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Technik: Luft- und Raumfahrt

Heute vor 100 Jahren (20): Das Luftschiff Z II (LZ 5) strandet bei Weilburg

25.04.1910 - Kritiken an Entscheidungen – Hätte das Unglück verhindert werden können?

Luftschiff LZ 2.
Luftschiff LZ 2.
Wer kennt es nicht, das Sprichwort „Im April, da macht das Wetter was es will“. Und tatsächlich, von Sonnenschein mit Temperaturen deutlich über 20 Grad bis hin zum Schneefall ist alles möglich. Und richtig ungemütlich, weil ziemlich stürmisch, war es auch heute vor 100 Jahren – am 25. April 1910.

Knapp ein Jahr zuvor, am 26. Mai 1909, hatte der ursprünglich als ziviles Luftfahrtschiff gebaute Zeppelin LZ 5 seine Jungfernfahrt durchgeführt. Wenige Tage später machte es eine 38stündige Rekorddauerfahrt über eine Strecke von 1.194 Kilometern und landete auf dem Rückflug in der Nähe von Göppingen. Bei der Landung wurde der LZ 5 schwer beschädigt, konnte nach einer Notreparatur jedoch seinen Flug zum Heimathafen Manzell fortsetzen.

Am 5. August 1909 wurde der LZ 5 vom Heer übernommen und bekam die Kennzeichnung Z II. Am 22. April 1910 fand in Bad Homburg auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II. eine Parade statt, an der auch drei Luftschiffe teilnahmen, darunter auch das Luftschiff Z II. Eines der Luftschiffe wurde demontiert und per Bahn zurückgebracht, während die beiden anderen (P II und Z II) zurückfliegen sollten. Die ursprünglichen Starttermine mussten jedoch wegen der schlechten Wetterlage verschoben werden. Schließlich startete der P II am Abend des 23. April 19010 gegen 19.00 Uhr zum Rückflug nach Köln. Der Z II sollte am Folgetag abfliegen. Das geschah dann auch gegen 8.00 Uhr am Morgen des 24. April unter dem Kommando von Hauptmann von Jena und seiner 28 Mann starken Besatzung.

Da sich das Wetter wieder deutlich verschlechtert hatte und starker Wind aufkam, musste Z II in der Nähe von Rüdesheim von seinem Kurs abweichen und schließlich am frühen Nachmittag südlich von Limburg landen. Der Zeppelin wurde mit Stahlseilen verankert und sollte am Folgetag seinen Flug fortsetzen. Das Wetter blieb unbeständig und nach zeitweiliger Besserung hatte die Windstärke am Morgen des 25. April 1910 wieder stark zugenommen. So wurden rund 100 Soldaten des in Diez stationierten 160. Infanterieregiments angefordert, die das Luftschiff mit weiteren Stahlseilen sicherten.

Doch alles konnte das bevorstehende Unglück nicht verhindern. Das Ende von Z II begann mit einer extrem starken Windböe, die das Luftschiff gegen 13.00 Uhr am Mittag erfasste und von der Verankerung losriss. Da waren auch die Soldaten machtlos. Der Zeppelin wurde buchstäblich zum Spielball der Naturgewalten und abgetrieben. Bei seinem führerlosen Flug streifte er die Baumkronen, wurde im Wind gedreht und tauchte einmal sogar mit seiner Spitze ins Wasser der Lahn. Schließlich wurde er mit der Breitseite gegen die Felsen des Webersbergs bei Weilburg getrieben. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Der Z II wurde jedoch restlos zerstört. Unmittelbar nach der Strandung wurde mit den Sicherungs- und Aufräumarbeiten durch die Feuerwehr und die in Weilburg stationierten Unteroffiziersschüler begonnen. Noch im Laufe des Nachmittags kam ein Sonderzug mit weiteren Militärangehörigen, die die Aufräumarbeiten übernahmen.

An der Unglücksstelle wurde am 24. April 1985, dem 75. Jahrestag der Z II-Landung, bei Weilburg eine Gedenktafel von Isa von Brandstein-Zeppelin, der Enkelin von Graf Zeppelin, enthüllt. Neben einer stilisierten Abbildung des Luftschiffes enthält sie den Text: „Zur Erinnerung an die Zwischenlandung des Luftschiffes Z II am 24. – 25. April 1910.“

Zum Unglück verfasste der frühere Journalist und spätere Nachfolger von Graf Zeppelin, Dr. Hugo Eckener, einen Bericht, der in der Frankfurter Zeitung vom 27. April 1910 erschien. Darin macht er auf etliche Fehlentscheidungen aufmerksam, die schließlich zur Katastrophe führten. So fragt er beispielsweise, warum Z II nicht auch schon am Abend des 23. April gestartet ist, als das Wetter gegenüber dem Folgemorgen deutlich besser war.

„… Nicht ganz glücklich scheint es uns auch zu sein, wenn nun das so in ein vielleicht recht schweres Ungewisse steuernde Fahrzeug an Bord der Vordergondel außer dem Führer und dem Fahringenieur und zwei Chauffeuren nur zwei Generalstabsoffiziere als Passagiere, aber keine mit dem Schiff vertrauten Steuerleute hatte, wie es sonst doch üblich ist. Dazu kommt, dass der Führer, Hauptmann v. Jena, schwerlich als routinierter Führer grade des Z-Schiffes gelten kann, da er überhaupt nur wenige Fahrten mit ihm vor einer ganzen Reihe von Monaten und nie eine unter außergewöhnlichen Verhältnissen gemacht hat. Wozu sind denn die mit dem Schiff vertrauten Offiziere da, wenn nicht für solche schwierigen Fälle? ...“

Auszug aus dem Bericht von Dr. Hugo Eckener, Frankfurter Zeitung vom 27. April 1910 (Nachmittagsausgabe).

Aber nicht nur in Deutschland beherrschten am 25. April 1910 Sturmböen das Wettergeschehen. Auch die Briten verloren durch einen Sturm an diesem Tag ihr lenkbares Militärluftschiff II a im Bereich von Farnborough…

Fotolegende: Das Luftschiff LZ 2 – ein Vorläufer der LZ 5 (Z II). Foto: Wikipedia, gemeinfrei.

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Schlüsselwörter: Luftschiff | Zeppelin | LZ 5 | Z II | Weilburg | Hauptmann von Jena
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