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Schulschließung in Prittitz vom Tisch!

Elterninitiative bewegt Gemeinderat zur Aufhebung der Schließung

Streitobjekt Grundschule Prittitz
Streitobjekt Grundschule Prittitz
Vor einiger Zeit berichtete ich über die vom Gemeinderat Prittitz beschlossene Schulschließung der stattlichen Grundschule in Prittitz, mit dem Ziel in den Räumlichkeiten der Schule eine Privatschule zu etablieren. Dieser Beschluss wurde am gestrigen Abend dem 3.12.2007 revidiert. Der Gemeinderat der Gemeinde Prittitz beschloss den Fortbestand der staatlichen Grundschule!

Was bisher geschah

Im August 2007 beschloss der Gemeinderat die Schließung der Grundschule Prittitz zum Ende des Schuljahres 2007/2008. Begründet wurde der Beschluss mit angeblich sinkenden Schülerzahlen im Einzugsgebiet. Ziel der Schließung war es, eine Privatschule in dem Gebäude der Grundschule unterzubringen. Die Eltern, Lehrer und Kinder erfuhren von dem Beschluss aus der Zeitung und waren sehr verwundert, dass die Grundschule ohne Zwang von Landkreis oder Landesregierung geschlossen werden sollte. Am 24.09.2007 erfolgte durch den Bürgermeister der Gemeinde eine öffentliche Vorstellung der Beweggründe und der geplanten Eröffnung einer Privatschule. Schon in dieser Veranstaltung war eines offensichtlich, die überwiegende Mehrheit der betroffenen Elternschaft war gegen die Pläne des Gemeinderates.

In den Tagen nach der Veranstaltung des Bürgermeisters formierte sich der Widerstand der Eltern gegen den Beschluss der Gemeinde in Form einer Elterninitiative. Moralisch unterstützt wurden die Eltern durch die Lehrer und Ehrzieher der Grundschule sowie einem Großteil der Bevölkerung. Unerwartet standen auch die Gemeinderäte der beiden anderen Trägergemeinden Gröbitz und Schönburg/ Possenhain hinter den Bestrebungen der Eltern, die staatliche Grundschule in Prittitz zu erhalten. Auch der Bildungsausschuss des Landtages Sachsen Anhalt, sowie die verantwortlichen Schulbehörden des Landkreises Naumburg äußerten öffentlich ihr Unverständnis für die geplante Schließung.

Von der Elterninitiative wurden verschiedene Bestrebungen unternommen um die geplante Schließung zu verhindern. Es wurden die Medien eingeschaltet, angefangen bei dieser kleinen Onlinezeitung über größer Tages- und Wochenblätter, wie WOCHENSPIEGEL und MITTELDEUTSCHE ZEITUNG, das Fernsehen vertreten durch den MDR Sachsen Anhalt sowie das Radio Sachsen Anhalt. Mit Hilfe dieser Medien wurde das Anliegen der Eltern öffentlich gemacht. (Ich möchte hier die Möglichkeit nutzen, den Vertretern von Presse, Funk und Fernsehen zu danken, denn ohne ihre Unterstützung wäre es nicht so einfach gewesen die Grundschule zu erhalten!) Ein weiterer wichtiger Schritt der Elterninitiative war es ein Bürgerbegehren mit dem Ziel einen Bürgerentscheid über den Erhalt der staatlichen Grundschule zu initiieren. 10 fleißige Helfer zogen unermüdlich durch die Gemeinde und sammelten über 400 Unterschriften für das Bürgerbegehren. Notwendig wären nur 132 Unterschriften gewesen. Dieses Ergebnis zeigt eindeutig, dass der Großteil der Einwohner hinter der Elterninitiative stand und steht. Auch hier möchte ich den fleißigen Helfern für ihre freiwillige Arbeit danken. Viele Eltern und Einwohner brachten ihren Wunsch zum Erhalt der staatlichen Grundschule in Form von Transparenten und Plakaten an Zäunen und Häuserwänden zum Ausdruck. Jeder der durch unsere Gemeinde fuhr konnte deutlich erkennen, die Einwohner der Gemeinde sind für die staatliche Grundschule in Prittitz. Für mich war es immer ein schönes Gefühl zu sehen, wie die Menschen für die Sache kämpfen und es nicht scheuen dies auch öffentlich zu zeigen.

Leider kam es während dieser Zeit auch zu ein paar wenigen unschönen Momenten, die ich nicht unerwähnt lassen möchte. So wurden aktive Elternteile von Befürwortern der Privatschule massiv bedroht oder eine Hauswand, an der ein Transparent für den Erhalt der Schule angebracht war, wurde mit Senf und Ketchup beschmiert. So etwas muss einfach nicht sein. Man muss einen solchen Streit zwischen Befürwortern und Gegnern nicht auf solch ein Niveau sinken lassen. Es ging hier nie um persönliche Dinge oder Anschuldigungen, sondern nur um die Erhaltung des staatlichen Schulstandortes! Warum die Gegenseite diesen Kampf für den Erhalt der Schule teilweise als persönlichen Angriff wertete und darauf mit persönlichen Angriffen reagierte ist und bleibt unverständlich.

Die Sitzung vom 3.12.2007

Am Montag dem 3.12.2007 war es dann soweit. Der Gemeinderat trat zu seiner monatlichen Sitzung zusammen. Für uns wichtige Tagesordnungspunkte waren Punkt 6, 7, 8 und 9. Neben vielen Eltern und Lehren waren diesmal auch das MDR Fernsehen, das Radio Sachsen Anhalt sowie die Mitteldeutsche Zeitung anwesend. Es war schon ein schönes Gefühl zu sehen wie eine kleine Gemeinde wie Prittitz ein solches Medieninteresse genießt. Das Fernsehteam führte im Vorfeld diverse Interviews mit Eltern. Auch der Radioreporter befragte hier und da Eltern zu den Erwartungen in die kommende Sitzung. Einstimmig war zu hören, dass alle hofften, dass der Gemeinderat die Schließung der Schule rückgängig macht. Nach Beginn der Sitzung begrüßte der Bürgermeister alle anwesenden Bürger und begann mit der Sitzung. Es wurden erst andere Themen abgehandelt, deren Bedeutung ich hier nicht kleinreden will, jedoch alle warteten auf den Teil der Sitzung, in dem es um die Schule gehen sollte.

Wie bei jeder Sitzung des Gemeinderates, gab es einen Punkt Bürgerfragestunde. In diesem Teil können Bürger Ihre Fragen an den Gemeinderat stellen. Wie nicht anders zu erwarten, drehte es sich hauptsächlich um die Schule. Aussagen wurden vom Gemeinderat nicht gemacht, mit dem Hinweis, dass man dem zu fassenden Beschluss nicht vorgreifen wolle. Auf der einen Seite verständlich auf der anderen Seite unbefriedigend für die anwesenden Bürger. Dann aber gab doch ein Gemeinderatsmitglied ein Statement ab. In diesem forderte er den Gemeinderat dazu auf den Beschluss zur Schließung zu revidieren. Daraufhin gab es von den Anwesenden Bürgern spontanen Applaus!

Nach einiger Zeit war es dann endlich soweit. Der Bürgermeister erklärte den anwesenden Gemeinderatsmitgliedern den Sachverhalt zu geplanten Schulschließung. Er führte aus, dass alle Trägergemeinden, der Elternbeirat, die Lehrervertretung, die zuständigen Ämter des Landkreises Naumburg sowie der Bildungsausschuss des Landes Sachsen Anhalt sich gegen die Schulschließung aussprechen bzw. eine langfristige Bestandsfähigkeit des staatlichen Schulstandortes Prittitz als gegeben ansehen. Er führte ebenfalls aus, dass der Träger der geplanten privaten Schule, auf Druck der Elterninitiative, seinen Beschluss zukünftig seinen Schulbetrieb in Prittitz durchführen zu wollen, zurückgezogen habe. Er gab seinem Gemeinderat die Empfehlung, den Beschluss im Sinne des Fortbestandes der staatlichen Grundschule zu fassen. Und genau so wurde dann auch entschieden. Die staatliche Grundschule wird in Prittitz bleiben.

Allen anwesenden Beobachtern war die Freude in den Gesichtern abzulesen. Der lange Kampf für die Schule hatte sich gelohnt!

In den nachfolgenden Tagungspunkten ging es um das initiierte Bürgerbegehren und den Bürgerentscheid. Der Gemeinderat erkannte das Bürgerbegehren an, denn das musste er auch, da das Begehren alle Erfordernisse erfüllte (Vertreter der Elterninitiative hatten sich im Vorfeld anwaltlich beraten lassen, um bei diesem Begehren keinerlei formale Fehler zu begehen). Ein weiterer Erfolg der Elternschaft! Auf die Durchführung des Bürgerentscheides wurde im nächsten Tagesordnungspunkt verzichtet, da der Gemeinderat im Sinne des angestrebten Bürgerentscheides entschieden hat. Somit war die Durchführung nicht mehr notwendig!

An diesem Punkt war der öffentliche Teil der Sitzung beendet und alle anwesenden Bürger mussten den Sitzungssaal verlassen. Das taten alle mit einem Lächeln im Gesicht, denn die Mühen der letzten Wochen und Monate hatten sich ausgezahlt. Die Medienvertreter führten noch das eine oder andere Interview und die Eltern diskutierten freudig über das Erreichte. Im Anschluss wurde noch ein kleiner Umtrunk veranstaltet um den Sieg auf ganzer Linie zu feiern.

Abschließend möchte ich mich bei allen Beteiligten nochmals recht herzlich bedanken. Nur durch unser gemeinsames unablässiges Bestreben war dieser Erfolg möglich.

Danke

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Schlüsselwörter: Grundschule | Grundschule Prittitz | Prittitz | Gemeindrat | Schulschließung | Schule
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Kommentare

Rene Thurow
am 04.12.2007 10:59:56 (84.183.182.xxx) Link Kommentar melden
2 Sachen möchte ich noch erwähnen. Unsere 3 Kinder haben gestern extra bis 21.00 Uhr auf uns gewartet und sind uns um den Hals gefallen als wir berichten konnten, dass die Schule bestehen bleibt. Das alleine war Lohn genug für die Mühen der letzten Monate!

Heute den 4.12.2007 19.0 Uhr wird im MDR Sachsen Anhalt Fernsehen ein Bericht über die gestrigen Ereignisse gesendet!
olczi
am 04.12.2007 14:30:47 (91.15.96.xxx) Link Kommentar melden
auch unsere Kinder waren bis ca 21 Uhr wach um zu erfahren was denn nun aus ihrer Schule wird.Sie freuten sich wie kleine Könige als wir ihnen berichten konnten das wir es geschafft haben unsere Schule zuerhalten.
Danke noch mal an alle die mitgeholfen haben um dies zu erreichen!!!
am 04.12.2007 17:21:48 (195.93.60.xxx) Link Kommentar melden
das ist doch eine tolle nachricht -)
Betroffener
am 04.12.2007 18:31:16 (84.183.243.xxx) Link Kommentar melden
Feine Sache. Ich bin stolz auf diese Leistung!
Cap
am 04.12.2007 22:14:51 (85.182.114.xxx) Link Kommentar melden
Da ichs schon im "alten Bericht" geschrieben habe, kopier ichs mal eben noch hier rein:

Hallo!

Ich bins mal wieder. Hab soeben den Bericht auf dem MDR gesehen wo über die Rücknahme des Beschlusses durch den Prittitzer Gemeinderat berichtet wurde. Also erstmal Gratulation an alle kämpfenden Eltern, Lehrer und Einwohner.
Was mich allerdings zum Lachen und zu einem verständnislosen Kopfschütteln gebracht hat war (mal wieder) die Aussage des werten Bürgermeisters Gehring.
Also mal ehrlich, was kommt da noch raus? Behauptet er doch tatsächlich ,das zur Beschlussfassung gänzlich andere Tatsachen bestanden haben als jetzt (ein halbes Jahr später). Also mal ehrlich was soll in diesem Jahr passiert sein? Hat er in diesem halben Jahr endlich mal den Schulentwicklungsbericht gelesen? smiley)
Ohne Scheiss, aber diesen Menschen halte als Bürgermeister für eine absolute Fahlbesetzung. Schlimmer gehts nimmer.
Die Tatsachen haben sich von der damaligen Beschlussfassung bis heute nicht im Geringsten geändert. Der Gemeinderat hat sich mit dieser sinnlosen Aktion sein eigenes Grab geschaufelt und ich hoffe, das die Gemeinde Prittitz bei der nächste Gemeinderatswahl das Kreuz an der richtigen Stelle macht, damit solche Dinge nicht mehr passieren.

Also dann Ende gut, alles gut. (Vielleicht nicht für Herrn Gehring, wohl aber für die Kinder und die halte ich für weitaus wichtiger.)

MfG

Cap
OZ24
am 04.12.2007 22:41:56 (84.183.182.xxx) Link Kommentar melden
Falls jemand die Sendung nicht gesehen hat kann er sie sich hier ansehen.


http://www.mdr.de...aylist.asx
Krieger
am 05.12.2007 07:27:13 (91.15.17.xxx) Link Kommentar melden
Guten Morgen, liebe Kämpfer! Herr Thurow, Sie brauchen sich wirklich nicht bedanken. Ich denke, es war für jeden eine Selbstverständlichkeit und es hat sich gelohnt. Nun packen wir es an, damit sowas nicht wieder passiert. Damit meine ich, dass keine so weittragenden Entscheidungen ohne die Betroffenen, sprich die Bürger, getroffen werden. Wir brauchen mal "frisches Blut" im Gemeinderat in Prittitz. Oder?

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