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Der kleine Unterschied

Witze und „Witze“

Witze und „Witze“...
Witze und „Witze“...
Judenwitz oder jüdischer Witz, meine Güte, ist denn da überhaupt ein Unterschied?“ – Solche oder ähnliche Fragen werden immer wieder gestellt, was eigentlich ja erstaunlich ist, kennt doch jeder in aller Regel einige klassische Beispiele für beide Erscheinungen, die miteinander übrigens nicht das geringste zu tun haben.

Denn an sich es ist nämlich wirklich nicht schwer, es ist eher sogar ausgesprochen einfach zu unterscheiden, nämlich über den Ursprung und das Motiv des Witzes:

  • der jüdische Witz ist derjenige Witz, der aus der jüdischen Kultur und Geschichte entsprungen ist,
  • der „Judenwitz“ ist der Witz, den der Antisemit über Juden macht

Diesen „Judenwitz“ gibt es heutzutage im deutschsprachigen Raum so gut wie nur bei Neonazis und sind auf den entsprechenden Internetseiten zu finden, die aus naheliegenden Gründen meist in den USA oder Kanada gehostet werden. Unter ihnen sind etliche, die sich über Auschwitz, Gaskammern und Verbrennungsöfen auslassen. Gelegentlich werden solche „Judenwitze“ jedoch auch von Nachplapperern erzählt, die sich ihrer Sprache und deren Wirkung meist nicht bewußt sind. – Problematischer als diese eklige Kategorie von Witzen, die keine sind, wirken die gängigen Stereotype über Juden, die nicht aus der Welt zu schaffen sind und denen man somit am besten mit – ja, ganz richtig: jüdischem Humor – begegnet. Die junge Schriftstellerin Lena Gorelik aus München, geboren 1981 in Sankt Petersburg, aus Rußland geflohen und seit 1992 in Deutschland, völlig integriert natürlich, hat das einmal exemplarisch vorgemacht, mit jüdischem Humor selbstverständlich:

Jung und jüdisch – Lena Gorelik
Jung und jüdisch – Lena Gorelik
«Juden sind Wucherer!»

Die Schriftstellerin Lena Gorelik überprüft übliche antisemitische Vorurteile – an sich selbst.

  • Juden haben HakennasenGrundsätzlich gilt: Alles, worüber Juden Witze machen, trifft zu. Meine Nase ist eindeutig zu lang. Kürzer zwar als die der meisten meiner Familienmitglieder, aber dennoch zu lang. Macht aber nichts, ich habe auch abstehende Elefantenohren, die meine Nase wunderbar ergänzen.
  • Juden haben GlatzenWas soll ich sagen? Mein Vater hat eine Glatze. Er hatte schon immer eine Glatze, an seine Haarfarbe erinnere ich mich nicht. Mein Freund hat eine Glatze. Über die Glatze ist er trauriger als ich. Früher zählte er seine verbliebenen Haare. Nun rasiert er sich den Kopf, damit man die Glatze nicht als solche erkennt. Ich find’s nicht schlimm. Er ist doch Jude.
  • Juden haben viel GeldRothschilds Existenz will ich nicht leugnen. Leider Gottes ist er nicht mit mir verwandt (obwohl alle Juden irgendwie miteinander verwandt zu sein scheinen).
  • Juden sind WuchererDer «Judenzins» ist bekannt. Ich selbst verleihe eher Bücher als Geld. Die kriege ich nur selten zurück (weshalb ich dann Geld für neue Bücher ausgebe; ein Teufelskreis). Ich sinniere schon länger darüber, einen Bücherjudenzins einzuführen: Wer ein Buch zu spät zurückgibt oder mit dem Inhalt unzufrieden ist, muss den Bücherjudenzins zahlen. So käme ich zu Geld und könnte eine richtige Jüdin werden, die Geld verleiht zu Wucherpreisen. Die Welt wäre ein Stück weit mehr so, wie man sie sich vorstellt. Und ich hätte Geld und Bücher.
  • Juden haben eine problematische Beziehung zu ihrer MutterNein, natürlich nicht. Aber dann würde ich lügen. (Was Juden ja auch gern tun.) Also, jetzt mal jüdisch-ehrlich: Problematisch ist die Beziehung nicht. Aber sie, wie soll ich sagen, prägt den Alltag. «Wie hast du geschlafen? Hast du das gesunde Kopfkissen benutzt, das ich dir gestern geschickt habe? Was hast du gefrühstückt? Wie, du frühstückst nicht? Das ist die wichtigste Mahlzeit! Weisst du, wie kalt es werden soll? Nimm einen Schal. Jaja, ich leg ja schon auf!» Und das alles vor neun Uhr morgens. Aber problematisch? Nein, problematisch ist die Beziehung nicht.
  • Juden sind paranoidLeider. Nicht alle natürlich. Aber genug. Gründe gibt es dafür gute: der Holocaust, eigene antisemitische Erfahrungen. Dennoch: Es gibt Psychiater, es gibt die Psychoanalyse (von einem Juden erfunden), dort gehören solche Probleme hin. Nicht in die Öffentlichkeit mit einem erhobenen Finger. Vor allem nicht, wenn es heisst: «Wenn man sich diesen Satz anschaut, dieses Wort nach vorne verschiebt und das Satzende umformuliert, dann ist es doch ganz klar ein antisemitischer Artikel!»
  • Juden sind schlauer als andereSchach spielen konnte ich mit drei, lesen mit vier Jahren. An meiner Intelligenz liegt das nicht – etwas anderes hätte ich meinem Vater nicht antun können. So wie sportverrückte Väter in US-Filmen von ihren Söhnen erwarten, dass sie Football spielen, und nicht damit umgehen können, wenn sie lieber Ballett tanzen, so ist es für jüdische Eltern unvorstellbar, dass das Kind keine Leseratte ist, wie sie, ihre Eltern, Gross- und Urgrosseltern es gewesen sind.
  • Juden sind hinterlistig und gerissenGerissen schon. Hinterlistig nicht. Gerissen mussten die Juden sein, um zu überleben. Weil es oft um Leben und Tod ging – oder um den Alltag. «Ich hätte gerne das Fischbrötchen!» bestellt ein Jude. «Das ist aber Salami, nicht Fisch!» antwortet der Verkäufer. «Habe ich Sie gefragt, wie der Fisch heisst?» Gerissen schon. Hinterlistig nicht.
  • Juden klüngeln«Das ist einer von uns», sagt mein Vater, wenn er jemanden etwas Kluges im Fernsehen sagen hört. Auch auf hebräisch ist «jemand von uns» ein gängiger Begriff. So eine Art grosse Familie, ein Zusammengehörigkeitsgefühl über Landesgrenzen hinweg. Weil Jüdischsein verbindet. Warum, wissen wir selbst nicht genau. Heutzutage bezeichnen manche das als «Judenlobby». So nennt das aber «keiner von uns».
  • Juden regieren die WeltIm jüdischen Zentrum in München wird auf der in Stein gemeisselten Donatorenliste für den Synagogenbau auch ein gewisser Israel Singer geführt, der als ehemaliger Präsident des Jüdischen Weltkongresses Holocaust-Gelder hinterzogen hatte. Was aber Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden, nicht weiter stört. Wenn man etwas Grosses schaffen will (etwa den Aufbau einer jüdischen Weltregierung), muss man über Kleinigkeiten hinwegsehen. Leider dürfen bei der Weltverschwörung nur auserwählte Juden mitmachen. Mich laden sie nicht dazu ein.
  • Juden sind inzestgefährdeter als andereNun, wer so gute Filme macht wie Woody Allen, darf heiraten, wen er will.

Anne Frank
Anne Frank
«Grundsätzlich gilt: Alles, worüber Juden Witze machen, trifft zu.»

Lena Gorelik, 26, Schriftstellerin.

Das ist doch wirklich nicht so schwer auseinanderzuhalten, oder? Übrigens, bevor Sie jetzt in Versuchung kommen, sich an jüdischen Witzen zu versuchen... – überlassen Sie das besser einem Juden. Der kennt viel mehr (und vor allem bessere) jüdische Witze als Sie, und außerdem kann er sie auch noch viel besser erzählen. Drittens braucht man ihm auch nicht jedesmal aufs neue den Unterschied zu erklären!

Die Frage, ob „Türkenwitze“ dieselbe Qualität haben wie „Judenwitze“, ist umstritten; aus politischer Korrektheit gibt es gelegentlich hier Gleichsetzungen, vor allem durch islamophile Gutmenschen. Allerdings erscheint es bei näherer Betrachtung doch etwas plakativ, um nicht zu sagen falsch. Denn Witze über Türken, Holländer, Österreicher oder Ostfriesen haben nun einmal eine etwas andere Botschaft und vor allem eine ganz andere historische Verortung, sind somit eine eigene Kategorie. Anders gesagt: Türken heute in Deutschland sind ein Problem, Juden im Deutschland vor und nach Auschwitz waren noch nie ein Problem, eigentlich. Sie machten vor allem keine Probleme, Türken heute aber durchaus, das weiß man auch ohne Sarrazin...

Abschließend noch ein aktuelles Beispiel, das im Internet für viel Aufregung sorgte, der Leser mag selbst entscheiden, wie und wo er den Witz einordnet:

...stimmt die Aufzählung denn wirklich?
...stimmt die Aufzählung denn wirklich?
«Ein Taliban in Afghanistan war eines Tages von seiner Truppe getrennt worden. Er ging durch die Steppe, wurde immer durstiger und hungriger. Da sah er eine kleine Bretterbude, und er ging hoffnungsvoll darauf zu. Als er bei dem Häuschen ankam, begriff er, dass es ein Laden war, der einem jüdischen Händler gehörte. ‹Gib mir Wasser, ich brauche Wasser›, sagte der Taliban zu dem Juden. ‹Ich habe kein Wasser. Aber hätten Sie gerne eine Krawatte? Wir haben ein schönes Angebot an Krawatten heute.› Daraufhin wurde der Taliban wütend und brach in eine Schimpftirade aus gegen Israel, gegen Juden und gegen den Mann persönlich. Der Händler hörte sich alles ruhig an und sagte dann: ‹Es tut mir leid, daß ich kein Wasser für Sie habe. Ich vergebe Ihnen Ihre Beleidigungen gegen mein Land, meine Familie und mich. Ich werde Ihnen helfen. Gehen Sie dort über diesen Hügel, und Sie finden ein Restaurant, in dem es Wasser gibt, so viel Sie wollen.› Statt sich zu bedanken, ging der Taliban fluchend in die ihm angezeigte Richtung. Nach einer Stunde kehrte er zurück, blieb vor der Bretterbude stehen und sagte zu dem Juden: ‹Dein Bruder sagt mir, ich bräuchte eine Krawatte, um ins Restaurant zu kommen.›»

YouTube Video

  • Bildnachweis:
  • Screenshot (21.04.2010) von www.inidia.de/schlechter_witz.htm (Quelle nicht mehr zugänglich).
  • Lena Gorelik, screenshot aus NNN Folio.
  • Gedebkbriefmarke Anne Frank, Deutsche Bundespost, gemeinfrei.
  • Eigene Grafik.

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Schlüsselwörter: Rassismus | Türkenwitz | Judenwitz | General James Jones | jüdischer Humor | jiddisch | Lena Gorelik | Anne Frank
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Kommentare

286
am 22.11.2010 17:22:10 (141.76.45.xxx) Link Kommentar melden
Die junge Schriftstellerin Lena Gorelik aus München, geboren 1981 in Sankt Petersburg, aus Rußland geflohen und seit 1992 in Deutschland, völlig integriert natürlich,

Immer wieder dasselbe. Eine russische Jüdin kommt nach Deutschland und lernt perfekt die Sprache, wird sogar Schriftstellerin.

Bei Arabern und Türken eher selten. Sarrazin hat es beschrieben, warum das so ist.
266
am 22.11.2010 19:22:07 (91.214.168.xxx) Link Kommentar melden
Es kann ja eigentlich nur an der Kultur oder an den Genen liegen, oder? Wink
Kindergaertner
am 22.11.2010 19:42:02 (80.136.234.xxx) Link Kommentar melden
Was ist mit Fatih Akin, unserem Aushängeschild in der internationalen Filmszene.
Gibts einen vernünftigen russischstämmigen Filmemacher in Deutschland?
OZ24
am 23.11.2010 10:42:31 (93.222.7.xxx) Link Kommentar melden
Bitte etwas sachlicher argumentieren und weg von der Gendiskussion. Das hatten wir schon mal und das war nicht gut für Deutschland und die Welt!
Redaktion Tierschutz
am 23.11.2010 11:25:51 (90.168.241.xxx) Link Kommentar melden
@Dorota:

BILD: Haben wir Deutsche zu wenig darauf geachtet, wer zu uns kommt?

Schmidt: Wir haben gar nicht darauf geachtet, da liegt ja das Problem! Wir sind heute de facto ein Einwanderungsland, aber uns fehlen die Regeln dafür. Zum Beispiel haben wir Hunderttausende Menschen aus Osteuropa als Deutsche aufgenommen, weil sie mal eine deutsche Urgroßmutter hatten – unabhängig davon, was sie können oder leisten.


http://www.bild.d...razin.html

So hat halt jeder irgendwo seinen Sündenbock, den er verantwortlich macht für Fehlentwicklungen. Ich denke, man kann nicht sagen, das, was aus Russland kommt ist alles gut, während alles, was aus dem arabischen Kulturkreis kommt, alles schlecht ist.
Die Wahrheit liegt sicher irgendwo in der Mitte, und da sollten wir denn auch mit der Diskussion ansetzen.
Die "Guten" sollen kommen können, aber bitte ohne den Sozialstaat zu melken, die anderen sollen daheim bleiben, egal ob "Daheim" nun in Anatolien oder in Kasachstan liegt.
Kindergaertner
am 23.11.2010 18:58:16 (80.136.254.xxx) Link Kommentar melden
Gerade auch mit Russlanddeutschen hatten wir teilweise massive Probleme:
http://www.zeit.d...nddeutsche
Ich denke nicht, dass die Gene daran schuld sind. Da sind einfach viele nach Deutschlnd gekommen, weil sie dachten hier wäre alles toll und Arbeit gäbe es für alle. Sorry, aber da lobe ich mir die Türken, die unser Land mitaufgebaut haben. Das darf man doch nicht vergessen.
Kindergaertner
am 24.11.2010 17:00:25 (217.224.36.xxx) Link Kommentar melden
Welchen denn? Den einer religiösen Zugehörigkeit? Das ist doch schnuppe. Ob der eine nun koscher ist, oder der andere gen Mekka betet, alles Privatsache. Das sagt doch nichts über den Menschen.
Kindergaertner
am 24.11.2010 17:01:08 (217.224.36.xxx) Link Kommentar melden
Soll natürlich heissen: "...koscher isst, ...

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