychiatric Assault) feiern“ – sagte Talbot. „Der internationale Kampf gegen die psychiatrischen Folter-Behandlungen geht weiter und muss weiter gehen.“

Der Umzug, der von einer Flugblatt-Aktion, die über „Aktion T4“ informierte begleitet wurde, ging über Brandenburger Tor und Alexanderplatz zum Volkspark Friedrichshain. Dort, am „Denkmal des Polnischen Soldaten“, ging die Demonstration mit folgender Ansprache zu Ende:

„Wir gedenken heute der Opfer eines unmenschlichen Aktes. An seiner Ausführung waren vor allem auch Mediziner beteiligt. Es war ein grausamer Massenmord, der gegen Menschen ausgeführt wurde. Man hat ihnen zuerst ihre Freiheit, ihre Würde und ihr Recht auf Selbstbestimmung beraubt und sie dann als „Entartete“ bezeichnet und umgebracht. Auf der Gedenktafel lesen wir u.a., dass es sich hierbei um arme, verzweifelte, aufsässige und hilfebedürftige Menschen handelte. Es war ein Krieg nach innen…

Inzwischen vergingen 70 Jahre. Durch die s.g. Globalisierung werden Banken, Industrie, Interessengruppen zusammen gebunden, an den Einzelnen denkt man immer weniger. Politik, Macht, Militärische Stärke scheinen wichtiger zu sein, als das wichtigste Glied in der Kette – der Mensch. Heute heißt es, es sei „Frieden“…

Ist es aber Frieden, wenn uns das System durch seinen ständig ausgeübten Leistungsdruck einerseits Arme, Verzweifelte, Aufsässige und Hilfebedürftige produziert und anderseits Anstalten hat, in denen man sie mit Giften, wie bewustseinverändernden Psychopharmaka, ruhigstellt und vor der Gesellschaft wegsperrt? Der Gesellschaft wird dabei vorgegaukelt, dass sie dadurch geschützt wäre. Ist es aber wirklich so? Folgen wir wirklich unseren Zielen, die wir 1948 in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verkündeten?

Die Psychiatrie-Erfahrenen berichten da etwas ganz anderes. Sie berichten über Gewalt, über Verletzung von elementaren Menschenrechten, dass ihre Würde und das Recht auf Selbstbestimmung für die heutigen Psychiater, genauso wie damals, keine Rolle spielen.

Es werden heute in Deutschland jährlich über 200.000 Menschen zwangseingewiesen! Einem Psychiater reicht es inzwischen zu sagen: „Sie wissen nicht, wovon sie da reden, Herr Doktor“ – schon wird einem eine Diagnose ausgestellt. Man sei dann manisch… dazu noch paranoid, weil man etwas sieht, was der Herr Doktor nicht sehen mag. Aufgrund solcher Diagnosen passiert es schnell, dass man zwangseingewiesen und zwangsbehandelt, mit psychotropen Drogen vollgepumpt, oft fixiert oder gar mit Elektroschocks behandelt wird, von Psychoterror und ständiger Erniedrigung ganz zu schweigen.

Aber wir wissen es. Zumindest viele von uns. Genauso wie damals, so auch heute gibt es nicht nur Täter und Opfer, es gibt auch uns, die Zeugen. Wir müssen uns im Klaren sein, dass wir auch zu den heutigen Umständen in der Psychiatrie nicht schweigen dürfen. Politische Auseinandersetzung ist wichtig. Aber ich appelliere auch um einfachen menschlichen Einsatz. Gerade die journalistisch tätigen, in welcher Form auch immer, sollen über die Bedürfnisse dieser inhaftierten Menschen recherchieren und berichten. Fragen wir sie und geben ihre Antworten weiter, warum sie zu Armen wurden, warum sie zu Verzweifelten, aufsässig geworden sind und was wäre für sie eine wirkliche Hilfe?

Ohne unser Engagement bleiben sie dort weiterhin entmündigt und ohne jegliche Rechte. Sie werden weiterhin isoliert, von der Gesellschaft abgegrenzt, ihnen wird dadurch das wichtigste, was sie am meisten brauchen entzogen - die Liebe! Eine Diagnose führt nämlich in den meisten Fällen auch dazu, dass diese Menschen von ihren Familien gedankenlos abgestoßen werden, wodurch sie dann der psychiatrischen Maschinerie ohne jeglichen Schutz ausgeliefert sind.

Wir dürfen nicht zulassen, dass sie weiter radikal ausgegrenzt werden und ihr Leben wieder zu „genetisch Defektem“ erklärt wird.

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Schlüsselwörter: Aktion T4 | psychiatrie | massenmord | terror | NS-Regime | Schizophrenie | medizin | antipsychiatrie
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Kommentare

442
am 09.05.2010 22:19:10 (130.133.175.xxx) Link Kommentar melden
Ihr Behauptung, Chaim,
"Ekelhaft, wie hier Nazi-Opfer instrumentalisiert werden..."
sowie:
"Die Psychiatrie in Deutschland heute hat mit den Nazis nun wirklich gar nichts zu tun." darf ich Ihnen zurückgeben mit Ihrem eigenen Kommentar:
"Pauschal und ohne seriöse Quellenangabe"
sowie dem Zusatz: Sie haben kein fundiertes
Argument Ihrer Ansicht geliefert, Sie haben sich
hier auf Kosten von Zeugen heutiger psychiatri-
scher Gewalt emotional entäußert offenbar um
eine temporäre Mißstimmung im w.w.web abzula-
den, als sei dies eine Art Entsorgungsmedium.
Ihren Äußerungen zufolge waren Sie weder je
zuvor in einer geschlossenen Psychiatrie einge-
sperrt, noch haben Sie offensichtlich einen Men-
schen über längere Zeit hin als Besuch in einer „Geschlossenen“ begleitet, noch haben Sie
sich je ernsthaft mit der UN-Behindertenrechts-konvention inhaltlich auseinandergesetzt.
Auch historische Kenntnisse sowie Wissen der gegenwärtigen Zustände in psychiatrischen Einrichtungen zu erlangen, die geeignet wären,
Ihnen einen Aufschluss zu den Schicksalen derer
zu vermitteln, die am psychiatrischen System
damals und allerdings, sehr wohl !, auch heute,
hier und jetzt in unseren psychiatrischen Einrich-
tungen unmäßig leiden, Menschen, denen Sie
nicht zu nahe treten wollten, Ihnen Ihren
"Respekt" erweisen wollten, scheint bisher noch
nicht lohnend genug für Sie gewesen zu sein.
Ihre augenblicklichen Gefühle in ein paar spontan auftauchende Worte zu kleiden - als Reaktion auf
den übrigens gut recherierten Artikel von Skulski -
hat die Leserschaft sicherlich sogleich verstanden
– doch welches öffentliche Interesse möchten Sie
persönlich denn nun erregen? Ein auf Ihre aktu-
ellen Gefühle zu lenkendes? Meiner Überzeugung
nach ist ein sympathischer Zug der meisten Men-
schen in unserem Land, dass unsere psychiatri-
schen geschlossenen Einrichtungen bis hin zu un-
seren geschlossenen psychiatrischen Heimen
„für“ Kinder und Erwachsene bis ins hohe Alter
nicht sein mögen, was sie nun mal sind: Geschlos-
sene Räume, die für die darin Eingesperrten, von
den Menschen also, um deren tägliches Leben es hier allerdings geht, selbstgewünscht nicht zu öffnen
sind. Ihren Worten ist ebenfalls eine Art Sehn-
sucht nach einer geordneten Welt –„Die Bösen ins Kröpfchen…“ zu entnehmen. Wunschdenken in
Form eines gefühlsstarken Aufschreis im Augen-
blick allein unter Mißachtung der realen Tatsache
der objektiv feststellbaren Grausamkeiten in den
geschlossenen Psychiatrien heute hilft hier nicht
leider nicht, sondern schadet bedauerlicherweise
– und: Sie treten sehr wohl ! den sogar heute
noch von zwangspsychiatrischen Maßnahmen in hunderten geschlossenen Einrichtungen in allen Bundesländern täglich durch unnötigen und seit in
Kraft treten der UN-Behindertenrechtskonvention
völlig verbotenen Zwang gequälten Menschen zu nahe – wenn nicht sogar – um dieses traurige
Bild in der notwendigen Tiefe, in die Einblick zu
nehmen Sie sich offensichtlich bisher nicht im
Stande sahen, zur Schau zu geben – gerade-
wegs in den ohnehin mittels Psychopharmaka (in lebenslange Abhängigkeit treibende Neuroleptika
und Tranquilizer, die Sucht erzeugen, u.a.m.) gepeinigten Magen.
Ihr emotionales Augenblicks-Engagement verbun-
den mit Ihrem ja recht unfrommen Wunsch nach Einsperrung von anscheinend immer eindeutig
doch ganz Bösen sei hiermit erschöpfend kom-
mentiert: Nach Aneignung fundierten Wissens
über die wirklichen Verhältnisse unserer geschlos-
senen psychiatrischen Einrichtungen in Vergan-
genheit und Gegenwart existiert für Sie wie für
die meisten Menschen, die die köstliche Freiheit
des Denkens, die ja so dicht neben der lieber unbeschauten Zwangsqual in unserem Lande real existiert, erproben und genießen können - zuge-
geben erst nach Aufwand einigen beharrlichen
Fleißes - die ebenso reale Möglichkeit in der Folge
der deutschsprachigen Welt die sich mit dem be-
rühmten Schweiß des Fleißes angeeignete Mei-
nung als bewusst reflektierten geistigen Beitrag
ganz kostenfrei zu spenden.
Für etwaige ehrliche Bemühungen danke ich im
Voraus und wünsche viel Erfolg bei der Arbeit.
Eine kleine Quelle, die zu Beginn Ihnen sprudeln möchte, fänden Sie z. B. unter:
ZWANGSEINWEISUNGEN IN DER BRD
Die UN-Behindertenrechtskonvention ist ebenfalls frei im Netz zu Verfügung gestellt, auch in deut-
scher Sprache, wenn auch die Erforschung des
Textes in Originalsprache und der Vergleich mit
der deutschen Übersetzung eingehendere
Erkenntnisse zu liefern geeignet wäre.

Also - Nichts für ungut - sagt Ihnen eine Zeugin

- Das Wichtigste ist immer umsonst, aber nie vergeblich -
442
am 14.05.2010 17:57:41 (130.133.175.xxx) Link Kommentar melden
Eine letzte Rückäußerung an Sie, Chaim:
Ich zitiere Sie (Hervorhebung von mir):
"Leider kommen wir so natürlich nicht weiter."
Welches "wir" meinen Sie? Schreiben Sie vierhändig?
Nach meiner Erfahrung: Typische Wortwahl von sog. "professionell helfen Wollenden".
Kleine Kostprobe aus dem kleinen Spiegel, den Sie sich nun mal ausgesucht hatten:
"Dann wollen "wir" mal aufhören", entscheide ich jetzt "über" "uns" und "unsere" "Kommunikation".
Derartiger Sprachduktus bedeutet schlicht: Ich beanspruche in meiner vermeintlichen Machtfülle über mein Gegenüber zu entscheiden, indem ich meinem Gegenüber ein "wir" suggeriere und diesem durch das plump plazierte "wir" die eigene Entscheidung abzuluchsen trachte: Ich bin der Größte.
An dem ist es nun mal nicht.
Jeder Mensch hat seinen ureigenen Entscheidungsraum, in dem er entscheidet, auch - oft zum Leidwesen der machtlosen Betrachter - und recht häufig über das eigene Lebensende.
Es gibt tatsächlich auch Menschen, die nur in dieser Entscheidung, nämlich ihr eigenes Leben selbstbestimmt zu beenden, z.B. weil darin ihre letztmögliche eigene Entscheidung liegt. Es gibt tatsächlich Menschen, denen andere Menschen in ihrer totalen Gewissheit, sie hätten alles und jedes Problem für diese Menschen gelöst oder "wir" werden das schon schaffen, und - sie schaffen es eben doch nicht und auf dem Weg dorthin ist ihnen jede Freiheit genommen worden, für sich selbst zu entscheiden, von sooo viel professioneller Hilfsbereitschaft!
So etwas gibt es. Die anderen Menschen, die sich Hilfe suchen, sind jedoch auch nicht so stumpf, dass sie nicht spüren, wenn ein "wir" dahergeritten kommt auf einem wiehernden Ross, das "Ich" heißt.
Menschen, die Hilfe benötigen so wie die Luft zum Atmen, klammern sich auch an wiehernde Pferde, wenn sie denn zu tragen im Stande sind, dann ertragen sie auch noch diese Demütigung.

Alle Pferde dieser Erde - verzeiht mir, Euch gedanklich in dieses Bild gesetzt zu haben!

Zeugin von entwürdigender Brutalität in deutschen psychiatrischen Einrichtungen seit 1980 - die bin ich.
kommt123
am 14.05.2010 18:30:06 (92.230.250.xxx) Link Kommentar melden
Herrmannsw schrieb:
So etwas gibt es. Die anderen Menschen, die sich Hilfe suchen, sind jedoch auch nicht so stumpf, dass sie nicht spüren, wenn ein "wir" dahergeritten kommt auf einem wiehernden Ross, das "Ich" heißt.
Menschen, die Hilfe benötigen so wie die Luft zum Atmen, klammern sich auch an wiehernde Pferde, wenn sie denn zu tragen im Stande sind, dann ertragen sie auch noch diese Demütigung.

Alle Pferde dieser Erde - verzeiht mir, Euch gedanklich in dieses Bild gesetzt zu haben!



Für Pferde sind Reiter etwas ganz normales und für Reiter sind Pferde etwas ganz normales.

Wo es anfängt kritisch zu werden,das ist bei den Fußgängern,die sich über Reiter aufregen...Shock

Nur als kleine Randbemerkung.
494
am 02.10.2010 20:42:17 (79.199.199.xxx) Link Kommentar melden
Im November 2005 wurde ich in der Grazer 'Sigmund Freud'-Klinik misshandelt. Der Träger dieser Klinik ist die KAGes.

Es wurde nunmehr bekannt, dass es im Pflegeheim Schwanberg offenbar zu jahrelangen Demütigungen, brutalen Misshandlungen und Vergewaltigungen gekommen ist:
http://www.schubertm.de/austria/kurier14.html#866

Auch hier ist der Träger die KAGes. Ebenso wie hier:
http://www.michaels-reisetagebuch.com/austria/lsf.html

Ich appelliere mit diesem Posting dringend an all die misshandelten Menschen zu denken, die sich nicht via Internet an die Öffentlichkeit wenden können und vollkommen allein gelassen werden! Bitte schaut nicht weg!
http://www.schubertm.de/austria/

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