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Politik: Deutschland

Das Kreuz mit dem Kruzifix

Oder: Wenn eine Muslima in einer christlichen Partei deutsche Politik machen will

Das Kruzifix.
Das Kruzifix.
Ein interessantes und spannendes Experiment, auf das sich da Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) eingelassen hat, als er Aygül Özkan zur neuen niedersächsischen Sozial- und Integrationsministerin berief. Morgen, am 27. April 2010, soll sie vereidigt werden. Mit der Aktion wollte Wulff seinem Kabinett neuen Schwung verleihen.

Was zuerst als gelungener Schachzug erschien kehrte sich ganz schnell ins Gegenteil um. Die am 27. August 1971 in Hamburg geborene Deutsch-Türkin Aygül (= Mondrose) Özkan studierte Rechtswissenschaften und ist seit 1998 zugelassene Rechtsanwältin am Landgericht Hamburg. Sie wird mit ihrer Vereidigung die erste türkischstämmige Frau in einer deutschen Regierung und sieht ihr Amt als Herausforderung.

Eine Herausforderung war auch bereits ihre öffentlich kund gegebene Ansicht, dass Kruzifixe an staatlichen Schulen nichts verloren hätten. Eine Debatte, die es übrigens seit Jahren gibt und die durch Aygül Özkans Äußerung wieder neu entfachte. Besonders den CSUlern aus dem Freistaat in Deutschlands Süden stieß dies auf. Und auch Christian Wulff distanzierte sich von dieser Äußerung.

Aber ist es denn verwunderlich wenn Aygül Özkan eine solche Meinung vertritt? Schließlich wurde das Kopftuch im Unterricht ja auch verboten. Und, was sollen Kruzifixe in den Schulen, wo wir doch Religionsfreiheit haben? Kruzifixe fördern sicher das Lernen der Kinder nicht. Aber als christliche Parteien können CDU und CSU gar nicht anders als sich von einem Kruzifixverbot zu distanzieren – sonst liefen sie in Gefahr unglaubwürdig zu werden.

Mir persönlich ist vollkommen egal ob in irgendwelchen Klassenzimmern Kruzifixe an der Wand hängen oder Lehrerinnen mit Kopftüchern sitzen. Wenn solche Themen alles wären, mit denen sich unsere Politiker befassen müssen, dann könnte man die Politik doch gleich als überflüssig abschaffen.

Inzwischen hat sich die angehende Ministerin für ihre diesbezügliche Aussage (wohl notgedrungen) entschuldigt. Sie habe das Interview voreilig und ohne Kenntnisse des Landes Niedersachsen gegeben – heißt es in aktuellen Pressemeldungen nach der heutigen Fraktionssitzung. Zuvor habe sie sich aber eine Standpauke des Ministerpräsidenten anhören müssen, der ihr wohl erst einmal klarmachen musste, wo es in der deutschen Politik langgeht. Aber auch das gibt mir dann wieder zu denken: Eine Ministerin ohne Kenntnisse des Landes, in dem sie den Ministerposten antreten will?

Damit steht fest: Die CDU (auch auf Bundesebene) hält an ihrer Ernennung fest. Wohl zum Leidwesen der Freistaaten-Schwesterpartei. Aber auch die Rechtsradikalen und Neonazis haben sich bereits zu Wort gemeldet. In Emails und Internetforen gab es schon Morddrohungen: Sie solle auf das Amt verzichten, da ihr sonst etwas zustoßen würde. – Auch das ist Alltag in einem vermeintlich christlichen Land…

Fotolegende: Das Kruzifix – immer wieder für eine Debatte gut… Foto: © Dieter Schütz, Pixelio.de.

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Schlüsselwörter: Aygül Özkan | CDU | Christian Wulff | Niedersachsen | Ministerium für Soziales- und Integration
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Kommentare

OZ24
am 26.04.2010 21:42:38 (84.183.176.xxx) Link Kommentar melden
Prinzipiell hat Sie aber Recht Staat und Kirche müssen getrennt werden. Schule=staatlich also weg mit allen Religionssymbolen.

Aber bevor das in Deutschland passiert muss noch viel viel Zeit vergehen.
288
am 26.04.2010 23:46:58 (217.168.6.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 27.04.2010 09:17:19.
kommt123
am 27.04.2010 00:49:45 (92.224.149.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 27.04.2010 09:17:34.
Alex Mais
am 27.04.2010 16:29:46 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
Nun, wer Aygül Özkan ist, dürfte doch im obigen Artikel eindeutig beantwortet sein... Wink

Übrigens: Sie ist jetzt Ministerin:

Muslimische CDU-Frau
Aygül Özkan schwört auf Gott und wird Ministerin

... Jetzt wurde Aygül Özkan von CDU und FDP einstimmig zur ersten muslimischen Ministerin Deutschlands gewählt. Özkan schloss ihren Eid mit den Worten "So wahr mir Gott helfe" ab.

Quelle: Welt-online, 27. April 2010, 14:53 Uhr
334
am 27.04.2010 21:51:55 (80.187.106.xxx) Link Kommentar melden
Ich finde auch, das religiöse Symbole in einer Schule nichts zu suchen haben. Das Kreuz ist zudem noch ein ganz makabres Symbol. Ein Wahrzeichen für besonders schlimme Folter und Brutalität.
Ob die CDU mit der Dame glücklich wird, steht auf einem anderen Blatt. Es ist aber schon bedenklich, wie diese Frau ihr Amt beginnt. Ein guter Einstieg war das sicher nicht.
334
am 28.04.2010 08:53:57 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Chaim hat Folgendes geschrieben:
Das ist sicher richtig. Diese meinung kann man auch öffentlich vertreten. - Nur ist die Frage, ob es klug ist, wenn sich Nichtchristen, die öffentliche Personen sind, öffentlich dazu äußern müssen. Das auch noch dann, wenn sie ein ganz anderes Ressort verwalten.

Nicht nur eine Nichtchristin, sondern zudem noch eine Muslimin. Vor dem HIntergrund, dass immer wieder das Kopftuchproblem hochkocht und der Bau von Moscheen diskutiert wird, bekommt solch eine Forderung einen bitteren Beigeschmack. Gut, die CDU kann sowieso schon getrost, das C streichen. Geht sie jetzt noch in diese Richtung, kann sie die CSU, welche derzeit schon an Krücken geht, ganz vergessen. Diese Frau ist als Ministerin untauglich, weil sie vor dem Hintergrund der Verbreitung des Islam so handelt.
Eins verblüfft mich aber bei der Dame. Die Moslems akzeptieren Jesus zwar nicht als Gottes Sohn, aber als Prophet, gleich nach Mohammed. Damit entpuppt sich ihr Handeln als pure Provokation oder wirklich der Versuch, mal zu sehen, wie weit man gehen kann.
Hier gilt nur, wehret den Anfängen, denn ansonsten erlebt die CDU noch einige Überraschungen mit ihrer Ministerin.Sad
173
am 28.04.2010 09:11:13 (188.194.96.xxx) Link Kommentar melden
Frau Aygül Özkan war vielleicht mit der Äußerung, in staatlichen Schulen die Kreuze zu verbannen etwas übereifrig. Der Sache nach hat Sie jedoch nur das gesagt, was gerichtskundig ist. Deshalb ist das hier natürlich eine Scheindiskussion. Interessanter wäre es natürlich, hätte Frau Özkan sich nicht gleich mit einem derartigen angriffsträchtigem Brandthema eingeführt. Besser wäre da vielleicht die Wiederholung Ihrer Kolleginn aus der Frauenschutzszene, die sich um erniedrigte und verkaufte, zwangsverheiratete und geknechtete Türkenmädchen kümmert, die sagte, Moscheen sind ein Affront, gehören in der muslimischen Architektur nicht nach Europa und das Kopftuch ist eine politische Aussage und gehört ebenfalls hier nicht her.
Damit hätte sie punkten können. Aber so? So setzt Sie sich nur dem Verdacht der Mitgliedschaft der "fünften Kolonne" aus, ähnlich wie Herr Kenen Koltat es in Berlin beschreibt, Herr Erdogan aus Ankara uvm.
Schade. So wird man eben nicht zu einem nützlichen Mitglied der Gesellschaft. Das Bekenntnis, die BRD noch mehr umzukremplen und weit über die Umerziehung von "Marcuse + Co." hinauszugehen, ist schon heftig.
288
am 28.04.2010 09:29:27 (95.169.238.xxx) Link Kommentar melden
darf man hier nur mehrheitskonform posten?

Ich denke, eine Ministerin, die sagt, wie sie denkt, ist allenfalls authentischer und mir lieber als eine, die sich nur populistischer Themen bedient, um es allen Recht zu machen.
So, meinetwegen koennt ihr das nun auch wieder loeschen, aber es ist nunmal meine Meinung.
334
am 28.04.2010 10:51:44 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Ich denke, eine Ministerin, die sagt, wie sie denkt, ist allenfalls authentischer und mir lieber als eine, die sich nur populistischer Themen bedient, um es allen Recht zu machen.

Mir ist eine Ministerin in spe lieber, die nachdenkt, bevor sie sich äußert.
334
am 28.04.2010 11:36:05 (80.187.102.xxx) Link Kommentar melden
Ich meine auch, dass das Thema unpassend und überflüssig war. Ihr nächstes Thema wird wohl das Kopftuch wieder sein. Es gibt wohl wichtigere Themen, als Quark wieder breitzutreten. Ich bin zwar kein Befürworter von Kreuzen in Schulen, aber auch kein Gegner davon, der empfiehlt diese abzuhängen. Mag doch jeder nach seiner Fason glücklich werden. Wozu in vielen Gerichtssälen noch Kreuze hängen, ist mir auch nicht klar, aber daran stoßen tue ich mich nicht.
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