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Politik: Deutschland

Das Wiederfinden der Nation

Oder: es ist keine Schande, Deutscher zu sein

Als nicht „der Gnade der späten Geburt“ (Zitat Helmut Kohl) ausgesetzt, sondern eher der „Nachgeburt“, hat es fast ein ganzes Leben an Erfahrung, lesen und Geschichtsüberprüfung gedauert, um über die Stationen der 68er „Mief raus aus den Stuben….“, „nie Wieder Krieg“, der Erkenntnis das der „Nationalstaat ein Anachronismus“ darstellt, die Zukunft in einem vereinigten Europa als Bundesstaat liege und Nationalstaat gleich Überhebung und Unfrieden bedeute. Das „Europa der Vaterländer“, wie einst vom französischen Premierminister und General des zweiten Weltkrieges auf alliierter Seite, Charles DeGaulle und seines Austrittes aus der Nato-Zentrale, hat eher Verachtung, denn Begeisterung ausgelöst.

Die Schmach der Vergangenheit und der Schuldgefühle, auch als „Nachgeburt“ und Unschuldiger, hat dennoch tiefe Spuren hinterlassen. Und so gesehen, eben ein normales Leben als Nachkriegsdeutscher abgegeben. Das Engagement lag in der Europabewegung und steht nach wie vor dazu. Und dennoch ist eine Wandlung eingetreten. Ob diese nun durch die fahnenschwenkenden Türken ausgelöst wurde, die die Deutschen mitnahmen in der Begeisterung für Ihre Wahlheimat sich in einer Weltmeisterschaft im Wettbewerb der Freude die eigene Verkrampfung zu überwindend, oder eben dadurch eine schlummernde, wachsende Erkenntnis der Veränderung in der Zeitfolge der Entwicklung und auch der Wiedervereinigung der restlichen Besatzungsteile der deutschen Länder ihre Begründung findet, immerhin ist das Erstaunen vorhanden, das die Last abfällt und ein neues, befreites Gefühl zum Bekenntnis zur staatlichen Nation als Deutscher, friedfertig und beruhigend, in sich selbst Platz greift. Eine erstaunliche und merkwürdige Eigenerfahrung.

Dr. Baal Müller, Philosoph und freier Schriftsteller und Inhaber des Telesma-Verlages, sicherlich einer jüngeren Generation zugehörig und unbelasteter als die „Nachgeburten“, nimmt in mehreren Schriften zu diesem Thema Stellung und beschreibt das Problem der Nation in Europa und kommt zu Überlegungen, die sicherlich mit diesen hier beschriebenen Einsichten, in Wechselbeziehung zu setzen wären.

Die Globalisierung auf der einen Seite, die schief laufende Europaentwicklung, die sich von den Vorstellungen der Europaziele der Europabewegungen und geistigen Vorgaben eines Alterio Spinelli, Prof. Mario Albertini, eines Francesco Rossollillo und Prof. Sergio Pistone, eines Prof. Claus Schöndube, Alfred Pariso und vieler anderer Alteuropäer, entfernt haben, bieten heute keine Lösung mehr, die zunehmenden Ängste und Entfremdungen einer sich zu schnell drehenden Entwertung der Gesellschaften und ihrer gewachsenen Grundlagen, auszugleichen. Die Klammer der Kirche und des Glaubens, speziell in Europa selbst, weichen einer materiellen Sachlichkeit, die oft als zunehmende atheistische Gesellschaftsstruktur Beschreibung findet und auf der anderen Seite sich der Gefahr des Überrennens anderer Glaubensformen aussetzt, die in das Vakuum nachströmen. Durch die Überschwemmung der herbeigerufenen Gastarbeiter und deren Nachwuchs und Nachrückens ganzer Familienclans als Arbeitskräfte in eine Hochkonjunktur eines Wiederaufbaues nach den Zerstörungen Europas, sind hier nun Geister und Gegenkulturen entstanden, deren Geister kaum los zu werden sind.

Und diese Entwicklungen, wie auch die Entwicklung der Wiedervereinigung Deutschlands unter ungeklärten juristischen Vorgaben, die eher den Keim weiterer Zerwürfnisse in sich Bergen, denn Stabilität für die nähere Zukunft erzeugen, findet eine Neubestimmung in die Region statt, die unter Soziologen als gesellschaftlich „Kokonbildung“ bezeichnet wird. Die EU hat vor Jahren folgerichtig Programme der Förderung der Regionen aufgelegt, um diese Strukturen zu stärken und den Nationalismus zurück zu drängen, der Europa soviel Leid zugefügt hat.

Deshalb haben der Nationalismus, der immer auch eine Überhöhung über den Nachbarn in sich birgt und immer auch ein Herd der Misstrauensbildung und Schutzentwicklung, die meist im Wettrüsten endete, soviel Schrecken über die europäischen Völker gebracht. Und dann noch die unzeitgemäße Gründung des Deutschen Reiches als europäische Mittelmacht, die hundert Jahre zu spät kam und ausgerechnet den etablierten Mächten in kürzester Zeit den Rang ablief, stand auch noch in Konkurrenzlage eines anderen Staates mit Mittelmachtanspruch, nämlich Polen. Und im Hintergrund lauerte ein Kommunist und Komminternprophet Stalin, der den degenerierten Westen als Macht im Hintergrund versuchte, gegeneinander auszuspielen, um sich als natürlicher Erbnachfolger des Kapitalismusses, seinen ideologisch-religiösen, dialektischen Materialismus folgend, die Beute einzustreichen.

Und im Ergebnis sind die Deutschen als Opfer ihrer Geschichte dabei, nun selbst Geschichte zu werden, um nie wieder als Mittelmacht in die Zwickmühle der Interessen zu geraten, outen sich als Gutmenschen für die Welt und finanzieren auch die ganze Welt und stehen für alles gerade, was man ihnen vorwerfen kann. Selbst ihre wirtschaftliche Vormachtstellung in der EU als Sieg aus dem Untergang, nur weil sie als Volk zu ehrlich und selbstlos waren und sind, und eben nur ihrer Arbeit nachgehen wollen. Was sie wiederum auch stoisch für Anfeindungen und erduldsam für Unsägliches macht.

Es kristallisiert sich jedoch hoffnungsvoll ein junges Pflänzchen einer Wiederfindung eines Nationenbekenntnisses heraus, daß eben keinen Nationalismus mehr darstellt, sondern eher als ein aufgeklärtes Bekenntnis zur Geburtszugehörigkeit einer Bevölkerung gelten kann, die in der Zusammenfassung deutscher Stämme, sich in einem politischen Staatsgebilde wieder findet mit neuem Bekenntnis zu sich selbst, das jedoch nicht mehr im Wettbewerb und Gegensatz zu seinen Nachbarn steht. Und offen und aufnahmebereit ist für Einflüsse von Außen.

Es kristallisiert sich heraus, daß die Deutschen nichts mehr besonderes sein wollen, aber auch nicht mehr die Buhmänner der Geschichte. Denn die Geschichte war anders und die Schuld der Deutschen relativiert sich doch bei ehrlicher Betrachtung und Aufarbeitung der Geschichte sehr. Denn die Rechtslastigkeitsentwicklung der 20er und 30er Jahre, die die Bestrebungen von Aristide Braind als französischer Außenminister und Herrn Stresemann, die beide für Ihre Versuche des Ausgleiches zwischen Frankreich und Deutschland den Friedensnobelpreis erhielten, jedoch wohl Ihrer Zeit voraus waren, da das Werk erst nach dem zweiten Waffengang eines Weltkrieges erfolgt ist, scheitern ließen, war nichts Besonderes, denn es war der Zug der Zeit und ein Rechtsdrall war in ganz Europa präsent. Das die Entwicklung so schlimme Ausmaße in Deutschland und um Deutschland annahm, ist aber auch den Umständen zu verdanken, die eine dogmatische Ideologie mit überhöhtem Herrschaftsanspruch eines völkischen Aberglaubens derart in die Enge trieb, daß sie aus lauter Untergangsfrust, sich so austobte, wie es dann geschah.

Es zeigt sich jedoch, daß weder die Europäisierung mit ihrer national gesteuerten, im Konkurrenzkampf als europäisch-nationale Einrichtung im Wettbewerb mit nationalen Einrichtung stehenden Bürokratiekrage, sich leider, auch durch nationale Regierungen und deren Medien gesteuerte Desinformationen wie fehlende demokratische Legitimierung befindliche Vertretungen, keine Bewusstsein für Europa gefördert hat. Die Erinnerung an den Krieg und aus deren Ergebnis sich schöpfende Kraft für den europäischen Weg, sind im Klein, Klein des Alltags, lange vergessen.

Was bleibt, ist die Rückbesinnung auf ein Gefühl und Bekenntnis zu sich selbst, das zwar speziell in Deutschland nicht mehr sich im Nationalismus wieder findet, aber dennoch ein neues Bekenntnis zur Nation und zum Bekenntnis, Deutscher zu sein, zulässt.

Und diese Entwicklung ist eher positiv denn negativ zu sehen. Ist sie eigentlich ein Garant dafür, sich zur eigenen Geschichte aus der man schöpft, im Guten wie im Schlechten, neue Ausrichtung zu finden, die sich für Europa und die Welt offen hält, jedoch die deutsche Nation in einer neuen Selbstfindung, für Europa und die Welt sicherer und zuverlässiger werden läßt. Denn innere Stabilität und Ausrichtung auf eine stabile Organisationsform ohne Überhöhung nach Innen und Außen, ist der höchste Garant für eine gedeihliche Entwicklung Europas, in einer sich verändernden und neue Pole findenden Welt, in der der Nationalstaat in Europa und Europa selbst, nicht mehr Nabel der Welt sind.

So gesehen ist zu hoffen, daß über diese Entwicklung die Mitte Deutschlands an Kraft gewinnt und die Chaoten von Rechts, die den alten Nationalismen anhängen, wie die neuen Chaoten von Rechts in Form der Antifa-linksfaschistoiden Szene und falschen Gutmenschen wie falschen Pazifisten, überwindet und ihnen keine Chance gibt, erneut die Nation, wie in den zwanziger Jahren, zu entzweien und sich in einer falschen Wiederholung ideologischer und überholter Kämpfe, wieder zu finden um letztendlich wieder auf einen Retter als „Führer“ , womöglich wieder von „draußen“ einzulassen.

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Schlüsselwörter: Nationalfrage
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