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"Kommentare schreiben" - eine kleine Anleitung für Anfänger (3)

Warum hat der eine mühelos das gelernt, was ein anderer nie begreifen wird?

Wo gehobelt wird...
Wo gehobelt wird...
Im Prinzip gibt es eigentlich gar nicht so viele Möglichkeiten, Kommentare zu schreiben. Dies erleichtert die Sache natürlich ungemein. Man muß nur klären, ob man in einen Dialog eintritt, ob es also eine Antwort ist, die ihrerseits wieder Antworten des Autors oder anderer Kommentatoren auslöst, oder ob es, wie zu internetlosen Zeiten bei Zeitungen üblich, eine einmalige Stellungnahme des Lesers ist oder sein soll, ob der Kommentar daher eher als eine Art Leserbrief anzusehen ist. – Handelt es sich also wie beim Leserbrief um eine Eintagsfliege, dann sollte man sich den Aufbau und den Inhalt genauestens überlegen, mangels Korrektur- oder Ergänzungsmöglichkeit; handelt es sich dagegen um den Beginn eines Dialoges, dann ist es allenfalls von Bedeutung, bereits am Anfang über das Ende nachzudenken: wann, wie und bei welchem Ereignis steigt man aus der Diskussion wieder aus? Ist dies entschieden, hat man die freie Wahl zwischen

  1. eher sachlichen Ergänzungen,
  2. mehr persönlichen Anmerkungen (keine Angriffe!) zum Autor selbst – das bietet sich insbesondere bei Verschwörungstheoretikern, falschen Patres oder vorbestraften Weltverbesserern an – und
  3. harmlosen oder naiv scheinenden sachlichen Nachfragen zum Thema oder zu den Thesen an; denn manch einer, der vollmundig Behauptungen in den Raum wirft und dazu lockere Hochrechnungen anstellt, hat leider bereits bei den vier Grundrechnungsarten unheilbare Defizite, geschweige denn, daß er zu Statistik, Differential oder Integral treffsichere Aussagen machen könnte...

Hat man diese Vorüberlegung geklärt, dann ist die Sache mit dem Kommentar kinderleicht. Was wiederum allein deswegen wichtig ist, weil jeder Hansel sich bemüßigt fühlt, sich im Internet zu verewigen. Jeder Hauptschul-Abbrecher kann, bestärkt durch eine vermeintliche Anonymität, zu jedem Thema seinen Senf dazugeben, je weniger Ahnung er vom Thema hat, desto leidenschaftlicher; das Schlimme dabei ist: er kann es nicht nur, er macht es auch! – Jeder Unfug, jeder unausgereifte Gedanke, jeder unter übermäßiger Einwirkung von Adrenalin, Testosteron oder Alkohol entstandene flatus cerebralis – landläufig auch als „Hirnblähung“ bezeichnet – wird für die Ewigkeit und für die ganze Welt lesbar festgeschrieben. Als Autor kann man das natürlich nutzen, um zu pro-vozieren, das Verdeckte zum Vorschein zu bringen, das Verheimlichte hervorzulocken... – denn pro-vozieren, also herausrufen, kann man logischerweise ohnehin nur das, was da ist. Nicht der Provokateur ist also schuld an den meist peinlichen Entgleisungen derer, die er nur entlarvt hat, sondern die Provozierten selbst sind verantwortlich für ihre Äußerungen...

Bleibt die Frage, wieso manche Leser und Kommentatoren dies alles nicht vor Abfassung ihres Kommentars durchdenken, im Hinblick vor allem auf die gewünschte Wirkung beim Publikum, insbesondere aber als Dienstleister bei der Belustigung oder Zerstreuung des Lesers. Wieso tanzt da mancher mit einem Krückstock irgendwelche komplizierten Pirouetten? – Die Ursache ist so schwer nicht auszumachen, es muß übrigens nicht immer mangelnde Intelligenz oder fehlende Bildung sein. In aller Regel haben vor allem Kleingeister erhebliche Probleme, über den Tellerrand ihrer kleinen beschränkten Welt hinauszusehen. Das bedeutet, daß speziell Ideologen und Missionare hier einfach überfordert sind, ganz egal, welchem -ismus sie hauptberuflich – oder in Vollzeit als Hartz-IV-Genießer – frönen.

Nach den persönlichen Erfahrungen des Verfassers ist derzeit – gerade in Deutschland – jegliche Form des verschwörungstheoretischen Deppentums en vogue, außerdem gehören auch Grüne, Christen, Tierschützer und SED-/PDS-Anhänger zu den besonders gefährdeten Gruppen. Also alle die, die sich mehr Macht und Einfluß wünschen als sie derzeit haben, die jedoch gleichzeitig zu den Verlierern der Weltgeschichte gehören, was manche langweilige rhetorische Missionarsstellung erklären dürfte. Wenn Vogel- oder Schweinegrippe gerade abgelutscht sind, erinnert man sich halt mal wieder an Gaza oder an die „Protokolle der Weisen von Zion“. Oder man heult ein bißchen über den Gegenwind für integrationsunwillige oder -unfähige Türken und Araber in Deutschland.

Ebenso infiziert wie die Verschwörungsfuzzis sind eindeutig die arabomanen und pallophilen Mohammed-Freunde, die bei jeder unpassenden Gelegenheit ihre antisemitische Sülze erbrechen, ob es zum Thema paßt oder nicht. – Wer solche Kommentatoren anzieht wie das Licht die Motten, dem ist der lang anhaltende Internet-Spaß garantiert. Denn ein Spaß ist es so oder so, dafür sorgen selbst formal halbwegs Gebildete wie zum Beispiel der Dr. jur. Eisenhart von Loeper. Das ist kein Künstlername, der Mann heißt wirklich so. Dafür kann er nichts; doch für den Schwachsinn, den er als selbsternannter „Tierschützer“ so verzapft, für den ist er haftbar. Auch er gehört zu den Menschen, die als faschistoide Messiase die Welt und und vor allem die Tiere vor den Menschen retten wollen... – und an ihm kann man sehr schön demonstrieren: diese Leute glauben tatsächlich an den erbärmlichen Unfug, den sie von sich geben.

Aber das ist wieder eine ganz andere Geschichte, diesen Burschen knöpf' ich mir ein andermal vor. Allein sein hetzerischer youtube-Müll ist eine Schande für einen bundesrepublikanischen Akademiker, soviel Gestotter erlebt man selten am Stück.

  • Bildnachweis:
„Wo gehobelt wird...“ by birgitH / pixelio.de #472614

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Kommentare

Zeljko Jelic
am 17.10.2011 07:26:38 (82.195.234.xxx) Link Kommentar melden
... ist derzeit – gerade in Deutschland – jegliche Form des verschwörungstheoretischen Deppentums en vogue, außerdem gehören auch Grüne, Christen, Tierschützer und SED-/PDS-Anhänger zu den besonders gefährdeten Gruppen. Also alle die, die sich mehr Macht und Einfluß wünschen als sie derzeit haben, die jedoch gleichzeitig zu den Verlierern der Weltgeschichte gehören, was manche langweilige rhetorische Missionarsstellung erklären dürfte.
Früher haben Menschen einfach Leserbriefe mit der Schreibmaschine geschrieben, damit konnte man sogar ins Guiness-Buch der Rekorde kommen. Heute geht es einfach schneller und mühelos, man kann dieselben Formulierungen seines Missionseifers per Knopfdruck bei 100 Zeitungen gleichzeitig veröffentlichen. Das verlockt manche, mehr Quantität als Qualität zu produzieren.
kommt123
am 24.10.2011 13:05:55 (85.179.234.xxx) Link Kommentar melden
Zeljko Jelic
Früher haben Menschen einfach Leserbriefe mit der Schreibmaschine geschrieben, damit konnte man sogar ins Guiness-Buch der Rekorde kommen. Heute geht es einfach schneller und mühelos, man kann dieselben Formulierungen seines Missionseifers per Knopfdruck bei 100 Zeitungen gleichzeitig veröffentlichen. Das verlockt manche, mehr Quantität als Qualität zu produzieren.


Das Verlangen nach angenehmen sozialen Beziehungen ist ein Grundbedürfnis des Menschen.

Lernpsychologie und auch die Gruppendynamik haben uns gelehrt, wie bedeutsam angstfreie soziale Kontakte, wie wichtig eine gute Kommunikation für die Beziehungen und das Leistungsvermögen innerhalb von Gruppen sind.

Kommunikation kann in vereinfachter, aber recht prägnanter Form verstanden werden als das Insgesamt aller Aktionen, Reaktionen und Interaktionen, durch die Menschen über das Medium der Sprache (verbal), oder über das Medium der Gestik, Mimik, Bewegung, Handlung (nonverbal) mit anderen Menschen in Wechselbeziehung treten.

Informationen senden und empfangen und sich im Netzwerk dieser Wechselbeziehungen bestätigen und verändern.

Probleme in der Kommunikation sind auch hier nicht losgelöst von Machtfragen, Konflikten, Verzerrungen und Vorurteilen.

Bewusstes und Unbewusstes vernunftbezogene und gefühlsmäßige Reaktionen bestimmen, wie überall, die Verhaltensabläufe.

Eine Kommunikation ist nicht frei von Vorurteilen, denn man lebt auch nicht frei von Vorurteilen. Unter Umständen kann sich aus dem Grund ein Misstrauen gegen den anderen entwickeln, so dass man in Prestigekonflikte geraten kann.

Und zwar besonders dann, wenn die eigene Meinung auf Widerstand stößt. Ebenso ist zu erkennen: Gute Kommunikation herzustellen kann niemals die Aufgabe oder Leistung einer einzelnen Person sein.

Kommunikation als gegenpoliges Geschehen zwischen Menschen vermag nur durch die bemühte Beteiligung aller wirksam zu werden.

Denn schließlich sollten neben einem Problembewusstsein. Phantasieaktivität, die Geselligkeit einen hohen Stellenwert einnehmen.

Ob im Netz, begleitet durch Emoticons, oder in der Realwelt, bei einem Glas Wein.

Kommunikation ist alles, kann aber auch nichts sein, das liegt an uns allen …

Wink
Zeljko Jelic
am 02.11.2011 10:29:35 (82.195.234.xxx) Link Kommentar melden
... – denn pro-vozieren, also herausrufen, kann man logischerweise ohnehin nur das, was da ist. Nicht der Provokateur ist also schuld an den meist peinlichen Entgleisungen derer, die er nur entlarvt hat, sondern die Provozierten selbst sind verantwortlich für ihre Äußerungen...
So habe ich das noch gar nicht gesehen, hört sich aber überzeugend an.
kommt123
am 02.11.2011 13:14:49 (85.179.234.xxx) Link Kommentar melden
Dem kann ich nur zustimmen.

(Auszug aus dem Artikel)
Jeder Hauptschul-Abbrecher kann, bestärkt durch eine vermeintliche Anonymität, zu jedem Thema seinen Senf dazugeben, je weniger Ahnung er vom Thema hat, desto leidenschaftlicher; das Schlimme dabei ist: er kann es nicht nur, er macht es auch!


Sogar die veröffentlichte Einkaufsliste führt zu Machtfantasien grenzenlosen Erfolges.

(Auszug aus dem Artikel)
wann, wie und bei welchem Ereignis steigt man aus der Diskussion wieder aus?


Oder man lenkt die Diskussion in andere Bahnen. Dann haben sie zwei Knochen, die sich sich holen können - wenn sie geschickt sind ...

Also, um es zu verdeutlichen: Einer ist der "Gamer", der wirft die Knochen, der andere ist der "Faker", er versucht sich den Knochen zu holen.

Rennt ihm atemlos hinterher, bekommt ihn aber nicht zu fassen. Und das macht den Faker verwundbar ...

Grin
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