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Wirtschaft & Finanzen: Deutschland

Unrechtsbewußtsein?

Zigaretten für „lau“ und noch Geld dazu geschenkt

Zigarettenautomat © Anja Müller, pixelio
Zigarettenautomat © Anja Müller, pixelio
Manche Menschen haben seltsame Vorstellungen. Sie glauben zum Beispiel, es wäre nicht nur moralisch in Ordnung, sondern auch mit Recht und Gesetz vereinbar, wenn sie etwas kaufen, aber dafür nicht bezahlen. Geschieht so etwas in einem Verkaufsgeschäft, so nennt man es Ladendiebstahl. Dafür kommt man vor den Kadi und erhält außerdem auch noch Hausverbot für das betreffende Ladengeschäft.

Aber wenn das nun am Arbeitsplatz stattfindet? Und wenn es sich um Zigarettenautomaten handelt? Der konkrete Fall geschah im nordhessischen Baunatal, im dortigen VW-Werk. An zweien der dort aufgestellten Zigarettenautomaten gab es einen technischen Defekt, dadurch konnten die VW-Mitarbeiter nicht nur umsonst Zigaretten ziehen, sondern bekamen auf ihre Karte zusätzlich zu den Zigaretten auch noch Geld aufgebucht. Mit dieser Karte konnten die Beschäftigten in Kantine und am Kiosk Mahlzeiten oder Süßigkeiten bezahlen.

Also: Zigaretten „kaufen“ ohne zu bezahlen, dafür aber noch bezahlt werden, das hört sich doch gut an, ist aber nur auf den ersten Blick ein wirklich vorteilhaftes Geschäft. Zum einen wurden die Käufer natürlich gespeichert, man konnte also sehen, wer wann was „gekauft“ und dafür eine falsche „Gutschrift“ von bis zu 12 Euro pro Transaktion bekommen hatte. Zum andern fällt es natürlich schwer, einem Mitarbeiter zu glauben, er habe das auch beim zehnten, fünfzigsten oder hundertsten Mal nicht gemerkt. - Denn das war die Schadenssumme in den Extremfällen: 1.200 Euro haben manche Mitarbeiter so „dazuverdient“, insgesamt haben 300 Mitarbeiter von VW, von Tochtergesellschaften oder Fremdfirmen diese technische Panne genutzt, zwei ganze Monate lang.

Die Staatsanwaltschaft findet, das sei einige Ermittlungsverfahren wegen Vermögensdelikten wert, landläufig nennt man das auch Betrug oder unerlaubte Bereicherung. Für bisher sechzehn Mitarbeiter gab es fristlose Kündigungen. Völlig zu recht. Der Arbeitgeber, hier also VW, wurde bewußt und vorsätzlich betrogen; VW kauft die Waren in Kommission an und verkauft sie weiter, der Schaden liegt also beim Arbeitgeber. Die vordem Arbeitsgericht vorgebrachten Ausflüchte, man habe das nicht gemerkt beim Zigarettenkauf, sind unglaubwürdig. Auch der etwas billige Gegenangriff, der Automatenbetreiber sei ja selbst schuld, wenn er seine Automaten technisch nicht warte und gegebenenfalls repariere, sowie wenn er seine Abrechnungen nicht prüfe, sind reine Schutzbehauptungen. Diese sollen nur ablenken von der Verantwortung, die jeder Mensch für sein eigenes Handeln hat.

Das Schlimmste ist jedoch, wie gering bei vielen Menschen das Unrechtsbewußtsein ausgeprägt ist. Anzunehmen, so etwas ginge schon „in Ordnung“, ist ein deutliches Anzeichen eines völlig unterentwickelten Sozialverhaltens und gänzlich fehlender moralischer Maßstäbe. Ein normal entwickelter Mensch hätte den Betreiber des Automatens informiert über die technische Störung – ob er das aus hohem moralischen Bewußtsein heraus gemacht hätte oder aus Angst vor Strafe, spielt dabei gar keine Rolle. Auch ohne Abitur und ohne Ethikunterricht in der Schule kann man darauf kommen: dies wäre das einzig Richtige gewesen.

Eigentlich weiß das jeder. Bitter für diejenigen, die nun ihren Arbeitsplatz verlieren wegen ein paar Euro, die sie einsparen wollten. Vielleicht aber lernen sie daraus, wer weiß?

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Schlüsselwörter: VW | Baunatal | Zigaretten | Betrug | fristlose Kündigung
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Kommentare

286
am 24.04.2010 18:20:24 (141.76.45.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 26.04.2010 11:48:56.
357
am 24.04.2010 20:05:37 (80.237.152.xxx) Link Kommentar melden
Ich denke, das ist die zentrale Botschaft:
Ein normal entwickelter Mensch hätte den Betreiber des Automaten informiert über die technische Störung – ob er das aus hohem moralischen Bewußtsein heraus gemacht hätte oder aus Angst vor Strafe, spielt dabei gar keine Rolle. Auch ohne Abitur und ohne Ethikunterricht in der Schule kann man darauf kommen: dies wäre das einzig Richtige gewesen.
334
am 25.04.2010 18:47:28 (80.187.106.xxx) Link Kommentar melden
Ein normal entwickelter Mensch hätte den Betreiber des Automatens informiert über die technische Störung – ob er das aus hohem moralischen Bewußtsein heraus gemacht hätte oder aus Angst vor Strafe, spielt dabei gar keine Rolle.

Das lief wohlganz anders ab. Der Erste der das merkte, flüsterterte gleich seinem Kollegen in Öhrchen, dass es da Zigaretten umsonst gäbe und noch ein Gutschein dazu. Nun kommt ein anderer "Ehrenkodex" ins Spiel. Man kann doch den Automatenbetreiber nicht informieren und den Kollegen die günstigen Zigaretten vorenthalten.
286
am 26.04.2010 06:27:32 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
survival of the fittest Wink
288
am 26.04.2010 08:43:22 (217.168.9.xxx) Link
Dieser Kommentar wurde auf Grund eines Verstoßes gegen die Kommentarregeln von einem Moderator gelöscht.
  • Gelöscht von OZ24 am 26.04.2010 11:52:14.
357
am 01.05.2010 08:48:10 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
Der Gang zum Arbeitsgericht erfolgte wohl mit dem Argument, man hab nicht wissen können, dass die Zigaretten vom Arbeitgeber eingekauft wurden. Dass deshalb also kein Vertrauensbruch innerhalb des Arbeitsverhältnisses vorliegen würde.
334
am 01.05.2010 09:16:08 (80.187.103.xxx) Link Kommentar melden
Emanuel Speh hat Folgendes geschrieben:
Der Gang zum Arbeitsgericht erfolgte wohl mit dem Argument, man hab nicht wissen können, dass die Zigaretten vom Arbeitgeber eingekauft wurden. Dass deshalb also kein Vertrauensbruch innerhalb des Arbeitsverhältnisses vorliegen würde.

Das ist korrekt, denn hätte der Arbeitgeber nicht die Zigaretten in Kommission angekauft, wäre er nicht unmittelbar betroffen.. Das Argument erledigt sich aber von selbst durch die Gutscheine für die Kantine, welche ganz eindeutig dem Arbeitgeber gehört und über dieseGutschriften waren auch der Stolperstein. Da sieht man mal, wie dumm und habgierig die Mitarbeiter bei VW sind. Hätten sie sich mit den Zigaretten zufrieden gegeben und nicht die Gutscheine eingelöst, wären die Täter schwirig oder gar nicht ermittelbar gewesen.
Wer zuviel verlangt, bekommt gar nichts.Sad
266
am 01.05.2010 15:24:21 (95.222.194.xxx) Link Kommentar melden
Gier und Dummheit sind eine üble Mischung, da halte ich es mit Dorota, man darf das ruhig darwinistisch sehen. Wer sich den Ast absägt, auf dem er sitzt, der saß offenbar zu bequem.
357
am 01.05.2010 21:07:32 (84.19.169.xxx) Link Kommentar melden
@Das_Gewissen, dieses Detail (Gutscheine) war mir noch gar nicht bekannt.
334
am 01.05.2010 21:18:18 (80.187.106.xxx) Link Kommentar melden
Also: Zigaretten „kaufen“ ohne zu bezahlen, dafür aber noch bezahlt werden, das hört sich doch gut an, ist aber nur auf den ersten Blick ein wirklich vorteilhaftes Geschäft. Zum einen wurden die Käufer natürlich gespeichert, man konnte also sehen, wer wann was „gekauft“ und dafür eine falsche „Gutschrift“ von bis zu 12 Euro pro Transaktion bekommen hatte.

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